Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

01.0 Vorsorgeaufwendungen

Anlage Vorsorgeaufwand

⇒   Vorsorgeaufwendungen

Zunächst das Grundsätzliche:  

Eine auskömmliche lebenslange Rente ist bekanntlich der beste Garant für eine gesicherte Altersvorsorge. Deshalb fördert der Gesetzgeber (ab 2005) vorzugsweise - mit großzügigen Höchstbeträgen - Versicherungsverträge, wenn deren Leistungen im Alter als Rente zur Verfügung stehen. Man spricht von  Basis-Altersvorsorgeversicherungen. Bei Kapitalauszahlungen statt Rente sieht er diese Zielsetzung als gefährdet an, weil diese vielfach nicht der Altersversorgung zugeführt, sondern anderweitig verbraucht werden. Man denke an die Verwendung für eine mögliche Weltreise im Alter oder die Anschaffung eines Reisemobils.

Weitere Vorsorgeversicherungen werden mit wesentlich niedrigeren Höchstbeträgen gefördert.

Lediglich Beiträge zur Basis-Krankenversicherung und Pflegeversicherung sind in voller Höhe abzugsfähig.

⇒   Übersicht

♦   Vorsorgeaufwendungen (Begriff)

Vorsorgeaufwendungen sind Versicherungsbeiträge zur Altersvorsorge und zur weiteren Daseinsvorsorge (Vorsorgeversicherungen, § 10 Abs. 1 Nr. 1-3a EStG). Beide sind getrennt voneinander zu ermitteln und unterscheiden sich hauptsächlich durch unterschiedliche Höchstbeträge. 

Die Vorsorgeaufwendungen werden wegen ihrer unterschiedlichen Abzugsmöglichkeiten unterteilt in "Basis-Altersvorsorge", z. B. Beiträge in Rentenkassen (Zeile 4-10 ) und in "Weitere Vorsorgeversicherungen", z. B. Beiträge zur Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Haftpflichtversicherungen etc. (Zeile 11-50).

Ihr Abzug bei der Steuer ist grundsätzlich durch Höchstbeträge  begrenzt, damit Besserverdienende nicht über die Maßen auf Kosten der Allgemeinheit für sich Vorsorge treffen können (§ 10 Abs. 3 EStG). Eine Ausnahme bilden lediglich Beiträge zur Basis-Kranken- und Pflegeversicherung, die in voller Höhe abzugsfähig sind.

♦   Elektronische Übermittlung der Vertrags- und Versicherungsdaten

Die Versicherungsträger (mitteilungspflichtige Stellen) sind verpflichtet, die Vertrags- und Versicherungsdaten / Beiträge ihrer Kunden unter Angabe ihrer Identifikationsnummer der Steuerverwaltung bis zum 28.2. des Folgejahres elektronisch zu übermitteln (§ 10 Abs. 2a und b EStG).

In der Anlage V sind in den Papierformularen bestimmte Felder grün hinterlegt und mit diesem Zeichen  markiert. Diese Felder sind für die bereits vorliegenden elektronischen Daten reserviert und brauchen nicht ausgefüllt zu werden.                                    

♦   Basis-Altersvorsorge (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG)

Zur Basis-Altersvorsorge  (Anlage Vorsorgeaufwand Zeile 4-10) gehören Beiträge

  • zur gesetzlichen Rentenversicherung (hierzu gehört bei Arbeitnehmern auch der Arbeitgeberanteil),
  • zur landwirtschaftlichen Alterskasse (hierzu gehört bei Arbeitnehmern auch der Arbeitgeberanteil),
  • zu berufsständischen Versorgungseinrichtungen, die Leistungen erbringen, die den gesetzlichen Rentenversicherungen vergleichbar sind (hierzu gehört bei Arbeitnehmern auch der Arbeitgeberanteil)
  • zu zertifizierten Rentenverträgen (sog. Rürup- oder Basisrentenverträge und
  • zu einer ausländischen gesetzlichen Rentenversicherung.
  • zu einer Riester-Rente

Für geleistete Beiträge zur Riester-Rente erhalten Sie Sparzulagen, können aber auch einen zusätzlichen Sonderausgabenabzug geltend machen (§ 10a EStG). Fügen Sie hierzu bitte die Anlage AV bei. Weitere Einzelheiten können Sie der Anleitung zur Anlage AV entnehmen.

Höchstbeträge

Die Beiträge zur Basis-Vorsorgeversicherungen sind bis zu bestimmten Höchstbeträgen abzugsfähig.

Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Höchstbeträge< eintragen.

♦   Weitere Vorsorgeversicherungen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 und 3a EStG)

Weitere Vorsorgeversicherungen (Zeile 11 bis 50 Anlage Vorsorgeaufwand) sind z. B.

  • die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung (z. B. zur Kranken- und Pflegeversicherung),
  • zu entsprechenden privaten Kranken- und Pflegeversicherungen,
  • zu Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht und Laufzeitbeginn sowie erster Beitragszahlung vor dem 1.1.2005,
  • zu Kapitallebensversicherungen mit einer Laufzeit von mindestens 12 Jahren sowie einem Laufzeitbeginn und der ersten Beitragszahlung vor dem 1.1.2005,
  • zu Unfall- und Haftpflichtversicherungen sowie
  • zu Risikolebensversicherungen, die nur für den Todesfall eine Leistung vorsehen.

Beispiel

Die Eheleute Muster stellen fest, dass die in ihren Lohnsteuerbescheinigungen ausgewiesenen Sozialversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber zutreffend elektronisch an das Finanzamt übermittelt wurden. Eintragungen in die Zeilen 4, 9, 11, 13 und 45 sind deshalb nicht erforderlich.

Die Musters haben sowohl eine Insassen- als auch eine Freizeit-Unfallversicherung abgeschlossen. Für beide Versicherungen haben sie insgesamt 118 € überwiesen. Die Kfz-Haftpflichtversicherung hat 240 € an Beiträgen gekostet. Die Beiträge für die Kasko-Versicherung sind hierin nicht enthalten. Außerdem haben sie 49 € für eine private Haftpflichtversicherung gezahlt. Die Summe dieser Beträge (470 €) kürzen sie um eine von der Kfz-Haftpflichtversicherung erhaltene Beitragsrückerstattung von 18 € und tragen den verbleibenden Betrag von 389 € in Zeile 48 ein.

Ergänzende  Angaben zu Vorsorgeaufwendungen / Zeile 51 entfallen.

Eintragungen

Anlage Vorsorgeaufwand

 

♦   In welcher Höhe wirken sich die Beiträge der Musters steuerlich aus?

Die Beiträge zur gesetzlichen Basis-Kranken- und Pflegeversicherung sind in voller Höhe abzugsfähig.  

Der Abzug der "Weiteren  Vorsorgeversicherungen" ist davon abhängig, dass die Höchstbeträge in Höhe von 3.800 € nicht bereits durch Beiträge zu Grund-Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft wurden (§ 10 Abs. 4 Satz 4 EStG).

Dazu mehr im Beitrag 07.0