Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

2.3.3 Verluste nicht verschenken / Zeile 13-14

Anlage Sonderausgaben / Zeile 13-14

⇒   Verluste nicht verschenken

Viele Studierende verschulden sich, wenn sie weder vom Staat (Bafög)  noch von den Eltern Geld bekommen. So schlagen allein die Studiengebühren für ein dreijähriges Bachelorstudium an einer Privat-Uni – im Inland oder im Ausland – mit bis zu 25.000 € zu Buche. Hinzu kommen die weiteren laufenden Studienkosten für Unterbringung, Internet, Gebühren, Fahrtkosten etc.

Banken und Sparkassen geben einen entsprechenden Studienkredit, wenn Eltern oder Angehörige bürgen. Nach dem Abschluss an der Uni steht dann ein Schuldenberg bei Arbeitsbeginn. Doch der Fiskus hilft über die Steuer, allerdings in unterschiedlicher Höhe. Der Fiskus sieht es so:

  • Ausbildungskosten

Die Erstausbildung bzw. das Erststudium sind Privatsache und wird nur durch Abzug eines Höchstbetrages von 6.000 € jährlich über den Sonderausgabenabzug gefördert (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG).

  • Fortbildungskosten

Die Zweitausbildung / das Zweitstudium wird hingegen im Hinblick auf den künftigen Beruf absolviert. Die Aufwendungen dafür sind deshalb in voller Höhe als Werbungskosten absetzbar (§ 9 Abs. 6 EStG / Zeile 44 Anlage N).

Verlustabzug

Zum Abzug der Fortbildungskosten in unbegrenzter Höhe - im Gegensatz zu Ausbildungskosten - kommt der Vorteil des Verlustabzugs:

Fortbildungskosten können im Gegensatz zu Ausbildungskosten auch noch in späteren Jahren das Einkommen mindern. Der spätere Abzug wird durch Verlustvortrag erreicht.

Deshalb sollten Studenten im Zweitstudium, die während des Studiums keine steuerpflichtigen Einnahmen haben, Jahr für Jahr ihre aus dem Studium entstandenen Kosten formal durch Bescheid vom Finanzamt als Verluste feststellen lassen (Hauptformular ESt Formularkopf). Dies führt zu Verlustvorträgen, die später mit positiven Einnahmen verrechnen werden können (§ 10d Abs. 4 EStG).

Beispiel:

Hauptvordruck Zeile 1 und 2

Anlage N Zeile 45

  • Berücksichtigung von Verlusten

Verluste aus nichtselbständiger Arbeit werden nur berücksichtigt, wenn sie in einer Steuererklärung beantragt werden (§ 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG). Besteht somit für einen Arbeitnehmer keine Erklärungspflicht, muss er die Berücksichtigung von Verlusten z. B. durch Fortbildungskosten für das Jahr der Entstehung besonders beantragen (R 10d Abs. 4 EStR). Ein nicht festgestellter verbleibender Verlustvortrag kann nicht in einem späteren Veranlagungsjahr geltend gemacht werden. Für die Verlustfeststellung gilt eine allgemeine Erklärungspflicht (für 2019 bis Juli 2020).

  • Zweitausbildung / Zweitstudium

Eine zweite Berufsausbildung oder für ein Zweitstudium liegt vor, wenn zuvor bereits eine Erstausbildung (Berufsausbildung oder Studium) abgeschlossen wurde oder wenn die Berufsausbildung oder das Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet, z. B. als Auszubildender oder Beamtenanwärter.

Der Zweitausbildung muss somit eine abgeschlossene Erstausbildung vorangehen. Eine Erstausbildung liegt vor, wenn eine geordnete Ausbildung mit einer Mindestdauer von 12 Monaten bei vollzeitiger Ausbildung und mit einer Abschlussprüfung durchgeführt wird (§ 9 Abs. 6 EStG). 

  • Fahrtkosten

Bei einer Berufsfortbildung sind die Fahrtkosten zur Fachschule / Fachhochschule / Hochschule und für ein Praktikum mit der sog. Entfernungspauschale abgegolten. Die Bildungseinrichtung gilt als erste Tätigkeitsstätte, so hat es der Gesetzgeber festgelegt (§ 9 Abs. 4 Satz 8 EStG).

  • Keine Doppelte Haushaltsführung im Studium

Zu den unbegrenzt absetzbaren Fortbildungskosten können auch auch die Kosten für doppellte Haushaltsführung gehören, wenn die erste Tätigkeitsstätte am Ort der Bildungseinrichtung liegt. Bei jungen Ledigen scheidet der Kostenabzug indessen regelmäßig aus, weil kein eigener Haushalt neben der Wohnung am Bildungsort unterhalten wird. Auch wenn der Student bei seinen Eltern mit Hauptwohnsitz gemeldet ist, hat er jedoch dort keinen eigenen Haushalt (BFH, 01.03.2017, VI B 74/16)

♦   Eltern beziehen weiterhin Kindergeld

Unabhängig davon, ob das Kind in seiner eigenen Steuererklärung Fortbildungskosten absetzen kann, weil es eine Zweitausbildung oder ein Zweitstudium absolviert, können die Eltern weiterhin Kindergeld beziehen oder Kinderermäßigung über die Steuer erhalten. Für das Kind werden Kindergeld oder Kinderfreibeträge gewährt unter der Voraussetzung, dass sich das Kind noch in Berufsausbildung (auch in der zweiten) befindet und wenn es das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

Aber: Nach Abschluss der ersten Berufsausbildung besteht indessen die Vermutung, dass das Kind in der Lage ist, sich finanziell selbst zu unterhalten. Diese Vermutung gilt als widerlegt, wenn das Kind keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, welche die Zeit und die Arbeitskraft des Kindes überwiegend in Anspruch nimmt.

Dies ist nicht der Fall, wenn

a) die regelmäßige Arbeitszeit pro Woche nicht mehr als 20 Stunden beträgt oder

b) ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis (Minijob) oder

c) ein Ausbildungsdienstverhältnis vorliegt.

Unter einer dieser Voraussetzungen wird also auch nach Abschluss der ersten Berufsausbildung den Eltern weiterhin Kindergeld gezahlt oder Kinderermäßigung gewährt (§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG).

Beispiel  

Ein Kind (22 J.) nimmt nach Abschluss seiner Berufsausbildung zum Bankkaufmann ein BWL-Studium auf. Seinen erlernten Beruf übt das Kind weiterhin 16 Stunden wöchentlich in einer örtlichen Bankfiliale aus.

Die Eltern haben weiterhin Anspruch auf Kindergeld oder Kinderermäßigung, weil das Kind nach Abschluss seiner erstmaligen Berufsausbildung eine weitere Berufsausbildung begonnen hat und dabei nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich erwerbstätig ist.