Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

1.2.0 Altersversorgung

Anlage N

 ⇒   Altersversorgung

Die Altersvorsorge umfasst die Gesamtheit aller Maßnahmen, um nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben von angespartem Vermögen oder erworbenen Anwartschaften den weiteren Lebensunterhalt angemessen bestreiten zu können.

Zur Altersversorgung gehören mithin Ansprüche auf Renten, Zinsen aus angespartem Vermögen oder Einnahmen aus vermietetem Grundbesitz. Aber auch ein eigengenutztes Einfamilienhaus kann zur Altersversorgung beitragen.

Bei Anwartschaften auf Altersversorgung aus nichtselbständiger Arbeit spricht man von "betrieblicher Altersversorgung".

Bevor wir ins Detail gehen, möchten wir zunächst das Grundsätzliche kurz ansprechen:

♦   Gesetzliche Altersversorgung

Die gesetzliche Altersversorgung (gesetzliche Rentenversicherung / GRV) ist ein Zweig der Sozialversicherung, der vorwiegend der Altersvorsorge von Beschäftigten dient. Grundlage ist das Sozialgesetzbuch (SGB) VI. 

Die gesetzliche Rentenversicherung wird durch ein Umlageverfahren finanziert, ergänzt durch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt. Mit ihren Beiträgen erwerben die Beitragszahler den Anspruch, später selbst eine Rente zu erhalten, die dann von der nachkommenden Generation finanziert wird (Generationenvertrag).

Mit Reformmaßnahmen begegnet der Gesetzgeber dem demographischen Wandel. Die schrittweise Anhebung der Altersgrenze auf 67 Jahre erfolgt bis zum Jahr 2029. Ab 2012 (Jahrgänge ab 1947) wird die Altersgrenze zunächst um einen Monat pro Jahrgang auf Alter 66, ab 2024 (Jahrgänge ab 1959) um zwei Monate pro Jahrgang auf Alter 67 angehoben. Die volle Anhebung der Altersgrenze für die Regelaltersrente auf das 67. Lebensjahr wird erstmals im Jahr 2029 für den Jahrgang 1964 wirksam. Für Versicherte mit mindestens 45 Pflichtbeitragsjahren aus Beschäftigung, Kindererziehung und Pflege wird weiterhin mit 65 Jahren ein abschlagsfreier Altersrentenbeginn möglich sein. Diese Regelung kommt Versicherten mit langjähriger und lückenloser Beitragszahlung entgegen.

Beamte und Gleichgestellte (Richter und Berufssoldaten) zahlen zwar keine eigenen Beiträge ein, dafür sind die Gehälter dieses Personenkreises von Anfang an entsprechend niedriger bemessen als es für gleichwertige Tätigkeiten in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis angemessen wäre.

Der Riester-Faktor überträgt die Mehrbelastungen der Beschäftigten durch die private Altersvorsorge auf die Rentnerinnen und Rentner, d. h. die Beitragszahler der gesetzlichen Rentenversicherung tragen zum Teil auch die Zulagen mit, auf die Riester-Sparer Anspruch haben.

♦  Betriebliche Altersversorgung

Betriebliche Altersversorgung liegt vor, wenn ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer aus Anlass des Arbeitsverhältnisses eine Direktzusage z. B. Pensionszusage zu seiner Versorgung erteilt.

Zusätzlich wird betriebliche Altersversorgung steuerlich durch Entgeltumwandlung der Beiträge flankiert, z. B. durch eine Direktversicherung, um diese Art der Altersvorsorge zu stärken.

Die betriebliche Altersversorgung kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden. Das Betriebsrentengesetz bestimmt hierzu die fünf zulässigen Durchführungswege:

  • Direktzusage, Unterstützungskasse,
  • Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds

Auf die Wahl des Durchführungsweges hat der Arbeitnehmer in der Regel keinen Anspruch. Erfolgt die Durchführung über eine Direktversicherung, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds und als Entgeltumwandlung, so hat der Arbeitnehmer auch ein Recht auf die sog. Riester-Rente (siehe unter "Staatliche geförderte Vorsorge").

♦   Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds im Detail

Das Betriebsrentengesetz sieht ein Recht des Arbeitnehmers auf betriebliche Altersversorgung durch eine Direktversicherung, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds vor. Dies geschieht in der Regel durch Entgeltumwandlung = Verzicht auf zukünftiges Gehalt. Diese Variante erfreut sich bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern bringt zunehmender Beliebtheit.

Die Vereinbarungen zur betrieblichen Altersversorgung mit dem Arbeitnehmer über eine Direktversicherung oder über eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds sind steuerlich nahezu gleich zu behandeln. Sie bleiben unter den Voraussetzungen des § 3 Nr. 63 EStG steuerfrei ( bis zu 8 % der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung).

  • Rechtstellung der Arbeitnehmer

Beiträge, die durch eine Entgeltumwandlung in eine betriebliche Altersversorgung eingezahlt werden, sind sofort unverfallbar. Das bedeutet, sie bleiben bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem Unternehmen in jedem Fall erhalten.

Die vom Unternehmen finanzierten Ansprüche sind indessen erst nach einer gewissen Frist gesichert (gesetzlich unverfallbar). Bei frühzeitigem Ausscheiden kann also unter Umständen der gesamte Anspruch des Arbeitnehmers verfallen. Die Frist beträgt für Zusagen, welche nach dem 31. Dezember 2000 erteilt wurden, fünf Jahre. Zusätzlich muss der Anwärter bei Ausscheiden das 25. Lebensjahr (für Zusagen zwischen dem 1. Januar 2001 und dem 31. Dezember 2008 grundsätzlich das 30. Lebensjahr) vollendet haben. Für Zusagen, die vor dem 1. Januar 2001 erteilt wurden, gelten Übergangsregelungen.

Es gibt die Möglichkeit, eine betriebliche Altersversorgung nach einem Arbeitgeberwechsel beim neuen Arbeitgeber fortzusetzen. Bei der im Jahr 2005 neu eingeführten Übertragungsmöglichkeit wird nicht der bestehende Vertrag mitgenommen, sondern das angesparte Kapital. Hierzu wird die Anwartschaft beim ehemaligen Arbeitgeber in einen bezifferbaren Betrag umgerechnet; dieser Betrag wird in das Versorgungssystem des neuen Arbeitgebers eingestellt. Bei Betriebsrenten, die ab dem Jahr 2005 zugesagt wurden, hat der Arbeitnehmer ein gesetzlich verankertes Recht auf die Übertragung des angesparten Kapitals. Dieses Recht gilt bis zu einem Jahr nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen. Voraussetzung ist, dass die betriebliche Altersversorgung über einen Pensionsfonds, eine Pensionskasse oder eine Direktversicherung durchgeführt worden ist und das gebildete Kapital einen bestimmten Höchstbetrag nicht übersteigt. Der Anspruch auf Leistung richtet sich letztlich immer gegen den Arbeitgeber, auch wenn ein externer Durchführungsweg gewählt wurde (Durchgriffshaftung). Für den Fall einer Insolvenz des Arbeitgebers wird die Leistung durch den Pensionssicherungsverein (PSVaG) garantiert. Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherungen (in den meisten Fällen) gewähren von sich aus einen Rechtsanspruch, so dass der Pensionssicherungsverein im Insolvenzfall regelmäßig nicht eintreten muss.

  • Begriff >>Direktversicherung<<

Hier handelt es sich um eine Lebensversicherung, die der Arbeitgeber zugunsten seines Arbeitnehmers abschließt, bei der aber die späteren Leistungen nicht erst an den Arbeitgeber, sondern direkt an den Arbeitnehmer ausgezahlt werden.

  • Begriff der Entgeltumwandlung

Entgeltumwandlung bedeutet, dass steuerpflichtiger Arbeitslohn, unabhängig davon, ob ihn der Arbeitnehmer aus seinem Tariflohn oder der Arbeitgeber als Zuschuss aufbringt, in steuerfreien Arbeitslohn umgewandelt wird (§ 3 Nr. 63 EStG). Auch die Umlage im System der Zusatzversorgung in Bund und Ländern zählt zur Entgeltumwandlung (VBL-Satzung / § 19 Abs. 1 Nr. 3 EStG; § 3 Nr. 56 EStG). 

Folge: Der Arbeitnehmer muss weniger Lohnsteuer und Sozialabgaben zahlen. Lohnsteuer- und sozialabgabenfrei sind Entgelte bis zu 8 % der Bemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung West (82.800 € x 8 % = 6.624 € (Wert für 2020 / West).

Als Modelle kommen in Betracht die Direktversicherung, Absicherung über eine Pensionskasse oder eine Pensionsfonds. Das am meisten gewählte Modell  ist die Direktversicherung. Eine Direktversicherung ist ein Vertrag für eine Lebensversicherung, die der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer für den Arbeitnehmer (versicherte Person) abschließt. Bezugsberechtigt ist indessen der Arbeitnehmer, dem die Versicherungsleistungen >>direkt<<, also nicht über den Arbeitgeber, ausgezahlt werden.

⇒   Übersicht zur betrieblichen Altersversorgung

Zunächst eine Übersicht, welche Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung Sie nutzen können und wo die Vorteile und Nachteile für Sie liegen.

♦   Die fünf Modelle zur betrieblichen Altersversorgung

Modelle Inhalt Förderung Besteuerung

Direktversicherung, Entgeltumwandlung,

Der Arbeitgeber leistet Beiträge durch Entgeltumwandlung / Gehaltsverzicht des Arbeitnehmers  in eine von ihm zugunsten des Arbeitnehmers abgeschlossene Lebensversicherung, die dem Arbeitnehmer im Alter direkt als  monatliche Rente gezahlt wird. Die Beiträge des Arbeitgebers sind bis zu 8 % der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung steuerfrei (§ 3 Nr. 63 EStG). Der Besteuerung unterliegt nur der Restlohn. Förderung als Riester-Sparzulage möglich. Die spätere Rente muss der Arbeitnehmer in voller Höhe als wiederkehrende Bezüge versteuern (§ 22 Nr. 5 EStG)

Pensionskasse, Pensionsfonds

Der Arbeitgeber zahlt zugunsten des Arbeitnehmers Beiträge in eine - werkseigene - Pensionskasse oder in einen Pensionsfonds für eine spätere Rente des Arbeitnehmers. Regelung wie bei der Direktversicherung (siehe oben). Regelung wie bei der Direktversicherung (siehe oben).

Pensionszusage mit  

Entgeltumwandlung

Der Arbeitgeber verspricht dem Arbeitnehmer - ohne Abschluss einer Lebensversicherung - eine spätere Pension. Der Arbeitnehmer finanziert dies durch Entgeltumwandlung / Lohnverzicht. Der Aufbau der Altersversorgung ist nicht steuerpflichtig. Der Besteuerung unterliegt nur der Restlohn. Die spätere Pension ist nachträglicher Arbeitslohn und vom Arbeitnehmer als Versorgungsbezüge nach § 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG zu versteuern.
Pensionszusage, Direktzusage Der Arbeitgeber verspricht dem Arbeitnehmer eine spätere Pension; der Arbeitnehmer muss dafür keine Zahlungen leisten. Der Aufbau der Altersversorgung ist nicht steuerpflichtig, es entsteht keine steuerliche Belastung für den Arbeitnehmer. Die spätere Pension ist nachträglicher Arbeitslohn und vom Arbeitnehmer als Versorgungsbezüge nach § 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG zu versteuern.
Werkspension Der Arbeitgeber zahlt dem Arbeitnehmer ohne  vorherige verbindliche Zusage eine Betriebspension, die er unmittelbar aus betrieblichen Mitteln oder über eine Unterstützungskasse leistet. Während der aktiven Tätigkeit des Arbeitnehmers entsteht für ihn keine finanzielle Belastung. Die spätere Werkspension ist nachträglicher Arbeitslohn und vom Arbeitnehmer als Versorgungsbezüge nach § 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG zu versteuern.

.