Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Tipp 55 Bausparen voll im Trend

Hauptvordruck

Das Bausparen zählt zur privaten Vermögensbildung. Unter Bausparen versteht man das Ansammeln von Kapital auf einem Bausparvertrag, um später von der Bausparkasse ein zinsgünstiges Darlehen zum Erwerb von Wohneigentum zu erhalten.

Wir unterscheiden das VL-Bausparen und das Prämien-Bausparen.

Hier zunächst ein Überblick über die Arten der Altersvorsorge für Arbeitnehmer.

Übersicht Altersvorsorge

Arten der Altersvorsorge Art der Förderung Quelle
1. Gesetzliche Rentenversicherung Abzug als Sonderausgaben § 10 Abs. 1 EStG
2. Betriebliche Altersvorsorge    
Lohn-/ Gehaltsumwandlung Steuerfreier Arbeitslohn § 3 Nr. 63 EStG
Pensionszusage Pensionsrückstellung § 6a EStG
3. Private Altersvorsorge    
Vermögensbildende Leistungen (VL) Arbeitnehmer-Sparzulage 5. VermBG
Prämien-Bausparen Bausparprämie WoPG
Riester-Sparen Altersvorsorgezulage + Steuerermäßigung §§ 79 ff EStG. § 10a EStG

⇒   VL-Bausparen

Das VL-Bausparen umfasst das Sparen durch vermögenswirksame Leistungen. Vermögenswirksame Leistungen (VL) sind Geldleistungen / Sparbeiträge des Arbeitnehmers, die der Arbeitgeber im Auftrag des Arbeitnehmers aus dem Nettolohn für bestimmte begünstigte Anlagen anlegt. Vermögenswirksame Leistungen können in Verträgen mit den Arbeitnehmern selbst, in Betriebsvereinbarungen oder in Tarifverträgen vereinbart werden (§ 10 Fünftes VermBG).

Die Förderung der VL besteht in einer steuer- und sozialabgabenfreie Arbeitnehmer-Sparzulage.

Ein Bausparvertrag kann nicht nur nach dem WoPG, sondern auch als VL-Bausparvertrag nach dem Fünften VermBG abgeschlossen werden. Dann erhält der Bausparer aus dem Staatssäckel keine Bauspar-Prämie, sondern die Arbeitnehmer-Sparzulage. Bausparleistungen (VL-Bausparen) werden mit  9 % gefördert, soweit sie 470 € im Kalenderjahr nicht übersteigen.

Beide Fördermaßnahmen (Prämien-Bausparen und VL-Bausparen) kann der Anleger nebeneinander zeitgleich in Anspruch nehmen.

Ein VL-Bausparvertrag ist nur für diejenigen interessant, die Bauen oder ein Baudarlehen tilgen wollen. Denn die Zulage bleibt nur erhalten, wenn die Mittel für den Wohnungsbau verwendet werden. Wer nicht in absehbarer Zeit eine Immobilie kaufen, sein Haus renovieren oder ein Baudarlehen tilgen möchte, sollte keinen Bausparvertrag abschließen. In diesem Fall ist ein Banksparplan sinnvoller. 

Für Bausparer unter 25 Jahre gilt dies nicht. Sie können sieben Jahre nach Abschluss des Bausparvertrages über das Sparkapital ohne Verwendung zum Wohnungsbau verfügen, wenn sie bei Vertragsabschluss das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten (§ 2 Abs. 2 Satz 2 WobPG  i. V. mit § 2 Abs. 1 Nr. 4 Fünftes VermBG).

⇒   Prämien-Bausparen

Der Steuerzahler kann auch - ggfs. zusätzlich zum VL- Bausparvertrag einen Prämien-Bausparvertrag nach dem Wohnungsbau-Prämiengesetz (WoPG) abschließen. Nach Ablauf des Kalenderjahres beantragt der Prämienberechtigte bei der Bausparkasse für die von ihm geleisteten Bausparbeiträge eine Wohnungsbauprämie.

Die Wohnungsbauprämie  beträgt 8,8 % der Zahlungen, soweit sie 512 / 1.024 € (Alleinstehende / Ehepartner) nicht übersteigen. Die  Wohnungsbauprämie  kann also pro Jahr günstigstenfalls 45,05  bzw. 90,10 € betragen.

Die Wohnungsbauprämie  ist davon abhängig, dass das zu versteuernde Einkommen des Prämienberechtigten die Grenze 25.600 / 51.200 € (Alleinstehende / Ehepaare und Lebenspartner) nicht überschreitet.

Die  Wohnungsbauprämie  muss auf amtlich vorgeschriebenem Vordruck bei der jeweiligen Bausparkasse beantragt werden. Die Antragsfrist beträgt 2 Jahre; sie endet also für die  Wohnungsbauprämie  2018 zum 31.12.2020. Der Prämienantrag ist also nicht an das Finanzamt, sondern unmittelbar an die Bausparkasse zu richten.

Die Bausparkasse zahlt auch in eigener Regie die Prämie aus.  Die Auszahlung der über die Jahre hinweg angesammelten  Wohnungsbauprämien  erfolgt indessen erst, wenn

- die gesetzlich bestimmte Festlegungsfrist von 7 Jahren abgelaufen ist,

- der Bausparvertrag von der Bausparkasse zugeteilt worden ist oder

- wenn der Bausparer über den Bausparvertrag prämienunschädlich verfügt hat,

- wenn bei Verträgen die wohnwirtschaftliche Verwendung feststeht

Verwendung des Bausparguthabens

Bislang konnten Bausparer nach Ablauf einer Sperrfrist von sieben Jahren über das mit einer Prämie begünstigte Bausparguthaben frei verfügen, also z. B. auch zum Erwerb eines neuen PKW. Für Bausparverträge, die nach dem 31.12.2008 abgeschlossen worden sind, gilt dies nicht mehr. Die Bausparprämie wird nur noch gewährt, wenn der Bausparer selbst oder derjenige, an den er den Bausparvertrag abtritt, die Mittel aus dem Vertrag unmittelbar für Wohnungsbauzwecke einsetzt. Andernfalls muss die Bausparprämie zurückgezahlt werden. Als Wohnungsbau gelten auch bauliche Maßnahmen des Mieters zur Modernisierung seiner Wohnung (§ 2 Abs. 2 WoPG).

Unschädliche andere Verwendung wegen Alters

Unschädlich ist jedoch eine Verfügung ohne Verwendung zum Wohnungsbau, die frühestens sieben Jahre nach dem Vertragsabschluss erfolgt, wenn der Bausparer bei Vertragsabschluss das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte (§ 2 Abs. 2 Satz 2 WoPG).

Unschädlich ist auch eine Verfügung ohne Verwendung zum Wohnungsbau, wenn der Bausparer oder sein von ihm nicht dauernd getrennt lebender Ehegatte nach Vertragsabschluss gestorben oder völlig erwerbsunfähig geworden ist oder der Bausparer nach Vertragsabschluss arbeitslos geworden ist und die Arbeitslosigkeit mindestens ein Jahr lang ununterbrochen bestanden hat und im Zeitpunkt der Verfügung noch besteht. p

Tipp am Rande: 

Sie können mit den Bausparmitteln innerhalb oder außerhalb der Sperrfrist auch Einbaumöbel kaufen, weil Einbaumöbel zu den wesentlichen / festen Bestandteilen eines Gebäudes gehören. Die Bausparmittel werden dadurch >>wohnungswirtschaftlich<< verwendet, wie es das Gesetz verlangt (BFH Urteil vom 29.10.1976 - VI R 127/73). 

⇒   Riester-Bausparen

Mit dem sogenannten Wohn-Riester besteht die Möglichkeit, selbst genutzte Häuser und Wohnungen in die staatliche Förderung der Altersvorsorge einzubeziehen.

Bausparkassen und Banken bieten Wohnriester-Verträge an. Dabei können Tilgungsleistungen steuerlich gefördert werden, wenn das zugrunde liegende Darlehen für eine selbst genutzte Wohnimmobilie eingesetzt wurde (§ 92 a EStG).

Bis zum Beginn der Auszahlungsphase kann das geförderte Altersvorsorgevermögen für

  • die Anschaffung und Herstellung von selbst genutztem Wohneigentum (nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind mit zu berücksichtigen),
  • die Tilgung eines Darlehens, welches zur Finanzierung der Anschaffung oder Herstellung einer selbst genutzten Wohnimmobilie aufgenommen wurde, oder
  • den barrierefreien Umbau an einer selbst genutzten Wohnung

verwendet werden, ohne dass die Folgen einer schädlichen Verwendung eintreten.

Ergebnis: Wer Baupläne hat, sollte einen entsprechenden Vertrag abschließen.

Allerdings schöpft der Fiskus einen Teil der finanziellen Vorteile aus Wohnriester-Verträgen ab, wenn der Geförderte das Rentenalter erreicht. Bis dahin addiert das Finanzamt alle geflossenen staatlichen Förderbeträge sowie die Tilgungsleistungen von maximal 2.100 Euro im Jahr auf einem fiktiven Wohngeldkonto und verzinst dieses jedes Jahr mit zwei Prozent. Den Betrag, der so zustande kommt, muss der Geförderte zu Rentenbeginn versteuern.