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2.2.1 Unterbrechung der Berufsausbildung Zeile 16-20

Anlage Kind

Nur selten wird eine gehobene Ausbildung ohne Unterbrechung durchlaufen. Während einer Unterbrechungszeit in der Ausbildung z. B. zwischen Schulabschluss und Beginn der Lehre oder des Studiums behalten Eltern ihre Ansprüche auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge, wenn die Unterbrechung nicht länger als vier Monate dauert. Dazu müssen Sie folgendes wissen:

  • Ein angefangener Monat zählt voll mit zur Ausbildungszeit. Es reicht völlig aus, wenn Ihr Kind seine Ausbildung in dem auf den vierten Unterbrechnungsmonat folgenden Monat beginnt.

Beispiel:

Schulentlassung des Kindes mit Übergabe des Zeugnisses und der Bekanntgabe der Noten findet am 5. Mai statt. Der Viermonatszeitraum läuft nun von Juni bis September. Spätestens zum 30. Oktober muss Ihr Kind mit einer weiteren Ausbildung begonnen haben.

♦   Mangelnder Studienplatz

Wird die Ausbildung unterbrochen, besteht weiterhin Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge, wenn das Kind auf einen Ausbildungsplatz wartet. Dies lässt sich durch Vorlage von Bewerbungsschreiben oder der Bescheinigung der Agentur für Arbeit belegen.  Ab dem Monat der ersten Bewerbung werden auf Antrag weiterhin Kindergeld gezahlt oder die Kinderfreibeträge gewährt. Die Unterbrechung darf nur nicht mehr als vier Monate betragen.

Erst für die Zeit danach müssen Sie die Bemühungen des Kindes um einen Ausbildungsplatz lückenlos belegen.

Beispiel:

Katrin will nach ihrem Abi am 15. April 2021 in Heidelberg Jura studieren und bewirbt sich am 20. Juli 2021 (Eröffnung des Verfahrens bei der ZVS) um einen Studienplatz. Im September  2021 erhält sie jedoch eine Absage von der ZVS. Katrin möchte sich nun zum Sommersemester 2022 erneut um einen Studienplatz in der Uni Heidelberg bewerben.

Die Eltern von Katrin erhalten weiterhin von Mai bis September 2021 Kindergeld oder Kinderfreibeträge, weil Katrin nach dem Schulabschluss die Ausbildung aufgrund des Vergabeverfahrens der ZVS zunächst nicht fortsetzen konnte. Für den Zeitraum ab Oktober  2021 haben die Eltern aufgrund der Absage der ZVS (mangelnder Ausbildungsplatz) und des weiter bestehenden Ausbildungswunsches Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge.

Anlage Kind

♦  Unterbrechung durch Krankheit

Nicht zur Übergangszeit von vier Monaten rechnet die Zeit der Unterbrechung z. B. durch Krankheit. Für diese Zeit steht weiterhin Kindergeld oder Kinderermäßigung zu. Nach dem Urteil des FG Rheinland-Pfalz 20.02.2018 - 2 K 2487/16 nr erhalten Eltern weiterhin Kindergeld bzw. können Kinderfreibeträge geltend machen, wenn das Kind aus Krankheitsgründen über längere Zeit / zwei Jahre seine begonnene Ausbildung nicht fortsetzen kann.  Entscheidend ist allein, dass das Kind die Absicht hat, die Ausbildung fortzusetzen, sobald dies möglich und damit weiterhin ausbildungswillig ist. Gegen die Entscheidung des FG Rheinland-Pfalz läuft ein Revisionsverfahren beim BFH unter Az. III R 49/18.

Kindergeld oder Freibeträge für Kinder werden auch gezahlt bzw. gewährt für ein über 18 Jahre altes Kind bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, wenn es nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht und bei einer Agentur für Arbeit gemeldet ist (Zeile 18).