Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

2.1.0 Entfernungspauschale Zeile 31

Anlage N Zeile 31 ff

⇒ Entfernungspauschale

Sie können für Ihre Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte eine verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale geltend machen (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Das gilt auch für Familienheimfahrten bei doppelter Haushaltsführung.

Für diese Entfernungspauschale ist steuerlich ohne Bedeutung, wie Sie an den Arbeitsplatz kommen und ob Ihnen Kosten entstehen. Auch als Teilnehmer einer Fahrgemeinschaft können Sie die Entfernungspauschale ansetzen, selbst wenn Ihnen keine Kosten entstehen. Das gilt auch für Ehepartner, wenn sie beide gemeinsam zur Arbeit fahren, selbst wenn sie beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt sind.

Menschen mit Behinderung und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel können statt der Entfernungspauschale höhere tatsächliche Fahrtkosten ansetzen.

TiTipp Wenn  der angefahrene Arbeitsplatz nicht Ihre erste Tätigkeitstätte ist, können Sie Reisekosten geltend machen, also höhere Fahrtkosten und auch Verpflegungskosten absetzen.

Steuerlich begünstigt sind Sachbezüge und Zuschüsse vom Arbeitgeber für den Weg zur Arbeit, etwa in Form von steuerfreien oder pauschal versteuerten Fahrtkostenzuschüssen oder sog. Job-Tickets. Dazu unten mehr.

♦   Höhe der Entfernungspauschale

Beträgt der Weg von der Wohnung bis zur ersten Tätigkeitsstätte nicht mehr als 20 km, gibt es 30 Cent pro km der einfachen Wegstrecke. 

Fernpendler erhalten ab dem 21. km der einfachen Wegstrecke 35 Cent. Diese Regelung gilt für die Jahre 2021-2023. 

Beispiel:

Bei 230 Wegen im Kalenderjahr und einer Entfernung von 45 km von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte beträgt die Entfernungspauschale:

Kj. 2021-2023 Pauschale
Bis 20 km: 230 x 20 x 0.30 € =    1.380 €
Ab 21 km: 230 x 25 x 0.35 € =  + 2.013 €
Entfernungspauschale      3.393 €

Für die Jahre 2024 bis 2026 gilt ab dem 21. km eine Pauschale von 38 Cent.

  • Höchstbetrag 4.500 €

Die Entfernungspauschale beträgt höchstens 4 500 € im Kalenderjahr. Ein höherer Betrag als 4.500 € ist anzusetzen, wenn der Arbeitnehmer einen Kraftwagen benutzt. Benutzt er öffentliche Verkehrsmittel, ist der Fahrpreis anzusetzen, wenn dieser die Entfernungspauschale übersteigt.

Übersicht km-Sätze      
Bis 20 km / ab 20 km Ab 2021 Ab 2024 Ab 2027
Bis Kj. 2020 Kj. 2021- 2023 Kj. 2024-2026 Kj. ab 2027 
0.30 € 0.30 € / 0.35 € 0.30 € / 0.38 € 0.30 € / 0.30
  •  Mobilitätsprämie für Geringverdiener (§ 101 - 109 EStG)

Wer wenig verdient und keine Steuern zahlt, hat in den Jahren 2021 - 2026 Anspruch auf eine Mobilitätsprämie für die Wegstrecke zur Arbeit, die 20 km übersteigt. Die Mobilitätsprämie beträgt für 2021 (14 % von 0.35 €) = 4.9 Cent für jeden km über 20 km hinaus. Dazu muss eine Steuererklärung abgegeben werden (§ 105 EStG).

Beispiel: Bei einem zu versteuernden Einkommen von z. B. 19.000 € ohne Berücksichtigung der Entfernungspauschale fallen für Ehepartner keine Steuern an, weil der gemeinsame Grundfreibetrag von 19.488 € (§ 32a Abs. 5 EStG / Wert für 2021) nicht überschritten wird. Daher bringt diesen Steuerpflichtigen die Entfernungspauschale nichts. Zum Ausgleich wird dem  berufstätigen Ehepartner, der an 230 Tagen seine 44 km entfernte erste Tätigkeitsstätte aufsucht,  eine Mobilitätsprämie in Höhe von (44 km - 20 km =) 24 km x 230 Wege x 0.35 € = 1.932 x 14 % = 270.48 € gewährt, die von der Steuerschuld abgezogen wird.  

Aktuelles BMF-Schreiben zur Entfernungspauschale 

Die aktuellen BMF-Schreiben zur Entfernungspauschale vom 31.10.2013, IV C 5 - S 2351 und vom 24.10.2014 - IV C 5 - S 2353/14 finden Sie im Beitrag  4.0.

♦   Egal, welches Verkehrsmittel

Es kommt nicht darauf an, welches Verkehrsmittel Sie nutzen und ob Ihnen überhaupt Aufwendungen entstehen. Es kann also jeder die Entfernungspauschale absetzen, Fußgänger und Radfahrer ebenso wie diejenigen, die mit dem Bus, der Bahn fahren oder ein Auto benutzten. Die Entfernungspauschale gilt auch dann, wenn Sie

  • für die Fahrten einen Dienstwagen Ihres Arbeitgebers nutzen und Sie hierfür einen geldwerten Vorteil versteuern; ein Fahrzeug eines Familienmitglieds nutzen oder die Strecke als Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft oder zu Fuß zurücklegen.

Flugstrecken und Sammelbeförderung

Die Entfernungspauschale gilt nicht für Flugstrecken und Strecken mit steuerfreier Sammelbeförderung nach § 3 Nr. 32 EStG (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG).

♦   Ohne Begrenzung auf 4.500 €

Eine Entfernungspauschale wird ohne Begrenzung auf 4.500 € anerkannt, wenn Sie einen Kraftwagen nutzen. Unter Kraftwagen versteht man ein Fahrzeug mit mindestens zwei Achsen. In Einzelfällen verlangt das Finanzamt bei Nutzung eines Kraftwagens Nachweise (gefahrene km anhand von Tachoständen oder Rechnungen über Inspektionen).  

Auch bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sind die gesamten Fahrtkosten abzugsfähig, auch soweit sie die Entfernungspauschale übersteigen. Sind die Ticketkosten höher als die gesamte Entfernungspauschale im Jahr, gilt die Obergrenze von 4.500 € nicht. 

Behinderte Menschen, deren Grad der Behinderung mindestens 70 beträgt, oder behinderte Menschen mit einem Behinderungsgrad von weniger als 70, aber mindestens 50, die in ihrer Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich beeinträchtigt sind, können anstelle der Entfernungspauschale die tatsächlichen Aufwendungen als Werbungskosten geltend machen. Dies sind mindestens 0.30 € je gefahrenen km (Hin- und Rückfahrt / § 9 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG).

♦    Kürzeste Straßenverbindung

Für die Bestimmung der Entfernung ist die kürzeste Straßenverbindung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte maßgebend; eine andere als die kürzeste Straßenverbindung kann zugrunde gelegt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig mit einem Kraftfahrzeug (PKW; Motorrad, Motorroller, Moped) für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte benutzt wird (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG).

Auch bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel kommt es auf die Straßenverbindung an und nicht etwa auf die Tarifentfernung der Eisenbahn oder der Busfahrzeuge bzw. von deren gefahrenen Umwegstrecke.

Beispiel 1: Nutzung eines PKW

Der Arbeitnehmer fährt mit seinem PKW / Kraftwagen regelmäßig zu seiner 70 km entfernten ersten Tätigkeitsstätte.

Anlage N

Die Entfernungspauschale beträgt (230 Wege x 20  km x 0.30 € = 1.380 € + 230 Wege x 50 km x 0.35 € = 4.025 €, zusammen 5.405 €. Die Begrenzung auf 4.500 € gilt nicht, weil der Arbeitnehmer einen PKW / Kraftwagen nutzt.

Beispiel 2: Nutzung eines Fahrrades 

Der Arbeitnehmer fährt mit seinem Fahrrad regelmäßig zu seiner 10 km entfernten ersten Tätigkeitsstätte.

Anlage N

Die Entfernungspauschale beträgt (230 Tage x 10 km x 0.30 € =) 690 €.

Beispiel 3: Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel

Der Arbeitnehmer fährt mit der Bahn an insgesamt 230 Arbeitstagen von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte und zurück. Die kürzeste Straßenverbindung zur Arbeitsstätte beträgt 220 km. Die Aufwendungen für die Jahresnetzkarte der Bahn betragen 6.250 €.

Anlage N

Die Entfernungspauschale beträgt (230 Tage x 220 km x 0.30 €) = 15.180 €, höchstens die tatsächlichen Aufwendungen von 6.250 €.

Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel können Aufwendungen über 4.500 € hinaus abziehen, falls sie nachweisen, dass diese tatsächlich entstanden sind. Die Vergleichsrechnung zwischen dem Höchstbetrag und den tatsächlich entstandenen Kosten für die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist jahresbezogen vorzunehmen (§ 9 Abs. 2 Satz 2 EStG).

Beispiel 4: Entfernungspauschale für Behinderte

Der Arbeitnehmer hat einen Schwerbehindertenausweis mit einer Behinderung von 70 %. Für die Inanspruchnahme der Entfernungspauschale fügt er keinen Einzelnachweis der Kosten bei.

Anlage N

Die Entfernungspauschale beträgt (230 Tage x 160 km x 0.30 € =) 11.040 €.

Bei Behinderten, deren Grad der Behinderung mindestens 70 % beträgt oder weniger als 70 %, aber mindestens 50 mit Merkzeichen "G" im Schwerbehindertenausweis werden anstelle der gesetzlichen Entfernungspauschale die nachgewiesenen Aufwendungen für die Benutzung des eigenen Kraftfahrzeugs abgezogen.

Ohne Einzelnachweis ist als Entfernungspauschale i. S. des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 2 EStG anstelle der tatsächlichen Aufwendungen der pauschale Kilometersatz maßgebend, der für das jeweils benutzte Fahrzeug als höchste Wegstreckenentschädigung nach dem Bundesreisekostengesetz zulässig ist. Das sind 0.30 € je gefahrenen km.

Beispiel 5: Unfallkosten

Mit der Entfernungspauschale sind sämtliche Fahrzeugkosten abgegolten, also auch Garagenmiete, Parkgebühren, Finanzierungs- und Reparaturkosten. Nur Unfallkosten sind als außergewöhnliche Kosten neben der Entfernungspauschale abzugsfähig.

Kaum zu glauben aber wahr: Auf der Rückfahrt von seiner Arbeitsstätte hat der Arbeitnehmer, es war bereits dunkel und es regnete, mit seinem PKW das Tor zu seiner Hauseinfahrt beschädigt und seinen PKW obendrein. Die Gesamtkosten der Reparaturen für das Tor und den PKW betrugen 1.500 €.

Anlage N

Unfallkosten, die auf einer Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte entstehen, können neben dem pauschalen Kilometersatz berücksichtigt werden (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 2 EStG).

Tipp Reisekosten bevorzugen

Die Regelungen zur Entfernungspauschale gelten grundsätzlich nur für Arbeitnehmer, die eine erste Tätigkeitsstätte haben und nur, soweit sie diese erste Tätigkeitsstätte aufgesucht haben.

Andernfalls handelt es sich um Fahrten im Zusammenhang mit einer "Auswärtstätigkeit", bei der ein Kostenabzug als Reisekosten von 0.30 € je gefahrenen km möglich ist. Der mögliche Abzug von Fahrtkosten ist also bei Dienstreisen doppelt so hoch. Davon profitieren alle, die keine erste Tätigkeitsstätte haben wie z. B. Bauarbeiter, Kundenmonteure, Bus- und Fernfahrer etc.

Tipp Höhere Ticketkosten eintragen

Beschäftigte mit Jahres-, Monats- oder Wochentickets für den öffentlichen Nahverkehr können statt der Entfernungspauschale die Ticketkosten für ihre Wege zur Arbeit absetzen. Dies lohnt sich dann, wenn die Ticketkosten höher sind als die Entfernungspauschale (§ 9 Abs. 2 Satz 2 EStG). 

Tipp Taxi ist öffentliches Verkehrsmittel?

Taxi-Fahrzeuge sind „öffentliche Verkehrsmittel” im Sinne des § 9 Abs. 2 Satz 2 EStG, meint zumindest das FG Thüringen im Urteil vom 25.09.2018 - 3 K 233/18. Somit wären die tatsächlichen Taxikosten, auch über 4.500 € hinaus abzugsfähig. 

Ein letztes Wort dazu kommt noch vom BFH: Ob Taxi als öffentliche Verkehrsmittel gelten, dazu ist ein Verfahren vor dem Bundesfinanzhof anhängig (Az. VI R 26/20).

Tipp Vertrauen ist gut,....

Die Entfernungspauschale berechnet das Finanzamt anhand der von Ihnen gemachten Angaben in den Zeilen 31 ff. Ob das Finanzamt richtet gerechnet hat, stellt sich mit dem Steuerbescheid heraus. Rechnen Sie nach, Kontrolle lohnt sich.

Tipp Unfallkosten

Kaum zu glauben aber wahr: Auf der Rückfahrt von seiner Arbeitsstätte hat der Arbeitnehmer, es war bereits dunkel und es regnete, mit seinem PKW das Tor zu seiner Hauseinfahrt beschädigt und seinen PKW obendrein. Die Gesamtkosten der Reparaturen für das Tor und den PKW betrugen 1.500 €.

Anlage N

Unfallkosten, die auf einer Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte entstehen, können neben dem pauschalen Kilometersatz berücksichtigt werden (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 2 EStG).

⇒   Was gilt als Wohnung?

Als Wohnung werden auch ein möbliertes Zimmer, eine Schiffskajüte, ein Schrebergartenhaus, ein auf gewisse Dauer abgestellter Wohnwagen oder ein Schlafplatz in einer Massenunterkunft (Kaserne) angesehen (FG Düsseldorf Urteil vom 26.09.1997 - 13 K 2578/93 E). Es muss sich um eine eigene – möglicherweise mit anderen Personen zusammen genutzte – Wohnung des Steuerpflichtigen handeln (BFH Urteil vom 26.08.1988 - VI R 92/85).

Die Entfernungspauschale steht auch bei mehreren Wohnungen zu.

Beispiel:

Der Arbeitnehmer sucht seinen Betrieb abwechselnd von seiner Wohnung in Köln und von seinem Schrebergartenhaus in der Nähe von Bonn auf. Die Fahrten von der weiter entfernt liegenden Wohnung werden aber nur berücksichtigt, wenn diese den örtlichen Mittelpunkt der Lebensinteressen des Steuerpflichtigen bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird (BFH Urteil vom 13.12.1985 - VI R 7/83)

Wichtig

Die Werbungskosten für Ihre Fahrten zur Arbeit werden vom Finanzamt anhand Ihrer Angaben in den > Zeilen 31 bis 39 der Anlage N berechnet. Sie sollten den Steuerbescheid dahingehend überprüfen, ob das Finanzamt Ihre Angaben auch tatsächlich unverändert übernommen hat oder zu Ihren Ungunsten davon abgewichen ist.

⇒   Arbeitgeberleistungen

Vom Arbeitgeber erstattete Aufwendungen des Arbeitnehmers sind steuerpflichtiger Arbeitslohn. Der Arbeitnehmer kann im Gegenzug seine Aufwendungen als Werbungskosten absetzen. Steuerfreie Leistungen oder pauschal besteuerte Leistungen kürzen indessen den Abzug.

Die Erstattungsbeträge werden in der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesen und in eZeile 39 berücksichtigt:

Anlage N

⇒   Praktischer Fall

Arbeitnehmer A wohnt 30 km von seiner ersten Tätigkeitsstätte entfernt. Er fährt diese Strecke an 230 Tagen. Der Arbeitgeber zahlt monatlich 100 € Fahrgeld, das er mit 15 % pauschal versteuert (§ 40 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1b EStG).

Der Arbeitnehmer trägt ein:

Anlage N

Berechnung

Die Entfernungspauschale beträgt (230 Wege x 20  km x 0.30 € = 1.380 € + 230 Wege x 9 km x 0.35 € = 725 €, zusammen 2.105 €. 

In der Lohnsteuerbescheinigung ist unter der Nr. 17 der Arbeitgeberzuschuss angegeben. Damit hier nichts schief läuft, übernimmt das Finanzamt den bescheinigten Arbeitgeberzuschuss. Eine Eintragung in die eZeile 39 erübrigt sich.

Anlage N eZeile 39, keine Eintragung erforderlich

Die pauschal versteuerten Arbeitgeberleistungen sind auf die Entfernungspauschale anzurechnen. Als Werbungskosten wirken sich aus: Entfernungspauschale 2.105 € - Zuschuss 1.200 € = 905 €.

Es fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an, sodass die pauschale Besteuerung beiden, dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer, Vorteile bringt.