Helfer in Steuersachen

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2.1.2 Erste Tätigkeitsstätte Zeile 31 ff

Anlage N Zeile 31 ff

⇒  Dreh- und Angelpunkt für abzugsfähige Fahrtkosten 

Die erste Tätigkeitsstätte ist Dreh- und Angelpunkt für abzugsfähige Fahrtkosten. Haben Sie keine erste Tätigkeitsstätte? Um so besser, nun können Sie 30 Cent je gefahrenen km absetzen, also praktisch den doppelten Betrag gegenüber der Entfernungspauschale. Außerdem gibt es die Verpflegungspauschale. Doch der Reihe nach. Zunächst eine

♦   Übersicht

1. Eine Tätigkeitsstätte  2. Mehrere Tätigkeitsstätten 3. Keine erste Tätigkeitsstätte 
Arbeit im Büro, an der Werkbank  Innendienst ⇒ Entfernungspausch. Bauarbeiter, Monteure, Fahrer ⇒ Reisekosten
⇒ Entfernungspauschale Außendienst ⇒ Reisekosten Sammelpunkte oder weiträumige Tätigkeitsgebiete gelten als erste Tätigkeitsstätte
  • Zu 1. Eine Tätigkeitsstätte: Bei nur einer Tätigkeitsstätte ist ausschließlich die Entfernungspauschale abzugsfähig. Bei einer beruflich veranlassten Tätigkeit außerhalb der ersten Tätigkeitsstätte fallen Reisekosten (Fahrtkosten + Verpflegungspauschalen) an. Das können ein auswärtiger Kundenbesuch sein oder die Teilnahme an einem  Fortbildungsseminar oder Reise zu einem Bewerbungsgespräch. Anders verhält es sich, wenn der Arbeitnehmer von einer Sammelstelle aus seinen Dienst antritt. Dazu unten mehr.  
  • Zu 2. Mehrere Tätigkeitsstätten: Bei mehreren Tätigkeitsstätten werden die Wege zur ersten Tätigkeitsstätte in Höhe der Entfernungspauschale berücksichtigt. Für die anderen beruflichen Einsätze werden Reisekosten abgezogen.

    Soll der Arbeitnehmer an mehreren Tätigkeitsstätten tätig werden und ist er einer bestimmten Tätigkeitsstätte dienst- oder arbeitsrechtlich dauerhaft zugeordnet, ist es unerheblich, in welchem Umfang er seine berufliche Tätigkeit an dieser oder an den anderen Tätigkeitsstätten ausüben soll. Auch auf die Regelmäßigkeit des Aufsuchens dieser Tätigkeitsstätten kommt es dann nicht an. 

  • Zu 3. Keine erste Tätigkeitsstätte: Ohne eine erste Tätigkeitsstätte arbeiten Sie ausschließlich  im Außendienst und können arbeitstäglich Reisekosten geltend machen. Ausnahmen: Fahren Sie zunächst von Daheim zu einem vom Arbeitgeber festgelegten Sammelpunkt (Firmensitz, LKW- Depot, Bus-Depot oder in ein weiträumiges Tätigkeitsgebiet (Hafen, Forstgelände), lässt sich für diese Fahrten nur die Entfernungspauschale abrechnen. Zusätzliche Reisekosten gibt es nicht. 

Reisekosten bedeutet: Jeder Kilometer mit dem eigenen Auto zum Einsatz- / Arbeitsort und wieder zurück bringt pauschal 30 Cent an Werbungskosten. Alternativ oder ergänzend rechnen auch Ticketkosten. Außerdem gibt es Verpflegungspauschalen für unbegrenzte Zeit. Was Sie zu Reisekosten beachten müssen, dazu mehr in dem Kapitel "Reisekosten". 

Tipp Ausbildungsdienstverhältnis

Wird eine Berufsausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses ausgeübt, ist der Ausbildungsbetrieb erste Tätigkeitsstätte. Die Fahrten zur Berufsschule sind keine Dienstreisen. 

  • Festlegung der ersten Tätigkeitsstätte

Fehlt es an einer dauerhaften Zuordnung des Arbeitnehmers zu einer betrieblichen Einrichtung durch  den Arbeitgeber, (z. B. weil der Arbeitgeber ausdrücklich auf eine Zuordnung verzichtet hat) oder ist die getroffene Festlegung nicht eindeutig, gilt als erste Tätigkeitsstätte  die betriebliche Einrichtung, an der der Arbeitnehmer typischerweise arbeitstäglich oder  je Arbeitswoche zwei volle Arbeitstage oder mindestens ein Drittel seiner vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit dauerhaft  tätig werden soll.

Ausreichend ist, wenn der Arbeitnehmer unbefristet für die Dauer des Dienstverhältnisses oder über einen Zeitraum von 48 Monaten hinaus an einer solchen Tätigkeitsstätte tätig werden soll.

Tipp Miete für eine eigene Dienstwohnung absetzbar

Wer ausschließlich im Rahmen einer wechselnden Auswärtstätigkeit eine Zweitwohnung nutzt, kann die Aufwendungen dafür, z. B. für Übernachtungen und Büroarbeiten, in voller Höhe als Werbungskosten abziehen, weil es sich um einen eigenen Büroarbeitsplatz handelt (FG Hamburg Urteil vom 24.10.2019 - 6 K 35/19).

Im Streitfall hatte die Klägerin eine Hauptwohnung als Lebensmittelpunkt in Düsseldorf. Wegen ihrer umfangreichen Reisetätigkeit in leitender Funktion für einen Konzern erwarb sie in Hamburg eine Zweizimmerwohnung, deren Kosten sie als Werbungskosten geltend machte.

Die von der Klägerin geltend gemachten Aufwendungen für ihre Wohnung in Hamburg sind als zusätzliche Werbungskosten bei ihren Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG) zu berücksichtigen.