Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

02.0 Vorsorgeaufwendungen im Detail

Anlage Vorsorgeaufwand / Zeile 1-57

⇒  Vorsorgeaufwendungen im Detail 

Vorsorgeaufwendungen dienen dem Schutz des Einzelnen oder seiner Familie vor existenziellen Risiken des Lebens. Soweit die Aufwendungen der Mindestvorsorge dienen, kann sich der Steuerpflichtige den Aufwendungen nicht entziehen. Diese Aufwendungen sind daher unbeschränkt abzugsfähig, wie noch zu zeigen sein wird.

Die steuerliche Behandlung von Vorsorgeaufwendungen wurde mit zwei Reformmaßnahmen grundlegend geändert. Die erste Neuregelung ab 2005 betrifft die Basis-Altersvorsorge durch das Alterseinkünftegesetz und die zweite Neuregelung ab 2010 die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung durch das Bürgerentlastungsgesetz

⇒   Basis-Altersvorsorge

Bis 2005 wurden die Renten aus der Basis-Altersvorsorge, z. B. Renten der gesetzlichen Rentenversicherung, im Schnitt mit etwa 27 % besteuert, die Pensionen / Versorgungsbezüge indessen mit nahezu 100 %. 

Die ungleiche Besteuerung wird nach einem Machtwort des Bundesverfassungsgerichts dadurch beseitigt, dass die Renten aus der Basis-Altersvorsorge - langfristig - ebenfalls mit 100 % besteuert werden. Im Gegenzug sind die Aufwendungen für die Basis-Altersvorsorge - wiederum langfristig - in vollem Umfang von der Steuer abzugsfähig.

♦  Gestreckte Übergangsregelung

Diese Regelung sofort umzusetzen wäre dem Fiskus teuer zu stehen gekommen. Um dies zu vermeiden hat er die endgültige Umsetzung durch einer Übergangsregelung auf 20 bzw. 35 Jahre gestreckt. Dies bedeutet: Die neu hinzukommenden Rentnerjahrgänge (Kohorten = Angehörige eines Jahrgangs) müssen Jahr für Jahr ein wenig mehr von ihrer Basis-Altersrente versteuern. Im Gegenzug können die künftigen Rentner in der Aufbauphase ihrer Basis-Altersrente jedes Jahr von ihren Beiträgen ein kleines Häppchen mehr von der Steuer absetzen.

  • Abzugsfähig ab 2005

Im Gegenzug steigen die abzugsfähigen Beiträge in Basis-Vorsorgeversicherungen in 20 Jahren von 60 % im Jahr 2005 bis zum Jahre 2025 auf 100 % an. Sie steigen aktuell von 92 % im Jahr 2021 bis zum Jahre 2025 jeweils um 2 %, allerdings begrenzt durch Höchstbeträge.

Höchstbetrag

Die Beiträge zur Basis-Altersvorsorge sind bis zum Höchstbetrag der Beiträge zur knappschaftlichen Rentenversicherung als Vorsorgeaufwendungen abzugsfähig (§ 10 Abs. 3 EStG). Zur Basis-Altersvorsorge  gehören die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, aus den berufsständischen Versorgungskassen der Ärzte, Rechtsanwälte u.a., aus der landwirtschaftlichen Alterskasse und die private kapitalgedeckte Rentenversicherung (Rürup-Rente).

Der Höchstbetrag für 2021 beträgt 25.787 / 51.574 € (Alleinstehende / Ehepartner).

Gekürzter Höchstbetrag

Die Höchstbeträge werden für eine Übergangszeit von 2005 bis 2025 gekürzt. Sie werden also nur zum Teil angesetzt. Erst danach gelten die vollen Höchstbeträge.

Der Höchstbeträge und der Beiträge (Übersicht).

2019          2020     2021      2022 2023 2024  2025
88 % 90 % 92 % 94 % 96 % 98 % 100 %

Bis zu dieser Höhe sind Beiträge  in die Basis-Altersvorsorge in Höhe der vorstehenden Prozentsätze abzugsfähig.

Beispiel für 2021

Dr. K, wohnhaft im Bundesland A (West), wird mit seiner Ehefrau zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Er hat in 2021 in die kassenärztliche Versorgungseinrichtung insgesamt 27.469 € eingezahlt.

In 2021 sind abzugsfähig 92 % des Höchstbetrages von 51.574 € = 47.448 €, max. 92 % der Aufwendungen von 27.469 € =  25.272 €.

Mehr dazu: ? Suchen anklicken und den Begriff: >>Höchstbeträge Basis-Altersrenten<<  eintragen.   

  • Steuerpflichtig ab 2005

In der Übergangsphase von 2005 bis 2040 ist nur ein bestimmter Besteuerungsanteil der Renten (abhängig vom Beginn der Rente) steuerpflichtig. Der steuerfreie Teil ist als Rentenfreibetrag ausgestaltet.

Der Besteuerungsanteil steigt in 35 Jahren schrittweise von 50 % im Jahre 2005 auf 100 % im Jahre 2040 an. Für jeden in den Jahren nach 2005 hinzukommenden Rentnerjahrgang (Kohorte) erhöht sich der Besteuerungsanteil um 2 % bis zum Jahre 2020, ab dem Jahr 2021 um jährlich 1 %, so dass erstmalig im Jahr 2040 die volle Besteuerung erreicht wird. Man spricht von nachgelagerter Besteuerung.

Die Rentnerjahrgänge ab 2040 müssen ihre Rente dann voll versteuern (100 %). Entsprechendes gilt für kapitalgestützte private Rentenversicherungen (Rürup-Rente). Der Rentnerjahrgang 2021 versteuert seine Basis-Altersrente in Höhe von 81 %.

Steuerpflichtiger Anteil der Renten bei Rentenbeginn (Übersicht)

2019 2020 2021 2022 2023 2024 …. 2040
78 % 80 % 81 % 82 % 83 % 84 % …. 100 %

 Die höhere Besteuerung drückt sich in einem geringeren Rentenfreibetrag aus.                                                  

⇒   Beiträge zur Basis-Krankenversicherung

Beiträge zur Basis-Krankenversicherung und zur gesetzlichen Pflegeversicherung sind seit 2010 besonders begünstigt, indem sie bei der Ermittlung des Einkommens in voller Höhe abgezogen werden können. Hierbei handelt es sich um eine Mindestvorsorge, die jeder Steuerzahler einrichten muss und deshalb vom Gesetzgeber besonders gefördert wird und somit voll abzugsfähig  ist.

Wohingegen  Beiträge zu Wahlleistungen in der Krankenversicherung und auch andere sonstige  Versicherungsbeiträge wie Haftpflicht-, Unfall-, Risikolebensversicherung etc. nur im Rahmen eines bestimmten Höchstbetrages absetzbar sind.

Der absetzbare Höchstbetrag für diese letzteren sonstigen Vorsorgeaufwendungen beträgt 2.800 € oder 1.900 € je Person (Ehepartner doppelte Beträge).

♦   Welcher Höchstbetrag gilt?

Welcher von diesen Höchstbeträgen für Sie gilt, wird über die Angaben in Zeile 51-56 der Anlage Vorsorgeaufwand gesteuert.

  • Höchstbeträge verbraucht

Beiträge zu Wahlleistungen in der Krankenversicherung und auch die anderen sonstigen Vorsorgeaufwendungen wirken sich leider in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht aus, da der Höchstbetrag für diese Aufwendungen bereits durch die Beiträge zur Basis-Kranken- und Pflegeversicherung "verbraucht" ist.