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2.0.6 Tipp Kinder helfen Steuern sparen

Allgemeine Steuertipps

⇒   Kinder helfen Steuern sparen

Ein bewährtes Steuersparmodell besteht darin, Einkünfte im Wege der vorweggenommen Erbfolge den Kindern zuzuschanzen, wenn diese keine oder nur geringe Einkünfte haben. Der Steuervorteil besteht darin, dass der Steuerprogression die Spitze gebrochen wird. Bei den Kindern werden die zugeschanzten Einkünfte gar nicht oder weniger hoch besteuert.

Der Fiskus spielt aber nur mit, wenn die Einkunftsquelle, aus der die Einkünfte fließen, vorher übertragen wird, z. B.  im Wege der vorweggenommenen Erbfolge. Der schlichte Verzicht auf Einkünfte zugunsten der Kinder wird steuerlich nicht anerkannt.

♦   Formelle Voraussetzungen

Wenn ein Grundstück übertragen werden soll, ist der Gang zum Notar Pflicht. Die Unterschrift vor dem Notar soll vor voreiligen Entschlüssen schützen, denn Grundbesitz ist ein hohes Gut, das man nicht voreilig verschenken sollte.

Die Übertragung / Schenkung von Kapitalvermögen geht einfacher vonstatten. Dazu muss nur ein Depot zugunsten der Kinder eröffnet werden, auf das die Eltern nachher keinen Zugriff haben. Die Eltern dürfen später über die verschenkten Beträge nicht wie über eigenes Vermögen verfügen. "Schädlich" wäre es, wenn in dem Schenkungsvertrag eine Rückübertragungsklausel enthalten ist. Die depotführende Bank hat dazu entsprechende Formulare. 

Nebeneffekt: Ohne Steuerbelastung erhöht sich die Rendite aus dem übertragenen Vermögen.

Beispiel 1: Übertragung von Kapitalvermögen.

Anleger können Abgeltungssteuer sparen, indem sie z. B. ihren Kindern / Enkelkindern Kapitalvermögen übereignen. Hierdurch wird deren Sparer-Pauschbetrag und deren Grundfreibetrag ausgenutzt.

Auch den Kindern steht der Sparer-Pauschbetrag zu, wenn diese anschließend eigene Kapitalerträge haben. Sie als Eltern sparen jährlich 25 % von 801 € = 201 €, wenn Sie den Kindern Kapitalerträge in dieser Höhe zuschanzen.

Haben die Kinder darüber hinaus kein eigenes Einkommen, können Sie sogar noch deren Grundfreibetrag von 9.744 € (Wert für 2021) jährlich für Kapitalerträge nutzen. Bei einer Rendite von 4 % könnten Sie nach Adam Ries (801 € + 9.744 € = 10.545 € : 4 x 100 =) 263.625 €  Vermögen übertragen, ohne dass bei den Kindern Steuern anfallen.

Die Steuerersparnis wird auf zwei Wegen realisiert:

1. Die Bank hält bis zur Höhe des Sparer-Freibetrages von 801 € keine Abgeltungsteuer ein, wenn für das Kind der Bank ein Freistellungsauftrag erteilt wird.

2. Das Kind gibt eine Einkommensteuererklärung ab mit Anlage KAP und beantragt in der Anlage KAP die Günstigerprüfung. Das Finanzamt prüft, ob die Einkünfte den Grundfreibetrag übersteigen. Wenn nicht, wird die von der Bank einbehaltene Abgeltungsteuer erstattet, soweit sie auf Kapitalerträge bis zur Höhe des Grundfreibetrages von 9.744 € (Wert für 2021) entfällt.

Anlage KAP

Beispiel 2: Übertragung einer Immobilie

Steuerersparnisse können sich auch durch Übertragung von vermietetem Grundbesitz ergeben, z. B. einer vermieteten Wohnung. Die Mieteinkünfte, die daraufhin dem eigenen Kind zuzurechnen sind (§ 2 Abs. 1 Satz 1 EStG), bleiben bis zur Höhe des Grundfreibetrages von 9.744 € (Wert für 2021), steuerfrei und mindern gleichzeitig Ihre eigenen Einkünfte. Außerdem ist die Rendite aus dem Objekt brutto gleich netto.

Berechnungsbeispiel: Die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung aus einer für 100.000 € erworbenen Eigentumswohnung betragen 5.000 €. Die Rendite aus dieser Investition - vor Steuern - beträgt somit (5.000 € : 100.000 € x 100 =) 5 %. Beträgt Ihr persönlicher Steuersatz rd. 50 % (45 % plus Nebensteuern), bleiben 2.500 € netto übrig. Damit vermindert sich die Nettorendite nach Steuern auf (2.500 € : 100.000 € x 100 =) 2.5 %. Wenn Sie die Eigentumswohnung indessen auf Ihr Kind überschreiben lassen, das keine Steuern zahlt, bleibt der Familie die volle Rendite von 5 % erhalten.

♦   Kostenfrei in der Krankenversicherung vorrangig

Damit das Kind weiterhin in der gesetzlichen Krankenversicherung der Eltern mitversichert ist, darf das Gesamteinkommen des mitversicherten Kindes monatlich nicht höher als 553,33 Euro (Stand 2021) sein. Andernfalls muss für das Kind eine eigene Krankenversicherung abgeschlossen werden und das kann teuer werden.

♦  Wichtige Klauseln

Die Mieteinnahmen sollen vorrangig zum Unterhalt des Kindes / zur Finanzierung des Studiums des Kindes Verwendung finden.

Der Vertrag sollte Verfügungsbeschränkungen enthalten wie z. B. keine Veräußerung oder Belastung der Immobilie vor dem 30. Lebensjahr des Kindes. Denn die Erfahrung zeigt, dass erst im fortgeschrittenen Alter wichtige Entscheidungen mit Bedacht getroffen werden.

Der Vertrag sollte ferner die Klausel enthalten: Übertragung im Wege der vorweggenommenen Erbfolge.

Dadurch ist sichergestellt, dass das übertragene Vermögen bei Änderung der Verhältnisse ggfs. nicht in fremde Hände gelangt: Sollte nämlich die Erbberechtigung nachträglich wegfallen,  z. B. durch Tod des Begünstigten, besteht ein Anspruch auf Rückübertragung, weil kein Erbfall eingetreten ist.

Beispiel: Übertragung von Vermögen auf ein Kind des Steuerzahlers, das verheiratet ist. Stirbt das Kind vor dem Steuerzahler, kann dieser das Vermögen zurückverlangen. Das Vermögen gelangt nicht in die Erbmasse des verstorbenen Kindes.

Noch wichtiger ist diese Klausel bei Übertragung von Vermögen auf den Ehepartner: Wird die Ehe geschieden, ist der frühere Ehepartner nicht mehr erbberechtigt und die vorherige Vermögensübertragung ist ungültig.

ʘ 13.06.2021