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2.1.1 Tipp Zum Abschied eine Abfindung

Allgemeine Steuertipps 

⇒   Abfindung zum Abschied

Abfindungen sind steuerbegünstigt durch die sog. Fünftelregelung (§ 34 EStG). 

Anlage N

Bevor es in die Details geht eine kurze Vorbemerkung.

♦   Worum geht es?

Eine Abfindung ist eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, auf die es indessen keinen gesetzlichen Anspruch gibt, erst recht nicht auf eine bestimmte Höhe. Abfindung ist also Verhandlungssache. Zudem ist die gezahlte Abfindung auch noch steuerpflichtig. 

Die Abfindung soll für den Verlust des Arbeitsplatzes entschädigen und mögliche Verdienstausfälle ausgleichen. Die Höhe der Abfindung richtet sich somit nach der Höhe der Bezüge und der Dauer Betriebszugehörigkeit. 

Die Abfindung kann in einem Sozialplan vereinbart sein. Vielfach wird in einem  Kündigungsschreiben des Arbeitgebers bereits eine Abfindung angeboten für den Fall, dass der Arbeitnehmer nicht gegen die Kündigung klagt.

Nicht unbedingt falsch ist, bei einer anstehenden Beendigung des Arbeitsverhältnisses einen Anwalt für Arbeitsrecht zu konsultieren. Schon die Ankündigung bewirkt oft, dass der Arbeitgeber sein Angebot erhöht. Der Anwalt klärt Sie über Ihre Rechte auf und verhandelt professioneller als Sie es vielleicht vermögen. Die Anwaltskosten sind als Werbungskosten abzugsfähig, weil beruflich veranlasst (§ 9 EStG).

♦   Fünftelregelung

Abfindungen sind in voller Höhe steuerpflichtiger Arbeitslohn, also nichts anderes als eine normale Lohnzahlung. Allerdings wird eine Abfindung nicht regelmäßig gezahlt und gehört deswegen zu den außerordentlichen Einkünften. Außerordentliche Einkünfte können durch die sog. Fünftelregelung steuerbegünstigt sein (§ 34 EStG). Diese Regelung setzt voraus, dass sich durch die Abfindung Einnahmen zusammenballen, indem die Abfindung in einer Summe gezahlt wird. In dem oa. BFH-Urteil lässt der BFH aber auch für die Inanspruchnahme der Fünftelregelung eine Zahlung in zwei Teilbeträgen in zwei verschiedenen Jahren zu.

Fünftelregelung bedeutet: Die Abfindung wird nur mit einem Fünftel angesetzt und die Steuer, die auf dieses Fünftel entfällt, wird anschließend verfünffacht. Durch die Fünftelregelung tritt eine abgemilderte Progression ein.

Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Fünftelregelung< eintragen.

♦   Abfindung ins nächste Jahr verschieben

Eine Abfindung als Einmalzahlung erhöht die Steuerprogression. Diesen Nachteil soll die sog. Fünftelregelung lindern. Sie können aber noch etwas zusätzlich deichseln.

Wenn eine Abfindung z. B. wegen Auflösung des Arbeitsverhältnisses zusteht, kann es günstiger sein, sich die Abfindung erst im nächsten Jahr auszahlen zu lassen, wenn im nächsten Jahr mit einem geringeren Einkommen gerechnet werden muss.

Eine solche Regelung ist möglich, weil eine Abfindung nicht zum laufenden Arbeitslohn gehört. Denn laufender Arbeitslohn ist, unabhängig vom Zufluss, in dem Jahr zu versteuern, in dem der Lohnzahlungszeitraum (z. B. Monat) endet.  

  • Zufluss der Abfindung

Laufender Arbeitslohn ist - dem Zu- und Abflussprinzip entgegengesetzt - in dem Kalenderjahr zu versteuern, in dem der Lohnzahlungszeitraum endet (§ 38a Abs. 1 Satz 2 EStG).

Eine - einmalige - Abfindung gehört indessen nicht zum laufenden Arbeitslohn, vielmehr zu den sonstigen Bezügen. Für letztere gilt das Zuflussprinzip. Sie können also mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass die Abfindung erst im nächsten Jahr gezahlt und auch dann erst versteuert wird.

Dazu hat der BFH seinen Segen gegeben: Arbeitgeber und Arbeitnehmer können den Zeitpunkt des Zuflusses einer Abfindung oder eines Teilbetrags einer solchen beim Arbeitnehmer in der Weise steuerwirksam gestalten, dass sie deren ursprünglich vorgesehene Fälligkeit vor ihrem Eintritt auf einen späteren Zeitpunkt verschieben (BFH Urteil vom 11.11.2009 – BStBl 2010 II S. 746). Zahlung eines Teilbetrages bedeutet, dass die Abfindung auch in zwei Teilbeträgen in zwei verschiedenen Jahren gezahlt werden kann.

  • Einnahmen aus Gründen sozialer Fürsorge

Werden aber zusätzliche Entschädigungsleistungen, die Teil einer einheitlichen Entschädigung sind, aus Gründen der sozialen Fürsorge für eine gewisse Übergangszeit in späteren Kalenderjahren gewährt, sind diese für die Beurteilung der Hauptleistung als eine zusammengeballte Entschädigung unschädlich, wenn sie weniger als 50 % der Hauptleistung betragen  (BMF-Schreiben vom 01.11.2013, IV C 4 - S 2223/07/0018 :005).

Ergänzende Zusatzleistungen können auch später noch gezahlt werden, ohne dass sie die Fünftelregelung beeinträchtigen: Die Übernahme von Kosten für eine Berufsberatung, die befristete Weiterbenutzung des Dienstwagens, die befristete Übernahme von Versicherungsbeiträgen, Zahlungen für die Altersversorgung.

♦   Nachteilsausgleich / Schadenersatz nicht begünstigt

Intern kann in die Verhandlung über die Höhe der Abfindung auch eingebracht werden, über Erfahrungen gegenüber der Konkurrenz und über Betriebsgeheimnisse (Leichen im Keller / Umweltsünden) Schweigen zu bewahren. Oder gar auf eine Tätigkeit in einem Konkurrenzunternehmen für eine gewisse Zeit zu verzichten. Dies rechtfertigt einen sog. Nachteilsausgleich. Wenn dies Wort indessen im Auflösungsvertrag auftaucht, wird das Finanzamt hellhörig. Denn dann könnte ein Teil der Abfindung nicht steuerbegünstigt sein, weil es sich um Schadenersatz und nicht um eine Abfindung handelt (BFH Urteil vom 11.07.2017 - IX R 28/16).

ʘ 13.06.2021