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07.0 Weitere Vorsorgeaufwendungen / Zeile 45-50

Anlage Vorsorgeaufwand / Zeile 45-50

⇒   Weitere Vorsorgeaufwendungen

Die gute Nachricht: Zu den "Weiteren Vorsorgeaufwendungen" gehören auch Beiträge zur Basisversicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung. Diese Beiträge sind in voller Höhe abzugsfähig (§ 10 Abs. 1 Nr. 3a und b EStG / Zeile 16-44 Anlage Vorsorgeaufwand).

Die schlechte Nachricht: Alle anderen "Weiteren Vorsorgeaufwendungen" sind begrenzt durch Höchstbeträge und wirken sich nur selten steuerlich aus. Doch zunächst zum Grundsätzlichen:

♦   Höchstbeträge

Die gesamten Vorsorgeaufwendungen werden wegen ihrer unterschiedlichen Höchstbeträge unterteilt in zwei Gruppen:

  • "Aufwendungen zur Altersvorsorge", z. B. Beiträge in Rentenkassen (Zeile 4-10 ) und
  • "Weitere Vorsorgeaufwendungen", z. B. Beiträge zur Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Haftpflichtversicherungen etc. (Zeile 11-50).

Beide Gruppen haben unterschiedliche Höchstbeträge:

Während die "Aufwendungen zur Altersvorsorge" zu 90 % der Aufwendungen (Wert 2020), höchstens 90 % des Höchstbetrages von 25.046 € / 50.092 € (Alleinstehende / Ehepartner /Werte für 2020) abzugsfähig sind, können die "Weiteren Vorsorgeaufwendungen"  nur bis zu 1.900 € oder 2.800 € (Alleinstehende) abgezogen werden. Für Ehepartner gelten doppelte Beträge.

Zusätzliche Einschränkung: Der Abzug der "Weiteren  Vorsorgeaufwendungen" ist außerdem davon abhängig, dass die Höchstbeträge nicht bereits durch Beiträge zu Basisversicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft wurden (§ 10 Abs. 4 Satz 4 EStG).

Dies bedeutet: Die Beiträge zu den "weiteren Vorsorgeaufwendungen" wirken sich in der überwiegenden Zahl der Fälle steuerlich nicht aus, da der Höchstbetrag bereits durch die Beiträge zur "Basisversicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung verbraucht ist.

  • Vergebliche Arbeitsmühe vermeiden

Wenn auf den ersten Blick erkennbar ist, dass die Beiträge zur "Basisversicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung" die Höchstbeträge übersteigen, erübrigen sich Angaben in den Zeilen 45 bis 50 der Anlage Vorsorgeaufwand, weil sich die Aufwendungen steuerlich nicht auswirken (§ 10 Abs. 4 Satz 4 EStG).  

Anlage Vorsorgeaufwand

♦   Weitere Vorsorgeaufwendungen sind

Die folgenden Aufwendungen sind nur in Höhe der Höchstbeträge abzugsfähig § 10 Abs. 1 Nr. 3 und 3a EStG):

  • Wahlleistungen zur Kranken- und Pflegeversicherung

Zu den weiteren sonstigen Vorsorgeaufwendungen gehören auch Beiträge zur Wahlleistungen (Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherungen, soweit diese nicht der Basisabsicherung zuzurechnen sind / Zeile 22, 27).

  • Arbeitslosen- / Erwerbs- / Berufsunfähigkeitsversicherung

Beiträge zu Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit, die nicht auf einer Lohnsteuerbescheinigung enthalten sind, tragen Sie bitte in Zeile 46 sowie Beiträge zu eigenständigen Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherungen in Zeile 47 ein.

  • Unfallversicherung

Beiträge für eine private Unfallversicherung gehören zu den weiteren Vorsorgeaufwendungen (Zeile 48), wenn die Unfallversicherung ausschließlich private Risiken abdeckt. Sind sowohl private als auch berufliche Risiken versichert, sind die Beiträge grundsätzlich je zur Hälfte als Sonderausgaben und Werbungskosten zu berücksichtigen.

  • Haftpflichtversicherung

Beiträge für private Haftpflichtversicherungen können Sie ebenfalls in Zeile 48 geltend machen. Maßgebend sind die tatsächlichen Beitragszahlungen, also nach Kürzung um den Schadenfreiheitsrabatt und um Beitragsrückerstattungen.

  • Hausratversicherung, Rechtschutz, Kasko

Beiträge zu Kasko-, Hausrat- und Rechtsschutzversicherungen sind nicht abziehbar. Es handelt sich  lediglich um Versicherungen zum Schutz gegen Vermögensschäden. Diese gelten nach Auffassung des Gesetzgebers gegenüber Haftpflichtschäden als nachrangig und sind deshalb nicht steuerbegünstigt.

  • Lebensversicherungen

Beiträge zu Lebensversicherungen, die nur für den Todesfall eine Leistung vorsehen (Risikolebensversicherung, ggf. in Kombination  mit Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung), tragen Sie bitte in Zeile 48 ein.

Beiträge zu Witwen-, Waisen- und Sterbekassen können ebenfalls hierunter fallen.

In Zeile 49 tragen Sie bitte Beiträge zu Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht und Kapitallebensversicherungen mit mindestens 12 Jahren Laufzeit ein, wenn die Laufzeit dieser Versicherungen vor dem 1.1.2005 begonnen hat und mindestens ein Versicherungsbeitrag vor dem 1.1.2005 entrichtet wurde.

Zu diesen Lebensversicherungen gehören auch Ausbildungs- und Aussteuerversicherungen sowie Unfallversicherungen mit Prämienrückgewähr.

Fondsgebundene Lebensversicherungen und von anderen Personen abgeschlossene entgeltlich erworbene Lebensversicherungen sind nicht begünstigt. Ist ein Kapitalwahlrecht ausgeschlossen, sind die Beiträge in Zeile 50 einzutragen.

Anmerkung: Während Beiträge zu Basis-Altersrenten ohne Kapitalwahrecht - Abschluss nach dem 1.1.2005 (Rürup-Renten)  - im Rahmen der Höchstbeträge nach § 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG (2020 mit 90 % des Höchstbetrages von 25.046 / 50.052 (Alleinstehende / Ehepartner) absetzbar sind, können die oa. Kapitallebensversicherungen nur im Rahmen der Höchstbeträge von 1.900 € / 2.800 € abgezogen werden.

Bei Beiträgen zu Versorgungs- und Pensionskassen, einschließlich der von Ihrem Arbeitgeber für Sie erbrachten Zukunftssicherungsleistungen (z. B. an Zusatzversorgungskassen des öffentlichen Dienstes), die zu Ihren Lasten besteuert worden sind (nicht: steuerfrei gezahlte oder vom Arbeitgeber pauschal besteuerte Aufwendungen), richtet sich die Zuordnung zu den  Zeilen 49 und 50 danach, ob eine Kapitalisierung der Leistungen möglich ist (Eintrag in Zeile 49) oder ob ausschließlich Rentenzahlungen bei Fälligkeit der Leistung vereinbart wurden (Eintrag in Zeile 50).

♦   Ergänzende Angaben / Zeile 51-57

Hier geht es um die Frage, welcher von beiden Höchstbeträgen (1.900 €  oder 2.800 €) für Sie in Betracht kommt (§ 10 Abs. 4 EStG).

Haben Sie Beiträge für eine Krankenversicherung ausschließlich aus eigenen Mitteln bestritten, ist die in Zeile 51 gestellte Frage mit „Nein“ zu beantworten und eine „2“ einzutragen Ist der nicht berufstätige Ehegatte / Lebenspartner freiwillig gesetzlich krankenversichert, beantwortet dieser die Frage ebenfalls mit „Nein“ (Höchstbetrag 2.800 €). 

Andernfalls gilt nur der Höchstbetrag von 1.900 €.

Die Zeilen 52-56 sind von Arbeitnehmern auszufüllen, die während des ganzen oder eines Teils des Kalenderjahres nicht rentenversicherungspflichtig waren. Hierzu gehören insbesondere

Beamte, Richter, Berufs- und Zeitsoldaten,

• weiterbeschäftigte Altersrentner, Werkspensionäre mit Altersrente,

• Geistliche und andere Personen mit beamtenähnlichen Versorgungsansprüchen,

• Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften und GmbH Gesellschafter-Geschäftsführer, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind.