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2.1.2 Gemischte Aufwendungen Zeile 31 ff

Anlage N Zeile 31 ff

⇒   Gemischte Aufwendungen

Man spricht von gemischten Aufwendungen, wenn den einzelnen Aufwendungen sowohl ein beruflicher als auch ein privater Anlass zugrunde liegt und beide Anlässe nicht unerheblich sind (anteilig mehr als 10 %).

Gemischte Aufwendungen lassen sich nach geltender Rechtsprechung grundsätzlich aufteilen (BFH Beschluss vom 21.09.2009 - GrS 1/06 betr. Aufteilung der Aufwendungen für eine gemischt veranlasste Reise).

Reisekosten

Im Streitfall hatte ein IT-Fachmann eine Computer-Messe in Las Vegas, USA, besucht. Von den sieben Tagen Aufenthalt in Las Vegas besuchte er an vier Tagen Fachveranstaltungen. Drei Tage dienten Erholungszwecken. Weil die Reise beruflich veranlasst war, erkannte der BFH die Flugkosten in voller Höhe und die Kosten des Aufenthalts (Hotelkosten und Mehraufwendungen für Verpflegung) nur zu 4/7 an.

Telefonkosten

Ein Arbeitnehmer führt von seinem privaten Handy berufliche Gespräche. Er zahlt für seinen Anschluss eine monatliche Flatrate von 50 € = 600 € im Jahr mit Internetanschluss. Es handelt sich um gemischte Aufwendungen, die in beruflich und privat aufgeteilt werden können. Aus Vereinfachungsgründen erkennt der Fiskus 20 % als beruflich veranlasst an.  

  • Nachweise

Eine Aufteilung der Aufwendungen kommt indessen nur in Betracht, wenn der Steuerpflichtige die berufliche Veranlassung im Einzelnen umfassend dargelegt und nachgewiesen hat. Bestehen gewichtige Zweifel, so kommt ein Abzug insgesamt nicht in Betracht.

Die Aufteilung gemischt veranlasster Aufwendungen hat nach einem an objektiven Kriterien orientierten Maßstab der Veranlassungsbeiträge zu erfolgen. Ist eine verlässliche Aufteilung nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich, erfolgt die Aufteilung im Wege der Schätzung. Fehlt es an einer geeigneten Schätzungsgrundlage oder sind die Veranlassungsbeiträge nicht trennbar, gelten die Aufwendungen als insgesamt privat veranlasst (BMF, 6.7.2010, IV C 3 - S 2227/07/10003).

 

♦   Nicht aufteilbare Aufwendungen

Nicht aufteilbar sind zunächst Kosten der Lebensführung: Aufwendungen für Wohnung, Ernährung, Kleidung, allgemeine Schulausbildung, Kindererziehung, Gesundheit, Pflege, Hygieneartikel, Zeitung, Rundfunk oder Besuch kultureller und sportlicher Veranstaltungen (§ 12 Nr. 1 Satz 1 EStG).

  • Kosten der Repräsentation

Dasselbe gilt für Kosten der Repräsentation (§ 12 Nr. 1 Satz 2 EStG). Das sind Aufwendungen für die Lebensführung, die zwar der Förderung des Berufs oder der Tätigkeit dienen können, die aber grundsätzlich die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen mit sich bringen.

Bei Veranstaltungen, die vom Steuerpflichtigen ausgerichtet werden, stellt ein persönlicher Anlass (z.B. Geburtstag, Trauerfeier) oder z. B. Ausrichtung eines Golfturniers, Unterhalt von luxuriösen Fahrzeugen regelmäßig ein bedeutendes Indiz für die Annahme nicht abziehbarer Repräsentationsaufwendungen dar (BMF, 6.7.2010, IV C 3 - S 2227/07/10003).

♦   Grundsätze der Aufteilung

Aufwendungen, die eindeutig und klar abgrenzbar ausschließlich beruflich oder privat veranlasst sind, sind unmittelbar dem beruflichen oder privaten Teil der Aufwendungen zuzuordnen.

Die Aufwendungen sind nach dem jeweiligen Veranlassungsanteil in abziehbare und nicht abziehbare Aufwendungen aufzuteilen. Bei einer untergeordneten beruflichen Mitveranlassung (bis 10 %) sind die Aufwendungen in vollem Umfang nicht als Werbungskosten abziehbar.

Bei einer untergeordneten privaten Mitveranlassung (wiederum bis 10 %) sind die Aufwendungen in vollem Umfang als Werbungskosten abziehbar.

 

Beispiel 1 

Ein Steuerpflichtiger nimmt während seiner 14-tägigen Urlaubsreise an einem eintägigen Fachseminar teil. Die Aufwendungen für die Urlaubsreise sind nicht abziehbar. Die Aufwendungen, die unmittelbar mit dem Fachseminar zusammenhängen (Seminargebühren, Fahrtkosten vom Urlaubsort zum Tagungsort, ggf. Pauschbetrag für Verpflegungsmehraufwendungen), sind als Werbungskosten abziehbar.

Höhe der abziehbaren Aufwendungen (BMF, 6.7.2010, IV C 3 - S 2227/07/10003).

 

♦   Aufteilungsregeln

Der betrieblich/beruflich und privat veranlasste Teil der Aufwendungen kann beispielsweise nach folgenden Kriterien ermittelt werden: Zeit-, Mengen- oder Flächenanteile sowie Aufteilung nach Köpfen.

 

Beispiel 2

An einer Abschiedsfeier eines leitenden Angestellten nehmen 100 Personen teil (80 leitende Mitarbeiter des gesamten Unternehmens und 20 private Gäste des Arbeitnehmers). Die Gesamtkosten der Feier betragen 5.000 €, auf Essen und Getränke entfallen 4.000 €.

Aufgrund der Teilnahme privater Gäste handelt es sich um eine gemischt beruflich und privat veranlasste Veranstaltung. Die Einladung der privaten Gäste erfolgte ausschließlich aus privaten Gründen, so dass die Kosten der Verköstigung und Unterhaltung der privaten Gäste als privat veranlasst zu behandeln sind.

Sachgerechtes objektivierbares Kriterium für eine Aufteilung ist eine Aufteilung nach Köpfen. 80 Personen nehmen aus beruflichen Gründen teil, 20 aus privaten Gründen. Damit sind 1.000 € (20 % der Gesamtkosten), die anteilig auf die privaten Gäste entfallen, nicht als Werbungskosten abziehbar. Von den verbleibenden Kosten in Höhe von 4.000 EUR sind unter Berücksichtigung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG 3.040 € (80 % von 1.000 € + 70 % von 80 % von 4.000 €) als Werbungskosten abziehbar (BMF, 6.7.2010, IV C 3 - S 2227/07/10003)

♦   Nicht aufteilbare gemischte Aufwendungen   

Ein Abzug der Aufwendungen kommt insgesamt nicht in Betracht, wenn die – für sich gesehen jeweils nicht unbedeutenden – beruflichen und privaten Veranlassungsbeiträge so ineinander greifen, dass eine Trennung nicht möglich und eine Grundlage für die Schätzung nicht erkennbar ist. Das ist insbesondere der Fall, wenn es an objektivierbaren Kriterien für eine Aufteilung fehlt.

Beispiel 3

Ein angestellter Steuerberater begehrt die hälftige Anerkennung der Kosten eines Abonnements einer überregionalen Zeitung, die er neben der regionalen Tageszeitung bezieht, als Werbungskosten, weil die überregionale Zeitung umfassend auch über die steuerrechtliche Entwicklung informiere.

Die Kosten sind insgesamt nicht als Werbungskosten abziehbar, weil die beruflichen und privaten Veranlassungsbeiträge so ineinander greifen, dass eine Trennung nicht möglich ist (BMF, 6.7.2010, IV C 3 - S 2227/07/10003).

Die Kosten für (bürgerliche) Kleidung sowie Körperpflege, Führerschein, Brille und Hörgerät stehen zwar vielfach auch mit dem Beruf im Zusammenhang, sind aber nicht aufteilbar (siehe unten) und deshalb vollumfänglich dem privaten Bereich zuzuordnen.

Beispiel 4

Eine Arbeitnehmerin arbeitet in der Parfümerieabteilung eines Kaufhauses. Das Personalbüro erwartet von ihr, dass sie entsprechend gekleidet und geschminkt ist. Aufgrund schlechter Verkehrsanbindung ist sie auf die Benutzung eines Kfz angewiesen und hat deswegen den Führerschein gemacht. Ihre Kosten für Körperpflege, Kleidung und Führerschein sind nicht absetzbar (BFH, Beschluss v. 13.11.2013, VI B 40/13).

Bespiel 5

Ein Lehrer benötigt für den Unterricht eine Brille und ein Hörgerät. Die Kosten für diese medizinischen Hilfsmittel gehören trotz beruflicher Nutzung zu den außergewöhnlichen Belastungen und sind deshalb nicht als Werbungskosten abzugsfähig.

♦  Umfang des beruflichen Anteils im Schätzungsfalle

Lässt sich der konkrete Umfang der beruflichen Nutzung nicht näher bestimmen, muss dieser im Schätzungswege ermittelt werden. Sofern eine nicht unerhebliche berufliche Nutzung glaubhaft erscheint, ist es regelmäßig vertretbar, typisierend und pauschalierend von einer jeweils hälftigen privaten bzw. beruflichen Nutzung auszugehen (BFH Urteil vom 19.02.2004 - VI R 135/01). Will der Arbeitnehmer von diesem Aufteilungsmaßstab abweichen, muss er die hierfür sprechenden Gründe näher darlegen oder zumindest glaubhaft machen.

Zu den Gesamtkosten gehören auch Aufwendungen für Hilfsmaterial, z. B. DVD-Rohlinge, Batterien für Funktastatur, Druckerpapier, Druckerpatronen, Reparaturen sowie Computermöbel; bei Anschaffungskosten über 800 € (ohne Umsatzsteuer) sind die Möbel über 13 Jahre, Computer über 3 Jahre abzuschreiben.

Arbeitsmittel mit Anschaffungskosten bis 800 € (ohne Umsatzsteuer) sind im Jahr der Anschaffung in voller Höhe abzugsfähig (Geringwertige Wirtschaftsgüter / § 9 Abs. 1 Nr. 7 EStG i. V. § 6 Abs. 2 S. 1-3 EStG).

Berufsbezogene Software ist zu 100 % als Werbungskosten abzugsfähig (FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 15.3.2000, 1 K 1484/98).

Beispiel 6

Lehrer nutzen vielfach ihren Computer sowohl beruflich als auch privat. Ohne weitere Nachweise sind die Kosten zu 50 % als Werbungskosten abziehbar. Kann der Lehrer nachweisen, dass ein zweiter gleichwertiger Computer für private Zwecke vorhanden ist, sind höhere Kostenanteile bzw. sogar der volle Kostenabzug möglich.