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Anlage R

⇒  Allgemein

Renten sind wiederkehrende Bezüge und führen zu sonstigen Einkünften. Bei Abgabe einer Steuererklärung sind Renten in den folgenden Anlagen anzugeben:

  • Anlage R bei Renten aus dem Inland,
  • Anlage R-AUS bei Renten aus ausländischen Versicherungen bzw. einem ausländischen Rentenvertrag und
  • Anlage R-AV / R-bAV bei Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen / Riester-Renten und Leistungen aus der betrieblichen Altersversorgung.

♦   Versorgungsbezüge sind keine Renten 

Bei wiederkehrenden Bezügen ist u. A. zu unterscheiden, ob sie vom früheren Arbeitgeber aufgrund eines früheren Dienstverhältnisses oder aus einer anderen Quelle stammen. Die Besteuerung hängt davon ab, wie die Beiträge ursprünglich - in der sog. Ansparphase - steuerlich behandelt wurden. 

Wiederkehrende Bezüge, die – in der Ansparphase - aufgrund eines früheren Dienstverhältnisses gezahlt werden, sind keine Renten, vielmehr Einnahmen aus nicht selbstständiger Arbeit (§ 19 EStG). Dazu gehören Beamtenpensionen und Betriebspensionen. Es kann ein Versorgungsfreibetrag gewährt werden, wenn der Steuerpflichtige das 63. Lebensjahr oder, wenn er schwerbehindert ist, das 60. Lebensjahr vollendet hat (§ 19 Abs.2 EStG).

Wiederkehrende Bezüge aus einer anderen Quelle, die - in der Ansparphase – als Vorsorgeaufwendungen / Beiträge zur Basis-Rentenversicherung (§ 10 EStG) abzugsfähig waren, sind als Renten zu behandeln (§ 22 EStG), desgleichen Betriebsrenten, deren Beiträge in der Ansparphase ganz oder teilweise steuerfrei waren (§ 3 Nr. Nr. 62 und 63 EStG). 

Zu den Basis-Rentenversicherungen gehört insbesondere die gesetzliche Rentenversicherung. 

♦   Rente als Kapitalanlage

In den vergangenen zehn Jahren ist die gesetzliche Rente jährlich im Schnitt im Westen um 2.3 % gestiegen, im Osten sogar um 3.3 %. Kaum eine andere Geldanlage hat eine solche Rendite zu verzeichnen.

Dies erklärt auch, warum immer mehr Menschen jenseits der 50 durch Extrazahlungen an die Rentenversicherung ihre spätere Rente erhöhen oder durch Extrazahlungen Abschläge bei frühzeitigem Ruhestand vermeiden möchten. Der Grund für die gute Rendite lässt sich leicht ausmachen: Die gesetzliche Rente orientiert sich an der allgemeinen Lohnentwicklung, während andere Geldanlagen den Kapitalzins zugrunde legen, mit dem es momentan schlecht bestellt ist.

  • Rente auch bei Tod in der Ansparphase

Verstirbt der Versicherte nach Rentenbeginn (in der Auszahlungsphase), zahlt der Versicherer die Rente weiterhin an die Hinterbliebenen, allerdings in verminderter Höhe.

Verstirbt der Versicherte vor Rentenbeginn (in der Ansparphase) und sei es auch kurz nach Vertragsabschluss / Eintritt, muss der Versicherer an die Hinterbliebenen Rente zahlen und zwar in der Höhe, als seien bis zur Rente die Prämien voll bezahlt worden. Die Hinterbliebenen erhalten also auch in diesem Fall eine Rente bis an deren Lebensende.

Ansprüche auf Hinterbliebenenrente haben allerdings nur Ehepartner oder Kinder, für die noch ein Anspruch auf Kindergeld besteht (also bis höchstens 25 Jahre).

  • Großzügige Steuervergünstigungen

Hinzu kommt, dass die Beiträge in die Rentenkassen einschließlich Extrazahlungen bis zu 92 % der gesetzlichen Höchstbeträge von 25.787 / 51.574 €  (Werte für 2021) abzugsfähig sind (§ 10 Abs. 3 EStG). Die späteren Renten sind im Gegenzug zwar steuerpflichtig. Rentner profitieren aber davon, dass sie im Rentenalter - wahrscheinlich mit geringeren Einkünften - steuerlich weniger hoch belastet werden. 

Eine Ausnahme machen Beiträge in die Riester-Rente. Hier ist nur ein Höchstbetrag von 2.100 €, bei Zusammenveranlagung zusätzliche 60 € für den Ehepartner vorgesehen (§ 10a Abs. 1 EStG). 

⇒   Steuererklärung ohne Anlage R

Inzwischen hat es die Steuerverwaltung geschafft, die Abgabe der Steuererklärung wesentlich zu vereinfachen: Die Abgabe des Hauptvordrucks genügt.

Die steuerlichen Daten für die Anlage R liegen der Finanzverwaltung bereits im Detail vor - aufgrund der elektronischen Datenübermittlung der mitteilungspflichtigen Stellen / Rentenkassen (sog. eDaten). Deshalb verzichtet die Finanzverwaltung auch auf die Angabe dieser eDaten in der  Einkommensteuererklärung.

In den Anlagen / Formularen zur Einkommensteuererklärung sind diese Zeilen / Bereiche hervorgehoben und entsprechend mit  gekennzeichnet. Diese Anlagen müssen nicht mehr ausgefüllt und beigefügt werden.

Anlage R Zeile 4

 

Dies bedeutet:

Weil dem Finanzamt alle wichtigen Daten zur Steuererklärung bereits vorliegen, brauchen Rentner nur den Hauptvordruck auszufüllen und absenden. Das ist alles. Den Rest steuert das Finanzamt bei.

Dies gilt aber nur, wenn

  • keine zusätzlichen Einkünfte vorliegen und auch
  • keine als Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen abzugsfähigen Posten und auch
  • keine haushaltsnahen Aufwendungen.

♦   Übrigens: Nicht alle Renten sind steuerpflichtig

Renten sind zwar grundsätzlich einkommensteuerpflichtig. Einige Arten von Renten sind in vollem Umfang steuerfrei. Dazu gehören z. B.

  • Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung (z. B. Berufsgenossenschaftsrenten),
  • Kriegs‑ und Schwerbeschädigtenrenten,
  • Geldrenten, die unmittelbar zur Wiedergutmachung erlittenen nationalsozialistischen oder DDR-Unrechts geleistet werden.

Schadensersatzrenten zum Ausgleich vermehrter Bedürfnisse, für entgangenen Unterhalt und entgangene Dienste sowie Schmerzensgeldrenten gehören nicht zu den Einkünften.

♦   Unterteilung der Renten

Wegen der unterschiedlichen steuerlichen Behandlung werden die Renten in folgende Gruppen unterteilt:

  • Basis-Altersrenten: Inländische Leibrenten aus den gesetzlichen Rentenversicherungen, der landwirtschaftlichen Alterskasse, den berufsständischen Versorgungseinrichtungen. Dazu gehören auch Renten aus eigenen zertifizierten Basis-Rentenverträgen / sog. Rürup-Renten (Zeile 4 bis 12),
  • Sonstige inländische – insbesondere private – Leibrenten (Zeile 13 bis 36),
  • Leistungen aus inländischen Altersvorsorgeverträgen (sog. Riester-Rente) und aus der inländischen betrieblichen Altersversorgung, auch soweit es sich um Leibrenten aus dem umlagefinanzierten Teil von Zusatzversorgungskassen, wie z. B. der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL), handelt (Anlage R-AV / bAV),
  • Renten und andere Leistungen aus ausländischen Versicherungen / ausländischen Rentenverträgen / ausländischen betrieblichen Versorgungseinrichtungen (Anlage R-AUS).

Die Abgabe der Anlage R entfällt, wenn:

  • die Daten elektronisch übermittelt wurden und
  • in den Zeilen 10 bis 12 keine Eintragungen zur Öffnungsklausel vorgenommen werden müssen und
  • die Werbungskosten den Pauschbetrag von 102 € nicht übersteigen

♦   Pensionen / Versorgungsbezüge

Pensionen / Versorgungsbezüge , z. B. Beamten- / Werkspensionen, für die Sie eine Lohnsteuerbescheinigung erhalten haben, tragen Sie bitte auf der Anlage N ein.