Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Tipp 01.1 Das Finanzamt, Dein Freund und Helfer?

Einige Tipps vor

⇒ Den Bearbeiter um Rat fragen

Auch wenn Sie Ihre Steuererklärung elektronisch übermittelt haben, die Steuererklärung muss auf Papier ausgedruckt und per Post dem Finanzamt zugesandt werdend. Nur die Authentifizierung entbindet Sie davon.

Sie können die Erklärung aber auch persönlich im Finanzamt abgeben. Zusätzlich können Sie sich vor Ort weiter informieren, indem Sie den Bearbeiter um Auskunft bitten, wozu er verpflichtet ist (§ 89 Abs. 1 AO):

Er soll die Abgabe von Erklärungen, die Stellung von Anträgen oder die Berichtigung von Erklärungen oder Anträgen anregen, wenn diese offensichtlich nur versehentlich oder aus Unkenntnis unterblieben oder unrichtig abgegeben oder gestellt worden sind und erteilt Auskunft über die dem Steuerzahler zustehenden Rechte und die ihm obliegenden Pflichten.

Nun wollen wir nicht dazu raten, regelmäßig mit der Steuererklärung persönlich im Amt vorzusprechen. Dies wird als lästig empfunden.

⇒   Verbindliche Auskunft

Eine mündliche Auskunft zur aktuellen Steuererklärung steht im Ermessen des Beamten (§ 89 Abs. 1 EStG). Wenn es um Auskunft zu einen zukünftigen noch nicht verwirklichten Sachverhalt geht, müssen Sie einen schriftlichen Antrag stellen, der auch schriftlich beantwortet wird (§ 89 Abs. 2 AO).

Wenn also unklar ist, ob das Finanzamt bei einer geplanten Maßnahme mitspielt, müssen Sie um eine verbindliche Auskunft nachsuchen.

Benötigen Sie eine verbindliche Auskunft, werden Gebühren erhoben, aber nur, wenn bei der Frage mehr als 10.000 € im Spiel sind oder die Bearbeitung mehr als zwei Stunden gedauert hat (§ 89 Abs. 2 bis 5 AO). Gebührenpflichtig sind also nur relativ wertvolle und langwierige schriftliche Auskünfte. Für eine Bagatelle darf Ihnen der Bearbeiter keine Auskunftsgebühr abknöpfen.

Alle Unterlagen auf den Tisch

Allerdings muss der Antragsteller dem Finanzamt alle tatsächlichen Merkmale des noch nicht verwirklichten Sachverhalts mitteilen. Hierzu gehört auch die vollständige Vorlage von Vertragsunterlagen (FG Nürnberg 5.12.2017 – 2 K 844/17).

Der Antragsteller unterhält ein Flugzeug mit US-amerikanischer Zulassung, das er selbst fliegt und vermarktet. Rechtlicher Eigentümer des Flugzeugs ist der US-amerikanische Trust T. Der Antragsteller hatte indessen nicht alle Unterlagen vorgelegt, um diesen Sachverhalt steuerlich beurteilen zu können so dass das Finanzamt zu recht eine verbindliche Auskunft abgelehnt hat.

⇒   Das Wichtigste im Umgang mit dem Finanzamt

1. Finanzierungen offenlegen

Der Bearbeiter ist gehalten, über jede größere Investition / Ausgabe, die in den Steuerakten auftaucht, einen Vermerk zu deren Finanzierung zu fertigen. Der Vermerk beginnt mit: >>Die Finanzierung ist wie folgt belegt / die Finanzierung ist offen<<. Deshalb sollten Sie, um Nachfragen zu vermeiden, in einem Begleitschreiben zur Steuererklärung darlegen, woher die Mittel stammen, mit denen Sie z. B. den Erwerb eines Mietwohnhaus finanziert haben.

2. Steuererklärung muss schlüssig sein

Der Bearbeiter prüft, ob die abgegebene Steuererklärung mit der Vorjahreserklärung im Einklang steht, d. h. ob die neue Erklärung schlüssig ist.

Beispiel: Sie haben einen Ausfall von Mieteinnahmen in Höhe von 6.000 € zu beklagen, die in der Steuererklärung fehlen. Beim Vergleich mit der Vorjahreserklärung muss der Bearbeiter diesen Umstand klären. Wollen Sie Rückfragen vermeiden, vermerken Sie im Begleitschreiben: Mietausfall 6.000 €. Ein gewissenhafter Bearbeiter fertigt indessen darüber einen Vermerk an mit Wiedervorlage bei der nächsten Steuererklärung. Dann wird er prüfen, ob die Mieten eingegangen sind. Wer meint, den späteren Eingang der Mieter nicht angeben zu müssen, wird nicht nur eines Besseren belehrt.

3. Fehler ist nicht gleich Fehler

Kaum eine Steuererklärung ist fehlerfrei. Was die Folgen betrifft, werden die Fehler indessen im Finanzamt unterschiedlich gewichtet.

Fehler bei den Ausgaben: Vielfach setzt der schlichte Steuerzahler oft ganz arglos und meistens mit Erfolg Ausgaben an, die ein Steuerexperte überhaupt nicht als abzugsfähig in Erwägung ziehen würde. Der schlichte Steuerzahler denkt sich dabei: Soll doch das Finanzamt entscheiden, ob es die Ausgabe anerkennt oder nicht.

Wer z. B. beim Kauf eines Computers einen Zusammenhang mit seinen Einkünften sieht, sollte nicht zögern, den Computer als Arbeitsmittel zu betrachten und die Anschaffungskosten als Werbungskosten abzusetzen. Dazu mehr unter Arbeitsmittel.

Fehler bei den Einnahmen: Bei den Einnahmen ist die Lage anders. Geben Sie eine steuerpflichtige Einnahme nicht an, erklären Sie damit dem Finanzamt, diese nicht bezogen zu haben, z. B. eine Vermittlungsprovision. Das kann ins Auge gehen, zumal die Außenprüfer fleißig Kontrollmitteilungen schreiben und Ihr Sachbearbeiter im Finanzamt deshalb von der Einnahme wissen könnte.

⇒   Der Bearbeiter, Dein Freund und Helfer..

Nicht ohne Grund gehören die Finanzämter zu den effizientesten Behörden in Deutschland. Dies hat mehrere Gründe. Ein Grund ist das spezielle Beförderungssystem, das Leistung belohnt. Wer als Bearbeiter sein Soll planmäßig erfüllt - schließlich brandet Jahr für Jahr eine neue Welle von Steuererklärungen in die Amtsstuben - und dabei nichts durchgehen lässt, also auch Mehrergebnisse einfährt, wird gut beurteilt und schnell befördert. 

Lesen Sie dazu im Kapitel 13 Tipps zum Steuerbescheid den Beitrag >>Musterknabe Finanzamt<< Tipp 01

Quelle: § 89 AO