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2.0.2 Arbeitnehmer-Sparzulage Zeile 1

Hauptvordruck Zeile 1 und 35

⇒   Arbeitnehmer-Sparzulage 

Teile des steuerpflichtigen Arbeitslohns können als vermögenswirksame Leistungen (VL) angelegt und durch die Arbeitnehmer-Sparzulage steuerlich gefördert werden. Rechtliche Grundlage ist das Fünfte Vermögensbildungsgesetz (Fünftes VermBG). Den Antrag auf die Arbeitnehmer-Sparzulage stellen Sie in Ihrer Steuererklärung in den Zeilen 1 und 42.

Hauptvordruck

Von der Arbeitnehmer-Sparzulage profitieren Arbeitnehmer, Beamte, Richter und Soldaten.

Die Arbeitnehmer-Sparzulage wird auf Antrag durch das für die Besteuerung des Arbeitnehmers zuständige Wohnsitzfinanzamt festgesetzt. Die Festsetzung der Arbeitnehmer-Sparzulage ist regelmäßig mit der Einkommensteuererklärung zu beantragen.

Die Arbeitnehmer-Sparzulage für Ihre >>vermögenswirksamen Leistungen<< erhalten Sie nicht mit Ihrem Steuerbescheid ausgezahlt, sie wird vielmehr zunächst vom Finanzamt lediglich festgesetzt. Die Auszahlung erfolgt erst später, wenn die Festlegungsfrist abgelaufen ist.

♦   Tipp Zuschüsse des Arbeitgebers abrufen

Viele Beschäftigte verschenken regelmäßig Geld, weil sie ihren Anspruch auf Zuschüsse des Arbeitgebers auf vermögenswirksame Leistungen nicht in Anspruch nehmen. Grundlage des Anspruchs sind Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge oder bindende Festsetzungen vereinbart (§ 10 Fünftes VermBG).

Dies bedeutet: Der Arbeitgeber muss vermögenswirksame Leistungen als zusätzlichen Arbeitslohn zum ohnehin geschuldeten Bruttoarbeitslohn zahlen. Wie hoch der Zuschuss des Arbeitgebers sein muss, z. B. jährlich 160 €, 400 € oder 470 €, bestimmt sich nach der jeweils maßgebenden Abmachung.

Banksparen oder Bausparen ist in der momentanen Niedrigzinsphase nicht der große Hit. Von den niedrigen Zinsen sind indessen Sparpläne in Aktienfonds nicht betroffen. Also hier sollten Sie zugreifen. Allerdings ist klar, dass am Ende der siebenjährigen Festlegungsfrist bei einem Aktienfonds ein Minus stehen kann. Solange Sie Ihre Anteile am Aktienfonds aber nicht verkaufen, steht das Minus nur auf dem Papier.

♦   Der Weg zur Arbeitnehmer-Sparzulage: Kurz und knapp

  • Vertragsart

Sie können wählen zwischen der Anlage von VL in einen Aktienfonds, in einen Banksparplan oder in einen Bausparvertrag. Beim Bausparen können Sie außerdem eine Bausparprämie erhalten, wenn Sie einen weiteren Bausparvertrag abschließen.

  • Arbeitgeberzuschuss

Erkundigen Sie sich im Personalbüro oder beim Betriebsrat, ob Ihnen laut Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung VL zustehen und wenn ja, wie hoch der monatliche Zuschuss ist. Leistet der Arbeitgeber einen Zuschuss, müssen Sie lediglich die darauf entfallende Lohnsteuer und die Sozialabgaben tragen.

  • Vertrag selbst abschließen

Haben Sie sich für eine bestimmte Vertragsart entschieden, schließen Sie bei Ihrer Bank oder einer Bausparkasse einen entsprechenden Vertrag ab. Eine Kopie leiten Sie an das Personalbüro Ihres Arbeitgebers mit der Bitte um weitere Veranlassung.

  • Zahlungen leisten

Die Zahlungen in den Vertrag leistet Ihr Arbeitgeber. Ohne Arbeitgeber-Zuschuss leisten Sie die Zahlungen in den VL-Vertrag ganz aus eigener Tasche oder Sie stocken den Arbeitgeber-Zuschuss auf. Das Geld können Sie aber nicht selbst überweisen, sondern es muss vom Arbeitgeber kommen, der Ihren Nettolohn entsprechend kürzt.

♦   Höhe der Arbeitnehmer-Sparzulage

Die Arbeitnehmer-Sparzulage beträgt:

  • für Beteiligungen am Produktivkapital (z. B. in einen Aktienfonds) 20 % der so angelegten vermögenswirksamen Leistungen bis zu 400 € jährlich,
  • für die Anlage in einen Banksparplan oder in einen Bausparvertrag 9 % der so angelegten vermögenswirksamen Leistungen bis zu 470 € jährlich.

Werden beide Anlageformen bedient, beträgt die Arbeitnehmer-Sparzulage im Jahr bei zwei Verträgen somit höchstens: 

Angelegt in einen Aktienfonds 400 € x 20 % = 80 €
Angelegt in einen Banksparplan 470 € x 9 % = 43 €
Arbeitnehmersparzulage höchstens 123 €
  • Produktivkapital (Begriff)

Unter Produktivkapital versteht man Beteiligungen an einem Gewerbebetrieb (des Arbeitgebers oder eines fremden Unternehmens). Das können sein:

Wertpapier-Kaufverträge / Aktienfonds (§ 5 Abs. 2 Nr. 2 Fünftes  VermBG), Beteiligungs-Verträge (§ 6 Abs. 3 Nr. 2 Fünftes VermBG) und Beteiligungs-Kaufverträge (§ 7 Abs. 3 Fünftes VermBG).

♦   Einkommensgrenzen

Voraussetzung für die Gewährung der Arbeitnehmer-Sparzulagen ist, dass bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden. Diese betragen:

  • für in Beteiligungen am Produktivkapital angelegte vermögenswirksame Leistungen 20.000 € bei Ledigen oder getrennt Lebenden bzw. 40.000 € bei zusammenveranlagten Ehepartnern,
  • für die Anlage in Bausparverträgen und eine wohnungswirtschaftliche Verwendung 17.900 € bei Ledigen oder getrennt Lebenden bzw. 35.800 € bei zusammenveranlagten Ehepartnern.

Maßgeblich ist jeweils das zu versteuernde Einkommen. Bei Einkünften aus Kapitalvermögen und in den Fällen von Freibeträgen für Kinder gibt es Besonderheiten.

♦   Sperrfristen

Die festgesetzte Arbeitnehmer-Sparzulage wird grundsätzlich angesammelt und erst ausgezahlt, wenn:

  • die für die Anlageform geltenden Sperr- und Rückzahlungsfristen abgelaufen sind,
  • vor Ablauf der Frist über die Anlage unschädlich verfügt wird oder
  • der Bausparvertrag, auf den die vermögenswirksamen Leistungen eingezahlt worden sind, zugeteilt wird.Die Arbeitnehmer-Sparzulage wird dann aus den Einnahmen des Staates an Lohnsteuer gezahlt

Die Sperrfrist beträgt je nach Vertrag sechs oder sieben Jahre (§§ 4-8 Fünftes VermBG) 

♦  Tipp

Die Arbeitnehmer-Sparzulage können Sie parallel für beide Anlage-Typen (Produktivkapital oder Bausparvertrag) kassieren. Wenn Sie also im laufenden Jahr 400 € in einen Wertpapier-Sparvertrag und 470 € in einen Bausparvertrag einzahlen, erhalten Sie 80 € Sparzulage für den einen und 42.30 € für den anderen Vertrag, zusammen also 122.80 €. Leider gilt in diesem Fall für beide Anlage-Typen die Einkommensgrenze von 17.900 / 35.800 € (Alleinstehende / Ehepartner).

eDaten bei Papierformularen

Die notwendigen Daten (elektronische Vermögensbildungsbescheinigung) werden von Ihrem Anbieter elektronisch an das Finanzamt übermittelt. Bei Neuverträgen erfolgt eine Datenübermittlung nur, wenn Sie in diese eingewilligt haben. Die bisherige Anlage VL wird nicht mehr ausgestellt.