Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

3.7 Ehescheidung: Wie höhere Steuern vermeiden? / Zeile 17 / 28

Hauptvordruck, Zeilen 17 / 28

⇒   Ehescheidung: Wie höhere Steuern vermeiden?

Scheidung und Getrenntleben können zu finanziellen Belastungen führen, auch durch höhere Steuern infolge Wegfall des Splittingtarifs.

Gleichwohl wählen viele demnächst Geschiedene bereits für das Jahr der Trennung die Einzelveranlagung, obwohl in diesem Jahr noch die Zusammenveranlagung mit Splittingtarif möglich wäre, weil sie zu Beginn des Jahres noch nicht getrennt gelebt haben (§ 26b EStG).

Der Grund dafür: Ein Ehepartner oder sogar beide wollen keinen gemeinsamen Steuerbescheid mehr. Denn bei einer Einzelveranlagung erhält jeder für sich einen Steuerbescheid, versteuert nur die Einkünfte, die er bezogen hat und kassiert die Steuererstattung, die er beanspruchen kann. Auch entfällt z. B. bei der Einzelveranlagung die gesamtschuldnerische Haftung für die – anteiligen - Schulden des Ehepartners. Dieser Vorteile wegen nehmen oftmals Eheleute die steuerlichen Nachteile der Alleinstehenden in Kauf, nämlich die Besteuerung nach dem Grundtarif.

♦   Aufteilungsbescheid beantragen

Das Gesetz bietet indessen an, zunächst die Splitting-Zusammenveranlagung zu wählen und anschließend beim Finanzamt die Aufteilung der gemeinsamen Steuerschuld zu beantragen (§ 268 ff AO).

Zwar sind Ehegatten Gesamtschuldner 44 Abs. 1 Satz 1 AO), wenn sie zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden und dabei schuldet jeder aus dem gemeinsamen Steuerbescheid die Steuer in voller Höhe. Es kann aber auch jeder Ehegatte beantragen, dass die Vollstreckung wegen dieser Steuern jeweils auf einen sich bei einer Aufteilung der Steuern ergebenden Betrag beschränkt wird (§ 268 AO). Jeder zahlt oder erhält dann die Steuern, die nach dem Aufteilungsbescheid auf seine eigenen Einkünfte entfallen.

Das klappt aber nur im Vollstreckungsverfahren.

  • Tipp Manöver im Vollstreckungsverfahren

Sie müssen es also soweit kommen lassen, das die im Bescheid festgestellte Einkommensteuer bei der Vollstreckungsstelle des Finanzamts landet, indem Sie nicht pünktlich zahlen. Erst dann ist ein Antrag auf Aufteilung der Steuerschuld zwischen den - vielleicht noch - Ehepartnern zulässig.

Wenn Sie den Steuerbescheid im nächsten Jahr erhalten, leben schon dauernd getrennt oder sind bereits geschieden. Wenn Sie die Steuer für den Vorjahresbescheid nicht zahlen, können Sie dies glaubhaft mit Ihren Eheproblemen begründen.

Anmerkung: Der Erlass des LfSt Bayern, 2.3.2016, S 0520.1.1 - 1/7 St 42 nennt als Voraussetzungen für die Erteilung eines Aufteilungsantrags: 

Die Aufteilung ist nur statthaft bei Personen, die Gesamtschuldner sind, weil sie zusammen zur Einkommensteuer (§§ 26, 26b EStG) veranlagt wurden. ...Weitere Voraussetzung für die Aufteilung einer Gesamtschuld ist, dass Steuerbeträge (Vorauszahlungen oder Abschlusszahlungen) rückständig sind und ein ordnungsgemäßer Antrag auf Aufteilung gestellt wird

Quelle: §§ 268 und 269 AO