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01.0 Anlage KAP / Abgeltungsteuer

Anlage KAP

⇒    Anlage KAP / Besteuerung von Kapitalerträgen

Das deutsche Steuerrecht ist an einigen Stellen komplex, hört man immer wieder. Dies gilt besonders für die Besteuerung von privaten Kapitalerträgen.

Die Anlage KAP können Sie mit MEIN ELSTER® direkt am Bildschirm ausfüllen und zusammen mit dem Hauptvordruck versenden.

♦   Abgeltungsteuer

Allerdings vollzieht sich die Besteuerung der meisten privaten Kapitalerträge zunächst auf einfache Weise: Der Schuldner der Kapitalerträge hat einheitlich 25 % Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggfs. Kirchensteuer einzubehalten und anonym an den Fiskus abzuführen (§ 43 Abs. 1 EStG, § 32d Abs. 1 EStG). Mit dem Steuerabzug ist die Besteuerung abgegolten. Deshalb spricht man von "Abgeltungsteuer". Die Abgabe der Anlage KAP erübrigt sich.

Steuertechnisch handelt es sich bei der Abgeltungsteuer um eine Kapitalertragsteuer, somit um eine Erhebungsform der Einkommensteuer auf Kapitalerträge (§ 43 Abs. 1 EStG), ähnlich der Lohnsteuer beim Steuerabzug vom Arbeitslohn.

 

⇒  Warum überhaupt Anlage KAP?

Mit der Abgeltungsteuer allein ist es nicht getan. In bestimmten Fällen ist für Kapitalerträge eine Steuererklärung abzugeben.  Dafür gibt es drei Formulare:

1. Die Anlage KAP

2. Die Anlage KAP-INV

3. Die Anlage KAP-BET

♦   Wann Anlage KAP ?

Durch die Abgeltungsteuer ist die Besteuerung im Regelfall zwar „abgegolten“ und die Abgabe der Anlage KAP eigentlich nicht notwendig.

Allerdings hat das Abgeltungsteuerverfahren Schwächen, weil nicht alle Sachverhalte durch die Abgeltungsteuer erfasst werden können. Diese Schwächen werden durch eine Veranlagung zur Einkommensteuer beseitigt („ausgebügelt“). Dazu muss eine Steuererklärung mit Anlage KAP abgegeben werden (§ 32d Abs. 2-6 EStG). Bei der Besteuerung von Arbeitslöhnen wird ähnlich verfahren. Auch dort werden vorhandene Schwächen beim Lohnsteuerabzug durch eine Veranlagung "ausgebügelt" (§ 46 EStG).

  • Die wichtigsten Veranlagungsfälle sind:

Günstigerprüfung durch das Finanzamt: Sie können vom Finanzamt überprüfen lassen, ob Ihr persönlicher Spitzensteuersatz unter 25 % liegt. In diesem Fall wird einbehaltene Kapitalertragsteuer / Abgeltungsteuer ganz oder zum Teil erstattet.

Überprüfung des „Steuereinbehalts“: Die einbehaltene Abgeltungsteuer kann zu hoch sein, weil Sie keinen oder einen zu niedrigen Freistellungsauftrag für den Abzug des Sparer-Pauschbetrages erteilt haben. Oder der Freistellungsauftrag war zu niedrig.

Anrechnung von Verlusten: Sie haben Verluste aus Börsengeschäften (z. B. Aktienverkäufen) erlitten, die von der Bank nicht intern mit Gewinnen aus Börsengeschäften verrechnet werden konnten.

Nachversteuerung von Kapitalerträgen: Sie haben steuerpflichtige Kapitalerträge bezogen, die nicht der Abgeltungsteuer unterlegen haben (z. B. aus privaten Darlehen oder ausländischen Geldanlagen).

Keine Kirchensteuer einbehalten: Die Bank hat keine Kirchensteuer für Kapitalerträge einbehalten, weil Sie, obwohl Sie kirchensteuerpflichtig, einen Sperrvermerk zur Mitteilung der Kirchensteuermerkmale eintragen lassen.

Persönlicher Steuersatz günstiger: Sie sind an einer Kapitalgesellschaft unternehmerisch beteiligt und möchten sich im Teileinkünfteverfahren mit der tariflichen Einkommensteuer besteuern lassen, um dadurch hohe Ausgaben (insbesondere Finanzierungskosten) als Werbungskosten geltend machen zu können.

Ausländische Quellensteuer abziehen: Sie wollen sich ausländische Quellensteuer auf die Einkommensteuer anrechnen oder erstatten lassen.

Wichtig:

In den Steuerbescheinigungen der Banken sind im Normalfall die Zeilen der Anlage KAP angegeben, in denen der jeweilige Kapitalertrag zu erfassen ist.

♦   Wann muss eine Anlage KAP-INV abgegeben werden?

Die Anlage KAP-INV ist auszufüllen, wenn Sie Investmenterträge erzielt haben, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben. Diese sind nicht aus den Steuerbescheinigungen der (deutschen) Depotbanken ersichtlich.

Zu diesen Investmenterträgen gehören Erträge aus Investmentzertifikaten, die im Ausland verwahrt werden.

♦   Wann muss eine Anlage KAP-BET abgegeben werden?

Die Anlage KAP-BET ist auszufüllen, wenn Sie aus einer Beteiligung an einem Kapitalvermögen Einnahmen erzielt haben. Dies kann eine Beteiligung an einer Erbengemeinschaft sein. Die Einkünfte aus dieser Beteiligung wurden vom Finanzamt für alle Miterben festgestellt. Die auf Sie entfallenden Erträge sowie die anrechenbaren Steuern können Sie dem Feststellungsbescheid des Finanzamts entnehmen.

⇒   Anlage KAP schafft Klarheit

Selbst Fachleute tun sich schwer, sich in den Vorschriften zur Kapitalertragsteuer / Abgeltungsteuer zurechtzufinden. Die Vorschriften befinden sich an verschiedenen Stellen im Gesetz, was den Überblick erschwert (§ 20 EStG, § 32d EStG, §§ 43 bis 45e EStG,  InvStG). Auch die neue Investmentsteuer ist gewöhnungsbedürftig, besonders was thesaurierte Erträge / Vorabpauschalen betrifft oder die Besteuerung Veräußerungsgewinnen aus Alt-Anteilen.

 

Hinzu kommt, dass die Player im Börsenhandel immer neue Finanzinstrumente entwickeln, mit denen versucht wird, die Besteuerung der Erträge zu umgehen (z. B. Cum Ex-Geschäfte). Und wer kein Börsenprofi ist, dem fällt es schwer, bestimmte am Markt vorhandene Finanzinstrumente im Kern überhaupt zu verstehen, z. B. die Abwicklung von Finanzkontrakten verschiedener Art bei Termingeschäften.

Allerdings ist es gelungen, dieses Chaos für die Steuerpflichtigen in der Anlage KAP zu ordnen und zu entwirren. Die Anlage KAP sieht zur Veranlagung von Kapitalerträgen folgende Regelungen vor:

  • Zeile 4-6: Bei Bedarf bestimmte Anträge auf Veranlagung stellen (Antrag auf Günstigerprüfung, Überprüfung einzelner Sachverhalte) und eine Erklärung zur Kirchensteuerpflicht abgeben, wenn trotz Kirchensteuerpflicht keine Kirchensteuer einbehalten wurde.
  • Zeile 7-15: Dabei Kapitalerträge mit inländischem Steuerabzug eintragen
  • Zeile 18-26: Kapitalerträge ohne inländischen Steuerabzug eintragen, Steuersatz 25 %
  • Zeile 27-34: Antrag auf Veranlagung mit individuellem Steuersatz stellen

Die Regelungen werden in den folgenden Beiträgen näher behandelt.

⇒   Keine Werbungskosten

Werbungskosten im Zusammenhang mit Kapitalerträgen, von denen Abgeltungsteuer einbehalten wurde, sind nicht absetzbar. Dafür erhalten die Anleger einen Sparer-Pauschbetrag 801 / 1.602 € (§ 20 Abs. 9 EStG / Alleinstehende / Ehepartner), den die auszahlende Stelle auf Antrag berücksichtigt, wenn der Anleger einen "Freistellungsauftrag" erteilt hat (§ 44a Abs. 2 EStG).

Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Freistellungsauftrag< eintragen.

Eine Ausnahme besteht bei der Berechnung von Veräußerungsgewinnen durch Verkauf von Wertpapieren. Die anfallenden An- und Verkaufsspesen mindern den steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn (§ 20 Abs. 1 Satz 1 EStG).

⇒   Steuerbescheinigung

Für Kapitalerträge, die dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben, hat Ihnen der Schuldner der Kapitalerträge, die Kapitalerträge auszahlende oder zur Abführung der Steuer verpflichtete Stelle (z. B. Kreditinstitut) auf Verlangen eine Steuerbescheinigung ausgestellt.

Haben Sie in Zeile 4 die Günstigerprüfung für sämtliche Kapitalerträge und in Zeile 5 eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge beantragt, müssen Sie die Steuerbescheinigung nur auf Anforderung des Finanzamts einreichen.

Bei Eintragungen in den Zeilen 12 und / oder 13 sowie 43 bis 45 ist die Steuerbescheinigung immer einzureichen.

Dies bedeutet: Eine Steuerbescheinigung ist immer beizufügen bei bestimmten Verlusten und  wenn Abgeltungsteuer im Zusammenhang mit Einkünften angerechnet werden soll.

  • Steuerbescheinigung zugleich Ausfüllhilfe

Die Steuerbescheinigung hat eine wichtige zusätzliche Funktion: Sie ist als Ausfüllhilfe ausgestaltet, d. h. zu den bescheinigten Kapitalerträgen ist jeweils die Zeile der Anlage KAP angegeben, in die die Kapitalerträge einzutragen sind. Dies erleichtert das Ausfüllen der Anlage KAP ungemein.

⇒   Hilfsmittel zur Erhebung der Abgeltungssteuer

Damit das Abzugsverfahren einigermaßen reibungslos funktioniert und sich die Zahl der Veranlagungsfälle in Grenzen hält, hat der Gesetzgeber vier wichtige Regelungen getroffen:

  1. Werbungskosten sind nicht absetzbar, dafür gibt es den Sparer-Pauschbetrag (§ 20 Abs. 9 EStG).
  2. Ein Freistellungsauftrag sorgt dafür, dass bereits im Abzugsverfahren der Sparer-Pauschbetrag abgezogen wird (§ 44a Abs. 2 EStG).
  3. Der Abzug von Kirchensteuer als Sonderausgaben wird pauschal durch Minderung der Kapitalertragsteuer berücksichtigt (§ 32d Abs. 1 Satz 3 EStG).
  4. Die Steuerbescheinigung enthält Hilfen zum Ausfüllen der Anlage KAP.

⇒   Zeitliche Zuordnung

Es gilt das sogenannte Zuflussprinzip (§ 11 EStG). Danach sind Kapitalerträge,  in dem Jahr zu versteuern, in dem sie zugeflossen sind. Sie sind zugeflossen, wenn der Gläubiger wirtschaftlich über sie verfügen kann, d. h. wenn sie fällig geworden sind, unabhängig davon, für welchen Zeitraum die Beträge gezahlt werden.

♦   Zinsen aus Bankguthaben

Zinsen aus Bankguthaben, die zum Jahresende fällig werden, sind dem abgelaufenen Jahr zuzurechnen, obwohl die Gutschrift auf dem Konto erst im folgenden Jahr erfolgt.

Aufgrund ihrer Fälligkeit am Ende des abgelaufenen Jahres werden die Zinsen somit dem abgelaufenen Jahr zugerechnet. Entsprechend werden sie in der Steuerbescheinigung für das abgelaufene Jahr ausgewiesen (BMF-Schreiben v. 26.10.1992, IV B 4 - S 2000 - 252/92, abgesegnet vom BFH).

♦   Zinsen aus Mietkautionen

Die Zinsen fließen dem Mieter zu dem Zeitpunkt zu, zu dem sie vom Kreditinstitut auf dem vom Vermieter für die Sicherheit eingerichteten Konto fällig werden, und sind vom Mieter zu versteuern (BMF, 26.10.1992, IV B 4 - S 2000 - 252/92).

 

⇒   Abgeltungsteuer begünstigt Reiche

Die Abgeltungsteuer begünstigt mit ihrem niedrigen Steuersatz Einkünfte auf Kapitalvermögen gegenüber Einkünften aus anderen Einkunftsarten. Statt z. B. 45 % Steuersatz (42 % + 3 % Reichensteuer*) nur 25 %, wo gibt es das schon? Der Bundesrat hat indessen noch im Mai 2017 den Antrag einiger Bundesländer abgelehnt, die Abgeltungsteuer abzuschaffen. Gleichwohl scheint darüber aber noch nicht das letzte Wort gesprochen zu sein. Zumindest ist in naher Zukunft eine Anhebung des Steuersatzes möglich.

* Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Reichensteuer< eintragen.

 

⇒   Das Nominalwertprinzip

Bei den Einkünften aus Kapitalvermögen wirkt das im Steuerrecht geltende Nominalwertprinzip für die Sparer besonders nachteilig. Das Nominalwertprinzip besagt, dass bei der Besteuerung der Kapitaleinkünfte die Inflation nicht abgezogen werden darf (BFH-Urteil vom 27.07.1967 - IV 300 / 64). Das genannte - historische - Urteil gilt auch heute noch. Damals hatte ein Steuerzahler einem nahen Angehörigen ein zinsloses Darlehen von 100.000 DM mit Wertsicherungsklausel gegeben und bei Fälligkeit des Darlehens inflationsbedingt insgesamt 121.000 DM zurückerhalten. Den Inflationsausgleich von 21.000 DM versteuerte das Finanzamt nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG als Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen. Die Rechtfertigung dafür: Das Steuerrecht kann Fehler der Geldpolitik nicht ausgleichen.

Quelle: § 20, § 32d EStG