Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Ob Fußballtrainer, nebenberuflicher Chorleiter oder Altenpfleger, viele erhalten für ihr Engagement eine finanzielle Entschädigung. Mit dem Freibetrag 3.000 € (ab 2021) ist ihre Vergütung ganz oder zum Teil steuerfrei.

♦  Nur nebenberufliche Tätigkeit begünstigt

Nur das nebenberufliche Engagement ist begünstigt. Ein Engagement ist nebenberuflich, wenn es den zeitlichen Rahmen eines vergleichbaren Hauptberufs deutlich unterschreitet. Dies ist der Fall, wenn die Tätigkeit – bezogen auf das ganze Kj. – nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollerwerbs in Anspruch nimmt (R 3.26 Abs. 2 LStR).

Das bedeutet nichts anderes als dass Sie nicht mehr als ein Drittel der Stunden einer Vollzeitarbeitskraft im selben Beruf leisten dürfen (BFH Urteil vom 30.10.1990 – VI R 187/88).

⇒   Arbeitnehmer oder Freiberufler

§ 3 Nr. 26 EStG gilt für alle Einkunftsarten. Eine Tätigkeit als Übungsleiter kann als Arbeitnehmer (§ 19 EStG) oder als Freiberufler (§ 18 EStG) ausgeübt werden. Diese Unterscheidung ist bedeutsam wegen des Arbeitnehmer-Pauschbetrages, der nur Arbeitnehmern - im, regulären Arbeitsverhältnis - zusteht (§ 9a EStG).

♦   Nebenberufliche Tätigkeit als Arbeitnehmer

Eine Tätigkeit als Arbeitnehmer kann als geringfügige Beschäftigung / Minijob oder im regulären Arbeitsverhältnis ausgeübt werden. Dabei steht dem Arbeitgeber die Entscheidung zu, wie verfahren wird (BFH Urteil vom 20.11.2008 - VI R 4/06).hier

  • Geringfügige Beschäftigung

Eine geringfügige Beschäftigung wird pauschal besteuert (§ 40a Abs. 2 EStG). Die Besteuerung und die Einziehung der Sozialbeiträge werden über die Minijob-Zentrale abgewickelt. Als Oberbegriff für die dort angemeldeten Arbeitnehmer gilt die Bezeichnung "Minijob".

Die pauschalen Steuersätze betragen:

2 % Pauschalsteuer des Arbeitslohns bei 450 €-Minijobs, wenn der Arbeitgeber pauschale Beiträge zur Rentenversicherung zahlt. Die pauschalen Beiträge zur Rentenversicherung betragen 15 % bei gewerblichen 450 €-Minijobs und 5 % bei 450 €-Minijobs im Privathaushalt (§ 40a Abs. 2 EStG).

20 % Pauschalsteuer des Arbeitslohns bei 450 €-Minijobs, wenn der Arbeitgeber keine pauschalen Beiträge zur Rentenversicherung zahlt (§ 40a Abs. 2a EStG)

  • Besteuerung im regulären Arbeitsverhältnis

Die Besteuerung im regulären Arbeitsverhältnis erfolgt nach Maßgabe der individuellen elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (elektronische Lohnsteuerkarte, sog. ELStAM) des Arbeitnehmers.

In den meisten Fällen wird die Nebentätigkeit zusätzlich zu einer Haupttätigkeit ausgeübt, am Feierabend oder am Wochenende. Soll die Besteuerung nach individuellen Lohnsteuermerkmalen (ELStAM) erfolgen, muss unterschieden werden, ob die Nebentätigkeit bei demselben oder einem anderen Arbeitgeber ausgeübt wird.

Nebentätigkeit beim Hauptarbeitgeber

Bei einer Nebentätigkeit für den Hauptarbeitgeber kommt es darauf an, ob die Tätigkeit von der Haupttätigkeit abgrenzbar ist oder ob es sich um eine zusätzliche Tätigkeit im Rahmen des Hauptarbeitsverhältnisses (sog. Dienstobliegenheit) handelt. Nur wenn es sich um eine abgrenzbare Nebentätigkeit (Dienstobliegenheit) handelt, steht ein Freibetrag  nach  § 3 Nr. 26 EStG zu. 

Nebentätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber

Wird die Nebenbeschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber ausgeübt, ist diese Nebentätigkeit generell nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt.

  • Freibetrag im Lohnsteuerabzugsverfahren

Die Steuerfreiheit kann bereits beim LSt-Abzug in Anspruch genommen werden. Liegt somit ein Arbeitsverhältnis vor, muss der Arbeitgeber monatlich 200 € als steuerfreie Einnahmen berücksichtigen.

Im Falle einer Veranlagung wird der Bruttolohn vom Finanzamt über die elektronische Lohnsteuerkarte in Zeile 5-10 automatisch erfasst (eDaten).

Den steuerfreien Betrag tragen Sie in Zeile 27 ein.

Anlage N

♦   Als Freiberufler Anlage S

In diesem Fall sind die Einkünfte in der Anlage S zu erklären. Die Einkünfte berechnen sich durch Abzug der Betriebsausgaben von den Betriebseinnahmen (§ 4 Abs. 3 EStG). Dabei ist der Übungsleiterfreibetrag von 3.000 € (§ 3 Nr. 26 EStG) zu berücksichtigen.

  • Betriebsausgabenpauschale

Vielfach wird bei freiberuflicher Tätigkeit eine Betriebsausgabenpauschale in Höhe von 25 % bis max. 614 € anerkannt, insbesondere bei wissenschaftlicher, künstlerischer oder schriftstellerischer Nebentätigkeit und bei nebenberuflicher Vortrags-, Lehr- und Prüfungstätigkeit (H 18.2 EStR).

Dies gilt leider nicht für nebenberufliche Tätigkeiten, die nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt sind. Wenn für eine Tätigkeit bereits die Steuerbegünstigung des § 3 Nr. 26 EStG in Anspruch genommen wird, steht zusätzlich kein pauschaler Betriebsausgabenabzug zu (H 18.2 EStR). Es können aber bei Nachweis höhere Betriebsausgaben abgezogen werden.

Tipp Für die begünstigte Tätigkeit als Vormund (§ 3 Nr. 26b EStG) hat der FinMin Niedersachsen indessen eine Betriebsausgabenpauschale in Höhe von 25 % anerkannt (Niedersächsiches FinMin Erlass vom 10.12.2010 - S 2121-43-3341).

  • Übungsleiter können Verlust abziehen

Überschreiten die Einnahmen aus der Übungsleitertätigkeit den steuerfreien Betrag, dürfen die mit der Übungsleitertätigkeit im Zusammenhang stehenden Ausgaben abweichend von § 3c nur insoweit als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden, als sie den Betrag der steuerfreien Einnahmen übersteigen (§ 3 Nr. 26 Satz 2 EStG).

Fertigen Sie für die Eintragung des Gewinns in der Anlage S eine Einnahme-Überschussrechnung an und tragen das Endergebnis (Gewinn oder Verlust) ein. Das Finanzamt entscheidet, in welcher Höhe - unter Berücksichtigung des Freibetrages von 3.000 € - ein Verlust anerkannt werden kann.

Berechnung

Einnahmen Ausgaben Einkünfte
1.150 € 0 € 0 €
1.150 € 1.400 € ./. 250 €
1.150 € 2.000 € ./. 850 €
3.100 € 1.100 €  + 100 €
3.100 € 3.100 €   + 100 €
3.000 € 3.500 € ./. 500 €

♦   Gewinnermittlung mit Anlage EÜR

Der Gewinn aus selbständiger Übungsleitertätigkeit ist durch eine die Einnahmen-Überschussrechnung unter Verwendung der Anlage EÜR zu berechnen und zu übermitteln. Auf Antrag kann das Finanzamt zur Vermeidung unbilliger Härten auf eine elektronische Übermittlung verzichten. Dem Antrag ist zu entsprechen, wenn die Schaffung der technischen Möglichkeiten für eine Datenfernübertragung des amtlich vorgeschriebenen Datensatzes nur mit einem nicht unerheblichen finanziellen Aufwand möglich wäre oder wenn der Steuerpflichtige nach seinen individuellen Kenntnissen und Fähigkeiten nicht oder nur eingeschränkt in der Lage ist, die Möglichkeiten der Datenfernübertragung zu nutzen (§ 60 Abs. 4 EStDV).  

♦  ABC für Übungsleitertätigkeit

  • Vergütungen an Ärzte

Sind Ärzte nebenberuflich im Behinderten- und Coronarsport betreuend tätig, haben sie Anspruch auf den Übungsleiterfreibetrag, sofern der Auftraggeber gemeinnützig tätig oder eine Institution der öffentlichen Hand ist.

  • Aufsicht für die juristische Staatsprüfung

Vergütungen an Richter, Staatsanwälte und Verwaltungsbeamte des höheren Dienstes, die nebenamtlich als Leiter von Arbeitsgemeinschaften für Referendarinnen und Referendare tätig sind, fallen unter die Steuerbefreiungsvorschrift des § 3 Nr. 26 EStG und sind bis zur Höhe von 2.400 € jährlich steuerfrei.

  • Behinderten- und Krankentransport

Die Fahrten werden regelmäßig mit einer Besatzung von zwei Helfern durchgeführt, wobei ein Helfer den Bus fährt und der andere (Beifahrer) die behinderte Person während der Fahrt betreut. Da die Aufgabenverteilung regelmäßig nicht verbindlich festgelegt ist und daher angenommen werden kann, dass beide Helfer an der Betreuung mitwirken, wird es für sachgerecht gehalten, den Freibetrag für jeweils 50 % der Vergütung zu gewähren.

  • Diakon

Begünstigt sind bei einem nebenberuflich tätigen Diakons die ausbildenden und betreuenden Tätigkeiten mit pädagogischer Ausrichtung sowie Arbeiten im sozialen Bereich, die als Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen gewertet werden können. Für solche Tätigkeiten ist eine Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 26 EStG möglich.

Bei einer Tätigkeit im Bereich der Verkündigung (z.B. Taufen, Krankenkommunion, Trauungen, Predigtdienst) handelt es sich nicht um eine begünstigte Tätigkeit.

  • Essen auf Rädern

Steuerfrei nach § 3 Nr. 26a EStG in Höhe von bis zu 840 € (Wert ab 2021), sofern diese Tätigkeit nebenberuflich ausgeübt wird.

  • Ferienbetreuer

Ehrenamtliche Ferienbetreuer, die zeitlich begrenzt zur Durchführung von Ferienmaßnahmen eingesetzt werden, sind nebenberuflich tätig, so dass bei Vorliegen der weiteren Voraussetzungen die Einnahmen aus dieser Tätigkeit nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt sind.

  • Hauswirtschaftliche Tätigkeiten in Altenheim, Krankenhäusern usw.

Reine Hilfsdienste, wie z.B. Putzen, Waschen und Kochen im Reinigungsdienst und in der Küche von Altenheimen, Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen u.ä. Einrichtungen stehen nicht den ambulanten Pflegediensten gleich und fallen daher nicht unter § 3 Nr. 26 EStG, da keine häusliche Betreuung im engeren Sinne stattfindet und damit kein unmittelbarer persönlicher Bezug zu den gepflegten Menschen entsteht. Die Leistungen werden primär für das jeweilige Heim oder Krankenhaus erbracht und betreffen daher nur mittelbar die pflegebedürftigen Personen.

  • Hol- und Bringdienste für Pflegeeinrichtung

Die Übungsleiter-Pauschale können auch Arbeitnehmer in Anspruch nehmen, die nebenberuflich Fahrdienste für eine Pflegeeinrichtung in der Altenhilfe ausführen. Zu den Leistungen der Pflegeeinrichtung gehört auch die notwendige Beförderung der Gäste von deren Wohnung zur Einrichtung und zurück Diese Fahrten werden mit Kleinbussen (9-Sitzer mit Rollstuhlplätzen) durchgeführt. Die Tätigkeit der Fahrer im Hol- und Bringdienst der Gäste fällt unter den Begriff der Pflege im Sinne des § 3 Nr. 26 EStG (FG Baden-Württemberg 3.8.2018 – 3 K 888/16 nr). Das Finanzamt hat gegen das Urteil Revision eingelegt (Az VI R 9/18).

  • Lehrbeauftragte an Schulen

Vergütungen an ehrenamtliche Lehrbeauftragte, die von den Schulen für einen ergänzenden Unterricht eingesetzt werden, sind – soweit von den Schulen mit den Lehrbeauftragten nicht ausdrücklich ein Arbeitsvertrag abgeschlossen wird – den Einnahmen aus selbständiger (unterrichtender) Tätigkeit nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG (freiberufliche Tätigkeit) zuzuordnen und nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt.

  • Mahlzeitendienste

Vergütungen an Helfer des Mahlzeitendienstes sind nicht nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt, da die Lieferung einer Mahlzeit für die Annahme einer Pflegeleistung nicht ausreicht. Ab dem 1.1.2007 ist jedoch die Inanspruchnahme der Steuerfreistellung nach § 3 Nr. 26a EStG in Höhe von bis 840  € (Wert ab 2021) möglich, sofern diese Tätigkeit nebenberuflich ausgeübt wird

  • Organistentätigkeit

Aus Gründen der Praktikabilität und der Verwaltungsvereinfachung ist bei den in Kirchengemeinden eingesetzten Organisten grundsätzlich davon auszugehen, dass deren Tätigkeit eine gewisse Gestaltungshöhe erreicht und somit die Voraussetzungen einer künstlerischen Tätigkeit im Sinne des § 3 Nr. 26 EStG vorliegen.

  • Prädikant / Lektor

Die Anwendung des § 3 Nr. 26 EStG wurde von den obersten Finanzbehörden des Bundes und der Länder verneint. Insoweit fehle bei den Prädikanten (wie auch bei Lektoren) der direkte pädagogisch ausgerichtete persönliche Kontakt zu einzelnen Menschen. Eine Steuerfreiheit der Bezüge kann sich jedoch ggf. aus § 3 Nr. 12, 13, 50 EStG ergeben.

  • Rettungskräfte

Folgende Tätigkeiten erfüllen das Merkmal der „Pflege” und sind insgesamt nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt:

a)  Rettungssanitäter und Rettungsschwimmer sowie Notärzte in Rettungs- und Krankentransportwagen sowie im Rahmen von Großveranstaltungen

b)  Einsatzkräfte der Berg-, Höhlen- und Wasserrettung, sofern Personenbergung im Vordergrund steht

c)  Kriseninterventionspersonen (psychologische Soforthilfe für traumatisierte Opfer und deren Angehörige bei schweren oder tragischen Unfällen)

d)  Helfer vor Ort (organisierte Helfer, die bis zum Eintreffen eines Rettungsmittels mit qualifizierten basismedizinischen Maßnahmen, Ersthilfe leisten)

e)  Einsatzleiter Rettungsdienst vor Ort

  • Schulweghelfer und Schulbusbegleiter

Gemeinden gewähren den grundsätzlich als Arbeitnehmer beschäftigten Schulweghelfern und Schulbusbegleitern Aufwandsentschädigungen. Diese sind nebeneinander sowohl nach § 3 Nr. 26 EStG (nebenberufliche Betreuungstätigkeit) als auch nach § 3 Nr. 12 Satz 2 EStG begünstigt. Die Vorschriften sind in der für den Steuerpflichtigen günstigsten Reihenfolge zu berücksichtigen

  • Sanitätshelfer und Rettungssanitäter im Rettungs- und Krankentransportwagen

Die Vergütungen für die Tätigkeit von Rettungssanitätern und Ersthelfern in Rettungs- und Krankentransportwagen sowie im Rahmen von Großveranstaltungen, Sanitätsdienst bei Sportveranstaltungen, kulturellen Veranstaltungen, Festumzügen etc. sind (bei Vorliegen aller Voraussetzungen) nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt. Die Einnahmen dieser ehrenamtlichen Rettungskräfte sind nicht mehr in solche aus Rettungseinsätzen und solche aus Bereitschaftszeiten aufzuteilen.

  • Stadtführer

Die Tätigkeit eines Stadtführers ist – vergleichbar mit einer unterrichtenden Tätigkeit an einer Volkshochschule und der Tätigkeit eines Museumsführers – wegen ihrer pädagogischen Ausrichtung grundsätzlich nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt. Zu prüfen ist jedoch, ob die Tätigkeit im Auftrag oder im Dienst einer juristischen Person des öffentlichen Rechts oder einer anderen unter § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG fallenden Einrichtung zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke ausgeübt wird. Erst dann ist die Tätigkeit begünstigt.

Quelle: § 3 Nr. 26 EStG