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03.0 Kapitalerträge mit inländischem Steuerabzug / Zeile 7-15

Anlage KAP Zeile 7-15

⇒   Kapitalerträge mit inländischem Steuerabzug

Erklären Sie in den Zeilen 7 bis 15 Kapitalerträge, die dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben, erläutern Sie bitte durch Eintragen einer „1“ in Zeile 4 und / oder Zeile 5, ob Sie die Günstigerprüfung für sämtliche Kapitalerträge und / oder eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge wünschen. Die ggf. in die jeweilige Zeile der linken Spalte der Zeilen 7 bis 15 einzutragenden Werte entnehmen Sie bitte der Steuerbescheinigung der inländischen auszahlenden Stelle (z. B. Kreditinstitut), die von dieser auf Verlangen ausgestellt wird.

  • Steuerbescheinigung als Eintragungshilfe

In der Steuerbescheinigung ist die jeweilige Zeile der Anlage KAP als Eintragungshilfe angegeben. Die bescheinigten Werte sind dementsprechend lediglich in die Anlage KAP zu übertragen. Erforderlichenfalls sind die Werte mehrerer Steuerbescheinigungen zu einer Summe zusammenzufassen und in die jeweilige Zeile der Anlage KAP zu übernehmen.

Tipp Gratisaktien steuerfrei

Fusionen und Spin-offs / Abspaltungen betreffen die Aktionäre nicht. Gibt es Gratisaktien, sind diese nicht etwa steuerpflichtig, vielmehr sind sie steuerfrei in das Depot zu übernehmen. Auf diese Weise verändern sich die Anschaffungskosten für den Depot-Bestand nicht. Allerdings unterliegen später realisierte Kursgewinne der Abgeltungsteuer (BMF, 11.6.2020, IV C 1 - S 2252/19/10028). Bei fehlenden Anschaffungskosten ist der gesamte Erlös aus dem Verkauf der Gratis-Aktien steuerpflichtig.

Akut wurde dies z. B. in 2020, als die Siemensaktionäre für zwei Siemens-Aktien eine neue Aktie der Siemens Energy SA erhielten. Nach den Feststellungen des BMF liegen für die o.g. Kapitalmaßnahme die Voraussetzungen einer Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln nach §§ 1, 7 KapErhStG). Daraus ergeben sich zunächst keine steuerpflichtigen Kapitalerträge.

Einige Depot-Banken hatten fehlerhaft die Gratis-Aktien als fiktiven Kapitalertrag in den Steuerbescheinigungen ausgewiesen, die insoweit falsch waren und korrigiert werden mussten.

  • Verluste

Verluste dürfen in der linken Spalte der Zeilen 12 und 13 nur dann eingetragen werden, wenn sie in der Steuerbescheinigung (Verlustbescheinigung) ausgewiesen sind. Bitte vergessen Sie nicht die Eintragungen zur Höhe des beim Steuerabzug in Anspruch genommenen Sparer-Pauschbetrags in den Zeilen 16 und 17, die Sie ebenfalls den Steuerbescheinigungen entnehmen können.

♦   Steuerbescheinigung beifügen

Haben Sie in Zeile 4 die Günstigerprüfung für sämtliche Kapitalerträge oder in Zeile 5 eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge beantragt, müssen Sie die Steuerbescheinigung nur auf Anforderung des Finanzamts einreichen.

 

Bei Eintragungen in den Zeilen 12 und / oder 13 sowie 43 bis 45 ist die Steuerbescheinigung immer einzureichen. Eine Steuerbescheinigung ist somit immer beizufügen bei bestimmten Verlusten und  wenn Abgeltungsteuer im Zusammenhang mit Einkünften angerechnet werden soll.

 

Zu Zeile 7: Veräußerungsgewinne

Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf von privatem Kapitalvermögen fallen unter § 20 Abs. 2 EStG (Aktien, Optionen, Futures, auch Warentermingeschäfte) und gehören damit zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Sie unterliegen generell der pauschalen Abgeltungsteuer von 25 %.

Und hier gelten keine Spekulationsfristen. Gewinne sind somit steuerpflichtig, unabhängig davon, ob Sie die Geschäfte innerhalb von 2 Wochen oder zwei Jahren abgewickelt haben.

Allerdings gibt es eine Ausnahmeregelung: Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalvermögen sind nicht steuerpflichtig, wenn Sie das veräußerte Kapitalvermögen, z. B. Wertpapiere, vor Inkraftreten des Unternehmenssteuerreformgesetzes, also vor dem 1.1.2009, erworben haben. 

♦   Zu Zeile 10: Veräußerung bestandsgeschützter Alt-Anteile (Investmentsteuergesetz)

Die ab dem 1.1.2018 eintretenden Wertveränderungen von bestandsgeschützten Alt-Anteilen (vor dem 1.1.2009 erworbene und seitdem im Privatvermögen gehaltene Investmentanteile) sind steuerpflichtig, soweit sie den Freibetrag von 100.000 € überschreiten. Die einzutragenden Beträge können Sie dem nachrichtlichen Teil der Steuerbescheinigung entnehmen (§ 56 Abs. 6 Investmentsteuergesetz).

 

Es sind nur die Veräußerungsgewinne einzutragen. Veräußerungsverluste sind nicht mit den Veräußerungsgewinnen zu saldieren. Der Freibetrag wird vom Finanzamt berücksichtigt.

Haben Sie bereits in den Vorjahren Gewinne aus der Veräußerung von bestandsgeschützten Alt-Anteilen erzielt und den Freibetrag von 100.000 € (teilweise) in Anspruch genommen, füllen Sie bitte auch die Zeile 10 der Anlage Sonstiges aus.

♦   Zu Zeile 15 und 25: Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung

Verluste aus der ganzen oder teilweisen Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung, aus der Ausbuchung wertloser Wirtschaftsgüter, aus der Übertragung wertloser Wirtschaftsgüter auf einen Dritten oder aus einem sonstigen Ausfall von Wirtschaftsgütern im Sinne des § 20 Abs. 1 EStG können nur mit Einkünften aus Kapitalvermögen bis zur Höhe von 10.000 € ausgeglichen werden.

Nicht verrechnete Verluste können auf Folgejahre vorgetragen werden und jeweils in Höhe von 10.000 € mit Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden. Das Kreditinstitut hat Ihnen die angefallenen Verluste aus der ganzen oder teilweisen Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung bescheinigt, die Sie im Rahmen der Veranlagung - beispielsweise mit solchen, die Sie bei einem anderen Kreditinstitut erzielt haben - verrechnen können.

♦   Zu Zeile 16 und 17: Sparer-Pauschbetrag

In den Zeilen 16 und 17 ist stets die Höhe des aufgrund von Freistellungsaufträgen bereits in Anspruch genommenen Sparer-Pauschbetrags für sämtliche Kapitalerträge einzutragen (ggf. mit „0“). Bei zusammen veranlagten Ehepartnern ist in den Fällen, in denen der andere Ehepartner keine Anlage KAP abgegeben hat, der von beiden Ehepartnern in Anspruch genommene Sparer-Pauschbetrag, soweit er nicht bereits in Zeile 16 eingetragen wurde, in Zeile 17 einzutragen. Beantragen Sie die Günstigerprüfung (Zeile 4) ist keine Eintragung in Zeile 17 vorzunehmen.