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1.3 Verluste bei den Einkünften

Hauptvordruck Zeile 2

⇒   Verluste bei den Einkünften

Unter einem steuerlichen Verlust versteht man gemeinhin einen Fehlbetrag bei den Einkünften, man spricht auch - im Gegensatz zu positiven - von negativen Einkünften.

Verluste sind bei der Steuer bares Geld wert, denn sie können die Steuerlast mindern. Dies geschieht durch Verlustausgleich innerhalb der Einkünftsarten (§ 2 Abs. 3 EStG) oder durch Verlustabzug als Sonderausgaben (§ 10d EStG). Ein besonderer Kniff besteht beim Verlustabzug darin, die Verluste in dem Kalenderjahr geltend zu machen, in dem sie sich besonders hoch auswirken, durch Verlustrücktrag in das Vorjahr oder Verlustvortrag in die nächsten Jahre.

An dieser Stelle möchten wir die Verluste in Beispielen behandeln.

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♦  Verlustausgleich und Verlustabzug in Beispielen

Beispiel 1: Verlustausgleich / Verluste aus Vermietung und Verpachtung.

Arbeitnehmer A hat aus der Vermietung einer Eigentumswohnung einen Verlust von 1.000 € zu verzeichnen.

 Anlage V

Der Verlust in Höhe von 1.000 € wird mit den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit verrechnet (Verlustausgleich / § 2 Abs. 3 EStG). Dem Arbeitnehmer werden einbehaltene Abzugssteuern erstattet (§ 36 Abs. 2 Nr. 2 EStG).  

Beispiel: 2 Verlustabzug durch Verlustrücktrag / Arbeitslosigkeit

Arbeitnehmer B war das das ganze Jahr über arbeitslos und hat deswegen keine steuerpflichtigen Einnahmen. Durch Fortbildungsseminare, Reisen zu Vorstellungsgesprächen und durch Bewerbungsschreiben sind  Kosten in Höhe von 5.000 € entstanden, die er in der Anlage N als Werbungskosten geltend macht.

Anlage N

Das Finanzamt stellt bei der Veranlagung einen Verlust fest. Der Verlust wird automatisch mit seinen Einkünften im Vorjahr verrechnet (Verlustrücktrag). Dazu bedarf es keines Antrags. B erhält vom Finanzamt für das Vorjahr einen berichtigten Steuerbescheid, in dem ein Verlust aus nichtselbständiger Arbeit von 5.000 € berücksichtigt ist.

Beispiel 3: Verlustabzug durch Verlustvortrag / Fortbildungskosten

Jens absolviert nach einer Ausbildung als Bankkaumann ein BWL-Studium (zweiter Ausbildungsgang). Weil es sich um eine Zweitausbildung handelt, sind seine Fahrtkosten zur Uni, Studiengebühren, Bücher, Computer in Höhe von 8.000 € als Fortbildungskosten abzugsfähig. Ohne Einnahmen ergibt sich ein Verlust aus nichtselbständiger Arbeit in derselben Höhe.

Jens gibt eine  Einkommensteuererklärung ab und macht in der Anlage N Fortbildungskosten in Höhe von 8.000 € geltend. Damit das Finanzamt den Verlust nicht mit Einkünften des Vorjahres verrechnet, beantragt er, einen verbleibenden Verlust festzustellen.

Der Verlust soll in voller Höhe festgestellt werden. Deshalb trägt er in Zeile 8 der Anlage Sonstiges eine 0,- € ein.

Hauptvordruck

Anlage Anlage Sonstiges

Dadurch wird der Verlust von 8.000 € nicht durch Verlustrücktrag angetastet, sondern bleibt für künftige Veranlagung erhalten.

Den verbleibenden Verlust müssen Sie indessen ausdrücklich bis zum 31. Juli des Folgejahres feststellen lassen (Antrag zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags / § 10d Abs. 4 Satz 1 EStG / Hauptvordruck Zeile 2, Anlage Sonstiges Zeile 7). Andernfalls verfällt der Anspruch auf Verlustabzug.

Dazu muss man wissen: Der verbleibende Verlustvortrag ist auf den Schluss eines jeden Veranlagungszeitraums gesondert festzustellen. Für den Antrag gibt es keinen amtlichen Vordruck, der Antrag wird im Rahmen der entsprechenden ESt-Erklärung gestellt (Hautvordruck Zeile 2).

Aus der Regelung, dass der verbleibende Verlustabzug auf den Schluss eines jeden Veranlagungszeitraum vorzunehmen ist, folgt, dass der Feststellungsbescheid nur für den nächsten Veranlagungszeitraum gültig ist. Ist die Feststellung im nächsten Jahr unterblieben, wird damit unterstellt, dass kein vortragsfähiger Verlust (mehr) vorhanden ist ("negative Feststellungswirkung"). Also muss der Antrag auf Feststellung des Verlusts immer bis zum 31. Juli des Folgejahres gestellt werden.

Tipp Verluste schonen / begrenzen

Der Kniff bei der Schonung / Begrenzung der Verluste besteht darin, die verbleibenden Verluste nur insoweit einzusetzen, dass Sie im Vorjahr auf Steuer 0.- € kommen. 

Dies mag folgendes Beispiel zeigen:

Höhe der Einkünfte 2020 2021
Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit 50.000 € 50.000 €
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung - 35.000 € - 70.000 €
Summe der Einkünfte 15.000 € - 20.000 €

Der nicht ausgeglichene Verlust 2021 von 20.000 € wird automatisch per Verlustabzug in das Vorjahr 2020 zurückgetragen und mit den positiven Einkünften von 15.000 verrechnet. Wenn Sie ohnehin in 2020 keine Steuern gezahlt haben, bringt Ihnen dies gar nichts. Sie können den Rücktrag verhindern, indem Sie in der Anlage Sonstiges 2021 in Zeile 8 >>0 €uro<< eintragen.

Anlage Sonstiges (Formular 2021)