Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

1.1.1 Geringfügig Beschäftigte / Minijobber

Anlage N

⇒   Geringfügig Beschäftigte / Minijobber

Bei einer geringfügigen Beschäftigung als Minijobber kann die Lohnsteuer pauschal erhoben werden (§ 40a EStG). Für die Entgegennahme der Datenmeldungen des Arbeitgebers ist die Minijob-Zentrale zuständig.

Mit der pauschalen Lohnsteuer ist die Besteuerung des Minijobbers abgegolten. Auch wenn er eine Steuererklärung abgibt, aus welchen Gründen auch immer, muss er darin keine Angaben zur seiner geringfügigen Beschäftigung machen.

Der Arbeitgeber kann seine Aufwendungen für den geringfügig Beschäftigten als Betriebsausgaben, Werbungskosten oder haushaltsnahe Aufwendungen steuerlich absetzen.

♦   Minijob als Begriff

Eine geringfügige Beschäftigung wird als Minijob bezeichnet. Ein Minijob umfasst, so jedenfalls  die Einordnung lt. Minijob-Zentrale, als Begriff

a) die kurzfristige Beschäftigung  im Aushilfsjob oder

b) die langfristige Beschäftigung im 450 €-Minijob.

In beiden Fällen gilt die so genannte Nettolohnvereinbarung, d. h. der Arbeitgeber trägt pauschal Steuern und Sozialabgaben.

Dazu mehr im Internet unter minijob-zentrale.de

♦  Pauschale Lohnsteuer im Minijob

Die Pauschsteuersätze betragen:

  • 25 % Pauschalsteuer des Arbeitslohn bei Aushilfsjobs (§ 40a Abs. 1 EStG)
  • 2 % Pauschalsteuer des Arbeitslohns bei 450 €-Minijobs, wenn der Arbeitgeber pauschale Beiträge zur Rentenversicherung zahlt. Die pauschalen Beiträge zur Rentenversicherung betragen 15 % bei gewerblichen 450 €-Minijobs und 5 % bei 450 €-Minijobs im Privathaushalt (§ 40a Abs. 2 EStG).
  • 20 % Pauschalsteuer des Arbeitslohns bei 450 €-Minijobs, wenn der Arbeitgeber keine pauschalen Beiträge zur Rentenversicherung zahlt (§ 40a Abs. 2a EStG)

⇒   Kurzfristige Beschäftigung / Aushilfsjob

Eine kurzfristige Beschäftigung  ist von vornherein auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt. Auf maximal

  • drei Monate, wenn Ihr Minijobber an mindestens fünf Tagen pro Woche arbeitet oder
  • 70 Arbeitstage, wenn Ihr Minijobber regelmäßig weniger als an fünf Tagen wöchentlich beschäftigt ist.
  • Diese Zeitgrenzen gelten generell:
  • für alle kurzfristigen Minijobs innerhalb eines Kalenderjahres, aber auch
  • für jahresübergreifende Beschäftigungen, die Sie von vornherein auf drei Monate oder 70 Arbeitstage befristet haben.
  • Auf den Verdienst kommt es bei kurzfristigen Minijobs nicht an.

Kurzfristig Beschäftigte / Aushilfen können auch nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (Steuerkarte) nach § 39a EStG oder pauschal mit 25 % besteuert werden.

Aushilfen werden besonders für Auf- und Abbauarbeiten anlässlich von Messen, als Erntehelfer oder bei der jährlichen Bestandsaufnahme von Betriebsvermögen eingestellt.

Abgabenbelastung des Arbeitgebers für kurzfristig beschäftigte Minijobber: Informieren Sie sich unter: minijob-zentrale.de

⇒   Langfristige Beschäftigung / 450 €-Job

Der Arbeitslohn darf insgesamt 450 € im Monat nicht überschreiten (§ 8 Abs. 1 SGB IV). Mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen sind zusammenzurechnen. Ein nicht vorhersehbares Überschreiten der 450- €-Grenze bis zu drei  Monaten innerhalb eines Jahres ist dabei unschädlich.

Wegen der unterschiedlich hohen Abgabenbelastung wird unterschieden zwischen Arbeitnehmern im privaten Minijob - mit Haushaltsscheck - und gewerblichem Minijob.

Jeder darf neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit zusätzlich auch einen Mini-Job ausüben. Es können zeitgleich auch mehrere Mini-Jobs nebeneinander ausgeübt werden.  Es gilt indessen ein strenges Prinzip: Der Arbeitslohn im Minijob darf im Monat insgesamt nicht mehr als 450 € betragen. Über die Einhaltung dieser Grenze wacht die Minijob-Zentrale. Sie registriert jede Anmeldung und kennt auch die Höhe des gezahlten Arbeitslohns. Denn die Minijob-Zentrale fungiert als Inkassostelle. Wird die 450 €-Grenze durch mehr als einen Minijob überschritten, fordert sie alle Arbeitgeber auf, künftig die vollen Regelbeiträge anzumelden. Zugleich wird die Abmeldung der versicherungsfreien geringfügigen Beschäftigung in die Wege geleitet.

Informieren Sie sich umfassend unter: minijob-zentrale.de

♦   Günstigste Variante: Übungsleiterfreibetrag + Mini-Job

Am günstigsten ist es für Sie, wenn es Ihnen gelingt, den Übungsleiterfreibetrag (§ 3 Nr. 26 EStG) und die Pauschalversteuerung im Mini-Job (§ 40a EStG) miteinander zu verbinden.

Einnahmen aus nebenberuflicher Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder als Vormund von alten, kranken oder behinderten Menschen sind grundsätzlich steuerpflichtig, aber bis 3.000 € (Wert ab 2021) steuerfrei (§ 3 Nr. 26 EStG). Auch die Einnahmen im Ehrenamt sind bis 840 € (Wert ab 2021) steuerfrei (§ 3 Nr. 26 a EStG). Und was steuerfrei ist, ist auch versicherungsfrei. Die Tätigkeiten können als Freiberufler oder als Arbeitnehmer ausgeübt werden.

Bei mehr als sechs Stunden nebenberuflicher Tätigkeit in der Woche sind Sie nichtselbständig tätig. Sie brauchen dann im Lohnbüro lediglich zu erklären, dass Sie nebenberuflich arbeiten und werden anschließend als Arbeitnehmer geführt.

Der Verein / die Institution kann für eine Übungsleitertätigkeit im Minijob (5.400 € + 3.000 € = 8.400 € : 12 Monate =) 700 € im Monat auszahlen, wobei die pauschalen Abgaben des Arbeitgebers sich nur aus mtl. 450 € berechnen.

Dazu ? Suchen anklicken und den Begriff >Übungsleiter< eintragen.

♦   Drei Monate abgabenfrei hinzuverdienen

Bei Engpässen im Betrieb durch Krankheit oder Ferienzeiten dürfen Mini-Jobber indessen abgabenfrei hinzuverdienen. Ein nur gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der Arbeitsentgeltgrenze führt also nicht zur Versicherungspflicht; als gelegentlich ist dabei ein Zeitraum bis zu drei Monaten* innerhalb eines Zeitjahres anzusehen.

Beispiel

Sie arbeiten seit dem 01.01. im 450 €-Minijob für ein monatliches Arbeitsentgelt von 450 €. Ende September bittet Sie Ihr Chef wider Erwarten, vom 01.10. bis zum 31.12. zusätzlich die Krankheitsvertretung für eine Vollzeitkraft zu übernehmen. Dadurch erhöht sich Ihr Arbeitsentgelt in den Monaten Oktober bis  Dezember auf monatlich 2.000 €.

Aufgrund der Krankheitsvertretung übersteigt Ihr regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt im Durchschnitt der Jahresbetrachtung (01.01. bis 31.12.) die 450 €-Grenze. Sie bleiben dennoch auch für die Zeit vom 01.10. bis zum 31.12. weiterhin versicherungsfrei in der Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie nicht versicherungspflichtig in der Pflegeversicherung, da es sich nur um ein gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der Arbeitsentgeltgrenze handelt. Der Arbeitgeber hat (auch in der Zeit vom 01.10. bis zum 31.12.) nur Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung zu zahlen.

♦   Zusätzlich noch mitnehmen

Was vielen nicht bekannt ist: Mini-Jobber haben grundsätzlich dieselben Rechte, die Arbeitnehmern in einem regulären Arbeitsverhältnis zustehen. Ein Mini-Jobber hat also beispielsweise Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und an Feiertagen.

Und wo steht das geschrieben? Arbeitsverhältnisse im Mini-Job gehören zu den Teilzeitarbeitsverhältnissen. Von daher gelten für Mini-Jobber arbeitsrechtlich alle Merkmale der Teilzeitbeschäftigung (§ 2 Abs. 2 Teilzeit- und Befristungsgesetz / TzBfG). Ausgangspunkt für diese Regelung ist der Gleichheitsgrundsatz aus Art. 3 GG sowie  das Diskriminierungsverbot aus  § 4 TzBfG.

Wenn Sie als Minijobber mit Ihrem künftigen Brötchengeber über Ihr Salär verhandeln, sollten Sie also daran denken, dass Sie wirksame Rechte im Rücken haben, die Sie stützen.

  • Verzichten Sie auf bezahlten Urlaub und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Es bleibt Ihnen aber unbenommen, auf das eine oder andere Recht zu verzichten, das Sie wenig kostet. Dafür sollte Ihnen künftiger Brötchengeber aber beim Lohn entgegenkommen. Da wäre z. B. der Verzicht auf Mindesturlaub und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle.

  • Pauschale für Krankenversicherung auszahlen lassen

Entrichten Sie in einem anderen Beschäftigungsverhältnis Regelbeiträge zur Sozialversicherung, braucht Ihr Arbeitgeber den Pauschalsatz für die Krankenversicherung nicht zu berappen, ein Vorteil, an dem er Sie beteiligen sollte. Dann muss er zwar die Lohnsteuer über die Steuerklasse erheben, also nicht pauschal mit 2 %. In den Steuerklassen I bis IV fällt indessen bei Minilöhnen keine Lohnsteuer an.

  • Rabattfreibetrag mitnehmen

Ihr Brötchengeber sollte Ihnen auch beim Bezug von Waren einen ordentlichen Rabatt einräumen, z. B. von 100 %. Steuerfrei sind Rabatte auf Waren- und Dienstleistungen bis 1 080 € im Jahr (§ 8 Abs. 3 EStG). Sie können also zusätzlich zu Ihrem Pauschallohn (über 450 € hinaus) jeden Monat ungefähr 90 € (1/12 von 1.080 €) völlig steuer- und sozialversicherungsfrei Rabatt auf Waren und Dienstleistungen erhalten, und das ganz legal und ohne krumme Touren. Auch wird ein Benzingutschein bis 44 € im Monat (§ 8 Abs. 2 Satz 9 EStG) nicht in die 450 €-Lohngrenze eingerechnet.

Dazu ? Suchen anklicken und den Begriff >Rabattfreibetrag< eintragen.

  • Zusätzlich Fahrgeld

Beim Thema Fahrgeld müssen Sie schon auf eine großzügige Geste Ihres künftigen Chefs hoffen. Fahrgeld gehört zunächst einmal zu Ihrem Arbeitslohn. Sind Sie schon nah dran an der 450 €-Grenze, könnte diese durch einen Fahrgeldzuschuss überschritten und aus Ihrem Minijob ein Regelarbeitsverhältnis werden, wodurch dann Lohnsteuer und Sozialabgaben anfallen. Dies lässt sich vermeiden, indem Ihr Arbeitgeber den Fahrgeldzuschuss pauschal mit 15 % versteuert (§ 40 Abs. 2 Satz 2 EStG).

Dazu ? Suchen anklicken und den Begriff >Fahrgeld< eintragen.