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Tipp 17 Steuersparmodell: Einkünfte verlagern

Allgemeine Steuertipps

Die Einkommensteuer wird nach Ablauf des Kalenderjahres (Veranlagungszeitraum) nach dem Einkommen veranlagt, das Sie in diesem Veranlagungszeitraum bezogen haben ( § 25 Abs. 1 EStG).

Sie erzielen Steuervorteile, indem Sie z. B. den Zufluss der Einkünfte zeitlich verzögern, sie z. B. in das nächste Kalenderjahr verlagern.

Oder Sie verschaffen einem nahen Angehörigen Einkünfte, indem Sie ihm ertragreiches Vermögen  übertragen, also vererben mit >>warmer Hand<<.

⇒   Einem Angehörigen Einkünfte verschaffen

Ein beliebtes Steuersparmodell besteht darin, Einkünfte einem nahen Angehörigen zuzuschanzen, der keine Einkünfte oder nur geringe Einkünfte hat. Da spielt der Fiskus aber nur mit, wenn die Einkunftsquelle, aus der die Einkünfte fließen, vorher übertragen wird, z. B.  im Wege der vorweggenommenen Erbfolge. Der schlichte Verzicht auf Einkünfte zugunsten Dritter wird hingegen steuerlich nicht anerkannt.

Beispiel 1: Übertragung von Kapitalvermögen.

Anleger können Abgeltungssteuer sparen, indem sie z. B. ihren Kindern / Enkelkindern Kapitalvermögen übereignen. Hierdurch wird deren Sparer-Pauschbetrag und deren Grundfreibetrag ausgenutzt.

Auch den Kindern steht der Sparer-Pauschbetrag zu, wenn diese eigene Kapitalerträge haben. Sie als Eltern sparen jährlich 25 % von 801 € = 201 € zuzüglich SolZ, wenn Sie den Kindern Kapitalerträge in dieser Höhe zuschanzen.

Haben die Kinder darüber hinaus kein eigenes Einkommen, können Sie sogar noch deren Grundfreibetrag von 9.000 € (Wert für 2018) jährlich für Kapitalerträge nutzen. Bei einer Rendite von 4 % könnten Sie nach Adam Ries (801 € + 9.000 € = 9.801 € : 4 x 100 =) 245.025 €  Vermögen übertragen, ohne dass bei den Kindern Steuern anfallen.

Die Steuerersparnis wird auf zwei Wegen realisiert:

  1. Die Bank hält bis zur Höhe des Sparer-Freibetrages keine Abgeltungsteuer ein, wenn für das Kind der Bank ein Freistellungsauftrag erteilt wird.
  2. Das Kind gibt eine Einkommensteuererklärung ab mit Anlage KAP und beantragt in der Anlage KAP die Günstigerprüfung. Das Finanzamt prüft, ob die Einkünfte den Grundfreibetrag übersteigen. Wenn nicht, wird die von der Bank einbehaltene Abgeltungsteuer erstattet, soweit sie auf Kapitalerträge bis zur Höhe des Grundfreibetrages entfällt.

Beispiel 2: Übertragung einer Immobilie

Ein ganz legales Steuersparmodell besteht darin, dem Kind vermieteten Grundbesitz zu übertragen, z. B. eine vermietete Wohnung. Die Mieteinkünfte, die daraufhin dem Kind zuzurechnen sind (§ 2 Abs. 1 Satz 1 EStG), bleiben bis zur Höhe des Grundfreibetrages von 9.000 € (Wert für 2018), steuerfrei und mindern gleichzeitig Ihre eigenen Einkünfte. Außerdem ist die Rendite aus dem Objekt brutto gleich netto.

Berechnungsbeispiel: Die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung aus einer für 100.000 € erworbenen Eigentumswohnung betragen 5.000 €. Die Rendite aus dieser Investition - vor Steuern - beträgt somit (5.000 € : 100.000 € x 100 =) 5 %. Beträgt Ihr persönlicher Steuersatz rd. 50 % (45 % plus Nebensteuern), bleiben 2.500 € netto übrig. Damit vermindert sich die Nettorendite nach Steuern auf (2.000 € : 100.000 € x 100 =) 2.5 %. Wenn Sie die Eigentumswohnung indessen auf Ihr Kind überschreiben lassen, bleibt der Familie die volle Rendite von 5 % erhalten.

Wichtige Klausel

Übertragung im Wege der vorweggenommenen Erbfolge

Hierunter ist eine Vermögensübertragung unter Lebenden mit Rücksicht auf die künftige Erbfolge zu verstehen.

Wollen Sie sichergehen, dass das  übertragene Vermögen bei Änderung der Verhältnisse ggfs. nicht  in fremde Hände gelangt, ist wichtig, in den Vertrag folgende Klausel aufzunehmen: Übertragung im Wege der vorweggenommenen Erbfolge. Sollte nämlich die Erbberechtigung nachträglich wegfallen,  z. B. durch Tod des Begünstigten, besteht ein Anspruch auf Rückübertragung.

Beispiel: Übertragung von Vermögen auf ein Kind des Steuerzahlers, das verheiratet ist. Stirbt das Kind vor dem Steuerzahler, kann dieser das Vermögen zurückverlangen.  Das Vermögen gelangt nicht in die Erbmasse des verstorbenen Kindes.

⇒   Verlagerung in ein anderes Kalenderjahr 

Einnahmen sind in dem Kalenderjahr anzusetzen, in dem sie zugeflossen und Ausgaben in dem Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind (§ 11 Abs. 1 EStG / Zu- und Abflussprinzip).

Dem Abflussprinzip entsprechend sind Vorauszahlungen im Jahr der Zahlung absetzbar. Doch Vorsicht: Wird die Vorauszahlung für mehr als fünf Jahre geleistet, gilt dies nicht. Die Entgelte für die Nutzung sind in diesen Fällen gleichmäßig auf den Zeitraum zu verteilen, für den sie geleistet werden (§ 11 Abs. 2 Satz 3 EStG). Derartige Nutzungsentgelte sind z. B. Aufwendungen für Miete, Pacht, Leasingzahlungen, Erbbauzinsen, Nießbrauch, aber auch von Rechten.

Beispiel 1: Mietvorauszahlung leisten

Ein Arbeitnehmer erledigt einen Teil seiner Arbeit in einem Appartement, das er dazu außerhalb seines Arbeitsplatzes und seiner Wohnung angemietet hat. Wenn er eine Mietvorauszahlung für z. B. 36 Monate (drei Jahre) im Voraus leistet, kann er die gesamte Summe sofort in voller Höhe absetzen, weil unter fünf Jahre.

Beispiel 2: Miete vorauszahlen

Ein Freiberufler mietet ein Büro. Der Vermieter verlangt und erhält die Miete für 6 Jahre im Voraus in Höhe von 72.000 € mit einem Abschlag von 12.000 €, also 60.000 €. Der Freiberufler kann die Vorauszahlung nicht sofort im Jahr der Zahlung in voller Höhe absetzen. Absetzbar ist lediglich die Miete für ein Jahr = 10.000 €.

Beispiel 3: Renovierungskosten vorauszahlen

Sie brechen der Steuerprogression die Spitze, indem Sie am Jahresende noch schnell absetzbare Ausgaben tätigen. So könnten Sie z. B. in Ihrem Mietshaus die alte Heizung erneuern oder dafür noch schnell im alten Jahr eine Vorauszahlung leisten.

Beispiel 4: Abfindung in das nächste Jahr verschieben

Ein Arbeitnehmer hat wegen Auflösung seines Arbeitsverhältnisses eine Abfindung zu erwarten. Wenn er im nächsten Jahr mit einem geringeren Einkommen rechnet, wäre es günstig, wenn die Abfindung erst im nächsten Jahr ausgezahlt und versteuert wird. Das lässt sich deichseln. Denn eine Abfindung gehört nicht zum laufenden Arbeitslohn, vielmehr zu den sonstigen Bezügen. Für letztere gilt - entgegen der Regelung zum laufenden Arbeitslohn (§ 38a Abs. 1 EStG) - das Zuflussprinzip.

Dazu hat der BFH seinen Segen gegeben: Arbeitgeber und Arbeitnehmer können den Zeitpunkt des Zuflusses einer Abfindung oder eines Teilbetrags einer solchen beim Arbeitnehmer in der Weise steuerwirksam gestalten, dass sie deren ursprünglich vorgesehene Fälligkeit vor ihrem Eintritt auf einen späteren Zeitpunkt verschieben (BFH vom 11.11.2009 – BStBl 2010 II S. 746).

Quelle: § 11 EStG