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2.2.3 Kinder mit Behinderung Zeile 19

Anlage Kind

Kann sich Ihr volljähriges Kind wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht selbst unterhalten, haben Sie Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge auch dann, wenn Ihr Kind älter als 25 Jahre ist. Maßgebend ist, dass Ihr Kind über keine ausreichenden eigenen Einkünfte und Bezüge oder Vermögen verfügt, mit denen es seinen Unterhalt selbst bestreiten könnte. Weitere Voraussetzung ist, dass die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist (§ 32 Abs. 4 Nr. 3 EStG).

Einkünfte und Bezüge bis zur Höhe des Grundfreibetrages von 9.744 € (Wert für 2021) muss das Finanzamt zulassen. Die Obergrenze erhöht sich um den Behinderten-Pauschbetrag des Kindes.

Dazu ? Suchen anklicken und den Begriff >Behinderten-Pauschbetrag< eintragen.

♦    Kindeseigene Mittel bei Behinderung

Ob das behinderte Kind sich selbst unterhalten  kann, muss anhand einer monatsweise durchzuführenden Vergleichsrechnung ermittelt werden. Hierbei sind zwei Bezugsgrößen gegenüberzustellen, nämlich einerseits der gesamte existenzielle Lebensbedarf des behinderten Kindes in Höhe des Grundfreibetrags nach § 32a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG (9.744 €, Wert für 2021) und die Einnahmen des Kindes zur Abdeckung des behinderungsbedingtes Mehrbedarfs. Dazu gehört nicht der Anspruch der Eltern auf Kindergeld. Kindergeld wird für den Grundbedarf aufgebraucht (BFH - Urteil vom 27. November 2019, III R 28/17).

Hat das behinderte Kind keine eigenen Einkünfte oder Einkünfte bis zur Höhe des Grundfreibetrags plus Behinderten-Pauschbetrag, steht den Eltern der Abzug von Kinderfreibeträgen zu.

♦   Behinderung durch Gen-Defekt erst im Alter

Liegt bei einem Kind ein Gendefekt vor, der vor Erreichen des 25. Lebensjahres zu keiner Behinderung und/oder zu keiner darauf beruhenden Behinderung geführt hat, scheidet ein Anspruch auf Kinderfreibeträge / Kindergeld aus (BFH Urteil vom 27.11.2019 - III R 44/17).

Im Streitfall ist der Kläger Vater einer Tochter, die erst ab ihrem 30 Lebensjahr an einer erblich bedingten Muskelerkrankung leidet. Erste Symptome traten indessen bereits im Alter von 15 Jahren auf, z. B. Probleme beim Laufen und gelegentliche Versteifungen der Handmuskulatur. Die Familienkasse lehnte den Antrag auf Kindergeld für das Kind ab, weil die Behinderung nicht vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten sei.

Der BFH hat das Finanzgericht aufgefordert, im zweiten Rechtsgang zu prüfen, ob der Gendefekt bereits vor Erreichen der Altersgrenze zu Funktionsbeeinträchtigungen bei dem Kind geführt hatte.