Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

1.0.3 Verluste bei der Einkommensteuer Zeile 2

Hauptvordruck

Verluste sind kein Grund zum Jubeln, denn sie vermindern Ihr Vermögen. Es gibt aber Verluste, die zunächst nur auf dem Papier stehen, wenn die Verluste z. B. aus Abschreibungen resultieren. Solche Verluste führen zu Steuerersparnissen und lassen sich verschmerzen. Verluste sind bei der Steuer somit bares Geld wert, denn sie können die Steuerlast mindern. 

♦   Zusätzlicher Antrag

Im Formularkopf des Hauptvordrucks können Sie bestimmte Anträge stellen, indem Sie das entsprechende Feld ankreuzen.

Wenn Sie in der Steuererklärung einen zusätzlichen Antrag stellen zur Feststellung eines verbleibenden Verlusts, kreuzen Sie das Kästchen Zeile 2 an.

Hauptvordruck Papierformular

  

♦   Verluste bei der Einkommensteuer

Verluste werden bei der Einkommensteuer nach § 2 Abs. 3 EStG durch Verlustausgleich - innerhalb der sieben Einkunftsarten - ausgeglichen oder als fiktive Sonderausgaben nach § 10d EStG berücksichtigt. 

Werden Verluste im laufenden Jahr nicht mit Gewinnen oder Überschüssen ausgeglichen, werden die Verluste automatisch zurückgetragen in eines der beiden Vorjahre und dort verrechnet (§ 10d Abs. 1 EStG).

Gelingt dies nicht, werden die Verluste in den folgenden Jahren berücksichtigt (§ 10d Abs. 2 EStG).

Der am Schluss eines Veranlagungszeitraums verbleibende Verlustvortrag ist gesondert festzustellen. Dies müssen Sie gesondert beantragen (§ 10d Abs. 4 EStG). Die Verluste können aus dem laufenden Jahr oder bei Verlustvortrag aus Vorjahren stammen. Auch die gesondert festgestellten Verluste können in den Folgejahren mit positiven Einkünften ausgeglichen werden.

  • Anlage Sonstiges

Ggf. sind Eintragungen auf der Anlage Sonstiges Zeilen 7 und 8 vorzunehmen.

Ihr Finanzamt hat für Sie zum 31. Dezember 2021 einen verbleibenden Verlustvortrag festgestellt? Dann tragen Sie bitte in Zeile 7 den Wert „1“ ein.

Anlage Sonstiges Papierformular

Erster Schritt

Ergeben sich bei der Einkommensteuerveranlagung 2022 nicht ausgeglichene Verluste, trägt das Finanzamt diese in die Jahre 2021 und 2020 zurück. Hierfür müssen Sie nicht tätig werden.

Zweiter Schritt

Möchten Sie auf den Verlustrücktrag verzichten, tragen Sie bitte in Zeile 8 den Wert „1“ ein. Das Finanzamt stellt dann einen entsprechenden verbleibenden Verlustvortrag fest. Dieser kann in künftigen Jahren berücksichtigt werden.

Anlage Sonstiges Papierformular

 

 

Tipp Ein besonderer Kniff besteht beim Verlustabzug darin, die Verluste in dem Kalenderjahr geltend zu machen, in dem sie sich besonders hoch auswirken, durch Verlustrücktrag in das Vorjahr oder Verlustvortrag in die nächsten Jahre.

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An dieser Stelle möchten wir die Verluste in Beispielen behandeln.

♦  Verlustausgleich und Verlustabzug in Beispielen

Beispiel 1: Verlustausgleich / Verluste aus Vermietung und Verpachtung.

Arbeitnehmer A hat aus der Vermietung einer Eigentumswohnung einen Verlust von 1.000 € zu verzeichnen.

 Anlage V Papierformular

Der Verlust in Höhe von 1.000 € wird mit den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit verrechnet (Verlustausgleich / § 2 Abs. 3 EStG). Dem Arbeitnehmer werden einbehaltene Abzugssteuern erstattet (§ 36 Abs. 2 Nr. 2 EStG).  

Beispiel: 2 Verlustabzug durch Verlustrücktrag / Arbeitslosigkeit

Arbeitnehmer B war das das ganze Jahr über arbeitslos und hat deswegen keine steuerpflichtigen Einnahmen. Durch Fortbildungsseminare, Reisen zu Vorstellungsgesprächen und durch Bewerbungsschreiben sind  Kosten in Höhe von 5.000 € entstanden, die er in der Anlage N als Werbungskosten geltend macht.

Anlage N Papierformular

Das Finanzamt stellt bei der Veranlagung einen Verlust fest. Der Verlust wird automatisch mit seinen Einkünften des Vorjahres verrechnet (Verlustrücktrag). Dazu bedarf es keines Antrags. B erhält vom Finanzamt für das Vorjahr einen berichtigten Steuerbescheid, in dem ein Verlust aus nichtselbständiger Arbeit von 5.000 € berücksichtigt ist.

Beispiel 3: Verlustabzug durch Verlustvortrag / Fortbildungskosten

Jens absolviert nach einer Ausbildung als Bankkaumann ein BWL-Studium (zweiter Ausbildungsgang). Weil es sich um eine Zweitausbildung handelt, sind seine Fahrtkosten zur Uni, Studiengebühren, Bücher, Computer in Höhe von 8.000 € als Fortbildungskosten abzugsfähig. Ohne Einnahmen ergibt sich ein Verlust aus nichtselbständiger Arbeit in derselben Höhe.

Jens gibt eine  Einkommensteuererklärung ab und macht in der Anlage N Fortbildungskosten in Höhe von 8.000 € geltend. Damit das Finanzamt den Verlust nicht mit Einkünften des Vorjahres verrechnet, beantragt er, einen verbleibenden Verlust festzustellen.

Der Verlust soll in voller Höhe festgestellt werden. Deshalb trägt er in Zeile 8 der Anlage Sonstiges eine 1 ein.

Anlage Sonstiges Papierformular

Auf Grund des Eintrages im Feld 802  wird der Verlust von 8.000 € nicht durch Verlustrücktrag angetastet, sondern bleibt für künftige Veranlagung erhalten.

Die Möglichkeit, den Verlustrücktrag auf eine bestimmte Höhe des Verlusts zu begrenzen, besteht nicht mehr.

Den verbleibenden Verlust müssen Sie indessen ausdrücklich bis zum 31. Juli des Folgejahres feststellen lassen (Antrag zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags / § 10d Abs. 4 Satz 1 EStG / Hauptvordruck Zeile 2, Anlage Sonstiges Zeile 7). Andernfalls verfällt der Anspruch auf Verlustabzug.

Erläuterungen

Der verbleibende Verlustvortrag ist auf den Schluss eines jeden Veranlagungszeitraums gesondert festzustellen. Für den Antrag gibt es keinen amtlichen Vordruck, der Antrag wird im Rahmen der entsprechenden ESt-Erklärung gestellt (Hautvordruck Zeile 2).

Aus der Regelung, dass der verbleibende Verlustabzug auf den Schluss eines jeden Veranlagungszeitraum vorzunehmen ist, folgt, dass der Feststellungsbescheid nur für den nächsten Veranlagungszeitraum gültig ist. Ist die Feststellung im nächsten Jahr unterblieben, wird damit unterstellt, dass kein vortragsfähiger Verlust (mehr) vorhanden ist ("negative Feststellungswirkung"). Also muss der Antrag auf Feststellung des Verlusts immer bis zum 31. Juli des Folgejahres gestellt werden.