Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

3.5 Getrennt leben? Steuerlich kein Problem / Zeile 17, 28

Hauptvordruck, Zeile 17, 28

⇒   Getrennt leben? Steuerlich kein Problem

„Wo liegt das Problem", fragen sich die Eheleute Jens und Anne, wenn es um die Zeile 17 >>Dauernd getrennt lebend seit...<< geht. Hans hat am auswärtigen Arbeitsort zwar eine neue Lebenspartnerin gefunden, mit der er dort in einer gemeinsamen Mietwohnung zusammen lebt. Die finanziellen Folgen einer Scheidung (Wegfall des Splitting, Zugewinnausgleich, reguläre Unterhaltszahlungen) würden den finanziellen Spielraum der Ehepartner jedoch erheblich einschränken, zumal Hans steuerlich auch doppelte Haushaltsführung geltend macht und dafür einen Steuerbonus kassiert. Deshalb kommt für die Ehepartner eine Scheidung nicht in Betracht. Sie geben nach wie vor einen gemeinsamen Wohnsitz an, unterschreiben ferner die gemeinsame Steuererklärung und beantragen darin die Zusammenveranlagung.

Hauptvordruck

Jens sagt sich: „Erstens lebe ich nicht dauernd getrennt, sondern vielleicht nur vorübergehend. Denn wie schnell kann eine neue Partnerschaft in die Brüche gehen. Und der Splittingtarif steht mir ohnehin zu, weil ich nicht nur gegenüber einer Frau, sondern gegenüber zwei Frauen meiner Unterhaltsverpflichtung nachkomme."

Diese Argumente erscheinen zwar logisch, sind aber rechtlich irrelevant. Und doch klappt der Laden.

♦   Keine gemeinsame Wohnung?

Für den Splittingtarif ist es kein Problem, auch wenn die Ehepartner in getrennten Wohnungen leben, aber die eheliche Wirtschaftsgemeinschaft dadurch aufrecht erhalten, dass sie die sie berührenden wirtschaftlichen Fragen gemeinsam erledigen und gemeinsam über die Verwendung des Familieneinkommens entscheiden. Die Ehepartner leben unter diesen Umständen nicht dauernd getrennt  (FG Münster 22.02.2017 - 7 K 2441/15 E).

Im Streitfall lebten die Ehepartner (Ehemann Rentner, Ehefrau Kinderärztin) in getrennten Wohnungen.

Zur Begründung des Zusammenlebens trugen die Ehepartner vor: Sie leben zwar räumlich, nicht aber persönlich und geistig getrennt. Sie telefonierten täglich mindestens einmal und träfen sich auch an den Abenden regelmäßig abwechselnd im Haus des Ehemannes bzw. in der Wohnung der Ehefrau. An den Wochenenden machten sie gemeinsame Ausflüge, insbesondere in Form von Fahrradtouren und Spaziergängen. Es fänden auch regelmäßig gemeinsame sonntägliche Kirchenbesuche statt. Es habe sich als belebend für die Ehe herausgestellt, wenn die Ehefrau nach einem anstrengenden Arbeitstag in ihrer Wohnung einen Rückzugsort habe, an dem sie sich vom Alltagsstress entspannen könne. Weder die Ehefrau noch der Ehemann hätten in all den Jahren versucht, eine Bindung zu einem anderen Partner aufzubauen. Da beide Eheleute über genug Einkommen und Vermögen verfügten, bestreite grundsätzlich jeder von seinem eigenen Einkommen seinen Lebensunterhalt. Gemeinsame Urlaube, Urlaube und sonstige Kosten des Sohnes, Einkäufe und Theaterbesuche würden von beiden Eheleuten zusammen getragen, ein Ausgleich untereinander erfolge unkompliziert.

Quelle: §§ 26, 26a und 32a EStG