Helfer in Steuersachen

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Anlage R / Anlage R-bAV/AV

Wichtig

Je nach Rentenart und der steuerlichen Behandlung der Beiträge in der  Aufbauphase wird die daraus folgende Rente in unterschiedlicher Höhe besteuert. Die steuerlichen Regelungen sind sehr komplex.

Wer eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung bezieht, sind die Regelungen indessen recht übersichtlich. 

⇒   Steuerpflichtiger Teil der Rente

Vom Jahresbetrag der Rente ist nur ein Teil steuerpflichtig, der sog. Besteuerungsanteil. Zu dessen Berechnung wird ein Freibetrag abgezogen, der Rentenfreibetrag. Es ergeben sich nach Abzug eines Werbungskosten-Pauschbetrages von 102 € die steuerpflichtigen Renteneinkünfte. Die Renteneinkünfte sind also immer niedriger als der – brutto – Jahresbetrag der Rente.

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♦   Steuererklärung bei Rentenbezügen / Anlage R

Maßgeblich dafür, ob Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen, ist der gesetzliche Grundfreibetrag: Sobald Rentner mit ihren Einkünften darüber liegen, müssen sie eine Steuererklärung abgeben und je nachdem, was sie von den Einkünften abziehen können, müssen sie Steuern zahlen.

Rentner sollten also die Rentenerhöhungen im Auge behalten. Mit der Erhöhung kann der Grundfreibetrag überschritten werden. So rutschen zahlreiche Rentner in die Steuerpflicht.

  • Der Grundfreibetrag beträgt:

Für 2022  = 9.984 € / 19.968 € (jeweils Alleinstehende / Ehepartner).

  • Was können Rentner von den Einkünften abziehen?

Werbungskosten > Anlage R Zeile 37

Kontoführungsgebühren, Steuerberatungskosten, Gewerkschaftsbeiträge, mindestens 102 € Werbungskosten-Pauschbetrag

Krankheitskosten > Anlage Außergewöhnliche Belastungen

Ausgaben für die Gesundheit, soweit sie die zumutbare Eigenbelastung übersteigen, sind abzugsfähig. Dazu gehören beispielsweise Kosten für Medikamente, Kosten für Zahnersatz oder Hilfsmittel wie Prothesen, Kur- oder Krankenhauskosten, Pflegekosten.

Versicherungsbeiträge > Anlage Vorsorgeaufwand

Kranken- und Pflegeversicherung in voller Höhe, Haftpflicht  nur dann, wenn die Beitragszahlungen zur Kranken- und Pflegeversicherung den Pauschbetrag  pro Jahr nicht übersteigen.

Spenden > Anlage Sonderausgaben

Auch Spenden an gemeinnützige Organisationen wie Kirche, Wohlfahrtsverbände oder Parteien. Bis 200 € je Spende genügt eine Spendenquittung, bei höheren Beträgen muss eine Spendenbescheinigung vorliegen.

Haushaltshilfe > Anlage Haushaltsnahe Aufwendungen

Haushaltshilfe für die täglichen Aufgaben wie Kochen, Putzen oder Einkaufen, auch ein Pflegedienst. Die Aufgaben kann auch ein Minijobber erledigen.

♦   Gesetzliche Rente als Anker

In den vergangenen zehn Jahren ist die gesetzliche Rente jährlich im Schnitt im Westen um 2.3 % gestiegen, im Osten sogar um 3.3 %. Kaum eine andere Geldanlage hat eine solche Steigerung zu verzeichnen.

Dies erklärt auch, warum immer mehr Menschen jenseits der 50 durch Extrazahlungen an die Rentenversicherung ihre spätere Rente erhöhen oder Extrazahlungen leisten und so Abschläge bei frühzeitigem Ruhestand vermeiden. Der Grund für die gute Rendite lässt sich leicht ausmachen: Die gesetzliche Rente orientiert sich an der allgemeinen Lohnentwicklung, während andere Geldanlagen den Kapitalzins zugrunde legen, mit dem es momentan schlecht bestellt ist.

  • Rente auch bei Tod in der Ansparphase

Verstirbt der Versicherte nach Rentenbeginn (in der Auszahlungsphase), zahlt der Versicherer die Rente weiterhin an die Hinterbliebenen, allerdings in verminderter Höhe.

Verstirbt der Versicherte vor Rentenbeginn (in der Ansparphase) und sei es auch kurz nach Vertragsabschluss / Eintritt, muss der Versicherer an die Hinterbliebenen Rente zahlen und zwar in der Höhe, als seien bis zur Rente die Prämien voll bezahlt worden. Die Hinterbliebenen erhalten also auch in diesem Fall eine Rente bis an deren Lebensende.

Ansprüche auf Hinterbliebenenrente haben allerdings nur Ehepartner oder Kinder, für die noch ein Anspruch auf Kindergeld besteht (also bis höchstens 25 Jahre).

  • Großzügige Steuervergünstigungen

Hinzu kommt, dass die Beiträge in die Rentenkassen einschließlich Extrazahlungen bis zu 92 % der gesetzlichen Höchstbeträge von 25.787 / 51.574 €  (Werte für 2021) abzugsfähig sind (§ 10 Abs. 3 EStG). Die späteren Renten sind im Gegenzug zwar steuerpflichtig. Rentner profitieren aber davon, dass sie im Rentenalter - wahrscheinlich mit geringeren Einkünften - steuerlich weniger hoch belastet werden. 

Stiefkind Riester

Eine Ausnahme machen Beiträge in die Riester-Rente. Hier ist nur ein Höchstbetrag von 2.100 €, bei Zusammenveranlagung zusätzliche 60 € für den Ehepartner vorgesehen (§ 10a Abs. 1 EStG). Zudem sind Riester-Renten in voller Höhe steuerpflichtig. 

⇒   Keine Angaben bei eDaten 

Die steuerlichen Daten über Art und Höhe der Renten sind dem Finanzamt bereits im Detail bekannt - aufgrund der elektronischen Datenübermittlung der mitteilungspflichtigen Stellen / Rentenkassen (sog. eDaten). Deshalb verzichtet die Finanzverwaltung auch auf die Angabe dieser eDaten in der  Einkommensteuererklärung, ja sogar komplett auf die Anlage R. 

In den Anlagen / Formularen zur Einkommensteuererklärung sind diese Zeilen / Bereiche hervorgehoben und entsprechend mit  gekennzeichnet. Die Anlage muss nicht ausgefüllt und beigefügt werden.

Anlage R Zeile 4 Papierformular

 

Dies bedeutet:

Weil dem Finanzamt alle wichtigen Daten zur Steuererklärung bereits vorliegen, brauchen Rentner nur den Hauptvordruck auszufüllen und absenden. Das ist alles. Den Rest steuert das Finanzamt bei.

Dies gilt aber nur, wenn

  • keine zusätzlichen Einkünfte vorliegen und auch
  • keine als Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen abzugsfähigen Posten und auch
  • keine haushaltsnahen Aufwendungen.

♦   Übrigens: Nicht alle Renten sind steuerpflichtig

Renten sind zwar grundsätzlich einkommensteuerpflichtig. Einige Arten von Renten sind in vollem Umfang steuerfrei. Dazu gehören z. B.

  • Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung (z. B. Berufsgenossenschaftsrenten),
  • Kriegs‑ und Schwerbeschädigtenrenten,
  • Geldrenten, die unmittelbar zur Wiedergutmachung erlittenen nationalsozialistischen oder DDR-Unrechts geleistet werden.

Schadensersatzrenten zum Ausgleich vermehrter Bedürfnisse, für entgangenen Unterhalt und entgangene Dienste sowie Schmerzensgeldrenten gehören nicht zu den Einkünften.

♦   Unterteilung der Renten

Wegen der unterschiedlichen steuerlichen Behandlung werden die Renten in folgende Gruppen unterteilt:

  • Basis-Altersrenten: Inländische Leibrenten aus den gesetzlichen Rentenversicherungen, der landwirtschaftlichen Alterskasse, den berufsständischen Versorgungseinrichtungen. Dazu gehören auch Renten aus eigenen zertifizierten Basis-Rentenverträgen / sog. Rürup-Renten (Zeile 4 bis 12),
  • Sonstige inländische – insbesondere private – Leibrenten (Zeile 13 bis 36),
  • Leistungen aus inländischen Altersvorsorgeverträgen (sog. Riester-Rente) und aus der inländischen betrieblichen Altersversorgung, auch soweit es sich um Leibrenten aus dem umlagefinanzierten Teil von Zusatzversorgungskassen, wie z. B. der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL), handelt (Anlage R-AV / bAV),
  • Renten und andere Leistungen aus ausländischen Versicherungen / ausländischen Rentenverträgen / ausländischen betrieblichen Versorgungseinrichtungen (Anlage R-AUS).

Die Abgabe der Anlage R entfällt, wenn:

  • die Daten elektronisch übermittelt wurden und
  • in den Zeilen 10 bis 12 keine Eintragungen zur Öffnungsklausel vorgenommen werden müssen und
  • die Werbungskosten den Pauschbetrag von 102 € nicht übersteigen

♦   Pensionen / Versorgungsbezüge

Pensionen / Versorgungsbezüge , z. B. Beamten- / Werkspensionen, für die Sie eine Lohnsteuerbescheinigung erhalten haben, tragen Sie bitte auf der Anlage N ein.