Helfer in Steuersachen

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2.1.8 Werkspensionen / Versorgungsbezüge Zeile 6

Anlage N / Zeile 6

⇒   Werkspensionen / Versorgungsbezüge

Werkspensionen sind Versorgungsbezüge und nach § 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG als nachträglicher Arbeitslohn aus einem früheren Dienstverhältnis steuerpflichtig. 

♦   Versorgungsfreibetrag 

Von den Bezügen bleiben ein nach einem Prozentsatz ermittelter, auf einen Höchstbetrag begrenzter Betrag (Versorgungsfreibetrag) und ein Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag steuerfrei (§ 19 Abs. 2 EStG).

⇒   Betriebliche Altersversorgung im Überblick

Unter betrieblicher Altersversorgung versteht man Leistungen des Arbeitgebers zur Sicherung der  Alters-, Invaliditäts- oder Hinterbliebenenversorgung der Arbeitnehmer (§ 1 Betriebsrentengesetz / BetrAVG).

Der Aufbau einer betrieblichen Altersversorgung kann

  • als Werksrente durch Entgeltumwandlung im Rahmen einer Direktversicherung, einer Pensionsfonds oder eines Pensionskasse erfolgen (§ 1a BetrAVG) oder 
  • als Werkspension durch eine Pensionszusage / ein Leistungsversprechen des Arbeitgebers (Pensionsrückstellung / § 6a EStG).  

Zur konkreten Umsetzung der betrieblichen Altersversorgung stehen fünf Modelle zur Verfügung, auch Durchführungswege genannt.

  1. Direktversicherung 
  2. Pensionsfonds 
  3. Pensionskasse
  4. Pensionszusage durch den Arbeitgeber
  5. Pensionszusage durch eine Arbeitgeber-Unterstützungskasse

⇒   Modelle 1 - 3 / Betriebsrente / Anlage R-bAV

Der Aufbau der Betriebsrente erfolgt in den Modellen 1-3 durch Entgeltumwandlung.  Das umgewandelte Entgelt ist teilweise steuerfrei. Die Regelungen im Einzelnen ergeben sich aus §§ 1 Abs. 1 Satz 2 und 1a BetrAVG, § 19 Abs. 1 Nr. 1 und 3 EStG, § 3 Nrn. 56, 63, 63a und § 100 Abs. 6 EStG.

Die Modelle 1-3 umfassen:

  1. Direktversicherung (Produkt einer Lebensversicherung)
  2. Pensionsfonds (Wertpapierfonds mit hoher Aktienquote)
  3. Pensionskasse (selbständiges Versicherungsunternehmen)

In der Auszahlungsphase hat der Arbeitnehmer Sonstige Einkünfte, zu erklären in der  Anlage R gem. § 22 EStG.

Tipp Direktversicherung vorrangig

Wenn Sie über den Betrieb fürs Alter sparen wollen und der Arbeitgeber kein Angebot macht, muss er für Sie eine Direktversicherung abschließen. Darauf haben Sie einen Rechtsanspruch.  Bitten Sie ihn, mehrere Angebote einzuholen, also nicht nur eines z. B. von seiner Hausbank. 

♦   Steuerfrei durch Entgeltumwandlung

Entgeltumwandlung bedeutet, dass steuerpflichtiger Arbeitslohn, unabhängig davon, ob ihn der Arbeitnehmer aus seinem Tariflohn (§ 19 Abs. 1 Nr. 1 EStG) oder der Arbeitgeber als Zuschuss (§ 19 Abs. 1 Nr. 3 EStG) aufbringt, in steuerfreien Arbeitslohn umgewandelt wird (§ 3 Nr. 63 EStG). Auch die Umlage im System der Zusatzversorgung in Bund und Ländern (gem. Satzungen VBL) zählen zur Entgeltumwandlung, weil die Umlage weitgehend steuerpflichtig ist (§ 19 Abs. 1 Nr. 3 EStG; steuerfrei gem. § 3 Nr. 56 EStG).

Die Beiträge in eine Direktversicherung, in eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds werden somit aus dem Bruttolohn abgezweigt. Die Beiträge gehören somit zunächst zum Arbeitslohn des Arbeitnehmers (§ 19 Abs. 1 Nr. 1 EStG), sind indessen teilweise steuerfrei. Auch die Beiträge des Arbeitgebers sind Arbeitslohn, weil der Arbeitnehmer hierdurch einen Rechtsanspruch auf spätere Versorgungsleistungen erhält (§ 19 Abs. 1 Nr. 3 EStG). 

Der Anspruch auf Entgeltumwandlung steht indessen nur Arbeitnehmern offen, die gesetzlich rentenversicherungspflichtig sind.

  • Modellwahl nur durch den Arbeitgeber

Die Wahl des Modells steht dem Arbeitgeber zu. Wünscht der Arbeitnehmer die Durchführung über einen Pensionsfonds oder eine Pensionskasse, kann dies dem Arbeitgeber indessen nicht aufgezwungen werden. Wenn er hierzu nicht bereit ist, kann der Arbeitnehmer nur verlangen, dass für ihn eine Direktversicherung abgeschlossen wird.

Beispiel Entgeltumwandlung

Ein lediger Arbeitnehmer mit einem Monatsgehalt von 4.000,00 € brutto zweigt monatlich 350.00 € steuerfrei für seine betriebliche Altersversorgung ab (Entgeltumwandlung). Das niedrigere Bruttogehalt führt zu einer Ersparnis an Lohnsteuer und Sozialversicherung von rd. 55 %, so dass er selbst nur 45 % von 350.00 € = 157.50 € für seine Altersvorsorge aufbringen muss.

Einzahlung in den Vertrag

Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung brutto  350.00 €
+ Arbeitgeberzuschuss 15 % 52.50 €
Einzahlung in den Vertrag 402.50 €

Soweit die Beiträge steuerfrei sind, sind sie auch frei von Sozialabgaben. Der Arbeitgeber muss bei neuen Verträgen den eingesparten Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben an den Arbeitnehmer ausschütten. Die Ausschüttung erfolgt durch einen Zuschuss des Arbeitgebers in Höhe von 15 % der steuerfreien Beiträge (§ 1a Abs. 1a BetrAVG).

Die späteren Leistungen aus denn  begünstigten Beiträgen sind in voller Höhe nach § 22 Nr. 5 EStG als sonstige Einkünfte im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung zu erfassen.

Mehr dazu: ? Suchen anklicken und den Begriff >Entgeltumwandlung< eintragen.

  • Höchstbetrag der steuerfreien Entgeltumwandlung

Steuerfrei sind Beiträge aus dem ersten Dienstverhältnis für eine Direktversicherung, an einen Pensionsfonds, eine Pensionskasse zum Aufbau einer kapitalgedeckten betrieblichen Altersversorgung, soweit die Beiträge im Kalenderjahr 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung nicht übersteigen (Höchstbetrag).

Berechnung: Beitragsbemessungsgrenze 2021 = 58.050 €, davon 8 % =  steuerfreier Höchstbetrag 4.664 €. 

Tipp Abfindung steuerfrei anlegen

Aus Anlass der Beendigung des Dienstverhältnisses geleistete Beiträge (Abfindungen) sind außerdem steuerfrei, soweit sie 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung, vervielfältigt mit der Anzahl der Kalenderjahre, in denen das Dienstverhältnis des Arbeitnehmers zu dem Arbeitgeber bestanden hat, höchstens jedoch zehn Kalenderjahre, nicht übersteigen (§ 3 Nr. 63 EStG).

Berechnung: Beitragsbemessungsgrenze 2021 = 58.050 €, davon 4 % = 2.332 x höchstens 10 Jahre = 23.320 € steuerfrei. Der Rest der Abfindung ist steuerbegünstigt nach § 34 EStG in Form der Fünftelregelung.

Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Fünftelregelung< eintragen.

  • Direktversicherung bedeutet:

Eine Direktversicherung ist ein Vertrag für eine Rentenversicherung, die der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer für den Arbeitnehmer (versicherte Person) abschließt. Bezugsberechtigt ist indessen der Arbeitnehmer, dem die Versicherungsleistungen >>direkt<<, also nicht über den Arbeitgeber, ausgezahlt werden. 

♦   Besteuerung der Betriebsrenten

Die Versteuerung der Betriebsrenten hängt davon ab, ob die eingezahlten Beträge in der Aufbauphase versteuert wurden.

   1. Zum Teil steuerpflichtig

Die Rente ist zum Teil steuerfrei, wenn die eingezahlten Beträge pauschal oder normal als Arbeitslohn versteuert wurden. Die Steuerfreiheit wird dadurch gewährleistet, dass die Renten nur mit ihrem Ertragsanteil besteuert werden (§ 22 Nr. 1a Doppelbuchst. bb EStG). Das ist bei Verträgen vor 2005 häufig der Fall. Maßgebend ist das Alter des Rentenberechtigten zu Beginn der Rente. 

Beispiel: Alter zu Beginn der Renten 65 J., steuerpflichtiger Ertragsanteil 18 %, steuerfrei sind somit 82 %. 

   2. In voller Höhe steuerpflichtig

Die Rente ist indessen in voller Höhe steuerpflichtig, wenn die Beiträge in der Aufbauphase aus dem Bruttolohn steuerfrei geleistet wurden.  

⇒   Modelle 4 und 5 / Betriebspensionen / Anlage N

Bei den Modellen 4-5  macht der Arbeitgeber von einer Pensionszusage an Arbeitnehmer Gebrauch. Während der Aufbauphase ist für den Arbeitnehmer nichts zu veranlassen. Der Arbeitgeber bildet indessen für die erteilten Pensionszusagen eine Rückstellung in seiner Bilanz (§ 1 Abs. 1 Satz 2 BetrAVG). In der Auszahlungsphase hat der Arbeitnehmer Versorgungsbezüge zu versteuern (Anlage N Zeile 6 und 11 / § 19 EStG).

Anlage N Zeile 6 und 11

  

Übersicht

  1. Pensionszusage - unmittelbar - durch den Arbeitgeber
  2. Pensionszusage - mittelbar - durch eine betriebseigene Unterstützungskasse
  • Unmittelbare Pensionszusage 

Die unmittelbare Pensionszusage besteht darin, dass der Arbeitgeber selbst die Zusage erteilt und auch später die Leistungen erbringt.

In der Aufbauphase fließt dem Arbeitnehmer noch kein Vermögenswert zu. In der Auszahlungsphase sind die Pensionen als Versorgungsbezüge nach § 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG als nachträglicher Arbeitslohn zu versteuern.

Ausführliche Hinweise zur betrieblichen Altersversorgung enthält BMF-Schreiben v. 6.12.2017, IV C 5 – S 2333/17/10002, BStBl 2018 I S. 147. Dazu im nächsten Beitrag unter 1.1.

  • Mittelbare Pensionszusage

Die mittelbare Pensionszusage besteht darin, dass der Arbeitgeber nicht selbst unmittelbar die Zusage erteilt, vielmehr mittelbar über eine von ihm finanzierte Unterstützungskasse. 

Auch in diesem Fall fließt dem Arbeitnehmer in der Aufbauphase kein Vermögenswert zu. Erst in der Auszahlungsphase sind die Pensionsleistungen als Versorgungsbezüge (nachträglicher Arbeitslohn) nach § 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG zu versteuern.