Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

1.0.4 Verluste schonen / Verlustabzug begrenzen

Steuertipps

Sind die abzugsfähigen Ausgaben größer als die steuerpflichtigen Einnahmen, ergibt sich ein Fehlbetrag, ein Verlust, auch negative Einkünfte genannt. 

Verluste sind bei der Veranlagung zur Einkommensteuer bares Geld wert, weil sie das Einkommen und damit auch die Steuer mindern. 

Zunächst das Grundsätzliche zu Verlusten.

♦   Verrechnung der Verluste

Bei der Berechnung des Einkommens gibt es 2 Arten der Verlustverrechnung, den 

  • Verlustausgleich innerhalb des Verlustentstehungsjahres (§ 2 Abs. 3 EStG),
  • Verlustabzug durch Verlustrücktrag oder Verlustvortrag (§ 10d EStG)

Der Verlustausgleich erfolgt bei der Ermittlung der Einkünfte. Dabei werden im Jahr der Verlustentstehung Verluste mit positiven Einkünften aus derselben Einkunftsart oder aus anderen Einkunftsarten -  im selben Veranlagungszeitraum - verrechnet.

Verluste, die nicht ausgeglichen werden konnten, werden automatisch in das Vorjahr zurückgetragen, d. h. sie werden vom Gesamtbetrag der Einkünfte des unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraums vorrangig vor Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und sonstigen Abzugsbeträgen abgezogen (Verlustrücktrag). Der Steuerbescheid des vorangegangenen Jahres wird berichtigt.

Verluste, die weder ausgeglichen noch zurückgetragen werden konnten oder auf Antrag nicht zurückgetragen wurden, werden gesondert festgestellt und als Verlustvortrag in den folgenden Veranlagungszeitraum berücksichtigt (§ 10d Abs. 3 und 4 EStG).

♦   Details zum Verlustausgleich (§ 2 Abs. 3 EStG)

Verlustausgleich ist der Ausgleich von positiven und negativen Einkünften innerhalb eines Jahres. Der Verlustausgleich geschieht automatisch durch Verrechnung der Einkünfte untereinander im Rahmen der Veranlagung, erfährt indessen einige Einschränkungen:

So dürfen Verluste aus Kapitalvermögen nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden. Desgleichen dürfen Verluste aus Aktienverkäufen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen ausgeglichen werden (§ 20 Abs. 6 EStG). Ferner dürfen Verluste aus privaten Spekulationsgeschäften nur mit Gewinnen aus Spekulationsgeschäften ausgeglichen werden (§ 23 Abs. 3 EStG). Der Ausgleich von Verlusten im Ausland wird durch § 2 a EStG eingeschränkt.

♦  Details zum Verlustabzug (§ 10d EStG)

Der Verlustabzug erfolgt durch Verlustrücktrag und Verlustvortrag.

Ein Verlustrücktrag findet automatisch statt. Sind die Verluste eines Kalenderjahres höher als die positiven Einkünfte, wird der verbleibende Verlust automatisch mit positiven Einkünften des Vorjahres verrechnet (§ 10d EStG / Verlustrücktrag). Für die Vorjahr ergeht ein berichtigter Steuerbescheid. Hierfür ist von Ihnen keine Eintragung erforderlich.

Der Steuerpflichtige kann auf Antrag ganz oder teilweise auf den Verlustrücktrag verzichten. 

Tipp: Verluste "schonen"

Der Kniff bei der Schonung der Verluste besteht darin, die verbleibenden Verluste bei Verlustrücktrag nur insoweit einzusetzen, dass Sie im Vorjahr auf Steuer 0.- € kommen. 

Dies mag folgendes Beispiel zeigen:

Höhe der Einkünfte 2021 2022
Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit 50.000 € 50.000 €
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung - 35.000 € - 70.000 €
Summe der Einkünfte 15.000 € - 20.000 €

Der nicht ausgeglichene Verlust 2022 von 20.000 € wird automatisch per Verlustabzug in das Vorjahr 2021 zurückgetragen und mit den Einkünften von 15.000 verrechnet. Es ergeht ein berichtigter Steuerbescheid. 

  • Verzicht auf Verlustrücktrag

Es kommt vor, dass die Verluste durch Verlustrücktrag in das Vorjahr sich dort nicht auswirken. Dann können Sie auf Antrag den Verlustrücktrag verzichten. So bleibt ihm ein höherer Verlustabzug für die kommenden Jahre.

Anlage Sonstiges Papierformular

  • Beschränkung des Verlustrücktrags

Verlustrücktrag lässt sich durch Stellen eines entsprechenden Antrags begrenzen. Verlustbeträge, die nicht im Wege des Verlustrücktrags verrechnet werden, gehen in den festzustellenden Verlustvortrag ein. So bleibt ihm ein höherer Verlustabzug für die kommenden Jahre erhalten.

Hauptvordruck Papierformular

Beispiel: Damit Sie beim Verlustrücktrag im Vorjahr steuerlich auf 0.- € Einkommensteuer kommen, benötigen Sie von den Verlusten im laufenden Jahr in Höhe von 10.000 € nur einen Teilbetrag von 3.000 €.

Auf diese 3.000 € möchten Sie den Verlustrücktrag in das Vorjahr beschränken und stellen formlos einen entsprechenden Antrag, den Sie der Steuererklärung beifügen. Den Antrag ergänzen Sie durch Ankreuzen des Feldes in Zeile 45 des Hauptvordrucks. 

Für den Restbetrag von 7.000 € wird vom Finanzamt ein verbleibender Verlustvortrag für 2023 festgestellt.

  • Verbleibender Verlustvortrag für 2022

Wurde für Sie zum 31.12.2021 ein verbleibender Verlustvortrag für 2021 festgestellt, beantragen Sie dessen Berücksichtigung in Zeile 2 des Hauptvordrucks -, kreuzen Sie in  Zeile 7  der Anlage Sonstiges das entsprechende Auswahlfeld an. Der Verlustvortrag wird dann automatisch vom Finanzamt bei der Veranlagung für 2022 berücksichtigt.

Hauptvordruck Papierformular

Anlage Sonstiges Papierformular