Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

♦   Übungsleiter

Vielleicht sind Sie nebenberuflich in einem gemeinnützigen Verein oder bei einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, als Krankenpfleger, Musiker oder Trainer tätig. Dann veranlassen Sie, dass von Ihrer Vergütung, die Sie dafür erhalten, ein Betrag bis zu 3.000 € (Wert ab 2021) jährlich als Aufwandsentschädigung steuerfrei bleibt (§ 3 Nr. 26 EStG).

♦   Vormund

Entsprechendes gilt für eine Tätigkeit als Vormund im Auftrage eines Familiengerichts (§ 3 Nr. 26b EStG).

♦   Im Ehrenamt

Auch die Vergütung in einem Ehrenamt für die Tätigkeit in einem gemeinnützigen Verein, z. B.  im Vorstand, ist in Höhe von 840 € (Wert ab 2021) jährlich steuerfrei (§ 3 Nr. 26a EStG).

Bevor wir in die Details gehen, möchten wir zunächst das Grundsätzliche kurz ansprechen:

  • Gemeinsamer Freibetrag 3.000 €

Übungsleiter und Vormund sind durch einen gemeinsamen Freibetrag begünstigt:

Die Einnahmen als Übungsleiter etc. (§ 3 Nr. 26 EStG) und die  Einnahmen als Vormund (§ 3 Nr. 26b EStG) werden zusammengerechnet und sind nur insgesamt bis zu 3.000 € steuerfrei.

Dies bedeutet: Einnahmen als Vormund i. S. v. § 1835a BGB sind nur insoweit steuerfrei, als sie zusammen mit dem Übungsleiterfreibetrag nach § 3 Nr. 26 EStG den dort genannten Freibetrag von 3.000 € im Kj. nicht übersteigen.

  • Freibetrag im Ehrenamt 840 €

Zusätzlich gibt es einen Freibetrag für die Tätigkeit in einem Ehrenamt. Dazu stellt § 3 Nr. 26a EStG die Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten im Ehrenamt zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Zwecke bis insgesamt 840 € jährlich steuerfrei, z. B im Ehrenamt als Vereinsvorstand oder Kassierer.

Im Ehrenamt

Aus steuerlicher Sicht versteht man unter „Ehrenamt“ eine Tätigkeit, die dem Gemeinwohl der Gesellschaft dient, z. B. in Vereinen oder Stiftungen.

Während die Voraussetzung beim Übungsleiterfreibetrag darin besteht, dass Sie ausbildend, erziehend oder im pflegerischen Bereich tätig sein müssen, besteht diese Voraussetzung für den Freibetrag im Ehrenamt nicht. Der Freibetrag beträgt aber auch nur 840 € (§ 3 Nr. 26a EStG). Diesen Freibetrag  erhalten Sie z. B. als nebenberuflicher Vereinsvorstand oder als Kassenwart eines Vereins.

Es ist auch möglich ein solches Ehrenamt bei juristischen Personen des öffentlichen Rechts (Kommunen, städtische Einrichtungen, etc.) auszuüben, z. B. als ehrenamtlicher Vorstand aber auch auf andere Weise, als Bürgermeister oder als Mitglied im Gemeinderat.

Nicht zu den begünstigten Einrichtungen gehören beispielsweise Berufsverbände (Arbeitgeberverband, Gewerkschaft) oder Parteien.

Als juristische Personen des öffentlichen Rechts kommen beispielsweise in Betracht Bund, Länder, Gemeinden, Gemeindeverbände, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Rechtsanwaltskammern, Steuerberaterkammern, Wirtschaftsprüferkammern, Ärztekammern, Universitäten oder die Träger der Sozialversicherung.

Beispiel

Ein Student arbeitet nebenberuflich mit Steuerklasse 1 im Dienst der Stadt als Tierpfleger in deren als gemeinnützig anerkannten Tierheim. Dafür erhält er monatlich einen Arbeitslohn von 300 € = 3.600 € im Jahr. Steuerpflichtig sind (Arbeitslohn 3.600 €  - Arbeitnehmer-Pauschbetrag 1.000 € -  Ehrenamtspauschale 840 € = ) 1.760 €.

Es fällt keine Lohnsteuer an (bmf-steuerrechner)

Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag wird bereits bei der Einbehaltung der Lohnsteuer berücksichtigt (§ 39b Abs. 2 S. 5 Nr. 1 EStG).

  • Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr / Gemeinderat / Bürgermeister

Andere Regeln gelten für ehrenamtliche Tätigkeiten z. B. bei den Freiwilligen Feuerwehren oder für Tätigkeiten als Bürgermeister / Mitglied im Gemeinderat. 

Für Leistungen bei der Freiwilligen Feuerwehr wird zur Abgeltung der Aufwendungen, die mit dem Amt verbunden sind, eine Aufwandsentschädigung gewährt. Reisekosten und Tagegelder gehen extra (§ 24 Absatz 3 Satz 2 des Brandschutz- und Hilfeleistungsgesetzes). Die ehrenamtlichen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren stehen in keinem Dienstverhältnis zur Gemeinde, sind also selbständig tätig.

Die Aufwandsentschädigungen sind grundsätzlich nach § 3 Nr. 12 Satz 2 EStG i. V. mit R 3.12 LStR in Höhe von 1/3 der gewährten Aufwandsentschädigung, mindestens 200 €, monatlich steuerfrei. Ist die Aufwandsentschädigung niedriger als 200 € monatlich, so bleibt nur der tatsächlich geleistete Betrag steuerfrei.

Entsprechendes gilt für ehrenamtliche Tätigkeiten als Bürgermeister, Mitglied im Gemeinderat oder Ortsvorsteher.  

⇒   Übungsleiterfreibetrag im Detail

Den Übungsleiterfreibetrag gibt es nur bei einer Tätigkeit für eine öffentlich-rechtliche Körperschaft oder eine gemeinnützige Einrichtung, z. B. für einen Verein, die ausbildend, erziehend oder pflegerisch ausgeübt wird. Den Freibetrag  kann also nur in Anspruch nehmen, wer als Ausbilder, Erzieher oder als Pfleger  kranker oder alter Menschen mit pädagogischer Ausrichtung tätig ist. Der Übungsleiterfreibetrag steht nicht nur Trainern in Sportvereinen zu, sondern gilt auch für:

Chorleiter, Dirigenten in Gesangvereinen, Organisten in Kirchengemeinden; Lehrer an Volkshochschulen, Vortragende in Kursen der beruflichen Fort- und Weiterbildung der Handwerkskammern und artverwandte Tätigkeiten z. B. als Prüfer in Abschlussprüfungen / Rettungsschwimmer / Schulweghelfer / Schulbusbegleiter / Stadtführer (R 3.26 LStR).

Beispiel

Lehrer einer Berufsschule korrigieren im Auftrage der örtlichen Industrie- und Handelskammer die Prüfungsarbeiten für eine berufliche Abschlussprüfung und erhalten dafür als Ausbilder eine Aufwandsentschädigung, die als Einkünfte aus selbständiger Arbeit bis zur Höhe von 2.400 € jährlich steuerfrei ist (§ 3 Nr. 26 EStG).

  • Wer ist Übungsleiter?

Zu den begünstigten Tätigkeiten gehören z. B. die Tätigkeit eines Sporttrainers, eines Chorleiters oder Orchesterdirigenten, die Lehr- und Vortragstätigkeit im Rahmen der allgemeinen Bildung und Ausbildung, z. B. Kurse und Vorträge an Schulen und Volkshochschulen, Mütterberatung, Erste-Hilfe-Kurse, Schwimm-Unterricht, oder im Rahmen der beruflichen Ausbildung und Fortbildung, nicht dagegen die Ausbildung von Tieren, z. B. von Rennpferden oder Diensthunden.

Die Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen umfasst außer der Dauerpflege auch Hilfsdienste bei der häuslichen Betreuung durch ambulante Pflegedienste, z. B. Unterstützung bei der Grund- und Behandlungspflege, bei häuslichen Verrichtungen und Einkäufen, beim Schriftverkehr, bei der Altenhilfe entsprechend § 71 SGB XII, z. B. Hilfe bei der Wohnungs- und Heimplatzbeschaffung, in Fragen der Inanspruchnahme altersgerechter Dienste, und bei Sofortmaßnahmen gegenüber Schwerkranken und Verunglückten, z. B. durch Rettungssanitäter und Ersthelfer.

  • Verlust aus Übungsleitertätigkeiten

Überschreiten die Einnahmen für die begünstigten Tätigkeiten den steuerfreien Betrag von 3.000 € , dürfen die mit den nebenberuflichen Tätigkeiten in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang stehenden Ausgaben abweichend von § 3c EStG nur insoweit als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden, als sie den Betrag der steuerfreien Einnahmen übersteigen (§ 3 Nr. 26 Satz 2 EStG).

Dies bedeutet: Ein Abzug von Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben, die mit den steuerfreien Einnahmen nach § 3 Nr. 26 EStG in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang stehen, ist nur dann möglich, wenn die Einnahmen aus der Tätigkeit und gleichzeitig auch die jeweiligen Ausgaben den Freibetrag übersteigen. In Arbeitnehmerfällen ist in jedem Fall der Arbeitnehmer-Pauschbetrag anzusetzen, soweit er nicht bei anderen Dienstverhältnissen verbraucht ist (R 3.26 Abs. 9 LStR).

Beispiel:

Peter Huber ist im Hauptberuf nichtselbständig tätig. Darüber hinaus bezog er im Jahr 2021 von einem Sportverein Einnahmen von 1.200 € als nichtselbständiger Übungsleiter. Im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit hat Peter Huber Ausgaben Höhe von 4.060 €, weit überwiegend für Fahrten mit dem PKW zu sportlichen Wettbewerben der Vereinsmitglieder. Daraus ergibt sich zunächst rechnerisch ein Verlust in Höhe von (1.200 € - 4.060 € =) 2.860 €. Der Verlust kommt aber steuerlich nicht zum Tragen, weil die Einnahmen aus der Tätigkeit den Freibetrag von 3.000 € nicht übersteigen (BFH Urteil vom 20.12.2017 - III R 23/15).

Ohne den Freibetrag wären in Steuerklasse 6 Lohnsteuer in Höhe von 135 € angefallen (Steuerrechner bmf).

Das Finanzamt erkennt die Werbungskosten nicht an, weil die Einnahmen den Freibetrag nicht übersteigen.

  • Erster Tipp: Freibeträge kombinieren

Sie können den Übungsleiterfreibetrag und den Ehrenamtsfreibetrag miteinander kombinieren. Dies bedeutet: Es ist für Sie günstiger, wenn Sie zusätzlich zum Übungsleiter / z. B. als Sportwart noch in anderer Funktion ehrenamtlich tätig sind, z. B. als Platzwart, Kassierer oder  Vorstand. Dann könnten Ihr Vertrag und die Abrechnung so aussehen:

Jahresvergütung als Übungsleiter   4.800 €
Jahresvergütung als 2. Platzwart   1.200 €
Zusammen   6.000 €
Übungsleiterfreibetrag 3.000 €  
Ehrenamtsfreibetrag 840 €  
Insgesamt steuerfrei 3.840 € > 3.840 €
Steuerpflichtig   2.880 €

Die Tätigkeit könnten Sie steuerlich nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (Steuerklasse) oder im Mini-Job ausüben.

Bei einer Tätigkeit im Mini-Job hat der Verein die Steuer pauschal getragen. Damit ist die Besteuerung erledigt, Angaben in der Steuererklärung erübrigen sich.

  • Zweiter Tipp: Übungsleiterfreibetrag im Mini-Job mitnehmen

Der Verein kann Sie als Trainer auch im Mini-Job beschäftigen. 

Berechnung  
Monatliche Vergütung 650 €
Übungsleiterfreibetrag 250 €
Restbetrag steuerpflichtig  400 €

Nur dieser Restbetrag ist für die pauschale Steuer und für die Sozialversicherung von Interesse. Der Verein wird dafür mit insgesamt 31.15 % von der Minijob-Zentrale zur Kasse gebeten. Hinzu kommen nur noch Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung.

  • Dritter Tipp: Ehepaar als Trainer und Reinigungskraft

Viele Vereine stellen ein Ehepaar ein für verschiedene Funktionen, z. B. den Ehemann als Platzwart, die Ehefrau für die vereinseigene Kantine. Jeder Ehepartner kann auf 450.00 €-Basis abrechnen unter Inanspruchnahme des Übungsleiterfreibetrages für den Ehemann und des Ehrenamtsfreibetrages für die Ehefrau.

♦  Übungsleitertätigkeiten können sein:

Die OFD Frankfurt benennt in ihrer Verfügung vom 22.03.2018 - S 2245 A - 2 - St 213 folgende Berufsgruppen / Tätigkeitsbereiche, die nach § 3 Nr. 26 EStG steuerfrei sind.

  • Ärzte im Behindertensport
  • Ärzte im Coronarsport
  • Aufsichtsvergütung für die juristische Staatsprüfung
  • Bahnhofsmission
  • Behindertentransport
  • Bereitschaftsleitungen und Jugendgruppenleiter
  • Diakon
  • Ehrenamtliche Richter, Schöffen
  • Ferienbetreuer
  • Feuerwehrleute
  • Hauswirtschaftliche Tätigkeiten in Altenheim, Krankenhäusern usw.

Reine Hilfsdienste, wie z.B. Putzen, Waschen und Kochen im Reinigungsdienst und in der Küche von Altenheimen, Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen u.ä. Einrichtungen stehen nicht den ambulanten Pflegediensten gleich und fallen daher nicht unter § 3 Nr. 26 EStG, da keine häusliche Betreuung im engeren Sinne stattfindet und damit kein unmittelbarer persönlicher Bezug zu den gepflegten Menschen entsteht. Die Leistungen werden primär für das jeweilige Heim oder Krankenhaus erbracht und betreffen daher nur mittelbar die pflegebedürftigen Personen.

  • Helfer im sog. Hintergrunddienst des Hausnotrufdienstes.
  • Lehrbeauftragte an Schulen
  • Mahlzeitendienste

Vergütungen an Helfer des Mahlzeitendienstes sind nicht nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt, da die Lieferung einer Mahlzeit für die Annahme einer Pflegeleistung nicht ausreicht. Ab dem 1.1.2007 ist jedoch die Inanspruchnahme der Steuerfreistellung nach § 3 Nr. 26a EStG in Höhe von bis zu 500 €, ab 2013 bis 720 EUR möglich, sofern diese Tätigkeit nebenberuflich ausgeübt wird.

  • Organistentätigkeit
  • Richter, Parcourschefs, Parcourschef-Assistenten bei Pferdesportveranstaltungen

Bei diesen ehrenamtlichen Tätigkeiten handelt es sich nicht um begünstigte Tätigkeiten nach § 3 Nr. 26 EStG

  • Rettungskräfte

-- Folgende Tätigkeiten erfüllen das Merkmal der „Pflege” und sind insgesamt nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt:

-- Rettungssanitäter und -schwimmer sowie Notärzte in Rettungs- und Krankentransportwagen sowie im Rahmen von Großveranstaltungen

-- Einsatzkräfte der Berg-, Höhlen- und Wasserrettung, sofern Personenbergung im Vordergrund steht

-- Kriseninterventionspersonen (psychologische Soforthilfe für traumatisierte Opfer und deren Angehörige bei schweren oder tragischen Unfällen)

-- Helfer vor Ort (organisierte Helfer, die bis zum Eintreffen eines Rettungsmittels mit qualifizierten basismedizinischen Maßnahmen, Ersthilfe leisten)

-- Einsatzleiter Rettungsdienst vor Ort

  • Schulweghelfer und Schulbusbegleiter
  • Stadtführer/Museumsführer
  • Statisten/Komparsen bei Theateraufführungen

Aufwandsentschädigungen für Statisten sind grundsätzlich nicht nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt, da Statisten keine künstlerische Tätigkeit ausüben.

Quelle: § 3 Nr. 26 und 26b EStG