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7.3 Tipp: Vorzeitiger Ausstieg / Fexi-Rente

Anlage R

⇒    Tipp: Vorzeitiger Ausstieg / Flexi-Rente

Viele Menschen möchten früher aus dem Arbeitsleben aussteigen und können sich dieses auch leisten.

Das Flexi-Rentengesetz vom 8.12.2016 soll das flexible Arbeiten bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze erleichtern und das Weiterarbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus attraktiver machen.

Ein vorzeitiger Ausstieg ist indessen erst möglich bei 35 Versicherungsjahren (siehe unten). Dann werden Rentenabschläge vorgenommen in Höhe von 0.3 % je Monat vor dem regulären Renteneintrittsalter. Wer beispielsweise 36 Monate früher in Rente geht, muss mit Abschlägen von der Rente in Höhe von (03.% x 36 =) 10.8 % rechnen und dies für den Rest seines Lebens.

Wer auf mindestens 45 Versicherungsjahre kommt, kann danach ohne Abschläge aussteigen (siehe unten).

♦   Die Wette auf ein kurzes Leben?

Wer sich für den vorzeitigen Ausstieg entscheidet, geht eine Wette gegen die Rentenversicherung auf ein kurzes Leben ein. Zwei Jahre Ausstieg vor Ablauf der regulären Regelarbeitsgrenze führt zu einem Abschlag von 7.2 %, aber auch zwei Jahre lang früher Rentenbezüge. Aber nur, wer innerhalb der nächsten 25 Jahre / 309 Monate das Zeitliche segnet, hat die Wette gegen die Rentenversicherung gewonnen

So lange dauert es, bis die Kürzungsbeträge die Summe der Rentenzahlungen aus den ersten zwei Jahren erreichen. Wer indessen nach dem Ausstieg länger als 309 Monate lebt, hat zwar Lebenszeit gewonnen, die Wette gegen die Rentenversicherung aber verloren, denn diese gelangt dann finanziell ins Plus.

Berechnung

Monatlicher Rentenanspruch z. B. 700.00 €
Abschlag mtl. 0.3 % x 24 Monate = 7.2 %     50.40 €
Gekürzte monatliche Rente  649.60 €
Vorzeitiger Rentenbezug 649.60 € X 24 Monate          15.590.40 €
 Break-Point 15.590.40 € : Abschläge 50.40 € =  309 Monate

Die vier wichtigsten Wege des Ausstiegs sind:

Schwerbehinderung

Sie können mit 63 in Rente gehen, jedoch mit Abschlägen. Es gelten besondere Regeln.

45 Versicherungsjahre

Ausstieg zwei Jahre vor der allgemeinen Regel­alters­grenze möglich ohne Abschläge bei der Rente.

35 Versicherungsjahre

Ausstieg möglich mit Abschlägen bei der Rente. Jeder vorgezogene Monat bedeutet 0.3 % weniger Rente.

Unter 35 Versicherungsjahre

Je nach Jahrgang können Sie frühestens zwischen 65 und 67 in Rente gehen

Altersteilzeit*

Altersteilzeit kann frühestens mit 55 beginnen. Allerdings gibt es keinen gesetzlichen Anspruch darauf. Altersteilzeit wird über den Betrieb in Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder individuell vereinbart. Der Arbeitgeber stockt um 20 % des Regelarbeitsgehalts steuer- und sozialversicherungsfrei auf.

Versicherungsjahre

Zu den Versicherungsjahren gehören Versicherungszeiten mit Pflichtbeiträgen, aber ALG I, Krankengeld, Kurzarbeitergeld, Insolvenzgeld, betriebliche Ausbildung, berufliche Weiterbildung, Wehr- und Zivildienst, Pflege von Angehörigen, freiwillige Rentenbeiträge (§ 54 ff SGB IV).

*Altersteilzeit

Mit der Altersteilzeit ermöglicht der Arbeitgeber auf freiwilliger Basis dem Arbeitnehmer einen stufenweisen Übergang in den Ruhestand, wobei sich während der Altersteilzeit der Lohn reduziert. Ein Anspruch seitens des Arbeitnehmers besteht nicht, vielfach wird die Altersteilzeit  indessen durch Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung festgelegt.

Voraussetzungen

  • Alter des Arbeitnehmers mindestens 55 Jahre vollendet.
  • Die bisherige wöchentliche Arbeitszeit wird um die Hälfte reduziert.
  • Der Arbeitnehmer muss innerhalb der letzten fünf Jahre vor Beginn der  Altersteilzeit mindestens drei Jahren versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein.
  • Der Arbeitgeber muss den frei gewordenen Arbeitsplatz wieder besetzen und für den Arbeitnehmer während der Altersteilzeit zusätzliche Rentenversicherungsbeiträge zahlen.

Es gibt 2 Varianten der  Altersteilzeit 

Variante 1: Gleichverteilermodell

Der Arbeitnehmer reduziert über den gesamten Zeitraum der Altersteilzeit seine Arbeitszeit auf die Hälfte seiner üblichen Arbeitszeit.

Variante 2: Blockmodell

Von diesem Modell wird meistens Gebrauch gemacht. Hier wird die Altersteilzeit in zwei Blöcke aufgeteilt: In die Arbeitsphase und in die Freistellungsphase. In der Arbeitsphase wird voll durchgearbeitet und in der Freistellungsphase wird, wie der Name schon sagt, nicht gearbeitet.

⇒   Weiterarbeiten?

Viele Rentner, die ihren Beruf mit hoher Qualifikation ausgeübt haben, arbeiten nach Beginn der Regelaltersrente in ihrem Beruf weiter. Denn qualifiziertes Personal ist derzeit schwer zu ersetzen. Deshalb erhalten viele Neurentner attraktive Angebote von ihren bisherigen Arbeitgebern. Sie verdienen dazu, ohne dass ihre Rente dadurch gekürzt wird.

Nachdem Sie Altersrente beziehen, können Sie gleichwohl weiterarbeiten. Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung entfallen.

Sie können Ihre Rente indessen erhöhen, wenn Sie weiter in die Rentenkasse einzahlen. Dies müssten Sie der Personalstelle mitteilen. Bei einem Gehalt von 3.100 € fallen bei einem Beitragssatz von 18.6 % = 582 € Beiträge an, von denen Ihr Arbeitgeber und Sie jeweils die Hälfte tragen. Dadurch würde sich im Folgejahr Ihre monatliche Rente um 34 € erhöhen.

Dies bedeutet: Mit Ihrem jährlichen Beitragsanteil von 291 € x 12 Monate = 3.492 € erhöht sich Ihre Rente um 34 € x 12 Monate = 408 €. Sie haben nach (3.492 € : 408 € =) 8.55 Jahren Ihren Beitragsanteil wieder hereingefahren und sind von da ab im plus.   

Quelle: § 34 SGB VI