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2.1.0 Familienstand

Hauptvordruck Zeile 18

Angaben zum Familienstand machen nur Verheiratete / Lebenspartner, Verwitwete, Geschiedene und getrennt Lebende. Diese Angaben haben Auswirkungen auf die Einkommensteuer, insbesondere auf die Veranlagungsform und damit auch auf den Steuertarif.

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Hauptvordruck

⇒   Veranlagungsformen

Nach § 26 EStG können unbeschränkt steuerpflichtige Ehepartner*, die nicht dauernd getrennt leben, zwischen der Einzelveranlagung nach § 26a EStG und der Zusammenveranlagung nach § 26b EStG wählen, wenn sie zu Beginn des Jahres verheiratet waren oder im Laufe des Jahres geheiratet haben. 

Nur mit der Zusammenveranlagung ist der günstige Splittingtarif verbunden.

*Verheiratete und Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft benennen wir - aus sprachlichen Gründen - zusammenfassend als Ehepartner. Steuerliche  Unterschiede gibt es nicht (§ 2 Abs. 8 EStG).

 

 

 

 

♦  Zusammenveranlagung = Splittingtarif(§ 26b EStG)

Bei Zusammenveranlagung wird die günstige Splittingtabelle angewendet (§ 32a Abs. 5 EStG). In der Splittingtabelle bleibt ein zu versteuerndes Einkommen bis zu 19.488 € (Grundfreibetrag / § 32a Abs. 1 EStG / Wert für 2021) steuerfrei.

Oberhalb des Grundfreibetrags wird die Steuer nach einer bestimmten Tarifformel berechnet (§ 32 a Abs. 1 EStG). Im Splittingtarif schlägt die Progression nur halb so stark zu wie im Grundtarif.

Der Splittingtarif ist auch anzuwenden bei einem verwitweten Steuerzahler für den Veranlagungszeitraum, der dem Kalenderjahr folgt, in dem der Ehepartner verstorben ist (sog. Witwensplitting / § 32a Abs. 6 Nr. 1 EStG).

Ganz selten kommt das sog. Gnadensplitting in Betracht (Auflösung der Ehe und Wiederverheiratung im selben Kalenderjahr / § 32a Abs. 6 Nr. 2 EStG).

♦  Einzelveranlagung = Grundtarif (§ 26a EStG)

Grundform der Einkommensteuerveranlagung ist die Einzelveranlagung. Dabei wird die Grundtabelle angewendet (§ 32a Abs. 1 EStG). Bei Anwendung der Grundtabelle bleibt ein zu versteuerndes Einkommen bis zu 9.477 € (Grundfreibetrag / Wert für 2021) steuerfrei.           

Die Einzelveranlagung kommt nicht etwa nur für getrennt lebende, sondern auch für zusammenlebende Ehepartner in Betracht, wenn sie die Einzelveranlagung wählen. Werden Ehepartner einzeln veranlagt, sind Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und haushaltsnahe Aufwendungen grundsätzlich bei demjenigen zu berücksichtigen, der sie wirtschaftlich getragen hat. Allerdings ist auch auf Antrag eine hälftige Aufteilung der Aufwendungen möglich (§ 26a Abs. 2 Satz 3 EStG).

  • Wichtiger Hinweis zur Einzelveranlagung:

Nur in wenigen Fällen ist die Einzelveranlagung von Ehepartnern gegenüber der Zusammenveranlagung von Vorteil. Klarheit kann aber letztlich immer nur eine Kontrollrechnung bringen.

Fälle, in denen die Einzelveranlagung günstiger sein kann:

Fall 1: Steuerfreie Einkünfte eines Partners, z. B. Arbeitslosengeld. Bei Zusammenveranlagung wäre der Progressionsvorbehalt zu berücksichtigen (§ 32b EStG).

Fall 2: Wenn im Einkommen außerordentliche Einkünfte, z. B. eine Abfindung, enthalten sind. Dann kann die Fünftelregelung oder der ermäßigte Steuersatz / § 34 EStG günstiger sein.

Fall 3: Verlustausgleich / Verlustabzug (§ 10d Abs. 2 und 4 EStG). Hat ein Ehegatte einen Verlust erlitten und hat der andere Ehegatte nur geringe Einkünfte, kann die Einzelveranlagung günstiger sein.

Beispiel: 

Ehepartner A hat einen Verlust von 50.000 € und der Ehepartner B positive Einkünfte von 20.000 € und ein Einkommen von 15.000 €. Im Falle der Einzelveranlagung zahlt Ehepartner B Einkommensteuer in Höhe von etwa 1.410 €.

Dafür können die Ehepartner 50.000 € durch Verlustrücktrag in das Vorjahr in Anspruch nehmen, der in der Zusammenveranlagung für das Vorjahr oder durch Verlustvortrag in den folgenden Jahren ausgeschöpft werden kann.

Fall 4: Hohe Krankheitskosten können im Fall der Einzelveranlagung eher die zumutbare Belastung übersteigen (§ 33 Abs. 3 EStG/ außergewöhnliche Belastungen).

Quelle: § 32a Abs. 1 und 6 EStG