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04.0 Kapitalerträge ohne Steuerabzug / Zeile 18-26

Anlage KAP Zeile 18-26

⇒   Kapitalerträge ohne Steuerabzug

Erklären Sie in den Zeilen 18 bis 26 Kapitalerträge, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben. Die Einkommensteuer auf diese Kapitalerträge entspricht der Abgeltungssteuer und beträgt damit 25 %. Seitens des Finanzamts wird dabei anrechenbare ausländische Steuer und eine Ermäßigung bei Kirchensteuerpflicht berücksichtigt. In diesem Fall ist auch eine Eintragung zum Sparer-Pauschbetrag in Zeile 17 erforderlich.

♦    Zu Zeile 18-19: Diverse Kapitalerträge ohne Steuerabzug

Tragen Sie bitte inländische Kapitalerträge, die bisher nicht dem Steuerabzug durch eine inländische Zahlstelle unterlegen haben (z. B. Zinsen aus Privatdarlehen unter fremden Dritten, erhaltene Prozesszinsen) in Zeile 18 ein.

  • Ausländische Kapitalerträge 

Zu den ausländischen Erträgen in Zeile 19 gehören z. B. Erträge bei ausländischen Kreditinstituten (z. B. Dividenden und Zinsen eines ausländischen Schuldners). Bitte reichen Sie für die Erträge in Zeile 19 die entsprechende(n) Erträgnisaufstellung(en) ein.

Alle Veräußerungstatbestände tragen Sie bitte zusätzlich in die Zeilen 20 bis 23 ein. Einzutragen sind Gewinne und Verluste aus der Veräußerung von Kapitalanlagen (z. B. Aktien, Termingeschäfte und weitere Kapitalforderungen jeder Art).

Ansässigkeitsbescheinigungen

In zunehmendem Maße werden Ansässigkeitsbescheinigungen zur Vorlage bei ausländischen Steuerverwaltungen oder zur Vorlage bei anderen ausländischen Stellen angefordert. Hierfür werden dem Finanzamt entweder ausländische Vordrucke oder das bundeseinheitlich abgestimmte Muster einer Ansässigkeitsbescheinigung vorgelegt. Im Einzelfall werden die Finanzämter auch gebeten, eine formlose Ansässigkeitsbescheinigung auszustellen (OFD Nordrhein-Westfalen, 9.4.2020, S 1301 - 1989/5000 - St 125).

Ansässigkeitsbescheinigungen sollen grundsätzlich nur auf einem offiziellen, mit der ausländischen Steuerverwaltung abgestimmten Vordruck erfolgen.

Die Ansässigkeitsbescheinigung eines deutschen Finanzamts, mit dem der steuerliche Wohnsitz, mithin die Ansässigkeit in Deutschland bescheinigt wird, dient regelmäßig der Anwendung der in den Doppelbesteuerungsabkommen enthaltenen Quellensteuerbegrenzungen oder -befreiungen für aus dem ausländischen Quellenstaat stammende Einkünfte (in der Regel Zinsen, Dividenden und Lizenzgebühren oder sonstige Einkünfte) im Rahmen eines dortigen Freistellungs- bzw. Erstattungsverfahrens.

Aufgrund der im jeweiligen Vordruck vom Steuerpflichtigen einzutragenden Angaben wird Deutschland als Ansässigkeitsstaat zugleich über ausländische Einkunftsquellen informiert und damit in die Lage versetzt, sein Besteuerungsrecht wahrzunehmen. Vom Steuerpflichtigen ist somit anzugeben, für welche Erträge (Beteiligungen) die Ansässigkeitsbescheinigung konkret benötigt wird. Blankobescheinigungen oder Bescheinigungen ohne Hinweis auf ein DBA sind daher nicht zu erteilen. Die Ansässigkeitsbescheinigung ist dementsprechend zu erteilen, wenn der Antragsteller zuvor das Erfordernis für die Ausstellung einer solchen Bescheinigung, z.B. durch Angabe seiner Depotbank und -nummer, der Einkunftsquelle (z.B. jeweilige ausschüttende Gesellschaft) sowie der voraussichtlich anfallenden (Dividenden)Erträge (soweit bereits bekannt) dargelegt hat (Hinweis auf die erhöhten Mitwirkungspflichten des § 90 Abs. 2 Satz 2 AO). Eine Durchschrift der erteilten Ansässigkeitsbescheinigung wird als Kontrollmitteilung zu den Akten genommen.

 

  • Veräußerungstatbestände aufzeichnen

Ermitteln Sie bitte den Gewinn / Verlust aus der Veräußerung jeder einzelnen Kapitalanlage und reichen Sie die Berechnungen nur auf Anforderung des Finanzamtes ein. Voraussetzung ist, dass die Anschaffung dieser Wertpapiere nach dem 31.12.2008 erfolgt ist. Bei einer Anschaffung vor dem 1.1.2009 ist der Veräußerungsgewinn steuerfrei und muss nicht in der Steuererklärung angegeben werden.

  • Ausländische Investmenterträge

Ausschüttungen und Vorabpauschalen aus Investmentfonds sowie Veräußerungen von Investmentanteilen, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben, tragen Sie bitte in die Anlage KAP-INV ein.

Hinsichtlich der Behandlung von sog. Finanzinnovationen (z. B. Zerobonds) und ertpapieren ohne Kapitalrückzahlungsgarantie (z. B. Zertifikate) gelten besondere Übergangsregelungen

(§ 52 Abs. 28 Satz 16 ff. EStG).

Unterschiedsbeträge i. S. d. § 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 Satz 5 und § 13 Abs. 4a Satz 2 nach dem InvStG in der bis zum 31.12.2017 geltenden Fassung sind in Zeile 18 und / oder 19 einzutragen.

Gewinne und Verluste aus der fiktiven Veräußerung von nicht bestandsgeschützten Alt-Anteilen i. S. d. § 56 Abs. 2 i. V. m. Abs. 3 Satz 1 InvStG an einer Kapital-Investitionsgesellschaft sind in Zeile 18 und / oder 19 und zusätzlich in Zeile 20 und / oder 22 und / oder 23 einzutragen.

  • Privatdarlehen zwischen nahestehenden Personen / Zeile 28

Darlehen zwischen nahestehenden Personen vgl. Erläuterungen zu Zeile 28). Auf diese Einkünfte wird aber nicht die tarifliche Einkommensteuer angewandt, sondern der Steuersatz, wie er bei der Abgeltungsteuer Anwendung findet.

 

♦    Zinsanteile bei einer Veräußerungszeitrente / Zeile 18

Auch bei der Übertragung eines Grundstück des Privatvermögens gegen eine Veräußerungszeitrente fließen dem Veräußerer von Beginn an steuerpflichtige Zinseinkünfte gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG zu. Die auf die Tilgung entfallenden Anteile bleiben unberücksichtigt (Urteil vom 14. Juli 2020, VIII R 3/17).

Im Streitfall übertrug der Stpfl. ein Grundstück an seinen Sohn gegen eine mtl. Rente von 1.000 € über einen Zeitraum von 31 Jahren. Der Verkehrswert des Grundstücks betrug 393.000 €. Im Streitjahr flossen dem Sohn Rentenzahlungen in Höhe von 12.000 € zu.

Die darin enthaltenen Zinsanteile betrugen  9.420 €, die nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG steuerpflichtig sind.

Anlage KAP

Dazu führten die Richter des BFH aus: Die Übertragung des Grundstücks beurteilt der Senat als dessen teilentgeltliche Veräußerung gegen eine Veräußerungszeitrente. Die dem KLäger im Streitjahr zugeflossenen Rentenzahlungen sind deshalb in einen (nicht steuerbaren) Tilgungsanteil und einen gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG steuerpflichtigen Zinsanteil aufzuteilen.

Übertragen Eltern einem Kind einen Vermögensgegenstand (hier: ein Grundstück) gegen auf festbestimmte Zeit zu zahlende wiederkehrende Leistungen (sog. Zeitrente), handelt es sich um ein entgeltliches Veräußerungs- und Anschaffungsgeschäft. Dies gilt auch, wenn der Barwert der wiederkehrenden Leistungen im Übertragungszeitpunkt unterhalb des Verkehrswerts des übertragenen Vermögensgegenstands.

Die Übertragung erfolgte teilentgeltlich, weil der Barwert der geschuldeten Rentenzahlungen im Übertragungszeitpunkt mit 179.592 € den Verkehrswert der Immobilie (393.000 €) nicht erreicht.

Die steuerpflichtigen Zinsanteile sind aus den Unterschiedsbeträgen der jährlichen Barwertminderung des Rentenstammrechts abzuleiten. Das Rentenstammrecht ist mit dem aus Anlage 9a zu § 13 Abs. 1 BewG anzusetzen.  Der Vervielfältiger aus Anlage 9a zu § 13 Abs. 1 BewG beträgt bei Rentenleistungen über einen Zeitraum von 31 Jahren = 14.966 (Interpoliert: Berücksichtigung von Monatszahlungen statt Zahlungen in einer Summe zu Jahresbeginn oder Jahresende).

Probe: Jahresrente 12.000 € x 14.966 = 179.592

♦    Zu Zeile 20 und 23: Veräußerung von Aktien

Gewinne und Verluste aus der Veräußerung von Aktien sind gesondert einzutragen, da Verluste lediglich mit Gewinnen aus Aktienveräußerungen verrechnet werden dürfen. Hierzu zählen auch die Gewinne und Verluste aus der fiktiven Veräußerung von nicht bestandsgeschützten Alt-Anteilen i. S. d. § 56 Abs. 2 i. V. m. Abs. 3 Satz 1 InvStG an Kapital-Investitionsgesellschaften in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft oder vergleichbaren ausländischen Rechtsformen (vgl. Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 21.5.2019, Bundessteuerblatt I S. 527, Rz. 56.30).

♦   Zu Zeile 19: Ausländische Kapitalerträge

Zu den ausländischen Erträgen in Zeile 19 gehören z. B. Erträge bei ausländischen Kreditinstituten (z. B. Dividenden und Zinsen eines ausländischen Schuldners). Bitte reichen Sie für die Erträge in Zeile 19 die entsprechende(n) Erträgnisaufstellung(en) ein.

Es ist unterschiedlich zu verfahren, je nachdem, ob die ausländischen Kapitalerträge aus einem Depot / Konto stammen, das im Inland oder im Ausland geführt wird.

Besteht das Depot oder das Konto bei einer Bank im Ausland oder kommen die Kapitalerträge von einer ausländischen Bank oder der ausländischen Tochtergesellschaft einer deutschen Bank, wird keine deutsche Abgeltungssteuer einbehalten. Sie tragen die Kapitalerträge in die Zeilen 19 ein. Wird indessen das Konto im Inland geführt, erfolgt ein Steuerabzug mit Abgeltungsteuer.

Bei ausländischen Kapitalerträgen ermitteln Sie bitte den Gewinn / Verlust aus der Veräußerung jeder einzelnen Kapitalanlage und fügen Sie die Berechnungen auf einem besonderen Blatt bei. Bei Wertpapieren ist Voraussetzung, dass die Anschaffung dieser Wertpapiere nach dem 31.12.2008 erfolgt ist. Veräußerungserträge vor dem 1.1.2009 sind steuerfrei.

  • Internationaler Informationsaustausch

Bei Kapitalerträgen im Ausland hat der Schuldner zunächst zu prüfen, ob nach dem maßgebenden Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) überhaupt ein Besteuerungsrecht der Bundesrepublik Deutschland besteht. Hinsichtlich der Einkünfte aus Kapitalvermögen gilt nach den meisten DBA das so genannte Wohnsitzprinzip. Dies bedeutet, dass derjenige Staat das Besteuerungsrecht hat, in dessen Hoheitsgebiet der Steuerzahler wohnt. Wohnen Sie in Deutschland, müssen Sie also im Normalfall Ihre ausländischen Kapitalerträge dem deutschen Fiskus erklären.

Dies bringt so manchen Anleger in Erklärungsnot. In einer solchen Notlage hilft die Einsicht, dass innerhalb der EU und anderer Staaten inzwischen ein ausgeklügelter Informationsaustausch abläuft, der dazu führt, dass die Steuerverwaltungen der am Informationsaustausch beteiligten Staaten darüber informiert sind, wenn ein Staatsbürger Kapitalerträge im Ausland bezogen hat.

  • Ausländische Quellensteuer

Wenn Sie Ihr Geld im Ausland angelegt haben, kann es Ihnen passieren, dass Sie doppelt zur Kasse gebeten werden, denn auch die Finanzbehörden im Ausland halten die Hand auf und erheben eine so genannte Quellensteuer. Die ausländische Quellensteuer wird aber im Prinzip vom deutschen Fiskus auf die deutsche Einkommensteuer angerechnet.

Nach dem OECD-Standard für den automatischen Informationsaustausch über Finanzkontendaten sind nicht nur Konten von natürlichen Personen, sondern auch von juristischen Personen sowie Rechtsträgern (einschließlich Trusts und Stiftungen) meldepflichtig. Begonnen wurde mit dem automatischen Informationsaustausch im September 2017 für den Meldezeitraum 2016. Inzwischen Stand: 2018 nehmen an dem Informationsaustausch über 120 Staaten und Gebiete teil.

Der  Informationsaustausch (Finanzkonten-Informationsaustauschgesetz vom 21.12.2015) läuft - vereinfacht dargestellt - wie folgt ab:

Von Deutschland ins Ausland

Deutsche Finanzinstitute  melden Finanzdaten von im Ausland ansässigen natürlichen Personen an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt), welches diese Informationen an die zuständigen ausländischen Steuerbehörden für Zwecke der Einkommensbesteuerung weiterleitet.

Vom Ausland nach Deutschland

Im umgekehrten Fall erhält das BZSt von den ausländischen Steuerbehörden Informationen über Finanzdaten von Anlegern, die in Deutschland ansässig sind. Diese Informationen werden an das jeweils zuständige inländische Finanzamt für Zwecke der Einkommensbesteuerung weitergeleitet.

Tipp: Verluste im Ausland nicht vergessen

Werden die Wertpapiere im Ausland verwahrt, muss der Anleger die erzielten Erträge in seiner Einkommensteuererklärung angeben (§ 32d Abs. 3 EStG). Dies gilt logischerweise auch für Verluste. Wollen Sie, dass Ihre ausländischen Verluste berücksichtigt werden, müssen Sie eine Anlage KAP abgeben.