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10 Bei Wegfall der Kinderzulage droht Kürzung

Anlage AV

⇒   Kürzung der Zulage droht, was tun?

Die Altersvorsorgezulage setzt sich aus einer Grundzulage und einer Kinderzulage zusammen. Die Kinderzulage ist an den Bezug von Kindergeld gebunden, d. h. der Zulageberechtigte erhält für jedes Kind eine Kinderzulage, für das ihm gegenüber Kindergeld festgesetzt worden ist.

Die Kinderzulage beträgt für jedes zu berücksichtigende Kind je Beitragsjahr 185 €. Für ab 1.1.2008 geborene Kinder erhöht sich die Kinderzulage von 185 € auf 300 € pro Kind.

Eltern erhalten letztmalig die Kinderzulage für das Jahr, in dem die Voraussetzungen für Kinderfreibeträge wegfallen (§ 63 i. V. mit § 32 Abs. 4 EStG). Danach ist Schluss.

Nur wenige Eltern können den Wegfall der Kinderzulage wettmachen, indem sie höhere Beträge als bisher in den Riester-Vertrag einzahlen.

Beispiel:

Die Eltern A und B haben einen Riester-Vertrag. Ihr Bruttoarbeitslohn soll 40.000 € in 2018 und 50.000 in 2019 betragen haben.

Im Jahre 2019 hat ihr einziges Kind die Berufsausbildung beendet. Ab 2020 besteht somit kein Anspruch mehr auf Kinderzulage. Wichtig ist, dass die Eltern nunmehr in 2020 ihre Zahlungen in den Riester-Vertrag anpassen. Ansonsten können sie die Riester-Förderung aus Zulagen nicht mehr voll ausschöpfen. Der Grund: Für die volle Förderung müssen Sparer mindestens 4 % des Bruttolohns vom Vorjahr in ihren Vertrag einzahlen. Dabei wird die erhaltene Zulage als eigene Einzahlung gewertet. Wer weniger einzahlt, erhält auch anteilig weniger Förderung.

Berechnung 2018

Als Eigenleistung aufzubringen 4 % von 40.000 € = 1.600 €
Abzüglich Grundzulage 175 € x 2 =   - 350 €
Abzüglich Kinderzulage - 185 €
Als Mindesteigenbeitrag zu leisten 1.065 €

Berechnung 2020

Für 2020 müssen die Eltern ihrem Riester-Anbieter melden, dass sie für 2020 keinen Anspruch auf Kinderzulage mehr haben.

Als Eigenleistung aufzubringen 4 % von 50.000 € = 2.000 €
Abzüglich Grundzulage 175 € x 2 =   - 350 €
Abzüglich Kinderzulage - 0 €
Als Mindesteigenbeitrag zu leisten 1.650 €

Wird der Mindesteigenbeitrag 2020 nicht angepasst, kürzt die Zulagenstelle die Förderung um 39.2 % (Soll 1.650 € - Ist 1.065 € = Differenz 585 € zu wenig = (585 € : 14.92 €) 39.2 %.

Variante: Statt Zulage höhere Steuerermäßigung

Die Ehepartner A und B nutzen gestiegenes Einkommen und zahlen in 2020 in ihren Riester-Vertrag insgesamt 3.850 € ein, um einen zusätzlichen Sonderausgabenabzug geltend zu machen. Dafür müssen sie selbst nur aufbringen (4.200 € - Grundzulage 350 € =) 3.850 €, weil die Zulage als Eigenleistung behandelt wird. Der Sonderausgabenabzug nach § 10a EStG ist bis zu 2.100 € / 4.200 € (Alleinstehende / Ehepartner) möglich. Den Sonderausgabenabzug beantragen sie mit der Anlage AV

Durch den Sonderausgabenabzug mindern die Ehepartner ihr zu versteuerndes Einkommen 2020 von (angenommen) 41.000 € auf 36.800 €. Dies führt zu einer Steuerersparnis von (5.094 € - 3.992 € =) 1.102 €.

Während die Sparzulage direkt dem Vertrag gutgeschrieben wird, fließt die darüber hinausgehende steuerliche Förderung nicht in den Vertrag ein, sondern steht dem Sparer frei zur Verfügung.