Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Anlage Außergewöhnl. Belastung

⇒   Zumutbare Belastung

Soweit keine Pauschbeträge zustehen, führen die  >>Anderen Aufwendungen<< nur dann zu einer Minderung der Steuer, wenn sie einen bestimmten Teil Ihrer Einkünfte übersteigen (Zumutbare Belastung / § 33 Abs. 3 EStG).

Bis zu einer bestimmten Höhe sind die Aufwendungen somit zumutbar, also nicht außergewöhnlich und deshalb nicht abzugsfähig. Die zumutbare Belastung beträgt:

Tabelle für die zumutbare Belastung

Gesamtbetrag der Einkünfte in Euro Bis 15.340 € 15.340 bis 51.130 Ab 51.130
Steuerpflichtige ohne Kinder, Steuer nach      
a) § 32a Abs. 1 EStG (Grundtabelle) 5 % 6 % 7 %
b) § 32a Abs. 5 oder 6 EStG (Splittingtabelle.) 4 % 5 % 6 %
Stpfl. mit einem Kind oder zwei Kindern 2 % 3 % 4 %
Stpfl. mit drei oder mehr Kindern  1 % 1 % 2 %
des Gesamtbetrags der Einkünfte      

Die zumutbare Belastung wird vom Finanzamt gestaffelt berechnet.

Beispiel: Krankheitskosten

Die Eheleute Muster haben in ihrer Steuererklärung die Zusammenveranlagung beantragt. Ihre Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit betragen 70.000 €. Sie haben keine Kinder, für die sie Kindergeld oder Kinderfreibeträge erhalten.

Frau Muster war mehrere Wochen krank. Der Krankenhausaufenthalt hat insgesamt 4.750 € gekostet. Davon hat die Krankenkasse nur 3.400 € bezahlt. Ferner hat Frau Muster von ihrem Arbeitgeber eine steuerfreie Unterstützung von 250 € erhalten. Die Eheleute Muster tragen in den Zeilen 13 und 19 sowohl die Krankheitskosten als auch die Summe der erstatteten Beträge ein.

Die Eheleute Muster tragen ein:

Anlage Außergew. Belastungen

Die Eheleute Muster wissen, dass ihre Aufwendungen in Höhe von (4.750 € minus Erstattungen 3.650 € =) 1.100 € nicht in voller Höhe berücksichtigt, sondern vom Finanzamt um die sog. zumutbare Belastung gekürzt werden.

Die zumutbare Belastung wird gestaffelt berechnet:

Zumutbare Belastung  0 € bis 15.340 € =        15.340 € =  davon 5 % =    767 €
  15.340 € bis 51.130 €= 35.790 € = davon 6 % = 2.147 €
  51.130 € bis 70.000 € = 18.870 € =   davon 7 % = 1.321 €
Summen                                        70.000 € =   4.235 € 

Die Aufwendungen von 1.100 € sind nach Abzug der zumutbaren Belastung von 4.235 € nicht abzugsfähig und werden somit vom Finanzamt nicht berücksichtigt.  

 ♦   Erwartete Erstattungen gegenrechnen

Aufwendungen sind in dem Jahr abzugsfähig, in dem sie geleistet worden sind (Abflussprinzip / § 11 EStG). Wohingegen aber auch zu erwartende Erstattungen z. B. von Seiten der Krankenkasse ohne Rücksicht auf das Jahr der Erstattung mit den Aufwendungen im laufenden Jahr zu verrechnen sind (BFH-Urteil vom 30.06.1999 - III R 8/95). 

♦  Das Argument mit dem Gegenwert

Es muss verlorener Aufwand vorliegen, ansonsten haben Sie einen Gegenwert erhalten und die Aufwendungen sind nicht absetzbar.

  • Hausrat nein, Brille und Hörgerät ja

Eigentlich müsste ein junges Paar, das sich Hausrat anschafft, die Kosten dafür absetzen können, weil die Aufwendungen außergewöhnlich und zwangsläufig sind (Hausrat ist teuer und ohne Hausrat lässt sich kein gemeinsamer Haushalt führen). Doch hier wird schon gleich der Rotstift angesetzt mit der Begründung, das junge Paar habe für seine Aufwendungen ja einen Gegenwert erhalten.

Und was ist, wenn jemand eine Brille oder ein Hörgerät benötigt: Die Aufwendungen dafür sind abzugsfähig, weil den Aufwendungen kein Gegenwert gegenüber steht, weil mit der Brille oder dem Hörgerät lediglich der Verlust der >>Erstlingsgaben / Erstausstattung der Natur<< ausgeglichen wird.

Ebenso verhält es sich bei Krankheitskosten: Die erlangte Gesundheit ist kein Gegenwert, weil Gesundheit zu den Gaben der Natur gehört.

Beispiel: Fahrstuhl

Einbau eines Fahrstuhls im gemieteten Einfamilienhaus aus Krankheitsgründen. Der Fahrstuhl beinhaltet keinen Gegenwert, ist verlorener Aufwand. Die Aufwendungen sind somit abzugsfähig. Aber nur, wenn absehbar ist, dass der Mieter alsbald aus dem Gebäude ausziehen muss und verpflichtet ist, den ursprünglichen baulichen Zustand wieder herzustellen (BFH-Urteil vom 15.12.2005 - III R 10/04:.

Lesen Sie weiter, denn auch Sie sind möglicherweise außergewöhnlich belastet.