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1.0.1 Abgabe der Anlage N / Veranlagung

Anlage N

⇒   Abgabe der Anlage N

Die Besteuerung der Arbeitnehmer erfolgt im Rahmen des sog. Lohnsteuerabzugsverfahrens (§ 38 ff EStG). Dabei werden die Arbeitnehmer in Lohnsteuerklassen eingereiht (§ 38b EStG) und ihre vollständigen Lohnsteuerabzugsmerkmale (§ 39 EStG) von der Steuerverwaltung den Arbeitgebern zur Verfügung gestellt.

♦   Veranlagung von Arbeitnehmern

Im Prinzip ist die Abgabe der Anlage N und die Veranlagung der Arbeitnehmer entbehrlich, weil die Einkommensteuer im Wege des Lohnsteuerabzugs erhoben wird.

Das System des Lohnsteuerabzugs hat indessen  insoweit Schwächen, als nicht alle steuerlichen Sachverhalte durch das Lohnsteuerabzugsverfahren erfasst werden können. Dazu bedarf es dann ergänzend einer Veranlagung mit Abgabe der Anlage N. Zu unterscheiden sind 2 Fallgruppen: 

  1. Zwangsveranlagungen nach § 46 Abs. 2 Nr. 1-7 EStG
  2. Antragsveranlagung nach § 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG

In den folgenden Ausführungen zeigt sich, wie komplex das Lohnsteuerabzugsverfahren ist. 

♦   Zwangsveranlagungen: 

  • Veranlagung bei nicht lohnsteuerpflichtigen Nebeneinkünften oder steuerfreien Progressionseinkünften von mehr als 410 € (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG)
  • Veranlagung  bei Bezug von Arbeitslohn von mehreren Arbeitgebern nebeneinander (§ 46 Abs. 2 Nr. 2 EStG). Ab dem 2. Arbeitsverhältnis wird die Steuer nach Steuerklasse VI erhoben. 
  • Veranlagung bei Abzug höherer Vorsorgeaufwendungen (§ 46 Abs. 2 Nr. 3 EStG) als die Vorsorgepauschale. Die Zwangsveranlagung knüpft an die Gewährung der Vorsorgepauschale nach § 39b EStG im LSt-Abzugsverfahren an: Eine Zwangsveranlagung ist vorzunehmen, wenn bei einem Steuerpflichtigen die Vorsorgepauschale größer ist als die abziehbaren Vorsorgeaufwendungen nach § 10 Absatz 1 Nummer 3 und Nummer 3a EStG und der im Kalenderjahr insgesamt erzielte Arbeitslohn 12 250 € 23.350 € (Alleinstehende / Ehepartner / Werte für 2021)  übersteigt.
  • Veranlagung von Ehepartnern wegen eines Lohnsteuerabzugs nach der Steuerklasse V oder VI oder dem Faktorverfahren (§ 46 Abs. 2 Nr. 3a EStG). Die Zwangsveranlagung dient hier dazu, die progressive Besteuerung sicherzustellen. Die Besteuerung bei den Lohnsteuerklassen V und VI widerspricht diese den tatsächlichen Verhältnissen. Es kann zu wenig oder zu viel Lohnsteuer einbehalten worden sein. Eine Zwangsveranlagung auch dann vorzunehmen, wenn die Ehepartner beide nach Steuerklasse IV besteuert werden, aber das Faktorverfahren nach § 39f EStG gewählt haben.
  • Veranlagung nach  Berücksichtigung von Freibeträgen für Lohnsteuerabzugsmerkmale (§ 46 Abs. 2 Nr. 4 EStG). Nach   § 46 Abs. 2 Nr. 4 EStG  ist eine Zwangsveranlagung durchzuführen, wenn auf der Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug gem.  § 39 Abs. 3 S. 1 EStG  ein Freibetrag eingetragen worden ist (Freibetrag gem. § 39a EStG für erhöhte Werbungskosten, für erhöhte Sonderausgaben, für außergewöhnliche Belastungen gem.  §§ 33, 33a,  33b Abs. 6 EStG).
  • Veranlagung  bei Lohnsteuer-Ermäßigung für sonstige Bezüge (§ 46 Abs. 2 Nr. 5 EStG). Eine Zwangsveranlagung ist vorzunehmen, wenn bei einem Stpfl. die Lohnsteuer für einen sonstigen Bezug i. S. d. § 34 EStG  (für Entschädigungen Abfindungen  i. S. des § 24 Nr. 1 EStG  oder für Vergütungen für mehrjährige Tätigkeiten) einbehalten worden ist.

♦   Antragsveranlagungen

Liegen die Voraussetzungen für eine Zwangsveranlagung nicht vor, so gewährt § 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG den Arbeitnehmern auf Antrag das Recht auf eine Veranlagung / Antragsveranlagung zwecks Erstattung einbehaltener Lohnsteuer. 

  • Veranlagung, wenn die einbehaltene Lohnsteuer höher ist als die Jahressteuerschuld, z. B. bei Arbeitslohn in schwankender Höhe.
  • Veranlagung bei erhöhten Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen. 

    Beispiel: Arbeitnehmer A war während des ganzen Kj. arbeitslos. Er hat Arbeitslosengeld bezogen und Werbungskosten durch Teilnahme an Fortbildungsseminaren geleistet. Die Werbungskosten können mit anderen Einkünften ausgeglichen oder als Verlustabzug nach § 10d EStG berücksichtigt werden. Das Arbeitslosengeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt und muss deshalb angegeben werden.

  • Veranlagung bei besonderen Steuervergünstigungen, Freibeträge oder günstigere Steuersätze im LSt-Ermäßigungs- und auch im LSt-Abzugsverfahren konnten nicht gewährt werden oder sind nicht gewährt worden Beispiel: Steuerermäßigung nach § 34 EStG im Falle einer Abfindung.
  • Veranlagung bei Verlustausgleich oder Verlustabzug ( nach Rück- oder Vortrag) oder ein negativer Progressionsvorbehalt ( § 32b EStG ) ist zu berücksichtigen,
  • Veranlagung, wenn Steuern auf die Jahressteuerschuld angerechnet werden sollen oder es sollen  Kinderfreibeträge  gewährt werden. 

Die Anlage N können Sie mit MEIN ELSTER® direkt am Bildschirm ausfüllen und zusammen mit dem Hauptvordruck versenden.

♦   Lohnsteuerabzug: Individuell oder pauschal

Zum Lohnsteuerabzug lassen sich Arbeitnehmer in zwei Gruppen unterteilen: 

  • Gruppe 1: Individuelle Besteuerung

Zur ersten Gruppe zählen Arbeitnehmer, deren Arbeitslohn nach individuellen Steuermerkmalen besteuert wird (§ 39 EStG). Die steuerrechtlichen Daten (ELStAM-Daten) dieser Gruppe werden vom Bundeszentralamt für Steuern (bzst.de) verwaltet (§ 39 EStG). Die Sozialversicherung obliegt den Krankenkassen (SGB IV).

Die Lohnsteuer wird vom Arbeitgeber an das Betriebsfinanzamt abgeführt. Die Sozialversicherungsbeiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung usw. werden von den Krankenkassen eingezogen.

  • Gruppe 2: Pauschale Besteuerung

Die zweite Gruppe umfasst Arbeitnehmer, die eine geringfügige Beschäftigung (Minijob) ausüben. Die Minijob-Zentrale (minijob-zentrale.de) ist die zuständige Einzugsstelle für Steuern und Versicherung.

Minijobs sind

  1. die kurzfristige Beschäftigung im Aushilfsjob und
  2. die langfristige Beschäftigung im 450 €-Minijob.

In beiden Fällen wird die Lohnsteuer pauschal erhoben (§ 40a EStG), bei kurzfristiger Beschäftigung in Höhe von 25 % und bei langfristiger Beschäftigung im 450 €-Minijob 2 %, in bestimmten Fällen von 20 %. Es gilt die so genannte Nettolohnvereinbarung, d. h. der Arbeitgeber trägt pauschal Steuern und Sozialabgaben.

  • Individuell oder pauschal: Der Arbeitgeber entscheidet

Wenn beim einzelnen Arbeitnehmer sowohl die Voraussetzungen für die individuelle Besteuerung als auch für die pauschale Besteuerung des Arbeitslohns vorliegen, entscheidet der Arbeitgeber, wie verfahren werden soll.

Im Vergleich: Beträgt der Arbeitslohn eines Arbeitnehmers mit Steuerklasse 1 im Monat nicht mehr als 1.120 € (Wert für 2021 / Lohnsteuer 0 € / bmf.de / Steuerrechner), ist die individuelle Besteuerung günstiger