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2.0.8 Tipp Verluste schonen / Verlustabzug begrenzen

Allgemeine Steuertipps

⇒  Verluste schonen / Verlustabzug begrenzen

Verluste sind bei der Veranlagung zur Einkommensteuer bares Geld wert, weil sie das Einkommen und damit auch die Steuer mindern.

  • Abzug von Verlusten begrenzen

Vom Finanzamt werden nicht ausgeglichene Verluste in voller Höhe in das Vorjahr zurückgetragen, auch wenn diese sich dort steuerlich nicht auswirken. Dies können Sie verhindern, indem Sie den Verlustrücktrag in das Vorjahr auf einen bestimmten Betrag begrenzen, ggfs. auf 0.- €. Dazu unten ein Beispiel.

Zunächst das Grundsätzliche zu Verlusten.

♦   Verluste bei der Einkommensteuer

Das Einkommensteuergesetz regelt die Berücksichtigung von Verlusten durch zwei Arten der Verlustverrechnung:

  • Verlustausgleich innerhalb des Verlustentstehungsjahres (§ 2 Abs. 3 EStG),
  • Verlustabzug durch Verlustrücktrag oder Verlustvortrag (§ 10d EStG)

♦   Verlustausgleich

Verlustausgleich ist der Ausgleich von positiven und negativen Einkünften innerhalb eines Jahres (§ 2 Abs. 3 EStG). Der Verlustausgleich geschieht automatisch durch Verrechnung der Einkünfte untereinander im Rahmen der Veranlagung, erfährt indessen einige Einschränkungen:

So dürfen Verluste aus Kapitalvermögen nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden. Desgleichen dürfen Verluste aus Aktienverkäufen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen ausgeglichen werden (§ 20 Abs. 6 EStG). Ferner dürfen Verluste aus privaten Spekulationsgeschäften nur mit Gewinnen aus Spekulationsgeschäften ausgeglichen werden (§ 23 Abs. 3 EStG). Der Ausgleich von Verlusten im Ausland wird durch § 2 a EStG eingeschränkt.

♦  Verlustabzug (§ 10d EStG)

Sind die Verluste eines Kalenderjahres höher als die positiven Einkünfte, wird der verbleibende Verlust automatisch mit positiven Einkünften des Vorjahres verrechnet (§ 10d EStG / Verlustrücktrag). Für die Vorjahr ergeht ein berichtigter Steuerbescheid. Hierfür ist von Ihnen keine Eintragung erforderlich.

  • Verluste schonen / Verlustrücktrag beschränken

Es kann vorkommen, dass die Verluste durch Verlustrücktrag in das Vorjahr sich dort nicht oder nicht in voller Höhe auswirken. Dann können Sie auf Antrag den Verlustrücktrag beschränken, sodass im berichtigten Steuerbescheid für das Vorjahr die Einkommensteuer mit 0,- Euro festgestellt wird.

Beispiel: Im Vorjahr 2020 haben Sie nur ein geringes Einkommen erzielt und wenig Steuern gezahlt. Damit Sie steuerlich im Vorjahr auf 0.- Euro Einkommensteuer kommen, benötigen Sie von den Verlusten in Höhe von 10.000 € nur einen Teilbetrag von 3.000 €. Auf diese 3.000 € möchten Sie den Verlustrücktrag in das Vorjahr beschränken.

Anlage Sonstiges 2021

Für den Restbetrag von 7.000 € wird vom Finanzamt zum 31.12.2020 ein verbleibender Verlustvortrag für 2021 festgestellt.

  • Verbleibender Verlustvortrag für 2021

Wurde für Sie zum 31.12.2020 ein verbleibender Verlustvortrag für 2021 festgestellt (siehe dazu obiges Beispiel), beantragen Sie dessen Berücksichtigung in Zeile 2 des Hauptvordrucks -, kreuzen Sie in  Zeile 7  der Anlage Sonstiges das entsprechende Auswahlfeld an. Der Verlustvortrag wird dann automatisch vom Finanzamt bei der Veranlagung für 2021 berücksichtigt.

Hauptvordruck 2021

Anlage Sonstiges 2021

Tipp: Verluste "schonen"

Der Kniff bei der Schonung der Verluste besteht darin, die verbleibenden Verluste bei Verlustrücktrag nur insoweit einzusetzen, dass Sie im Vorjahr auf Steuer 0.- € kommen. 

Dies mag folgendes Beispiel zeigen:

Höhe der Einkünfte 2020 2021
Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit 50.000 € 50.000 €
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung - 35.000 € - 70.000 €
Summe der Einkünfte 15.000 € - 20.000 €

Der nicht ausgeglichene Verlust 2021 von 20.000 € wird automatisch per Verlustabzug in das Vorjahr 2020 zurückgetragen und mit den Einkünften von 15.000 verrechnet.

Begrenzung der Verluste: Null €uro eintragen

In 2020 haben Sie indessen ohnehin wegen der Grundfreibeträge und hoher Sonderausgaben (Vorsorgeaufwendungen) keine Steuern bezahlt. Also tragen Sie in Zeile 8  der Anlage Sonstiges 0.-  € ein und erreichen damit, dass der nicht ausgeglichene Verlust 2021 in Höhe von 20.000 € in das Jahr 2022 vorgetragen wird.

ʘ 13.06.2021