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Anlage N Zeile 44

⇒    Häusliches Arbeitszimmer im Detail

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung dürfen die Einkünfte nicht mindern (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG). Dies gilt nicht, wenn für die berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG). In diesem Fall wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 € begrenzt; die Beschränkung der Höhe nach gilt nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG).

♦   Arbeitgeberleistungen sind Arbeitslohn oder Mieteinnahmen

Arbeiten Sie als Arbeitnehmer zuhause und zahlt der Arbeitgeber für den Büroraum Miete, kommt es darauf an, ob es sich bei den Zahlungen um Arbeitslohn oder um Mieteinnahmen handelt. Hierbei ist entscheidend, in wessen vorrangigem Interesse die Nutzung des Büroraums erfolgt.

Dient die Nutzung in erster Linie den Interessen des Arbeitnehmers, ist davon auszugehen, dass die Zahlungen des Arbeitgebers als Gegenleistung für die geleistete Arbeit des Arbeitnehmers erfolgt sind. Die Einnahmen sind als Arbeitslohn (Anlage N) zu erfassen.

♦   Mehrere häusliche Arbeitszimmer

Bei mehreren steuerlich dem Grunde nach anzuerkennenden Arbeitszimmern desselben Steuerpflichtigen ist eine Vervielfältigung des Höchstbetrags von 1.250 € ausgeschlossen; insofern findet eine personenbezogene Betrachtung statt (BFH-Urteil vom 09.05.2017 - VIII R 15/15). Anderes würde nur gelten, wenn die häuslichen Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung des Stpfl. bilden würden (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 Halbsatz 2 EStG).

♦   Raum als häusliches Arbeitszimmer

Häusliches Arbeitszimmer ist ein Raum, der seiner Ausstattung nach der Erzielung von Einnahmen dient und ausschließlich oder nahezu ausschließlich zur Erzielung von Einkünften genutzt wird. Ein häusliches Arbeitszimmer ist seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden und dient vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder -organisatorischer Arbeiten. Ein solcher Raum ist typischerweise mit Büromöbeln eingerichtet, wobei der Schreibtisch regelmäßig das zentrale Möbelstück ist. Die Häuslichkeit beruflich/betrieblich genutzter Räume bestimmt sich danach, ob sie sich unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls als dem Wohnbereich und damit der privaten Lebenssphäre des Steuerpflichtigen zugehörig darstellen.

Eine Einbindung in die häusliche Sphäre ist regelmäßig dann gegeben, wenn die betrieblich oder beruflich genutzten Räume zur Wohnung oder zum Wohnhaus des Steuerpflichtigen gehören. Leichthin spricht man auch vom "Pantoffelbereich", in dem sich das Arbeitszimmer befindet.

  • Arbeitszimmer im Mehrfamilienhaus

Hingegen liegt eine innere häusliche Verbindung mit der privaten Lebenssphäre regelmäßig nicht vor, wenn der Steuerpflichtige in einem Mehrfamilienhaus --zusätzlich zu seiner privaten Wohnung-- noch eine weitere Wohnung vollständig als Arbeitszimmer nutzt. Die erforderliche Verbindung zur häuslichen Sphäre ist in diesem Fall nicht allein deshalb gegeben, weil sich eine als Arbeitszimmer genutzte Wohnung in demselben Haus und unter demselben Dach wie die Privatwohnung des Steuerpflichtigen befindet.

Allerdings kann sich die häusliche Sphäre der Privatwohnung auch auf eine zu beruflichen Zwecken angemietete weitere Wohnung im selben Haus erstrecken. Dies ist allerdings nur dann der Fall, wenn nach den tatsächlichen Feststellungen bei wertender Betrachtung aufgrund besonderer Umstände ein innerer Zusammenhang zwischen beiden Wohnungen besteht. Einen solchen Zusammenhang nimmt die Rechtsprechung des BFH in den Fällen an, in denen die Wohnungen in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander liegen, etwa weil die als Arbeitszimmer genutzten Räume unmittelbar an die Privatwohnung angrenzen oder weil sie ihr auf derselben Etage direkt gegenüberliegen (BFH-Urteile in BFHE 202, 104, BStBl II 2004, 69, und in BFHE 202, 109, BStBl II 2004, 72).

♦   Checkliste zum häuslichen Arbeitszimmer

Die meisten Bearbeiter in den Veranlagungsbezirken haben eine Checkliste in der Schublade, die sie hervorholen, wenn Arbeitszimmerkosten in der Steuererklärung auftauchen. Für Sie gut zu wissen, auf was es letztlich ankommt.

  • Ist das Arbeitszimmer häuslich?

Ein Arbeitszimmer ist häuslich - eingebunden in die häusliche Sphäre -, wenn es zur privaten Wohnung oder zum Wohnhaus des Arbeitnehmers gehört. Dies betrifft nicht nur die Wohnräume, sondern ebenso Zubehörräume. So kann auch ein Raum, z. B. im Keller oder unter dem Dach (Mansarde) des Wohnhauses, ein häusliches Arbeitszimmer sein, wenn die Räumlichkeiten aufgrund der unmittelbaren Nähe mit den privaten Wohnräumen des Arbeitnehmers als gemeinsame Wohneinheit verbunden sind.

Dagegen kann es sich bei einem im Keller oder im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses befindlichen Raum, der zusätzlich angemietet wurde, um ein außerhäusliches Arbeitszimmer handeln. Die Kosten sind in voller Höhe abzugsfähig.

Für einen in einem Zweifamilienhaus als Büro genutzten Raum kommt es auf den Zugang an. Wenn der Arbeitnehmer erst das Haus verlassen muss, um über den Gehweg und einen eigenen Treppenaufgang von  Außen das Büro zu erreichen, liegt kein häusliches Arbeitszimmer vor (BFH vom 20.06.2012 - IX R 56 / 10). Die Kosten sind in voller Höhe - ohne Abzugsbeschränkungen - abzugsfähig.

  • Größe der Restwohnung zum Wohnen ausreichend?

Wenn nein, wird unterstellt, dass der Steuerzahler das Arbeitszimmer privat mitbenutzt. Folge: Das Arbeitszimmer wird nicht anerkannt. Oft orientiert sich der Bearbeiter an konkreten Fällen aus der Praxis. In einer Wohnung von insgesamt 75 qm, in der vier Personen leben, ist eigentlich kein Raum frei für ein Arbeitszimmer von 10 qm (EFG 1976 S. 560).

  • Ist das Arbeitszimmer ein Durchgangszimmer?

Ein häusliches Arbeitszimmer darf kein Durchgangszimmer sein. Wenn das Arbeitszimmer durchquert werden muss, um andere, privat genutzte Räume der Wohnung zu erreichen, wird es nicht anerkannt. Das Durchqueren gilt als eine steuerschädliche private Nutzung (BFH v. 18.10.1983 - VI R 180 / 82). Wenn sich also hinter einem Arbeitszimmer ein privater (gefangener) Raum befindet, sollte nicht das Durchgangszimmer als Arbeitszimmer gewählt werden sondern lieber der gefangene Raum (EFG 1985 S. 343).

  • Ist die Einrichtung des Arbeitszimmers berufsbezogen?

Arbeitsmittel wie Schreibtisch und Computer müssen das Gesamtbild bestimmen. Die Aufbewahrung privater Literatur und Kleidung sollte sich in Grenzen halten (BFH v. 16.02.1990 - VI R 144/86/NV). Auch ein Klavier ist in einem Arbeitszimmer fehl am Platze. Einem Professor wurde indessen sein Arbeitszimmer anerkannt, obwohl sich in dem Raum eine Liege (Entspannungsliege) befand (BFH v. 28.09.1990 - VI R 111/87/NV). Bereits im Urteil v. 18. März 1988 VI R 27 / 85 hatte der BFH zum Arbeitszimmer eines Richters ausgeführt, es sei dem Richter unbenommen, statt am Schreibtisch zu sitzen, sich im Liegen auf seine Arbeit zu konzentrieren, Akten zu lesen und Urteile zu diktieren.

♦   Arbeitszimmer als Hauptarbeitsstätte

Bildet das Arbeitszimmer die Hauptarbeitsstätte, sind die Aufwendungen in unbegrenzter Höhe absetzbar. Andernfalls sind die Aufwendungen nur bis zur Höhe von 1.250 € abzugsfähig, und auch nur dann, wenn dem Arbeitnehmer bei seinem Arbeitgeber kein angemessener Arbeitsplatz zur Verfügung steht .

Was sind die Kriterien für den Hauptarbeitsplatz? Zunächst ist nicht entscheidend, wie viel Zeit Sie in Ihrem Arbeitszimmer verbringen. Üben Sie indessen eine berufliche Tätigkeit aus, die in qualitativer Hinsicht gleichwertig sowohl zuhause als auch am außerhäuslichen Arbeitsplatz erbracht wird, so ist Ihr häusliches Arbeitszimmer die Hauptarbeitsstätte, wenn Sie mehr als 50 % der Arbeitszeit im häuslichen Arbeitszimmer verbringen (BFH Urteil vom 23.5.2006, VI R 21 / 03, BStBl 2006 II S. 600).

Dabei kommt es darauf an, dass Sie im Arbeitszimmer Leistungen erbringen, die für Ihren Job prägend sind, möglichst Ihre ganze Arbeit dort erledigen. 

Im Einzelnen können in voller Höhe absetzen

Angestellter Architekt, der keine Bauaufsicht ausübt, nur zu Hause Planungsarbeiten ausführt (BFH Urteil vom 26.06.2003 - IV R 9/03).

Fuhrparkmanager ohne Arbeitsraum beim Arbeitgeber (FG München v. 19.6.2007 - 13 K 2991/04).

Gerichtsvollzieher (beamteter) / FG Baden-Württemberg v. 22.3.2017 - 4 K 3694/15.

Handelsvertreter / Reisender, der weit überwiegend aus seinem Arbeitszimmer per Telefon / E-Mail seine Geschäfte abwickelt (FG Münster v. 5.3.2015 - 5 K 980/12 E).

Key account manager in reiner Beratungsfunktion (FG des Saarlandes Urteil vom 30.05.2007 - 1 K 1023/05)

Key account manager, der Software-Produkte für bestimmte Kunden entwickelt (BFH Urteil vom 29.04.2003 - VI R 54/02).

  • Arbeitszimmer keine Hauptarbeitsstätte?

Wenn keine Hauptarbeitsstätte, sind die Kosten begrenzt auf 1.250 €. Der BFH hat sich zu dieser Frage mehrfach geäußert. Anerkannt wurden:  

Mitarbeiter im Außendienst mit einem Arbeitsplatz im Großraumbüro (BFH Urteil vom 07.08.2003 - VI R 17/01). Der Außendienst ist für das Arbeitsverhältnis prägend.

EDV-Dozent, der im häuslichen Arbeitszimmer lediglich seine Schulungen vorbereitet (FG Berlin-Brandenburg - 14 K 6286/04 B)

Fachberater im Außendienst (BFH vom 13.11.2002 - VI R 82/01)

Lehrer, Hochschullehrer, Professoren (BFH Urteil vom 27.10.2011 - VI R 71/10)

Richter (BFH Urteil vom 08.12.2011 - VI R 13/11

Ob ein Arbeitszimmer mit einem >>häuslichen Büro<< vergleichbar ist, hängt u. a. von Art und Umfang der im Arbeitszimmer erledigten Arbeiten ab. Wird gleichwertige berufliche Tätigkeit im Wechsel mal im Betrieb und mal im Arbeitszimmer zuhause ausgeübt, kommt es darauf an, wo der Arbeitnehmer mehr als die Hälfte der Arbeitszeit tätig ist (BFH, 26.02.2014 - VI R 40/12).

  • Weitere Beispiele

Beispiel 1: Bei einem Verkaufsleiter, der zur Überwachung von Mitarbeitern und zur Betreuung von Großkunden auch im Außendienst tätig ist, kann das häusliche Arbeitszimmer Tätigkeitsmittelpunkt sein, wenn er dort die für den Beruf wesentlichen Leistungen (z.B. Organisation der Betriebsabläufe) erbringt (BFH Urteil vom 13.11.2002, VI R 104/01, BStBl 2004 II S. 65)

Beispiel 2: Bei einem Ingenieur, dessen Tätigkeit durch die Erarbeitung theoretischer, komplexer Problemlösungen im häuslichen Arbeitszimmer geprägt ist, kann das Arbeitszimmer  auch dann der Mittelpunkt der beruflichen Betätigung sein, wenn die Betreuung von Kunden im Außendienst ebenfalls zu seinen Aufgaben gehört (BFH Urteil vom 13.11.2002, VI R 28/02, BStBl 2004 II S. 59)

Beispiel 3: Bei einem Praxis-Konsultant, der ärztliche Praxen in betriebswirtschaftlichen Fragen berät, betreut und unterstützt, kann das häusliche Arbeitszimmer auch dann den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bilden, wenn er einen nicht unerheblichen Teil seiner Arbeitszeit im Außendienst verbringt (BFH Urteil vom 29.4.2003, VI R 78/02, BStBl 2004 II S. 76).

Beispiel 4: Der Arbeitnehmer ist vom Arbeitgeber dazu verpflichtet worden, auf eigene Kosten ein Arbeitszimmer einzurichten und dort Unterlagen aufzubewahren. Er kann die Kosten für das Zimmer vollumfänglich absetzen. Dies trifft z. B. auf Gerichtsvollzieher zu (FG Baden-Württemberg 22.3.2017 - 4 K 3694/15).  

Beispiel 5: Bei einem – freien oder angestellten – Handelsvertreter liegt der Tätigkeitsschwerpunkt außerhalb des häuslichen Arbeitszimmers, wenn die Tätigkeit nach dem Gesamtbild der Verhältnisse durch die Arbeit im Außendienst geprägt ist, auch wenn die zu Hause verrichteten Tätigkeiten zur Erfüllung der beruflichen Aufgaben unerlässlich sind (BFH Urteil vom 13.11.2002, VI R 82/01, BStBl 2004 II S. 62; FG Münster 05.03.2015 - 5 K 980/12 E).

Beispiel 6: Ein kaufmännischer Angestellter eines Industrieunternehmens ist nebenbei als Mitarbeiter für einen Lohnsteuerhilfeverein selbständig tätig und nutzt für letztere Tätigkeit sein häusliches Arbeitszimmer als „Beratungsstelle”, in dem er Steuererklärungen erstellt, Beratungsgespräche führt und Rechtsbehelfe bearbeitet. Für diese Nebentätigkeit ist das Arbeitszimmer zwar der Tätigkeitsmittelpunkt. Aufgrund der erforderlichen Gesamtbetrachtung ist das Arbeitszimmer jedoch nicht Mittelpunkt seiner gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung (BFH Urteil vom 23.9.1999, VI R 74/98; BStBl 2000 II S. 7).

Beispiel 7: Bei einer Ärztin, die Gutachten über die Einstufung der Pflegebedürftigkeit erstellt und dazu ihre Patienten ausschließlich außerhalb des häuslichen Arbeitszimmers untersucht und dort (vor Ort) alle erforderlichen Befunde erhebt, liegt der qualitative Schwerpunkt nicht im häuslichen Arbeitszimmer, in welchem lediglich die Tätigkeit begleitende Aufgaben erledigt werden (BFH Urteil vom 23.1.2003, IV R 71/00, BStBl 2004 II S. 43).

Beispiel 8: Bei einem Architekten, der neben der Planung auch mit der Ausführung der Bauwerke (Bauüberwachung) betraut ist, kann diese Gesamttätigkeit keinem konkreten Tätigkeitsschwerpunkt zugeordnet werden. Das häusliche Arbeitszimmer bildet in diesem Fall nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung (BFH Urteil vom 26.6.2003, IV R 9/03, BStBl 2004 II S. 50).

Beispiel 9: Bei Lehrern befindet sich der Mittelpunkt der betrieblichen und beruflichen Betätigung regelmäßig nicht im häuslichen Arbeitszimmer, weil die berufsprägenden Merkmale eines Lehrers im Unterrichten bestehen und diese Leistungen in der Schule o.Ä. erbracht werden (BFH Urteil vom 26.2.2003, VI R 125/01, BStBl 2004 II S. 72). Deshalb sind die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer auch dann nicht in voller Höhe abziehbar, wenn die überwiegende Arbeitszeit auf die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts verwendet und diese Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübt wird.

Die Einnahmen sind indessen als Mieteinnahmen zu erfassen (Anlage V Zeile 11), wenn das Arbeitszimmer vorrangig im betrieblichen Interesse des Arbeitgebers genutzt wird (BFH Urteil vom 17.4.2018 - VI R 9/17).