Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

2.3.1 Berufsausbildung / Berufsfortbildung Zeile 13-14

Anlage Sonderausgaben / Zeile 13-14

⇒   Berufsausbildung / Berufsfortbildung

Bessere Karten haben Sie, wenn Ihre Aufwendungen als Fortbildungskosten / Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit anerkannt werden (§ 9 Abs. 6 EStG).

♦   Fortbildungskosten sind Werbungskosten

Der Vorteil bei Fortbildungskosten ist, dass es für sie kein Limit gibt. Also sollten Sie versuchen, Ihre Aufwendungen als Fortbildungskosten abzusetzen.  

  • Fortbildungskosten haben Sie insbesondere, wenn:

a) Eine Berufsausbildung Gegenstand eines Dienstverhältnisses (Ausbildungsdienstverhältnis als Auszubildender, Beamtenanwärter/ Referendar) ist. Dann haben Sie steuerpflichtige Einnahmen (Ausbildungsvergütung) und können die entstanden Aufwendungen voll absetzen.

b) Die Aufwendungen für die Fortbildung  in dem bereits erlernten Beruf und für die Umschulungsmaßnahmen, die einen Berufswechsel vorbereiten.

Das gilt auch für die Aufwendungen für ein Zweitstudium, wenn dieses in einem hinreichend konkreten, objektiv feststellbaren Zusammenhang mit späteren steuerpflichtigen Einnahmen aus der angestrebten beruflichen Tätigkeit steht (R 9.2 LStR).

Dies bedeutet: Aufwendungen in einem zweiten Ausbildungsgang, auch Zweitstudium, für Meisterkurse, Promotion, Habilitation sowie für beruflich veranlasste Sprachkurse gehören zu den Werbungskosten, die in unbegrenzter Höhe absetzbar sind. Entsprechendes gilt für Kosten der Umschulung von Arbeitslosen sowie für die Wiederaufnahme einer Tätigkeit nach längerer Pause bei Mutterschaftsurlaub, Erziehungszeiten. Hier spricht man von vorweggenommenen Werbungskosten, die über den Verlustvortrag (Hauptvordruck Zeile 2) in der Anlage N geltend zu machen sind (BFH 22.7.2003- VI R 137/99).

Mehr dazu: ? Suchen anklicken und den Begriff >Fortbildungskosten< eintragen.

♦   Welche Ausbildungskosten sind absetzbar?

Mit relativ kleinen Beträgen für Fachbücher, Fotokopien, Schreibblocks und Kugelschreiber kommen Sie nicht weit. Anders hingegen mit Studiengebühren, Kosten der Unterkunft und Verpflegung bei auswärtiger Unterbringung, Fahrtkosten zur Ausbildungsstelle / Uni, Lerngemeinschaften usw., der Anschaffung eines Computers, Einrichtungsgegenstände wie Schreibtisch, Stuhl und Regale. 

Als Richtschnur gilt: Bei der Berechnung der Ausbildungskosten gelten die Regeln für den Werbungskostenabzug (Fortbildungskosten) bei Arbeitnehmern entsprechend. Stellen Sie die Kosten auf einem gesonderten Blatt zusammen und tragen Sie die Gesamtsumme in Zeile 13 der Anlage Sonderausgaben ein.

Anlage Sonderausgaben

♦  Checkliste für Ausbildungskosten

Absetzbar sind:
  • Studiengebühren, Arbeitsmittel, ggfs. Abschreibung (Laptop, Drucker, Schreibtisch, Stuhl, Bücherregal, Fachliteratur), Telefon- / Internetkosten
  • Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungsort nach den Regeln der Entfernungspauschale
  • Mehraufwendungen für Verpflegung nach den Regeln für Dienstreisen
  • Mehraufwendungen wegen auswärtiger Unterbringung nach den Regeln der doppelten Haushaltsführung
  • Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer
  • Aufwendungen wegen Arbeitsgemeinschaften
  • Kosten für Bildungskredite (Zinsen und Gebühren)

⇒   Praktischer Fall: Ausbildung / Fortbildung / Verlustabzug

Leo ist bei seinen Eltern mit Wohnsitz in Bielefeld gemeldet. Er hat Abitur gemacht und in den Jahren 01 bis 03 in Paderborn ein BWL-Studium abgeschlossen. Die Kosten für das Studium hat er aus BAföG-Einnahmen (rd. 650 € monatlich) und dem Kindergeld bestritten, das die Eltern für ihn erhalten und an ihn weitergegeben haben. Während des Studiums hat er in Paderborn ein Appartement gemietet.

In den Jahren 04 und 05 hat Leo in Köln ein Ergänzungsstudium absolviert, das den Abschluss eines ersten Studiums voraussetzt. Es handelt sich um ein Real-Estate-Master-Studium für eine leitende Tätigkeit in der Immobilienbranche. Für dieses Studium hat Leo einen Studienkredit in Höhe von 20.000 € aufgenommen, für den seine Eltern gebürgt haben.

  • Steuererklärungen für die Jahre 01 bis 03, Erststudium

In den Jahren 01 bis 03 hat Leo mangels Einkünfte keine Einkommensteuererklärungen abzugeben. Die Kosten für sein Erststudium in Paderborn (Ausbildungskosten) in Form der  doppelten Haushaltsführung (Mietaufwendungen, Verpflegungsmehraufwendungen für die ersten drei Monate, Fahrtkosten zum Erstwohnsitz nach Bielefeld und zur Uni in Paderborn) wirken sich nicht aus. Er kann diese Kosten auch nicht in spätere Jahre vortragen, weil es sich um Sonderausgaben handelt.

  • Steuererklärungen für die Jahre 04 und 05, Zweitstudium

Leo hat bereits ein Diplom / Staatsexamen (BWL) abgelegt und damit einen berufsqualifizierenden Abschluss erreicht.

Das Masterstudium-MA in Köln ist ein Aufbaustudium, das auf einen Beruf als Immobilienkaufmann vorbereitet und ist somit ein Zweitstudium. Die Aufwendungen für den Erwerb des MA sind Werbungskosten / Fortbildungskosten und somit in voller Höhe absetzbar (§ 9 Abs. 6 EStG). Da Leo auch in den Jahren 04 und 05 keine Einkünfte erzielt hat, muss er für diese Jahre zwar keine Steuererklärung abgeben. Damit sich seine Aufwendungen für den Erwerb des MA aber später als Fortbildungskosten auswirken, stellt er einen Antrag auf Veranlagung, indem er für beide Jahre eine Steuererklärung abgibt und zunächst in Zeile 2 Hauptformulars das Kästchen ankreuzt: Erklärung zur Feststellung des Verbleibenden Verlustvortrags.

Wichtig: Der Antrag auf Feststellung eines Verlustes muss bis zum 31. Juli des nächsten Jahres gestellt werden, sonst verfällt der Verlustabzug (§ 10d Abs. 4 EStG). 

Verluste aus nichtselbständiger Arbeit werden nur berücksichtigt, wenn sie in einer Steuererklärung beantragt werden (§ 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG). Besteht somit für einen Arbeitnehmer keine Erklärungspflicht, muss er die Berücksichtigung von Verlusten z. B. durch Fortbildungskosten für das Jahr der Entstehung besonders beantragen (R 10d Abs. 4 EStR). Ein nicht festgestellter verbleibender Verlustvortrag kann nicht in einem späteren Veranlagungsjahr geltend gemacht werden. Für die Verlustfeststellung gilt eine allgemeine Erklärungspflicht.                                                          

Und weiter zum praktischen Fall: Dem Hauptvordruck fügt er jeweils eine Anlage N bei. In der Anlage N Zeile 45 macht Leo unter Werbungskosten die Kosten der Zweitausbildung geltend.

Anlage N

Dazu gehören neben den Studiengebühren, Kosten für Laptop, Drucker, Schreibtisch, Stuhl, Bücherregal, Fachliteratur, Telefon / Internet usw. insbesondere die Kosten der doppelten Haushaltsführung in London (Mietkosten, Verpflegungsmehraufwendungen für die ersten drei Monate), die Fahrtkosten für die Fahrten von London nach Bielefeld zu seinen Eltern und die Kosten des Umzugs nach London und die des Rückzugs von London nach Bielefeld. Diese Kosten führen zu Verlusten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit.

Im Rahmen der Veranlagungen für die Jahre 04 und 05  stellt das Finanzamt verbleibende Verlustvorträge fest, die Leo in den künftigen Jahren, wenn er Einkünfte hat, in Zeile 7-8 der Anlage Sonstiges geltend macht.

Anlage Sonstiges

Quelle: § 9 Abs. 6 EStG