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Tipp 20 Erträge aus einem Investmentfonds

Anlage KAP, Zeile 7

Die Geschäftsidee wirkt überzeugend: Ein Investmentfonds sammelt Geld und legt es für die Kunden als Sondervermögen an. Die Anteile an diesem Sondervermögen werden an der Börse gehandelt und können jederzeit verkauft werden. Alles gesetzlich verankert im Investmentgesetz (InvG), nicht zu verwechseln mit dem Investmentsteuergesetz (InvStG).

⇒   Sondervermögen ist sicher angelegt

Das Sondervermögen bestehend aus dem Anlagekapital der Fondsanleger, ist – wie der Name sagt – vom Vermögen der Investmentgesellschaft getrennt. Dadurch ist jedes Sondervermögen sowohl von den Wertänderungen der anderen Fonds der Investmentgesellschaft als auch vor dem Zugriff der Investmentgesellschaft selbst oder ihrer Gläubiger (auch im Insolvenzfall) geschützt.

Investmentgesellschaften werden entweder in Form einer AG oder einer GmbH geführt. Deshalb gehören die Ausschüttungen an private Investmentsparer zu den Einkünften aus Kapitalvermögen, auch dann, wenn es sich um einen Immobilienfonds handelt, der bekanntlich vermieteten Grundbesitz verwaltet.

⇒   Steuerliche Behandlung

Die Regelungen zur Abgeltungsteuer sind auf Erträge aus Investmentfonds uneingeschränkt anzuwenden. Die Erträge werden pauschal mit 25 % besteuert. Ein solcher Steuerabzug hat also abgeltende Wirkung (§ 1 Investmentsteuergesetz / InvStG). Wenn Sie eine Anlage KAP abgeben, entnehmen Sie alle Angaben aus der Steuerbescheinigung der depotführenden Bank und tragen die Erträge in > Zeile 7 der Anlage KAP ein, auch die Erträge aus einem Investmentfonds

Anmerkung: Bewahren Sie alle Unterlagen zu Ihren Investmentfonds gut auf. So haben sie die entsprechenden Unterlagen zur Hand, wenn das Finanzamt auch noch für den Verkaufsgewinn Steuern verlangt.

→ Erträge ausschütten oder thesaurieren

Es gibt Fonds, die laufend Erträge an die Anleger ausschütten und solche, die sie im Fondsvermögen behalten. Letztere nennen sich thesaurierende Fonds, die Erträge dementsprechend als thesaurierte Erträge. Thesaurierende Fonds haben den Vorteil, dass Sie sich als Anleger nicht um die Wiederanlage der Erträge kümmern müssen.

Abgeltungsteuer auf Inländische thesaurierte Erträge

Die inländische depotführende Bank kann für thesaurierte Erträge keine Kapitalertragsteuer einbehalten, weil keine Zahlung erfolgt. Deshalb hat der Gesetzgeber inländische thesaurierende Fonds verpflichtet, selbst die Abgeltungsteuer auf diese - ausschüttungsgleichen Erträge i. S. des § 2 Investmentsteuergesetz - einzubehalten und dem Anleger eine entsprechende Steuerbescheinigung auszustellen. Die Erträge sind in > Zeile 7 der Anlage KAP anzugeben.

Wenn der Anleger Anteile an einem thesaurierenden Fonds mit Gewinn verkauft, werden die laufenden und bereits versteuerten Erträge mit einem Schlag aufgedeckt. In diesem Fall darf die inländische Depotbank auf den Verkaufsgewinn keine Abgeltungsteuer erheben, weil die Erträge bereits abgeltend versteuert sind. Dementsprechend braucht der Verkaufsgewinn auch nicht in der Steuererklärung angegeben zu werden (§ 8 InvStG).

Bei ausländischen thesaurierenden Fonds ist das anders.

Ausländische thesaurierende Fonds

Haben Sie Anteile an einem ausländischen Fonds (zu erkennen an dem Kürzel ISIN zu Beginn der Wertpapiernummer: Nicht DE, sondern z. B. LU, FR, GB oder US / § 5 InvStG), wird es kompliziert, weil ausländische Fonds keine Abgeltungsteuer an den deutschen Fiskus abführen. Deshalb müssen deutsche Anleger selbst die Erträge aus dem ausländischen Fonds in ihrer Steuererklärung angeben, zu entnehmen aus der Bescheinigung der depotführenden Bank. Die Erträge sind in > Zeile 17 der Anlage KAP zu erklären, auch wenn diese in einem inländischen Depot verwahrt werden. Alle Veräußerungstatbestände tragen Sie zusätzlich in die > Zeilen 18 bis 21 ein.

Soweit so gut, doch beim Verkauf der Anteile heißt es aufgepasst. Dann werden die thesaurierten und bereits versteuerten Erträge in Form von Zinsen oder Dividenden mit einem Schlag als Verkaufsgewinn aufgedeckt. Wird das Depot bei einer deutschen Bank geführt, zieht diese vom Verkaufsgewinn Abgeltungsteuer ab. In diesem Falle tritt eine doppelte Besteuerung der Erträge ein, einmal während der Laufzeit und einmal am Ende beim Verkauf. Damit es nicht bei der doppelten Besteuerung bleibt, muss der Anleger sich zu viel gezahlte Steuer über die Abgabe einer Steuererklärung zurückholen. Hier muss der Anleger aber nachweisen, dass er die laufenden Erträge bereits versteuert. Nur dann bekommt er die Abgeltungsteuer auf den Verkaufsgewinn erstattet. Der Nachweis kann nur dadurch erbracht werden, dass der Anleger alle Steuerbescheide und Bescheinigungen der Vorjahre beifügt.

Wichtig

Bewahren Sie alle Unterlagen zu Ihren Investmentfonds gut auf. So sind Sie gewappnet, wenn das Finanzamt für den Verkaufsgewinn zu hohe Steuern verlangt.

→ Neue Fondssteuer ab 2018

Die Besteuerung von Kapitalerträgen aus Investmentzertifikaten ist im Investmentsteuergesetz (InvStG) geregelt. Die neueste Änderung datiert vom 19.7.2016 und gilt ab 1.1.2018.

Das InvStG unterscheidet künftig zwischen drei voneinander unabhängigen Besteuerungssystemen:

1. Publikumsfonds; 2. Spezialinvestmentfonds mit bis zu 100 Anlegern; 3. Investment-KGs mit Gesellschaften als Anleger.

Publikumsfonds

Für Privatpersonen sind interessant die Regelungen zu Publikumsfonds. Bislang war die Gesellschaft steuerfrei, nun fällt eine Körperschaftsteuer von 15 % und Gewerbesteuer an. Die Besteuerung der Fonds-Gesellschaft und die der Anleger sind voneinander getrennt. Die Ausschüttungen an die Anleger sind teilweise steuerfrei (§ 20 InvStG).

1. Steuerpflicht der Fondsgesellschaften

Ab 2018 unterliegen inländische und ausländische Investmentfonds mit bestimmten inländischen Einkünften einer 15 %-gen Körperschaftsteuer. Bisher waren inländische Fondsgesellschaften in Deutschland steuerbefreit. Ausländische Fondsgesellschaften erhielten ihre Steuerbefreiung i.d.Regel im Sitzstaat.

2. Steuerpflicht der Anleger

a) Ausschüttung

Der Anleger versteuert die ihm zugeflossene Ausschüttung mit dem Bruttobetrag.

b) Vorabpauschale (§ 18 InvStG 2018)

Mit der Vorabpauschale wird die risikolose Marktverzinsung versteuert. Grundlage hierfür ist der Basiszinssatz der Bundesbank. Die anzusetzende Vorabpauschale beträgt 70 % des Basiszinssatzes, bezogen auf den ersten öffentlichen Rücknahmepreis des Kalenderjahres. Die Vorabpauschale ist auf den Wertzuwachs des Fondsanteils des Kalenderjahres begrenzt. Die tatsächlichen Ausschüttungen mindern die Vorabpauschale. Sie gilt zum ersten Werktag das Folgejahres als zugeflossen.

c) Veräußerungsgewinn (§ 19 InvStG 2018)

Der Veräußerungsgewinn ist um evtl. angesetzte Vorabpauschalen zu mindern.

3. Steuerbefreiungen der Anleger (§ 20 InvStG 2018)

Aufgrund der Vorbelastung mit Steuern auf der Ebene der Fondsgesellschaften mit 15 % werden die Einkünfte des Fondsanlegers teilweise steuerbefreit. Die Höhe der Steuerbefreiung hängt vom >>Fondstyp<< ab, wobei es hier auf die Anlageregelungen des Fonds ankommt.

Steuerbefreiungen der Privatanleger  
Aktienfonds mit einer Aktienquote von mehr als 51 % 30 %
Mischfonds mit einer Aktienquote zwischen 25 und 51 % 15 %
Immobilienfonds mit einer Immobilienquote von mehr als 51 % 60 %
Immobilienfonds mit Auslandsimmobilien von mehr als 51 % 80 %
Übrige Fonds 0 %

Quelle: § 32d EStG