Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

2.0.0 Steuertipps: Mögliche Ersparnis einschätzen

Allgemeine Steuertipps

⇒  Mögliche Steuerersparnis einschätzen

Ob und wie viel Ersparnis sich durch Anwendung eines Steuertipps erreichen lässt, hängt von der Höhe Ihres Einkommens ab. Steigt das Einkommen, steigt auch der Einkommensteuertarif, aber nicht linear, sondern progressiv (§ 32a EStG). Je höher das Einkommen, desto höher die steuerliche Belastung, desto höher ist aber auch der steuerliche Vorteil durch Aufwendungen, die das Einkommen mindern.

Beispiel: Elena ist alleinstehend und als Bürokraft tätig. Mit einem zu versteuernden Einkommen von 36.000 € spart sie 126 €, wenn sie berufliche Ausgaben in Höhe von 1.500 € in der Steuererklärung tätigt. Beim Lohnsteuerabzug wurde bereits ein Werbungskosten-Pauschbetrag von 1.000 € berücksichtigt, so dass sich bei der Einkommensteuerveranlagung nur (1.500 € - 1 .000 € =) 500 € steuerlich auswirken. 

Leistet sie außerdem 600 € für eine berufliches Seminar, das sie im nächsten Jahr belegen will, kann sie damit ihre Steuerlast  um weitere 150 € drücken.

♦   Der progressive Steuertarif

Der Einkommensteuertarif ist progressiv gestaltet. Daraus folgt: Wer mehr verdient, zahlt auch mehr, nicht nur proportional, sondern progressiv. 

  • Der Einkommensteuertarif

Vom zu versteuernden Einkommen ist zunächst der Grundfreibetrag von 9.744 € (Wert für 2021) steuerfrei. Ab 9.745 € beträgt der Steuersatz 14 % und endet ansteigend bei 14.753 € mit 24 % (Einstiegsteuersatz). In der darauffolgenden Tarifzone steigt der Steuersatz weiter an bis 57.918 € bis 42 %. Der Steuersatz verbleibt bei 42 %. Ab 274.613 € beginnt die Reichensteuer mit 45 %. 

Dies alles versteckt sich in der Rechenformel aus § 32a EStG:

Tarifformel

1. bis 9.744 Euro Grundfreibetrag  0 €
2. von 9745 Euro bis 14.753 Euro: (995,21 · y + 1 400) · y; X %
3. von 14 754 Euro bis 57 918 Euro: (208,85 · z + 2 397) · z + 950,96; X %
4. von 57 919 Euro bis 274 612:0,42 · x – 9 136,63; X %
5. von 274 613 Euro an: 0,45 · x – 17 374,99 X %
  • Wichtige Begriffe zum Steuersatz

Durchschnittssteuersatz

Der Durchschnittssteuersatz ist der persönliche Steuersatz des Steuerpflichtigen. Er iswt Masab für die steuerliche Belastung und berechnet sich wie folgt: Gezahlte Einkommensteuer : zu versteuerndes Einkommen x 100. 

Grenzsteuersatz

Grenzsteuersatz ist der persönliche Spitzensteuersatz des Steuerpflichtigen. Er zeigt an, zu wie viel Prozent der letzte Euro des Steuerpflichtigen belastet ist. Mit diesem Steuersatz ist z. B. eine Lohnerhöhung belastet. 

Spitzensteuersatz

Spitzensteuersatz ist der höchste Steuersatz in % für den Teil des zu versteuernden Einkommens, der über 57.918 € liegt. Er beträgt 42 %. 

  • Tipp Steuerersparnis herausfinden

Wieviel Steuerersparnis Ihnen zusätzliche Jobkosten verschaffen, können Sie über einen Steuerrechner im Internet herausfinden, z. B. unter bmf-steuerrechner.de.

Vorab zwei grundsätzliche Steuerregeln

⇒   Rechtzeitig die Weichen stellen

Ihre Schritte zur Steuerersparnis können sich nur für die Zukunft auswirken, weil der Fiskus Maßnahmen mit Wirkung für die Vergangenheit nicht anerkennt. So ist ein bestimmter Sachverhalt nach Ablauf des Kalenderjahres nicht mehr abänderbar. Dies regelt § 25 Abs. 1 EStG, wonach der Steuerpflichtige nach Ablauf des Kalenderjahres (Veranlagungszeitraum) nach dem Einkommen veranlagt wird, das er in diesem Veranlagungszeitraum bezogen hat.

Sie müssen also rechtzeitig die Weichen stellen, bevor das Veranlagungsjahr abgelaufen ist, also schon im laufenden Jahr die Verhältnisse ändern, damit sie sich in der Steuerveranlagung im nächsten Jahr auswirken können.

Beispiel: Verkauf des Eigenheims an die eigenen Kinder und die anschließende Vermietung zurück an die Eltern kann unter bestimmten Umständen für beide Seiten von Vorteil sein.

Verkaufen die Eltern Ihnen das Eigenheim, bleiben diese aber weiterhin als Mieter darin wohnen, können Sie als Vermieter das Haus auf Kosten des Fiskus renovieren. Ihnen winken lohnende Steuerersparnisse. Dazu müssen Sie rechtzeitig die Weichen stellen.

⇒   Der Steuerprogression die Spitze nehmen

Wenn Sie in den einzelnen Veranlagungsjahren ein sehr unterschiedlich hohes Einkommen haben, spielen Sie dem Fiskus in die Karten. Denn die Steuerbelastung steigt bei steigendem Einkommen nicht proportional, sondern progressiv an (Tarifformel gem. § 32a Abs. 1 EStG). Ein höheres Einkommen in einem einzelnen Jahr führt zu einer Mehrbelastung, für die Sie im nächsten Jahr keinen Bonus erhalten.

Beispiel:

Bei einem zu versteuernden Einkommen von 25.000 € zahlen Sie als Alleinstehender im Grundtarif 3.626 € Steuern = Durchschnittssteuersatz (3.626 € : 25.000 € x 100 =) 14.5 %. Bei einem doppelt so hohen zu versteuernden Einkommen von 50.000 € sind schon 11.994 € fällig. Das ist das Dreifache, der Steuersatz beträgt dann bereits 23.99 %.

Deshalb sollten Sie über die Jahre hinweg ein möglichst gleichbleibendes Einkommen erklären. Da gibt es zwei Möglichkeiten: 

♦   Praktischer Fall: Abfindung in einer Summe oder in Raten

Rudi geht Ende Dezember in Rente. Er ist verheiratet.  Als Vorarbeiter am Montageband einer Lampenfabrik hat er in seinem Arbeitsleben mehrmals dem Betrieb kostensparende Vorschläge gemacht, die auch umgesetzt wurden. Zur Anerkennung seiner Verdienste erhält er beim Ausscheiden aus dem Betrieb dafür eine Abfindung von 50.000 €. 

Der Betriebsrat gab Rudi einen steuersparenden Tipp mit auf den Weg: Er soll prüfen, was steuerlich günstiger ist, Auszahlung in einer Summe oder in Raten. 

  • Abfindung in einer Summe mit Fünftelregelung

Mit der sogenannten Fünftelregelung nach § 34 EStG werden außerordentliche Einnahmen steuerlich begünstigt. Dazu gehören insbesondere Abfindungen bei Ausscheiden aus dem  Arbeitsleben. Die Steuer für die Abfindung (außerordentliche Vergütung) wird zunächst aus einem Fünftel des gezahlten Betrags berechnet und sodann verfünffacht.

Berechnungsformel für die Fünftelregelung

Dazu wird zunächst bei der Berechnung der Steuer ein Fünftel der Abfindung dem versteuernden Einkommen hinzugerechnet. Der Unterschied zwischen der daraus sich ergebenden Einkommensteuer und der normalen Einkommensteuer ohne die Abfindung wird mit fünf multipliziert und ergibt so die Einkommensteuer für die Abfindung. 

Bereits das Lohnbüro kann bei der Auszahlung der Abfindung die Fünftelregelung anwenden. 

Beispielsberechnung

 Zu versteuerndes Einkommen insgesamt    86.000 €  
 - Abfindung    50.000 €  
 Zu versteuerndes Einkommen ohne Abfindung    36.000 €  
 ESt nach Splittingtabelle ohne Abfindung     3.502 € 
 +1/5  der Abfindung     10.000 €  
 Zu versteuerndes Einkommen mit 1/5 der Abfindung    46.000 €  
 ESt nach Splittingtabelle mit 1/5 der Abfindung  6.138 €    
 - ESt nach Splittingtabelle ohne Abfindung  3.502 €    
 Verbleiben / Unterschied  2.636 €    
Unterschied 2.636 € x 5 = ESt auf Abfindung      13.180 €
Summe = gesamte ESt nach Splittingtabelle     16.682 €

Ohne Anwendung der Fünftelregelung hätte der Steuerpflichtige bei einem zu versteuernden Einkommen von 86.000 € nach der Splittingtabelle 18.776 € zu leisten. Der Steuerpflichtige hat durch die Fünftelregelung somit (18.776 € - 16.682 € =) 2.094 € gespart.

  • Abfindung in Raten kann günstiger sein

Wenn der Steuerpflichtige nach Ausscheiden aus dem Betrieb in Rente geht, kann es für ihn steuerlich günstiger sein, wenn er sich die Abfindung statt in einem Betrag von 50.000 € unter Anwendung der Fünftelregelung z. B. in fünf Jahresraten auszahlen lässt. Als Rentner wird sein zu versteuerndes Einkommen und damit auch die steuerliche Belastung trotz der Abfindungsrate von 10.000 € niedriger sein als zuvor. 

Berechnung der Steuerersparnis

Rentenbetrag pro Jahr 24.000 €    
Besteuerungsanteil der Rente 81 % (§ 22 EStG, Wert für 2021 19.440 €  
- Werbungskosten-Pauschbetrag (§ 9a EStG)       102 €  
Verbleiben Sonstige Einkünfte 19.338 €  
- Vorsorgeaufwendungen ca.    2.000 €  
Zu versteuerndes Einkommen 17.338 €  
ESt darauf nach Splittingtabelle   0 €
+ 1/5 der Abfindung von 10.000 € - Pauschbetrag 102 €  9.898 €  
Zu versteuerndes Einkommen einschließlich Abfindungsrate  27.226 €  
ESt darauf nach Splittingtabelle   1.382 €
ESt nach Splittingtabelle insgesamt    1.382 €

 

Ergebnis

Steuer auf Abfindung bei Fünftelregelung                                                                       13.180 €

- Steuer auf Abfindung in Raten 1.382 € x 5 Jahre =                                                         6.910 €

Steuerersparnis                                                                                                                  6.270 €

ʘ 12.06.2021