Helfer in Steuersachen

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1.3 Verluste bei den Einkünften

Hauptvordruck Zeile 2

⇒   Verluste bei den Einkünften

Verluste sind bei der Steuer bares Geld wert, denn sie können die Steuerlast mindern. Sie werden durch Verlustausgleich (§ 2 Abs. 3 EStG) oder Verlustabzug (§ 10d EStG) steuerlich berücksichtigt.

  • Verlustausgleich innerhalb des Verlustentstehungsjahres,
  • Verlustabzug durch Verlustrücktrag in das Vorjahr,
  • Verlustabzug durch Verlustvortrag in spätere Jahre.

Verlust ist im Gegensatz zu Gewinn ein Fehlbetrag bei der Ermittlung der Einkünfte. Bitte Zeile 2  ankreuzen, wenn das Finanzamt einen verbleibenden Verlustvortrag feststellen soll.

♦  Regelung im Detail

Sind im aktuellen Jahr negative Einkünfte nicht oder nicht vollständig ausgeglichen worden, stellen Sie hier einen Antrag auf Feststellung dieser Verluste. Kreuzen Sie dazu Zeile 2 an und machen Sie die Verluste in einer Anlage N geltend, wenn es sich um berufliche Aufwendungen handelt. Die festgestellten Verluste werden automatisch in das Vorjahr zurücktragen oder auf Ihren Antrag hin in künftige Jahre vorgetragen.

Beispiel 1: Sie waren arbeitslos

Sie waren im Jahr 2019 arbeitslos und deswegen ohne Einkünfte. Damit das Finanzamt Ihre Ausgaben für Fortbildung, Bewerbungsschreiben, berufsbedingte Fahrtkosten etc. in 2020 als Verluste berücksichtigt, geben Sie eine Einkommensteuererklärung 2019 ab und kreuzen in Zeile 2 das entsprechende Auswahlfeld an. Außerdem machen Sie in der Anlage N Ihre Werbungskosten geltend.

Beispiel 2: Als Student Verluste durch Fortbildungskosten

Die Gesamtkosten für ein BWL-Studium im zweiten Ausbildungsgang können Sie als Werbungskosten / Fortbildungskosten geltend machen. Weil Sie Ihre bisherige Wohnung beibehalten haben, sind die Aufwendungen für die Wohnung am auswärtigen Ausbildungsplatz und die Heimfahrten als Werbungskosten absetzbar

Für die Berechnung der Werbungskosten gelten hierfür die Regeln zur doppelten Haushaltsführung entsprechend. Insgesamt sind Ihnen durch die doppelte Haushaltsführung, ferner durch Studiengebühren, Bücher, Computer etc. in 2019 Fortbildungskosten in Höhe von 12.000 € entstanden.

Für 2019 geben Sie eine Einkommensteuererklärung ab mit dem Ziel, für dieses Kj. einen Verlust feststellen zu lassen, den Sie mit Ihren künftigen Einnahmen - ab dem Kj. 2020 oder 2021 - verrechnen wollen. Dazu kreuzen Sie in Zeile 2 das entsprechende Kästchen an und machen in der Anlage N Ihre Fortbildungskosten in Höhe von 12.000 € geltend.

⇒   Zunächst Verlustausgleich, sodann Verlustabzug

Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer werden zunächst die Verluste innerhalb derselben Einkunftsart miteinander ausgeglichen, z. B. innerhalb der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung bei mehreren Mietobjekten. In einem zweiten Schritt werden Verluste mit Gewinnen oder Überschüssen aus anderen Einkunftsarten miteinander ausgeglichen (§ 2 Abs. 3 EStG), z. B. Verluste aus Vermietung und Verpachtung mit Einkünften aus Gewerbebetrieb.

Es gibt indessen Einschränkungen. So dürfen Verluste aus Kapitalvermögen nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden. Desgleichen dürfen Verluste aus Aktienverkäufen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen ausgeglichen werden (§ 20 Abs. 6 EStG). Ferner dürfen Verluste aus privaten Spekulationsgeschäften nur mit Gewinnen aus Spekulationsgeschäften ausgeglichen werden (§ 23 Abs. 3 EStG). Der Ausgleich von Verlusten im Ausland wird durch § 2a EStG eingeschränkt.

♦  Verlustabzug

Nicht ausgeglichene Verluste werden wie Sonderausgaben abgezogen (Verlustabzug gem. § 10d EStG). Der Verlustabzug findet statt als Verlustrücktrag in das Vorjahr oder als Verlustvortrag in künftige Jahre.

  • Verlustrücktrag

Ergibt sich im laufenden Jahr ein negativer Gesamtbetrag der Einkünfte (nur negative Einkünfte / Verluste) oder die negativen Einkünfte sind höher als die positiven, kann die Veranlagung des Vorjahres noch einmal geändert werden (Verlustrücktrag in das Vorjahr / § 10d Abs. 1 EStG).

Dies bedeutet: Sind die Verluste eines Kalenderjahres insgesamt höher als die positiven Einkünfte, ergibt sich ein Verlustüberhang. Dieser Verlustüberhang - der verbleibende Verlust – wird vom Finanzamt automatisch mit positiven Einkünften des Vorjahres verrechnet (Verlustrücktrag). Hierfür ist von Ihnen keine Eintragung erforderlich. Sie erhalten in diesem Fall für das Vorjahr automatisch einen neuen Steuerbescheid.

  • Verlustvortrag

Den Verlustvortrag müssen Sie ausdrücklich beantragen (Hauptvordruck Zeile 2). Bitte ankreuzen, wenn das Finanzamt einen Verlustvortrag feststellen soll.

Über einen - nach Verlustrücktrag - verbleibenden Verlust erhalten Sie einen gesonderten Steuerbescheid (Feststellungsbescheid / § 10d Abs. 4 EStG), der für das  nächste Kalenderjahr gilt (Bindungswirkung hat, weil er ein Grundlagenbescheid ist).

Dies bedeutet: Auch wenn Sie in einem einzelnen Jahr nur Verluste haben, sollten Sie eine Steuererklärung abgeben, damit diese Verluste steuerlich festgestellt werden können.

⇒   Verbleibender Verlustvortrag

Wurde für Sie oder für Ihren Ehepartner zum 31.12.2019 ein verbleibender Verlustvortrag festgestellt (Antrag in Zeile 2 des Hauptvordrucks), wird dieser automatisch vom Finanzamt bei der Veranlagung für 2020 berücksichtigt.

♦   Beschränkung des Verlustrücktrag Anlage Sonstiges

Der Verlustrücktrag nach 2019 für nicht ausgeglichene Verluste 2020 kann der Höhe nach beschränkt werden. Falls Sie den Verlustrücktrag der Höhe nach beschränken möchten, geben Sie in Zeile 8 der Anlage Sonstiges 2020 an, mit welchem Betrag die Verluste zurückgetragen werden sollen. Durch die Beschränkung des Verlustrücktrags können Sie erreichen, dass Verluste nur insoweit zurückgetragen werden, als sie sich steuerlich auswirken. So schonen Sie Ihre Verluste und verschenken sie nicht.

Verluste schonen / begrenzen

Der Kniff bei der Schonung / Begrenzung der Verluste besteht darin, die verbleibenden Verluste nur insoweit einzusetzen, dass Sie im Vorjahr auf Steuer 0.- € kommen. 

Dies mag folgendes Beispiel zeigen:

Höhe der Einkünfte 2019 2020
Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit 50.000 € 50.000 €
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung - 35.000 € - 70.000 €
Summe der Einkünfte 15.000 € - 20.000 €

Der nicht ausgeglichene Verlust 2020 von 20.000 € wird automatisch per Verlustabzug in das Vorjahr 2019 zurückgetragen und mit den positiven Einkünften von 15.000 verrechnet. Dies können Sie verhindern, indem Sie in der Anlage Sonstiges in Zeile 8 >>0 €uro<< eintragen.

Anlage Sonstiges (Formular 2019)

Quelle: § 10d EStG