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Anlage Kind

Wichtig

Aufwendungen der Eltern für den Unterhalt, die Betreuung, Erziehung oder die Ausbildung eines Kindes werden durch Kindergeld oder Steuerermäßigung  durch Kinderfreibeträge berücksichtigt (§ 31 EStG / Familienleistungsausgleich). Im laufenden Kalenderjahr wird zunächst Kindergeld gezahlt.

Durch die vorrangige Zahlung von Kindergeld werden Kinderfreibeträge bei der Lohnsteuer nicht mehr berücksichtigt. Sie wirken sich auch für die Sozialversicherung nicht aus. Gleichwohl werden Kinderfreibeträge bei der Steuerklasse ausgewiesen. Die Kinderfreibeträge dort gelten aber nur  für den Solidaritätszuschlag und für die Kirchensteuer.

  • Kindergeld oder Kinderfreibeträge

Kindergeld und Kinderfreibeträge stehen in Wechselwirkung zueinander. Eltern erhalten entweder Kindergeld (§ 62 ff EStG) oder die Freibeträge für Kinder bei der Einkommensteuer (§ 32 Abs. 6 EStG).

Zunächst wird im Laufe des Jahres monatlich Kindergeld gezahlt. Das Finanzamt prüft im Rahmen der jährlichen Einkommensteuerveranlagung von Amts wegen bei einer Vergleichsrechnung / Günstigerprüfung, ob für die Eltern die Freibeträge für Kinder oder das ausbezahlte Kindergel d günstiger sind (§ 31 Satz 4 EStG). Diese Prüfung erfolgt automatisch, wenn eine Anlage Kind abgegeben wird. Für jedes Kind ist eine eigene Anlage Kind notwendig.

Höhe der Kinderfreibeträge

Für die Jahre 2021 und 2022 beträgt der Kinderfreibetrag 5.460 € (2.730 € je Elternteil). Darüber hinaus gibt es noch einen Freibetrag für Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf der Kinder in Höhe von 2928 € (1.464 € je Elternteil). Bei der Einkommensteuerveranlagung werden beide Freibeträge als Kinderfreibeträge zusammengezogen.

Sind die Eltern verheiratet und werden zusammen veranlagt, werden die Freibeträge für Kinder in den einzelnen Jahren mit folgender Gesamthöhe berücksichtigt:

                                              2021 und 2022: 8.388 €

Bei getrennter Veranlagung von Ehegatten wird bei jedem Elternteil jeweils der halbe Betrag berücksichtigt.

♦   Die Günstigerprüfung im Finanzamt

Im Laufe des Jahres wird zunächst  Kindergeld gezahlt (§ 31 Satz 3 EStG). Das Finanzamt prüft im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer, was für Sie günstiger ist, das bereits bezogene Kindergeld oder der Abzug von Kinderfreibeträgen.

Sind die Kinderfreibeträge günstiger und werden diese abgezogen, wird der Anspruch auf Kindergeld der Einkommensteuer hinzugerechnet (§ 31 Satz 4 EStG). 

Anlage Kind Papierformular

Ob Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge besteht hängt im Wesentlichen vom sog. Kindschaftsverhältnis zwischen Eltern und Kind und vom Alter des Kindes ab.

♦   Kindschaftsverhältnis

Mit dem Begriff Kindschaftsverhältnis grenzt der Gesetzgeber den Personenkreis ein, der Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge hat (§ 32 Abs. 1 und 2 EStG).

So genügt es für Kindergeld oder Kinderfreibeträge nicht, ein Kind fürsorglich zu betreuen. Es muss zwischen dem Steuerpflichtigen und dem Kind ein sog. Kindschaftsverhältnis bestehen.

Das Gesetz sieht mehrere mögliche Kindschaftsverhältnisse vor:

  • Im  ersten Grad mit dem Steuerpflichtigen verwandte Kinder (leibliche Kinder und angenommene / adoptierte Kinder und 
  • Pflegekinder

Eltern und Kind können nur ein einziges Kindschaftsverhältnis zueinander haben, wobei dabei eine Rangfolge besteht. So schließen Adoption oder Pflege ein leibliches Kindschaftsverhältnis aus. 

Dies bedeutet: Wird ein Kind adoptiert und leben die leiblichen  Eltern noch, ist das Kind vorrangig bei den Adoptiveltern zu berücksichtigen. Ist ein im ersten Grad mit dem Steuerpflichtigen verwandtes Kind zugleich ein Pflegekind, ist es vorrangig als Pflegekind zu berücksichtigen (§ 32 Abs. 1 und 2 EStG).

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♦   Altersgrenzen

Je jünger das Kind ist, desto mehr bedarf es der elterlichen Betreuung. Dem wird durch Kindergeld oder Kinderfreibeträge Rechnung getragen

  • Kinder bis 18 Jahre

Generell werden Kinder bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres berücksichtigt (§ 32 Abs. 3 EStG).

  • Kinder zwischen 18 und 21 Jahre

Kinder, die noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet haben, nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen und in Deutschland als Arbeit suchend gemeldet sind, werden ebenfalls berücksichtigt (§ 32 Abs. 4 Nr. 1 EStG).

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  • Kinder zwischen 18 und 25 Jahre

Volljährige Kinder unter 25 Jahren werden berücksichtigt, wenn sie

  1. für einen Beruf ausgebildet werden (Ausbildung, Studium),
  2. sich in einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten befinden,
  3. eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatzes nicht beginnen oder fortsetzen können,
  4. ein Freiwilliges Soziales Jahr, ein Freiwilliges Ökologisches Jahr, einen Bundesfreiwilligendienst oder einen Internationalen Jugendfreiwilligendienst leisten (§ 32 Abs. 4 Nr. 2 EStG).

Erwerbstätigkeit des Kindes

Nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums wird ein Kind nur berücksichtigt, wenn das Kind keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Eine Erwerbstätigkeit mit bis zu 20 Stunden regelmäßiger wöchentlicher Arbeitszeit, ein Ausbildungsdienstverhältnis oder ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis sind unschädlich (§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG).

  • Behinderte Kinder ohne Altersbegrenzung

Kinder, die wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung außerstande sind, sich selbst zu unterhalten. Voraussetzung ist, dass die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist (§ 32 Abs. 4 Nr. 3 EStG).