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1.0.1 Abzugsfähige Vorsorgeaufwendungen

Anlage Vorsorgeaufwand

♦   Was sind Vorsorgeaufwendungen

Einzutragen sind die in § 10 Abs. 1 Nr. 2-3a EStG aufgeführten Vorsorgeaufwendungen. Das sind Beiträge zu

  • Basis-Altersrenten einschließlich gesetzl. Erwerbs- und Berufsunfähigkeit 
  • Kranken- und Pflegeversicherungen,
  • Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit,
  • privaten Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherungen,
  • Unfall- und Haftpflichtversicherungen sowie
  • Risikoversicherungen, die nur für den Todesfall eine Leistung vorsehen. 

♦   Unterschiedliche Höchstbeträge

Wegen ihrer unterschiedlichen Höchstbeträge werden Vorsorgeaufwendungen unterteilt in Beiträge zu Basis-Altersrenten (Zeile 4-10 ) und sonstige Vorsorgeaufwendungen (Zeile 11-50). 

Papierformular

 

♦   Höchstbeträge für Basis-Altersrenten

Ab 2005 werden nur noch Versicherungen zur Altersvorsorge gefördert, wenn deren Leistungen im Alter als Rente zur Verfügung stehen (Basis-Altersrenten). Verträge, die eine Kapitalauszahlung vorsehen, werden seitdem nicht mehr gefördert.

  • Zu den Basis-Altersrenten gehören die Renten der 
  1.  gesetzlichen Rentenversicherung,
  2. berufsständischen Versorgungskassen der Ärzte, Rechtsanwälte u.a.
  3. der landwirtschaftlichen Alterskasse und
  4. die private kapitalgedeckte Rentenversicherung (Rürup-Rente).

Tragen Sie die Beiträge in Zeile 4-10 der Anlage Vorsorgeaufwand ein.

  • Höchstbeträge

Die Beiträge zur Basis-Altersrente sind bis zum Höchstbetrag der Beiträge zur knappschaftlichen Rentenversicherung als Vorsorgeaufwendungen abzugsfähig (§ 10 Abs. 3 EStG).

Der Höchstbetrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung beträgt 103.800 € im Jahr, der Beitragssatz  24.7 % (Werte für 2022).

Für das Jahr 2022 beträgt der Höchstbetrag somit (103.800 € x 24.7 % =) 25.639 €, für Ehepartner doppelter Betrag = 51.278 €. Davon sind 94 % (Wert für 2022) abzugsfähig.

Höchstbeträgen im Beitrag 1.0.1.1.

  • Keine Kapitalversicherungen

Bei Kapitalversicherungen zur Altersvorsorge sieht der Gesetzgeber seine Zielsetzung, für das Alter Vorsorge zu treffen, als gefährdet an, weil diese vielfach nicht der Altersversorgung zugeführt, sondern anderweitig verbraucht werden und die so großzügig Geförderten dann im Alter doch noch der staatlichen Fürsorge anheimfallen könnten.   

♦   Höchstbeträge für sonstige Vorsorgeaufwendungen

Wichtig: Beiträge zur Basis-Krankenversicherung und gesetzlicher Pflegeversicherung sind in voller Höhe abzugsfähig. Dazu unten mehr. 

Andere sonstige Vorsorgeversicherungen werden weniger großzügig - mit geringen Höchstbeträgen - gefördert.

Zu den sonstigen Vorsorgeversicherungen gehören z. B. Beiträge in eine Haftpflichtversicherung, private Unfallversicherung, Wahlleistungen zur Krankenversicherung etc. Tragen Sie die Beiträge  in die Zeilen 11-50 der Anlage Vorsorgeaufwand ein. 

  • Höchstbeträge

Für die sonstigen Vorsorgeaufwendungen ist ein Höchstbetrag von 1.900 € oder 2.800 € vorgesehen (§ 10 Abs. 4 EStG / zusammenveranlagte Ehepartner doppelter Betrag).

Im Normalfall (Standardfall) beträgt der Höchstbetrag 1.900 €. Der Höchstbetrag von 2.800 € wird berücksichtigt, wenn Sie Ihre Beiträge zur Krankenversicherung aus eigenen Mitteln bestritten haben. 

Welcher der beiden Höchstbeträge berücksichtigt wird, wird technisch über die Antworten in Zeile 51-56 gesteuert.

 Wichtig: Der Abzug der sonstigen Vorsorgeaufwendungen ist außerdem davon abhängig, dass die Höchstbeträge nicht bereits durch Beiträge zu Basis-Krankenversicherung und gesetzlichen Pflegeversicherungen ausgeschöpft wurden (§ 10 Abs. 4 Satz 4 EStG).

In den Erläuterungen zum Steuerbescheid lautet die entsprechende Passage: Der Höchstbetrag für sonstige Vorsorgeaufwendungen wurde bereits durch die Berücksichtigung Ihrer Beiträge zu Basiskranken- und gesetzlichen Pflegeversicherungen ausgeschöpft; ein darüber hinausgehender Abzug von sonstigen Vorsorgeaufwendungen ist daher nicht möglich..

 

Mehr zu Höchstbeträgen im Beitrag 1.0.1.2

♦   Basis-Krankenversicherung und Pflegeversicherung 

Soweit Versicherungsbeiträge der Mindestvorsorge dienen, kann sich der Steuerpflichtige den Aufwendungen nicht entziehen. Die Aufwendungen sollen  daher in voller Höhe abzugsfähig sein. Dazu gehören Beiträge zur Basis-Krankenversicherung und Pflegeversicherung (Beiträge, die zur Erlangung eines durch das SGB XII bestimmten sozialhilfegleichen Versorgungsniveaus erforderlich sind).

  • Zusatzleistungen / Wahlleistungen zur Krankenversicherung

Beiträge, die für Zusatzleistungen gezahlt werden, sind nur im Rahmen von Höchstbeträgen abzugsfähig, z. B. Beitragsanteile, die auf Wahlleistungen entfallen oder Beiträge zu einer Reisekrankenversicherung (§ 10 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 Buchst. a EStG). 

Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Wahlleistungen< eintragen.

⇒   Übersicht

    

♦   Musterfall Vorsorgeaufwendungen

Die Eheleute Muster stellen fest, dass die in ihren Lohnsteuerbescheinigungen ausgewiesenen Sozialversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber zutreffend elektronisch an das Finanzamt übermittelt wurden. Eintragungen in die Zeilen 4, 9, 11, 13 und 45 sind deshalb nicht erforderlich.

Die Musters haben sowohl eine Insassen- als auch eine Freizeit-Unfallversicherung abgeschlossen. Für beide Versicherungen haben sie insgesamt 118 € überwiesen. Die Kfz-Haftpflichtversicherung hat 240 € an Beiträgen gekostet. Die Beiträge für die Kasko-Versicherung sind hierin nicht enthalten. Außerdem haben sie 49 € für eine private Haftpflichtversicherung gezahlt. Die Summe dieser Beträge (470 €) kürzen sie um eine von der Kfz-Haftpflichtversicherung erhaltene Beitragsrückerstattung von 18 € und tragen den verbleibenden Betrag von 389 € in Zeile 48 ein.

Ergänzende  Angaben zu Vorsorgeaufwendungen / Zeile 51 entfallen.

Eintragungen

Anlage Vorsorgeaufwand Papierformular

 

  • In welcher Höhe wirken sich die Beiträge der Musters steuerlich aus?

Die Beiträge zur gesetzlichen Basis-Kranken- und Pflegeversicherung sind in voller Höhe abzugsfähig. Eintragungen erübrigen sich, weil eDaten (). 

Der Abzug der sonstigen Vorsorgeversicherungen ist davon abhängig, dass die Höchstbeträge in Höhe von 3.800 € nicht bereits durch Beiträge zu Basis-Krankenversicherung und Pflegeversicherung ausgeschöpft wurden (§ 10 Abs. 4 Satz 4 EStG). In den meisten Fällen wirken sich Beiträge in "Weitere  Vorsorgeversicherungen" nicht aus. Eintragungen können dann unterbleiben.