Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

2.2.6 Bewirtungskosten / Ausstand / Geburtstagsfeier Zeile 48

Anlage N Zeile 48

⇒   Bewirtungskosten, Ausstand

Fürstlich tafeln und dabei Steuern sparen, das ist nicht nur ein Privileg der Selbständigen. Auch Arbeitnehmer dürfen die Kosten für die Bewirtung eines Kunden oder der Kollegen bei einem Ausstand / einer Jubiläumsfeier als Werbungskosten absetzen, sofern der Arbeitgeber die Aufwendungen nicht erstattet.

♦   Kundenbewirtung: Absetzbar zu 70 %

Eine berufliche Veranlassung dürfte bei der Bewirtung von Kunden des Arbeitgebers auf eigene Rechnung gegeben sein, wenn der Arbeitnehmer ganz oder zum Teil erfolgsabhängige Bezüge hat, z. B. als leitender Angestellter.  

Es können aber nur 70 % der Aufwendungen als Werbungskosten abgezogen werden. Im Ergebnis muss der Arbeitnehmer also 30 % der Bewirtungsaufwendungen aus eigenem versteuerten Einkommen bestreiten. Diese insbesondere für Selbständige geltende Regelung gilt auch für Arbeitnehmer. Da es Ihnen als Arbeitnehmer sehr viel schwerer als einem Gewerbetreibenden fallen wird, die berufliche Veranlassung von Bewirtungsaufwendungen glaubhaft zu machen, müssen Sie noch größere Sorgfalt auf Belege und Nachweise legen (§ 9 Abs. 5 i. V. mit § 4 Abs. 5 Nr. 2 EStG).

  • Geschäftsessen auf Firmenkosten

Falls der Arbeitgeber letztendlich die Kosten erstattet, sind diese, soweit sie auf den Arbeitnehmer entfallen, kein steuerpflichtiger Sachbezug, sofern die Kosten für die Mahlzeit den Betrag von 60 € nicht übersteigen (R 8.1 Abs. 8 LStR). Ein Geschäftsessen / Arbeitsessen kann auch als Zwang empfunden werden und beinhaltet deswegen keinen geldwerten Vorteil.

♦   Kollegenbewirtung: Absetzbar zu 100 %

Wenn Sie als Arbeitnehmer aus beruflichen Gründen Arbeitskollegen oder Mitarbeiter bewirten, sind die Aufwendungen zu 100 % abzugsfähig.

Beispiel 1

So durfte ein Bundeswehrgeneral Ausgaben für seine Entlassungsfeier zu 100 % absetzen. Die Begrenzung auf 70 % beziehe sich nur auf Personen, die nicht Arbeitnehmer der Behörde / Firma sind, so der BFH, Az. VI R 48 / 07 sind. Wegen fehlender Haushaltsmittel hatte der General die Kosten selbst getragen.

Beispiel 2

Ein Katasteramtsleiter mit 80 Mitarbeitern hatte zum fünfjährigen Bestehen seiner Behörde eingeladen. Absetzbar waren die Kosten nicht nur für Gäste, sondern auch für die Mitarbeiter und den Gastgeber selbst (BFH, Az. VI R 68 / 06).

Beispiel 3

Ein Gruppenleiter mit teilweise variablen, vom Erfolg seiner Abteilung abhängigen Bezügen konnte die Bewirtung seiner (24) Mitarbeiter in voller Höhe absetzen (BFH vom 19.6.2008, Az VI R 33 / 07). Die Richter urteilten: Bewirtet ein leitender Arbeitnehmer mit variablen Bezügen seine Arbeitskollegen, insbesondere ihm unterstellte Mitarbeiter, so unterliegen die Bewirtungsaufwendungen nicht der Abzugsbeschränkung auf 70 %.

Beispiel 4

Anlässlich seines Arbeitgeberwechsels lud en leitender Angestellter zu einer Abschiedsfeier in ein Restaurant ein. Die Einladung richtete er ausschließlich an Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vorgesetzte, Kunden, Lieferanten, Geschäftspartner, Vertreter von Behörden, Verwaltung und Verbänden sowie Experten aus Forschung und Wissenschaft. Nach der vom Gastgeber erstellten Gästeliste sagten 92 Personen ihre Teilnahme zu. Nach der Feier stellte das Hotel-Restaurant dem Kläger einen Gesamtbetrag von 5.055,30 € in Rechnung, der in Höhe von 3.062,40 € auf das Essen (kalt/warmes Buffet für 96 Personen á 31,90 €) und im Übrigen auf Getränke entfiel. Bei den der Höhe nach unstreitigen Kosten handelt es sich um Werbungskosten der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (FG Münster vom 29.5.2015 - 4 K 3236/12 E).

Beispiel 5:

Ähnlich urteilte der BFH am 08.07.2015 - VI R 46/14, die Bewirtungskosten eines angestellten Steuerberaters anlässlich seines Steuerberaterexamens.

Der als Werbungskosten abziehbare Betrag der Aufwendungen könne anhand der Herkunft der Gäste aus dem beruflichen/privaten Umfeld des Steuerpflichtigen abgegrenzt werden.

  • Nachweis der Kosten

Als Nachweis dienen Spesenquittungen, die maschinell ausgedruckt sein müssen (Abschn. 4.10 EStR), mit folgenden Angaben:

1. Name und Anschrift des Restaurants

2. Tag der Bewirtung

3. Auflistung der einzelnen Speisen und Getränke mit Preisen

4. Gesamtpreis, ab 150 € mit Ausweis der Mehrwertsteuer, andernfalls genügt der Steuersatz und der Name des Rechnungsempfängers.

5. Die Namen der Teilnehmer und Anlass der Bewirtung. Diese Angaben hat der Gastgeber schriftlich hinzuzufügen und zu unterschreiben.

Tipp Sonderfall Geburtstagsfeier

Hier noch ein bemerkenswertes Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 12.11.2015 - 6 K 1868/13).

Die Richter urteilten: Kosten für eine Geburtstagsfeier können als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit abgezogen werden, wenn ein angestellter Geschäftsführer ausschließlich seine Mitarbeiter, bzw. Rentner sowie den Aufsichtsratsvorsitzenden einlädt, separate private Feiern des runden Geburtstages stattfinden und die Kosten je Teilnehmer an der Feier moderat sind. Im entschiedenen Fall ergab im Übrigen die Gesamtschau aller Umstände den rein betrieblichen Charakter der Feier (Einbindung des Arbeitgebers in die Organisation, Werkhalle als Veranstaltungsort, Zeit: Freitag mittags bis in den Nachmittag hinein, dem Kreis der Eingeladenen entsprechendes Ambiente).

Quelle: § 9 Abs. 5 i. V. mit § 4 Abs. 5 Nr. 2 EStG