Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

2.1.6 Tipp Sachbezüge / Aufmerksamkeiten / Geringfügigkeiten

Allgemeine Steuertipps

⇒   Sachbezüge / Aufmerksamkeiten / Geringfügigkeiten

Sachbezüge werden nicht mit ihrem tatsächlichen Wert besteuert. Damit sollen Zweifel an der Angemessenheit der anzusetzenden steuerpflichtigen Beträge ausgeschlossen werden. Hier bietet sich für den Betriebsrat ein verdienstvolles Betätigungsfeld an, Sachbezüge in die Lohnverhandlungen einzubeziehen. Aber auch jeder einzelne Arbeitnehmer sollte bei einer Lohnverhandlung Sachbezüge ins Gespräch bringen.

 

Sachbezüge sind Zuwendungen des Arbeitgebers, die nicht in Geld, sondern in Waren oder Dienstleistungen bestehen und dem Arbeitnehmer im Rahmen des Dienstverhältnisses zufließen (§ 8 Abs. 2 EStG). Sachbezüge müssen für deren Besteuerung in Geld umgerechnet, also bewertet werden. Sie sind mit den üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen, die um 4 % gemindert werden (§ 8 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3 EStG).

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer hat im Rahmen eines internen Firmenwettbewerbs einen wertvollen Computer gewonnen. Bei dem Gewinn im Wert von 2.000 € handelt es sich um Arbeitslohn, weil er im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses zugeflossen ist. Der Arbeitgeber hat das Gerät für 1.500 € zuzüglich 19 % Umsatzsteuer = 1.785 € angeschafft. Das gleiche Gerät wird im Einzelhandel für 2.000 € einschließlich Umsatzsteuer angeboten.

Für die Bewertung ist maßgebend, was der Arbeitnehmer hätte aufwenden müssen, wenn er das Gerät am Abgabeort im Einzelhandel kaufen würde. Der geldwerte Vorteil beträgt somit (2.000 € minus 4 % =) 1.920 €.

Hier zeigt sich der Gesetzgeber noch hartleibig. Das ändert sich aber bei Wertansätzen nach der Sachbezugsverordnung (§ 8 Abs. 2 Satz 6 EStG / Kantinenmahlzeiten).

♦   Mahlzeiten im Betrieb

Mahlzeiten, die arbeitstäglich unentgeltlich oder verbilligt in der Kantine an die Arbeitnehmer abgegeben werden, sind mit dem anteiligen amtlichen Sachbezugswert nach der Sozialversicherungsentgeltverordnung – SvEV - zu bewerten. Für jede Kantinenmahlzeit, die Sie kostenlos erhalten, wird der Wert der Mahlzeit wie folgt bemessen (Werte für 2021):

Frühstück Mittagessen Abendessen
Monatlich 55.00 € Monatlich 104.00 € Monatlich 104.00 €
Täglich 1.83 € Täglich 3.46 € Täglich 3.46 €

Die Werte schließen Nachtisch und eine Tasse Kaffee mit ein. Müssen Sie in der Kantine selbst in die Tasche greifen, ist bei einem Preis in Höhe der Sachbezugswerte nichts zu versteuern.   

  • Fürstlich tafeln auf Firmenkosten

Die amtlichen Sachbezugswerte gelten auch für Mahlzeiten, die dem Arbeitnehmer während einer Dienstreise vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden, wenn der Preis der Mahlzeit 60 € nicht übersteigt (§ 8 Absatz 2 Satz 8 EStG / R 8.1 Abs. 8 LStR). Der Arbeitnehmer zahlt z. B. im Restaurant mit einer Bankkarte der Firma oder ihm werden abgerechnete Verpflegungskosten erstattet. Die vom Arbeitnehmer als Werbungskosten geltend gemachten Verpflegungspauschalen sind dabei zu kürzen.

Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Reisekosten< eintragen.

  • Großbuchstabe M = Mahlzeit

Der Arbeitgeber hat auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung den Großbuchstaben M einzutragen, wenn dem Arbeitnehmer während einer Dienstreise eine mit dem amtlichen Sachbezugswert bewertete Mahlzeit zur Verfügung gestellt wurde (§ 41b Abs. 2 Satz 2 Nr. 8 EStG). Die für Dienstreisen geltende Verpflegungspauschale wird entsprechend gekürzt.

Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Verpflegungspauschale< eintragen.

  • Zwischenmahlzeiten

Zwischenmahlzeiten (Nachmittagskaffee mit Kuchen) sind nicht steuerpflichtig. Sie gehören als Aufmerksamkeiten nicht zum steuerpflichtigen Sachbezug, auch nicht Getränke jeglicher Art wie Mineralwasser, Tee, Kaffee, Cola, die Ihr Arbeitgeber während der Arbeitszeit bereitstellt. Sie sind steuerfrei, weil sie im eigenbetrieblichen Interesse gewährt werden. Dazu kann auch Gebäck gehören.

Tipp Frühstück ohne Wurst und Käse

Spendiert Ihr Chef Ihnen morgens nur trockene Brötchen, handelt es sich nicht um steuerpflichtigen Sachbezug. Also ohne Aufstrich / Wurst- oder Käsescheibe, auch trockene Rosinenbrötchen oder Croissants zu Kaffee oder Tee (BFH Urteil vom 3.7.2019 - VI R 36/17). Dann handelt es sich um steuerfreie Aufmerksamkeiten.

♦   Aufmerksamkeiten und Geringfügigkeiten vom Arbeitgeber

 

Beide sind steuerfrei, aber in unterschiedlicher Höhe und können nebeneinander gewährt werden.

  • Aufmerksamkeiten bis 60 € steuerfrei

Einzelne Aufmerksamkeiten des Arbeitgebers gegenüber seinen Arbeitnehmern sind bis zu einer Freigrenze von 60 € steuerfrei. Jede einzelne Aufmerksamkeit ist steuerfrei, unabhängig von der Anzahl im Monat.  Freigrenze bedeutet: Wird die Freigrenze überschritten, ist der gesamte Betrag zu versteuern (R 19.6 LStR).

Aufmerksamkeiten sind Sachleistungen des Arbeitgebers, die zu keiner ins Gewicht fallenden Bereicherung der Arbeitnehmer führen. Das sind Sachleistungen von jeweils bis zu einem Wert von 60 €, z. B. Blumen, Genussmittel, ein Buch oder ein Tonträger, die dem Arbeitnehmer oder seinen Angehörigen aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses zugewendet werden. Geldzuwendungen gehören stets zum Arbeitslohn, auch wenn sie gering sind.

Inventur / Besprechungen

Dasselbe gilt für Speisen und Getränke, die der Arbeitgeber den Arbeitnehmern anlässlich und während eines außergewöhnlichen Arbeitseinsatzes, z. B. Inventur oder während einer außergewöhnlichen betrieblichen Besprechung oder Sitzung, zukommen lässt. Diese Zuwendungen sind steuerfrei, weil sie im ganz überwiegenden betrieblichen Interesse an einer günstigen Gestaltung des Arbeitsablaufs geleistet werden, wenn deren Wert 60 € nicht überschreitet (R 19.6 LStR).

  • Geringfügigkeiten bis 44 / 50 € steuerfrei

Sachzuwendungen, die keine Aufmerksamkeiten sind, sind als Geringfügigkeiten bis zu 44 € / 50 € pro Monat (Werte bis 31.12.2021 / ab 1.1.2022) steuerfrei (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG). Hier tut sich ein weites Feld auf:

Als Geringfügigkeiten gelten Sachzuwendungen Ihres Arbeitgebers z. B. in Form von kostenlosen Dienstleistungen, Warenlieferungen, aber auch für Gutscheine und Geldkarten. Die Zuwendungen sind steuerfrei, wenn ihr Wert nicht mehr als insgesamt 50 € (Wert ab 2022) im Monat nicht übersteigt (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG).

Im Gegensatz zu Aufmerksamkeiten ist für Geringfügigkeiten kein besonderer Anlass notwendig. Die 50 €-Grenze gilt aber nur für Sachlohn, nicht für Geldlohn.

Sachlohn oder Geldlohn?

Diese Frage hat der Gesetzgeber deutlich geklärt: Geldsurrogate (Geldersatzmittel wie Scheck oder Wechsel) und andere Vorteile, die auf einen Geldbetrag lauten, sind Geldlohn. Gutscheine und Geldkarten, die ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen, sind Sachlohn (§ 8 Abs. 1 Satz 2 EStG).

Dies bedeutet: Die Steuerbefreiung bis 50 € im Monat gilt für Gutscheine eines Kaufhauses, einer Buchhandlung bis 50 €, Tankgutscheine über Kraftstoff im Wert bis 50 € einer bestimmten Tankstelle, Firmentankkarte, mit der Sie in einer Vertragstankstelle Ihres Arbeitgebers bis 50 € tanken können.

Wichtig: Die Summe aller dieser Zuwendungen darf im Monat die Grenze von 50 € nicht übersteigen, d. h. der Betrag von 50 € ist eine so genannte Bagatellgrenze. Wird diese Grenze auch nur geringfügig überschritten, sind die Sachbezüge des betreffenden Monats in vollem Umfang steuerpflichtig.

♦   Rabattfreibetrag

Oft werden vom Arbeitgeber auch Betriebsrabatte gewährt, die durch einen Rabattfreibetrag in Höhe von 1.080 € steuerlich begünstigt (§ 8 Abs. 3 EStG).

ʘ 13.06.2021