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03.5 Verluste aus Kapitalvermögen / Zeile 12-13

Anlage KAP / Zeile 12-13

⇒   Verluste aus Kapitalvermögen

Kapitaleinkünfte haben infolge Abgeltungsteuer eine Sonderstellung beim Verlustabzug.

So können Verluste aus Kapitalvermögen nicht mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden. Wohingegen umgekehrt eine Verrechnung von positiven Kapitalerträgen mit Verlusten aus anderen Einkunftsarten möglich ist.

Die Sonderstellung besteht darin, dass der Verlustabzug bei Einkünften aus Kapitalvermögen  praktisch von der depotführenden Stelle vorgenommen wird. Dabei führt die depotführende Stelle / Bank zwei Töpfe, in der die Erträge oder Verluste registriert werden / landen. Dies ist erforderlich, weil Verluste aus Aktienverkäufen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden dürfen.

⇒   Anlage KAP

In Zeile 12-13 geht es um Verrechnungsverbote von Verlusten aus Kapitalvermögen. Verluste dürfen in der linken Spalte der Zeilen 12 und 13 nur dann eingetragen werden, wenn sie in der Steuerbescheinigung (Verlustbescheinigung) ausgewiesen sind.

So dürfen Verluste aus Kapitalvermögen (negative Einkünfte) nicht mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden (§ 20 Abs. 6 Satz 1 EStG).  Eine Verrechnung darf nur mit künftigen Gewinnen aus Kapitalvermögen erfolgen (§ 20 Abs. 6 Satz 2 EStG).

Verluste aus der Veräußerung von Wertpapieren dürfen zunächst nur mit Gewinnen aus Wertpapiergeschäften verrechnet werden. Dabei ist zwischen Verlusten aus der Veräußerung von Aktien (Eintragung in Zeile 13) und Verlusten aus anderen Wertpapieren  (Eintragung in Zeile 12) zu unterscheiden. Verluste aus der Veräußerung von Aktien dürfen nur mit zukünftigen Gewinnen aus der Veräußerung von Aktien verrechnet werden (Zeile 8 / § 20 Abs. 6 Satz 4 EStG).

⇒   Verrechnungsverbote

Dies bedeutet: Weil Kapitalerträge nur mit 25 % steuerpflichtig sind, besteht für Verluste aus Kapitalvermögen ein Verrechnungsverbot mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten. Der Fiskus lässt die Verrechnung von Verlusten nur innerhalb der Kapitaleinkünfte zu (§ 20 Abs. 6 EStG). Und auch hier hat er noch eine Bremse eingebaut: Verluste aus Aktiengeschäften dürfen nur mit Gewinnen aus Aktiengeschäften verrechnet werden (§ 20 Abs. 6 Satz 5 EStG).

Verluste, die in der Luft hängen, können in künftige Veranlagungsjahre vorgetragen werden. Ein Verlustrücktrag ist nicht möglich.

Für bestimmte Verluste (aus Termingeschäften und Stillhalterprämien / Optionen) gilt ein Verrechnungsverbot ab 20.000 € (§ 20 Abs. 6 Nr. 5 EStG). 

♦    Verrechnung von Verlusten innerhalb der Bank

Um Veranlagungsfälle zu vermeiden wird zuerst eine Verlustverrechnung auf der Ebene der Bank vorgenommen. Dazu hat die Bank für jeden Kunden zwei Verlustverrechnungstöpfe zu führen:

Im Topf 1 werden nur die Verluste aus Aktienverkäufen verbucht, weil diese nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden dürfen.

Im Topf 2 werden alle anderen Verluste eingestellt.

Bereits im laufenden Jahr werden innerhalb der Töpfe die positiven Kapitalerträge mit den negativen einschließlich gezahlter Stückzinsen (§ 43 a Abs. 3 EStG) direkt verrechnet.

♦   Verlustabzug innerhalb der Bank 

Sind die Verluste in den jeweiligen Töpfen höher als die Erträge, nimmt die Bank diese Erträge automatisch - für jeden Topf getrennt - mit ins nächste Jahr. Die Möglichkeit eines Verlustrücktrags besteht also bei den Einkünften aus Kapitalvermögen nicht. Verluste werden nur im Rahmen der beiden Verlusttöpfe in nächste Jahr vorgetragen und dort weitergeführt.

Dies können Sie ändern, indem Sie bei der depotführenden Bank bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung beantragen. Ein Antrag ist für jeden Verlusttopf einzeln möglich.

  • Alles auf Null

Stellt die Bank so eine Bescheinigung aus, bucht sie die Verluste aus dem jeweiligen Topf aus, setzt die vorhandenen Verluste praktisch auf Null. Auf diese Weise wird doppelte Berücksichtigung der Verluste innerhalb der Bank und im Rahmen der Veranlagung im Finanzamt vermieden.

Mit der Bescheinigung kann der Anleger den bescheinigten Verlust in der Steuererklärung geltend machen, indem er der Steuererklärung die Anlage KAP beifügt und in Zeile 5 die Überprüfung des Steuereinbehalts beantragt.

Anlage KAP

Beispiel:

Der Anleger hat eine Verlustbescheinigung der Bank über 6.001 € aus Aktenverkäufen in den Händen. Er beantragt, die Verluste im laufenden Jahr mit den Erträgen zu verrechnen und beantragt in Zeile 5 die Überprüfung des Steuereinbehalts.

Einzelheiten ergeben sich aus der Verlustbescheinigung der Bank.

Anlage KAP

Das Finanzamt wird in diesem Fall für Sie einen Verlustvortrag von (1.100 € - 6.001 € =) 4.901,00 € gesondert feststellen, der im nächsten Jahr berücksichtigt werden kann.

Tipp: Verluste im Ausland nicht vergessen

Wer in Deutschland (Inland) wohnt, muss auch seine ausländischen Kapitalerträge versteuern. Liegen die ausländischen Wertpapiere in einem inländischen Depot, wird die Abgeltungsteuer, wie bei inländischen Wertpapieren auch, unmittelbar von dem inländischen Kreditinstitut abgezogen.

Werden die Wertpapiere im Ausland verwahrt, muss der Anleger die erzielten Erträge in seiner Einkommensteuererklärung angeben (§ 32d Abs. 3 EStG). Dies gilt logischerweise auch für Verluste. Wollen Sie, dass Ihre ausländischen Verluste berücksichtigt werden, müssen Sie eine Anlage KAP abgeben.