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2.0.5 Tipp Sonderzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung

Allgemeine Steuertipps

⇒   Sonderzahlungen angesagt

Der Gesetzgeber fördert vorzugsweise Versicherungsverträge zur Altersvorsorge, wenn deren Leistungen im Alter als Rente zur Verfügung stehen. Man spricht von Basis-Rentenversicherungen.

Dazu gehört an erster Stelle die gesetzliche Rentenversicherung. Die gesetzliche Rente ist nicht vom Kapitalmarkt abhängig, die Berufstätigen zahlen die Renten der Ruheständler, mit Unterstützung der öffentlichen Hand. Alle sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer sind zwangsweise versichert.

Die gesetzliche Rente bietet aber auch Möglichkeiten, als Versicherungspflichtiger Sonderzahlungen oder, wer nicht pflichtversichert ist, freiwillig Zahlungen zu leisten. Diese Möglichkeiten eröffnen sich insbesondere für Beschäftigte ab 50 Jahre mit mind. 35 Versicherungsjahren, Selbständige und Frührentner. Oder wer bereits ab 63 in Rente gehen und Abschläge ausgleichen möchte.

Die Vorteile, hier zusätzlich vorzusorgen, bestehen in zweierlei:

  • Erstens lassen sich Ansprüche auf eine gesetzliche Rentenversicherung generell aufbauen oder bereits bestehende Rentenansprüche aufstocken.
  • Und zweitens sind die Sonderzahlungen als Vorsorgeaufwendungen steuerlich abzugsfähig.

Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Vorsorgeaufwendungen< eintragen.

  • Sich vorher gut informieren

Wer wissen möchte, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang sich eine zusätzliche Zahlung von Beiträgen lohnt, sollte sich vom Rententräger individuell beraten lassen.

♦   Allerdings: Altersvorsorge durch Rente nicht Jedermanns Sache

Altersvorsorge durch Rente ist indessen nicht Jedermanns Sache, viele sagen dazu „Nein danke“. Dieser Personenkreis hat entweder reichlich Kapitalvermögen im Rücken, das sie stützt oder möchte jederzeit auf angespartes Kapital zugreifen können. Andere denken an ihre Erben und wollen auf jeden Fall möglichst viel vom Altersvermögen hinterlassen. Denn mit dem Tode sind die Rentenansprüche „futsch“, wie man leichthin sagt. Gehören Sie zu diesem Personenkreis, werden Sie von Sonderzahlungen oder freiwilligen Zahlungen Abstand nehmen.

♦   Freche Wette auf ein langes Leben

Sonderzahlungen oder freiwillige Zahlungen in die gesetzliche Rentenkasse lassen sich auch gut als Wette auf ein langes Leben betrachten. Wer dabei früh stirbt, hat die Wette verloren, wer lange lebt, hat gewonnen.

Eine solche Wette lässt eine hohe Rendite aus den Beiträgen erwarten, wenn der Versicherte lange lebt. Eine allgemeine Erkenntnis lautet: Auf ein langes Leben und damit auf eine gute Rentenrendite können alle diejenigen hoffen, die bislang nur selten krank waren und ihre Lebenserwartung positiv einschätzen. Dies sollte in die Entscheidung, seine Rentenansprüche aufzustocken, einbezogen werden.

Die Aussichten auf gute Rendite aus Sonderzahlungen oder freiwilligen Zahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung - auch bei nur durchschnittlicher Lebenserwartung - sind nicht schlecht.

Beispiel:

Bei einer Sonderzahlung von 12.000 € in 2021 erhöht sich die spätere Regelaltersrente um monatlich 53.10 € brutto. Damit kann die gesetzliche Rentenversicherung sehr gut mit den klassischen Rentenangeboten der privaten Rentenversicherer (Rürup-Renten) konkurrieren, bietet sie doch rd. 66 % mehr als ein privater Rentenversicherer (Finanztest / test.de / sofort Rente 10/2020). Winkt ein langes Rentnerleben, sollte man zugreifen.

  • Übersicht: Höhere Regelaltersrente

Die Möglichkeit, eine Sonderzahlung oder eine freiwillige Zahlung zu leisten besteht bis zum 31.3.2022.

Freiwillige / Sonderzahlung im Jahr 2021 Erhöhung der mtl. Rente
                           1.004 € / Mindestbeitrag 4.44 €
2.000 € 8.85 €
4.000 € 17.70 €
6.000 € 26.55 €
8.000 € 35.40 €
10.000 € 44.25 €
12.000 € 53.10 €
14.000 € 61.95 €
                          15.847 € / Höchstbeitrag 70.12 €

♦   Tipp Aufbau einer Basis-Rente

Alle, die bislang nicht gesetzlich rentenversicherungspflichtig sind, z. B. Selbständige, können mit freiwilligen Beiträgen eine Basis-Rentenversicherung aufbauen. Ein Vorteil ist schon mal, dass dieser Personenkreis seine Beiträge relativ frei wählen kann, zwischen einem Mindestbetrag von jrl. 1.004 € und einem Höchstbetrag von jrl. 15.847 €. Die Zahlungen können auch jederzeit wieder eingestellt werden.

Beispiel: Ein Einzelhändler / Restaurantbetreiber / IT-Berater / Immobilienmakler wird mit seiner Ehefrau zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Er hat in 2021 freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung den Höchstbeitrag von 15.842 € eingezahlt. Die Beiträge sind als Vorsorgeaufwendungen steuerlich abzugsfähig. Hier gelten indessen Höchstbeträge und steuerliche Übergangsregelungen.

Der steuerlich abzugsfähige Höchstbetrag für Basis-Rentenbeiträge in den alten Bundesländern beträgt für zusammenveranlagte Ehepartner (25.787 € x 2 =) 51.574 €, gekürzt auf 92 % = 47.448 € (Wert für 2021) . Die begünstigten Beiträge von 15.842 € werden ebenfalls auf 92 % = 14.575 € gekürzt. Der niedrigere Betrag von beiden = 14.575 € wird vom Einkommen abgezogen.

Anlage Vorsorgeaufwand

Ergebnis

Bei einem Steuersatz von ca. 50 % einschließlich Nebensteuern beträgt die Steuerersparnis (14.575 € x 50 % =) 7.288 €. In dieser Höhe beteiligt sich der Fiskus an der Altersversorgung des Steuerpflichtigen. Zugleich besteht ein Rentenanspruch von jrl. (70.12 € x 12 Monate = 841 €. Zieht man davon Steuern und Sozialabgaben ab, die im Rentenalter ca. 30 % = 252 € betragen mögen, verbleiben (841 € - 252 € =) 589 €. Aufgewendet hat der Steuerpflichtige (15.842 € - Steuerersparnis 7.288 € =) 8.554 €.

Der Steuerpflichtige müsste somit (8.554 € : Rentenrendite netto 589 € =) 14.52 Jahre die Nettorente beziehen, um ins Plus zu kommen. Ob ihm dies gelingt, lässt sich anhand der durchschnittlichen Lebenserwartung nach der sog. Sterbetafel abschätzen. Beginnt die Rente ab 65, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer nach der ab 1.1.2017 gültigen Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes = 17.71 Jahre. Daraus ergibt sich ein Plus von drei Rentenjahren. Nun kommt es noch auf die Gesundheit an, wie lange der Steuerpflichtige tatsächlich lebt.

♦    Sterbetafel

Wie viele Jahre im Schnitt noch bleiben (Restliche Lebenserwartung)

Zur Berechnung des Kapitalwerts von lebenslänglichen Nutzungen und Leistungen sind die Werte nach der Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes zu ermitteln (FinMin Sachsen-Anhalt, 10.1.2020, 43 - S 3104 – 6):

Jetziges Alter Lebenserwartung Männer Lebenserwartung Frauen
 0  78.18  83.06
 20  58.66  63.46
 30  48.92  53.59
 40  39.29  43.79
 50  29.97  34.23
 60  21.52  25.19
 65  17.71  20.90
 70  14.13  16.80
 75  10.79  12.87
 80  7.81  9.30
 85  5.44  6.38
90  3.68  4.22
100 1.80 1.95

 

Nicht gut zu wissen: Lebensversicherer dürfen mit einer längeren Lebenserwartung kalkulieren als das Statistische Bundesamt, weil eine Rentenversicherung gerade diejenigen Kunden abschließen, die ein langes Leben erwarten.

♦   Zusätzlich winken Steuerersparnisse

Fügen Sie als Nachweis für Ihre Sonderzahlung die "Bescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt" der Rentenversicherung bei. Dies ist notwendig, weil die Beiträge nicht automatisch an das Finanzamt gemeldet werden, anders als die über den Arbeitgeber geflossenen gesetzlichen Beiträge.

  • Höchstbeträge für 2021

Für 2021 werden Beiträge zur Basis-Rentenversicherung von insgesamt 25.787 € / 51.574 € (Alleinstehende / Ehepartner) anerkannt. Davon wirken sich 92 % steuermindernd aus.

Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Höchstbeträge für Basis-Rentenversicherungen< eintragen.

ʘ 13.06.2021