Helfer in Steuersachen

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2.4.1 Krankheitskosten Zeile 31

Anlage Außergew. Belastungen Zeile 31

⇒   Krankheitskosten

Ein Teil der Krankheitskosten wird von den Krankenkassen nicht oder nicht vollständig ersetzt. Diesen Rest können Sie als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. 

Krankheitskosten sind grundsätzlich außergewöhnliche Belastungen, denn sie entstehen zwangsläufig aus tatsächlichen Gründen. Voraussetzung ist, dass die Aufwendungen medizinisch notwendig und angemessen sind. Krankheitskosten sind auch dann als außergewöhnliche Belastungen absetzbar, wenn die Krankheit selbst verschuldet ist, z. B. durch Drogenmissbrauch oder einen Verkehrs- oder Sportunfall. Als Nachweis für die Notwendigkeit reicht die Verordnung eines Arztes oder eines Heilpraktikers.

Absetzbar sind nur Aufwendungen, soweit sie nicht von dritter Seite / Versicherung ersetzt wurden.

Krankheitskosten sind zwar oft nur kleinere Beträge, etwa Zuzahlungen für Medikamente oder Brillen. Oft fallen aber auch kostspieligere Kosten an, etwa im Pflegefall, für Kuren oder Zahnersatz. Neben Kosten für Arztbesuche oder Operationen zählen auch solche für Psychotherapien. Zu den Krankheitskosten gehören auch Aufwendungen für Zahnersatz (Inlays, Kronen, Implantate), ferner für Hilfsmittel wie Hörgeräte, Gehhilfen, Prothesen, Rollstühle und orthopädisches Schuhwerk mit Verordnung und Quittung, ferner Sehhilfen (Brillen und Kontaktlinsen). Keine außergewöhnlichen Belastungen sind Aufwendungen für Verhütungsmittel.

Auch Fahrtkosten mit öffentlichen Verkehrsmittel zum Arzt oder zur Apotheke sind abzugsfähig, nicht indessen Taxikosten; Fahrten mit dem Auto können in Höhe von 0.30 € je km angesetzt werden.

♦   Nachweise

Regelungen im Detail enthält § 64 EStDV. Danach haben Sie den Nachweis der Zwangsläufigkeit von Aufwendungen im Krankheitsfall zu erbringen:

1. durch eine Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (§§ 2, 23, 31 bis 33 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch);

2. durch ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung eines Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (§ 275 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch) für

a) eine Bade- oder Heilkur; bei einer Vorsorgekur ist auch die Gefahr einer durch die Kur abzuwendenden Krankheit, bei einer Klimakur der medizinisch angezeigte Kurort und die voraussichtliche Kurdauer zu bescheinigen,

b) eine psychotherapeutische Behandlung; die Fortführung einer Behandlung nach Ablauf der Bezuschussung durch die Krankenversicherung steht einem Behandlungsbeginn gleich,

c) eine medizinisch erforderliche auswärtige Unterbringung eines an Legasthenie oder einer anderen Behinderung leidenden Kindes des Steuerpflichtigen,

d) die Notwendigkeit der Betreuung des Steuerpflichtigen durch eine Begleitperson, sofern sich diese nicht bereits aus dem Nachweis der Behinderung nach § 65 Absatz 1 Nummer 1 ergibt,

e) medizinische Hilfsmittel, die als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens im Sinne von § 33 Absatz 1 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch anzusehen sind,

f) wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethoden, wie z. B. Frisch- und Trockenzellenbehandlungen, Sauerstoff-, Chelat- und Eigenbluttherapie.

Der zu erbringende Nachweis unter Nr. 2 muss vor Beginn der Heilmaßnahme oder dem Erwerb des medizinischen Hilfsmittels ausgestellt worden sein;

3. durch eine Bescheinigung des behandelnden Krankenhausarztes für Besuchsfahrten zu einem für längere Zeit in einem Krankenhaus liegenden Ehegatten oder Kind des Steuerpflichtigen, in dem bestätigt wird, dass der Besuch des Steuerpflichtigen zur Heilung oder Linderung einer Krankheit entscheidend beitragen kann.

Die zuständigen Gesundheitsbehörden haben auf Verlangen des Steuerpflichtigen die für steuerliche Zwecke erforderlichen Gesundheitszeugnisse, Gutachten oder Bescheinigungen auszustellen.

  • Bescheinigung des Amtsarztes oder des medizinischen Dienstes

Oft ist vor Behandlungsbeginn eine Bescheinigung des Amtsarztes oder des medizinischen Dienstes einzuholen, wenn eine besondere fachliche Kompetenz und Beurteilung notwendig ist. Dies gilt für Psychotherapie, Kur und vielen alternativen Therapien.

Die normalen Nachweisregeln gelten für homöopathische oder anthroposophische Behandlungen. Für alle anderen alternativen Behandlungen gelten indessen die strengeren Regeln (vorher zum Amtsarzt oder zum medizinischen Dienst).

Letzteres gilt auch für Kuren, da die Grenze zwischen Kur und Erholungsurlaub fließend ist. Wird die Kur amtsärztlich genehmigt, zählen zu den absetzbaren Aufwendungen neben den medizinischen Kosten auch solche für Unterkunft, Verpflegung und Kurtaxe.

  • Erstattung von Krankheitskosten

Von den Aufwendungen sind die Erstattungsbeträge der Krankenkasse bzw. öffentlichen Kassen für Beihilfe abzuziehen.

Beispiel

Anlage Außergew. Belastungen

Abzugsfähig sind 600 €, von denen noch die zumutbare Belastung abgezogen wird.