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Anlage N Zeile 44

⇒   Häusliches Arbeitszimmer

Wer zu Hause ein echtes Arbeitszimmer hat und keinen Arbeitsplatz beim Arbeitgeber, kann dafür bis zu 1.250 € im Jahr als Werbungskosten abziehen. Davon profitieren vom allem Außendienstmitarbeiter, Lehrer oder Richter. 

Ist das Arbeitszimmer indessen der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit - was bei Außendienstmitarbeitern, Lehrern oder Richtern nicht der Fall ist - sind die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer in voller Höhe abzugsfähig.

So wird IT-Mitarbeitern, die zu Hause arbeiten, deren Arbeitszimmer als beruflicher Mittelpunkt anerkannt mit der Folge, dass die Kosten in voller Höhe abzugsfähig sind. 

♦   Was ist ein echtes Arbeitszimmer?

Ein echtes Arbeitszimmer ist ein büroartiger Raum, der in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist / zur Wohnung gehört und nahezu ausschließlich beruflichen Zwecken dient. Absetzbar sind die Aufwendungen für die Wohnung, soweit sie auf das Arbeitszimmer entfallen (§ 9 Abs. 5 Satz 1 EStG). 

Auch wenn sie im Homeoffice arbeiten, muss zwischen einem echten Arbeitszimmer und einer Arbeitsecke unterschieden werden. Ein Schreibtisch im Wohnzimmer ist kein echtes Arbeitszimmer. Die Kosten für die anteilige Fläche der Wohnung sind bei einer Arbeitsecke nicht abzugsfähig, wohl aber die Kosten der Einrichtung wie Schreibtisch, Stuhl, Regale und Computer. 

Übersicht

Häusliche Arbeitszimmer lassen sich wegen der unterschiedlichen Regelungen in drei Gruppen aufteilen:

Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3
Sie arbeiten an verschiedenen Orten (z. B. Lehrer, Richter, Außendienstler) Sie arbeiten komplett zu Hause Arbeitsecke
Abzug höchstens 1.250 € Abzug in voller Höhe Abzugsverbot


♦ Der Fiskus hat ein theoretisches Problem

Den Fiskus beschäftigt an dieser Stelle die leidige Frage, ob sich die Aufwendungen für die Wohnung leicht und einwandfrei in beruflich (für das Arbeitszimmer) und privat (zum Wohnen) trennen lassen. Nur dann können die Aufwendungen für das Arbeitszimmer genau bestimmt werden.

  • Zunächst Abzugsverbot

Weil aber eine Trennung der Aufwendungen nicht leicht und einwandfrei möglich ist, lässt das Gesetz zunächst überhaupt nichts zum Abzug zu (§ 9 Absatz 5 Satz 1 EStG i. V. mit § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6b Satz  EStG). Eine Trennung der Aufwendungen scheitere schon an der einfachen Frage, in welchem Umfang das Zimmer beruflich genutzt werde, ohne in die private Sphäre des Steuerzahlers einzudringen, so der BFH vom 27.07.2015, GrS 1/14; BFH vom 16.2.2016, IX R 23/12 und IX R 20/13.

  • Ausnahmen vom Abzugsverbot

1. Arbeit an verschiedenen Orten

Wenn Sie an verschiedenen Orten arbeiten, weil für bestimmte Arbeiten beim Arbeitgeber für diese Arbeiten kein Arbeitsplatz zur Verfügung steht (Außendienstler, Lehrer, Richter), sind die Aufwendungen abzugsfähig. Die Höhe der abzugsfähigen  Aufwendungen wird auf 1.250 € begrenzt.

Beispiel: Ein Lehrer bereitet zu Hause seinen Unterricht in der Schule vor, ein Richter schreibt zu Hause seine Urteile. 

Weil der Höchstbetrag personenbezogen ist, können verschiedene Personen, z. B. Ehepartner, dasselbe Arbeitszimmer für sich nutzen, also kann jeder für sich 1.250 € geltend machen.  

2. Arbeit komplett zu Hause

Wenn Sie komplett zu Hause arbeiten, das Arbeitszimmer somit den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung bildet. Dann sind die anteiligen Arbeitszimmerkosten in voller Höhe absetzbar.

Letztendlich kann über die Abziehbarkeit der Aufwendungen der Höhe nach nur im Rahmen der Veranlagung entschieden werden, also nicht im Lohnsteuerabzugsverfahren.

Stellen Sie die anteiligen Aufwendungen zusammen und tragen in Zeile 44 ein:

Anlage N

Bildet das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit, begrenzt das Finanzamt die abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 €.

 Anlage N

Die Kosten für Arbeitsmittel sind zusätzlich zum Höchstbetrag von 1.250 € absetzbar.

♦  Berechnung der anteiligen Kosten

Als dem Grunde nach abzugsfähige Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer kommen in Betracht: Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes oder der Eigentumswohnung verwendet worden sind, Gebäude-AfA, Reparaturaufwendungen, Feuerversicherung, Schornsteinfegergebühren, Grundsteuer, Müllabfuhrgebühren, Wassergeld, Stromkosten, Heizungskosten, Reinigungskosten, Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers und Aufwendungen für die Renovierung des Zimmers.

Soweit die Kosten nicht direkt dem Arbeitszimmer zuzuordnen sind wie z.B. die Aufwendungen für eine Dachreparatur oder für eine Zentralheizung, ist allein der auf das häusliche Arbeitszimmer entfallende Anteil der Gesamtaufwendungen in Prozenten abzugsfähig. Dieser Anteil ist grundsätzlich nach dem Verhältnis der Fläche des häuslichen Arbeitszimmers zur Wohnfläche des Einfamilienhauses bzw. der Eigentumswohnung (Wohnflächenverhältnis) im Schätzungswege (§ 162 der Abgabenordnung) zu ermitteln.

Aufwendungen, die indessen direkt dem häuslichen Arbeitszimmer zuzuordnen (z. B. Büroausstattung, Renovierung des Arbeitszimmers), werden zu 100 % berücksichtigt.

♦  Kein Arbeitszimmer? Dann Arbeitsecke

Ohne häusliches Arbeitszimmer haben Sie vielleicht eine sog. Arbeitsecke, wo auch immer in der Wohnung. Die Kosten dafür sind nicht abzugsfähig, weil sich eine Aufteilung der Kosten in beruflich und privat nicht vornehmen / nachprüfen lässt (BFH Beschluss vom 27.07.2015 - GrS 1/14). Sie können indessen die Aufwendungen für Ihre in der Arbeitsecke beruflich genutzten Arbeitsmittel wie z. B. Schreibtisch, Regale etc. in Zeile 42 eintragen.

  • Homeoffice-Pauschale

Liegt kein häusliches Arbeitszimmer vor, kann der Arbeitnehmer für jeden Kalendertag im Homeoffice einen Betrag von 5 €, höchstens 600 € im Jahr in Zeile 45 Anlage N eintragen (§ 4 Abs. 4 Nr. 6b EStG). Dazu sind die Tage im Homeoffice einzutragen. 

Dies bedeutet: Damit die Arbeitnehmer, die wegen der Covid-19-Pandemie in einer Arbeitsecke zu Hause arbeiten, nicht ganz leer ausgehen, ist eine Homeoffice-Pauschale in Höhe von (5 € pro Arbeitstag, höchstens 120 Tage =) 600 € eingeführt worden. Die restlichen über 120 hinausgehenden Tage, an denen Sie im Homeoffice waren, sind nicht begünstigt. 

Daneben sind indessen die weiteren Kosten für die Einrichtung der Arbeitsecke (Arbeitsmittel) abzugsfähig, d. h. eigene Aufwendungen für PC etc. können unabhängig von der Homeoffice-Pauschale abgezogen werden, solange diese nahezu ausschließlich beruflich genutzt werden und damit Arbeitsmittel sind.  

Anlage N

  • Tipp Aktuelles BMF-Schreiben

Das aktuelle BMF-Schreiben zum häuslichen Arbeitszimmer finden Sie unter 2.0 (BMF 06.10.2017 - IV C 6 - S 2145/07).

 

⇒   Häusliches Arbeitszimmer im Detail

Ein häusliches Arbeitszimmer ist aus steuerlicher Sicht ein (so gut wie ausschließlich) beruflich genutzter büroartiger Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre eingebunden ist.

Eine untergeordnete private Mitbenutzung - unter 10 % - ist unschädlich. Die berufliche Nutzung kann in der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder technischer Arbeiten bestehen. Es muss sich aber nicht zwingend um Arbeiten büromäßiger Art handeln; ein häusliches Arbeitszimmer kann auch bei geistiger, künstlerischer oder schriftstellerischer Betätigung gegeben sein.

  • Lagerraum kein Arbeitszimmer

Ein Raum, der begrifflich kein Arbeitszimmer ist, fällt nicht unter die Beschränkungen, denen ein häusliches Arbeitszimmer  unterliegt, z. B. ein Lagerraum.

Wer einen Raum beruflich nutzt, um dort Fachbücher, Aktenordner oder andere Arbeitsmittel zu lagern, kann die Raumkosten in voller Höhe abziehen, >>denn Aufwendungen für einen ... Archivraum fallen nicht unter die Abzugsbeschränkung des § 9 Abs. 5 EStG<<, so FG Berlin v. 23.04.2001 - 8 K 8466/99. Im Urteilsfall waren im Archivraum keine Sitzgelegenheiten vorhanden, um dort Arbeiten zu verrichten.

Dasselbe gilt für ein ausschließlich beruflich genutztes außerhäusliches Arbeitszimmer.

  • Gemischt genutztes Appartement kein Arbeitszimmer

Ein „gemischt genutztes“ Appartement ist kein Arbeitszimmer. Dies musste sich ein Steuerfachwirt sagen lassen, der im Home-Office seine Arbeit verrichtete. Sein Zweizimmerapartment von 73 qm in offener Bauweise war mit zwei Computern, Regalschränken, Tischrechnern, zwei Druckern, einer Telefonanlage sowie einem Faxgerät ausgestattet und wurde für die berufliche Tätigkeit genutzt. Die rund 3,6 qm große Küche ragte in offener Bauweise in diesen als Büro genutzten Bereich hinein. Vom BFH abgeschmettert mit der Begründung, das Appartement sein kein Arbeitszimmer, sei nicht büroartig geprägt und werde in mehr als nur untergeordnetem Umfang zu privaten Zwecken genutzt (BFH vom 8.9.2016 - III R 62/11).

Gemischte Nutzung:

Mehr dazu: ? Suchen anklicken und den Begriff >Gemischte Nutzung< eintragen.

  • Beruflich und privat genutztes Zimmer / Arbeitsecke

Wird ein Zimmer in der Wohnung beruflich und privat genutzt, ohne dass es sich um ein Arbeitszimmer handelt, z. B. beruflich in Form einer Arbeitsecke, sind die Kosten für das Zimmer insgesamt nicht abzugsfähig. Auch ein anteiliger Abzug der Kosten Kostenabzug ist nicht möglich (BFH vom 27.07.2015 - GrS 1/14). Dann sind nur die Arbeitsmittel absetzbar, die vielleicht in einer Arbeitsecke versammelt sind.

  • Mehrere Arbeitszimmer

Der Höchstbetrag ist personenbezogen. Dies bedeutet: Unabhängig von der Anzahl der vom Steuerzahler genutzten Arbeitszimmer sind die Kosten bis zum Höchstbetrag typisierend abgegolten. Dies gilt auch, wenn der Steuerzahler in mehreren Haushalten ein Arbeitszimmer nutzt (BFH 9.5.2017 - VIII R 15/15).

  • Trotz geringer Nutzung

Selbst bei nur 3 % Arbeitszeit im Verhältnis zur gesamten Arbeitszeit des Arbeitnehmers (im Betrieb und zu Hause) werden die Kosten anerkannt, weil das Gesetz den Begriff der Erforderlichkeit oder Notwendigkeit nicht verwendet (BFH Urteil vom 03.04.2019 - VI R 46/17). Eine Flugbegleiterin hatte nur 3 % ihrer Arbeitszeit in ihrem Heimbüro verbracht.

♦   Tipp Bei Ehepartnern doppelter Höchstbetrag möglich

Nutzen Paare ein Arbeitszimmer gemeinsam, können sie den Höchstbetrag von 1.250 € zweimal abziehen.

Dies bedeutet: Wenn mehrere Arbeitnehmer, z. B. ein Lehrerehepaar, ein Arbeitszimmer gemeinsam nutzen, kann jeder der Nutzenden seine Kosten geltend machen, sofern die Voraussetzungen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG in seiner Person vorliegen. Dabei kann der jeweilige Höchstbetrag von jedem Nutzer in Anspruch genommen werden (BFH, Urteil vom 15.12.2016 – VI R 53/12).

Die Richter führten aus: Weil die Kläger gemeinsam ein in ihrem Einfamilienhaus gelegenes häusliches Arbeitszimmer nutzen und das Einfamilienhaus ihnen jeweils zur Hälfte gehört, sind jedem Ehepartner grundsätzlich die Hälfte der Kosten bis zur Höhe von 1.250 € zuzuordnen.

Entsprechendes gilt, wenn z. B. ein Ehepaar ein Arbeitszimmer in einer von ihnen gemieteten Wohnung gemeinsam beruflich nutzt.

♦   Tipp Arbeitszimmer als Büro vermietet an Arbeitgeber

Vermietet der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber einen Raum in seiner Wohnung als Büro, in dem der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung erbringt, so handelt es sich nicht um ein häusliches Arbeitszimmer, weil es sich um ein Büro des Arbeitgebers handelt. Die Abzugsbeschränkung auf 1.250 € greift deshalb nicht ein (BFH Urteil vom 20.03.2003 - VI R 147/00).

Aus der Vermietung an den Arbeitgeber hat der Arbeitnehmer Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Im Streitfall ergab sich ein Verlust von 5.820 DM.

Mieteinnahmen vom Arbeitgeber 2.400 €
- Raumkosten für das Büro 8.220 €
Verlust aus Vermietung und Verpachtung - 5.820 €

♦   Tipp Arbeitszimmer anmieten

Befindet sich Ihr Arbeitszimmer nicht innerhalb Ihrer Wohnung, kommt der Fiskus mit seinen überzogenen Vorschriften nicht zum Zuge. Mieten Sie in der Nachbarschaft ein Zimmer, in dem Sie beruflich arbeiten, ist die gezahlte Miete ohne Wenn und Aber abzugsfähig.

Allerdings: Ein Zimmer im ausgebauten Dachgeschoss eines Einfamilienhauses gehört noch zum Pantoffelbereich und fällt unter die Abzugsbeschränkung. Das gilt auch für den Keller im Einfamilienhaus.

  • Im selben Haus Zimmer anmieten

Als Mieter in einem Mehrfamilienhaus können Sie vielleicht einen zusätzlichen Kellerraum anmieten, der als Arbeitszimmer geeignet ist. Weil diese Räumlichkeit nicht zu Ihrer Privatwohnung gehört, handelt es sich hierbei um ein >>außerhäusliches<< Arbeitszimmer, so der BFH v. 26.02.2003 - VI R 160/99. Dies bedeutet: Die Aufwendungen sind dann wie für jedes normale Büro als Werbungskosten abzugsfähig. Im Urteilsfall hatte der Steuerzahler von einem anderen Mieter dessen Keller angemietet und als Büro genutzt.

⇒   Abzug in voller Höhe

Die Beschränkung auf 1.250 € gilt nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung bildet (§ 9 Abs. 5 Satz 1 i. V. mit § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG). In diesem Fall sind die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer in voller Höhe absetzbar.

Beispiel:  IT-Mitarbeiter mit einem Heimarbeitsplatz.

Hat der Steuerzahler ein Arbeitszimmer in mehr als einem Haushalt, kann nur eines der Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit sein.