Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

01.0 Einkünfte aus Kapitalvermögen / Anlage KAP

Anlage KAP

⇒   Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG)

Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören unter anderem:

  • Zinsen aus Forderungen (z. B. aus Sparguthaben, Darlehen, Anleihen, Investmentfonds)
  • Dividenden aus Aktien
  • Gewinnanteile aus einer GmbH oder Genossenschaft

Vor 2009 hatte die insbesondere von Banken, Sparkassen, Versicherungsunternehmen und Kapitalgesellschaften einbehaltene Steuer auf Kapitalerträge (Zinsabschlag und Kapitalertragsteuer) lediglich den Charakter einer Vorauszahlung auf die vom Finanzamt zu ermittelnde Einkommensteuer.

♦   Abgeltungsteuer

Seit dem 1. Januar 2009 hat die erhobene Steuer abgeltende Wirkung, das heißt es besteht grundsätzlich keine Pflicht mehr, die bereits versteuerten Erträge in der Steuererklärung anzugeben; man spricht deshalb auch von der Abgeltungsteuer auf Kapitaleinkünfte. Rechtstechnisch wird diese Steuer jedoch als Kapitalertragsteuer bezeichnet. Seither werden die Kapitalerträge pauschal mit einem einheitlichen Steuersatz von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer besteuert. Die Abgeltungsteuer bzw. Kapitalertragsteuer fällt allerdings nur dann an, wenn der Sparer-Pauschbetrag von 801 € überschritten wird (1.602 € für Ehegatten/Lebenspartner) oder wenn keine Nichtveranlagungs-Bescheinigung vorgelegt wird.

⇒   Anlage KAP

Die Besteuerung der Einkünfte aus Kapitalvermögen ist im Normalfall durch den Steuerabzug von  25 % Abgeltungsteuer durch den Schuldner der Kapitalerträge (z. B. Bank, Fondsgesellschaft ) erledigt. Eine Abgabe der Anlage KAP erübrigt sich somit.

Angaben zu Ihren Einkünften aus Kapitalvermögen sind in der Anlage KAP gleichwohl erforderlich, wenn

  • Sie einen Antrag auf Günstigerprüfung stellen möchten. Das Finanzamt wird dann prüfen, ob die tarifliche Besteuerung Ihrer Kapitalerträge gegenüber dem Abgeltungsteuersatz von 25 % zu einer Steuerentlastung führt (Zeile 4)
  • das Finanzamt in bestimmten Fällen den Steuerabzug überprüfen soll, weil er falsch sein könnte(Zeile 5)
  • keine Kirchensteuer auf Kapitalertragsteuer einbehalten wurde, obwohl Sie kirchensteuerpflichtig sind (Zeile 6),
  • Sie haben Ihre Freistellungsaufträge zum Sparer-Freibetrag zu niedrig erteilt bzw. auf mehrere Banken ungünstig verteilt, sodass zu Unrecht Steuer einbehalten wurde (Zeile 12).
  • die Kapitalerträge nicht dem Steuerabzug unterlegen haben, z. B. bei ausländischen Kapitalerträgen( Zeile 14-19),
  • die abgeltende Wirkung des Steuerabzugs aufgrund der Ausnahmeregelung des § 32d Abs. 2 EStG nicht in Betracht kommt (Steuersatzspreizungen / Beziehung unter nahestehenden Personen; Kapitalerträge aus "neuen"  Lebensversicherungen (Zeile 20-27)  oder
  •  Sie haben bestandsgeschützte Alt-Anteile i. S. d. § 56 Abs. 6 Satz 1 Nr. 2 InvStG veräußert.

Die Anlage KAP-BET ist für Erträge und anrechenbare Steuern aus Beteiligungen, die gesondert und einheitlich festgestellt werden, auszufüllen. Die Anlage KAP-INV ist für die Erklärung von Investmenterträgen, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben, vorgesehen. Bitte füllen Sie in diesen Fällen stets auch die Angaben zum Sparer- Pauschbetrag in den Zeilen 12 und 13 der Anlage KAP aus.

  • Nur private Kapitalerträge

Der Abgeltungsteuer unterliegen nur Kapitalerträge aus Privatvermögen. Soweit die Kapitalerträge zu den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständiger Arbeit oder Vermietung und Verpachtung gehören, sind sie diesen Einkünften zuzurechnen.

  • Ehepartnerregelung

Jeder Ehepartner muss seine Angaben in einer eigenen Anlage KAP machen.  Bei Gemeinschaftskonten sind die Kapitalerträge auf beide Ehepartner aufzuteilen.

⇒   Keine Vorlage von Steuerbescheinigungen

Steuerbescheinigungen im Zusammenhang mit der Günstigerprüfung - Zeile 4 Anlage KAP - oder einer Überprüfung des Steuereinbehalts - Zeile 5 Anlage KAP - sollen nicht der Steuererklärung beigefügt werden, sind nur noch auf Anforderung des Finanzamts einzureichen (§ 45a Abs. 2 EStG / Bescheinigung nur auf Verlangen auszustellen).

Eine Steuerbescheinigung ist indessen immer beizufügen, wenn Abgeltungsteuer im Zusammenhang mit Einkünften angerechnet werden soll, die der tariflichen Einkommensteuer unterliegen (Zeile 21-25 Anlage KAP), so bei Gewinnausschüttungen aus unternehmerischen Beteiligungen (§ 32d Abs. 2 EStG)

  • Steuerbescheinigung als Ausfüllhilfe

Die Steuerbescheinigung kann für Sie eine Hilfe sein, denn sie ist als Ausfüllhilfe ausgestaltet. Dies bedeutet: In der Steuerbescheinigung sind neben den Kapitalerträgen auch die Zeilen der Anlage KAP  angegeben, in denen der jeweilige Kapitalertrag einzutragen ist. Dies erleichtert das Ausfüllen des Formulars ungemein.

Quelle: § 20, § 32d EStG