Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Tipp 35 Einnahmen aus Leistungen

 Anlage SO / Zeile 8

Erstaunlich, was alles steuerpflichtig sein kann.

⇒   Die wichtigsten Leistungen

Steuerpflichtig sind Einkünfte aus gelegentlichen Vermittlungen z. B. von Versicherungs- oder Bausparverträgen, Vermietung beweglicher Gegenstände, z. B. von Fahrzeugen, aber auch um Bestechungsgelder, Schmiergelder und Mitnahmegebühr für die Fahrt zur Arbeit (§ 22 Nr. 3 EStG).

Wer sich für körperliche Liebe entlohnen lässt, hat gewerbliche Einkünfte (§ 15 EStG / Anlage G).

Mitnahmegebühr

Haben Sie von einem Arbeitskollegen ein Entgelt dafür erhalten, dass Sie ihn zur Arbeitsstätte mitnehmen, ist das Entgelt zu versteuern, abzüglich von Werbungskosten in Höhe von 0.02 € pro mitgenommenen Kollegen und gefahrenen km.

Unabhängig davon steht Ihnen die Entfernungspauschale in voller Höhe zu.

Verluste aus Leistungen

Verluste aus sonstigen Leistungen können zunächst bei der Veranlagung nur mit Gewinnen aus solchen Leistungen ausgeglichen (verrechnet) werden. Verbleibt ein Verlustüberhang, so kann dieser ein Jahr zurückgetragen oder auf die folgenden Veranlagungszeiträume vorgetragen und dort mit Gewinnen aus sonstigen  Leistungen verrechnet werden (§ 10d Abs. 1 EStG). Eine Verrechnung des Verlustes mit anderen  Einkünften ist nicht möglich (§ 23 Abs. 3 Satz 7 EStG).

⇒   Freigrenze (Bagatellgrenze) 256 €

Immerhin will sich der Fiskus mit Kleinbeträgen nicht unnötig aufhalten. Einkünfte aus Leistungen sind nicht steuerpflichtig, wenn sie weniger als 256 € betragen haben. Betragen die Einkünfte mehr als 256 €, ist der Gesamtbetrag in voller Höhe steuerpflichtig. Der Betrag von 256 € scheint spitz kalkuliert. Dem ist aber nicht so. In DM-Zeiten betrug die Freigrenze 500 Mark, durch Umrechnung in Euro mit einem Kurs von 1,95583 kommt dieser krumme Betrag zustande.

Haben beide zusammenveranlagten Ehegatten Einkünfte i. S. d. § 22 Nr. 3 EStG bezogen, ist bei jedem Ehegatten die Freigrenze zu berücksichtigen.

⇒   Einzelfälle

Wenn es nach dem Fiskus ginge, würde für jedwede Leistung, die Geld bringt, auch der Steuersäckel klingeln. Dem ist aber nicht so. In zahlreichen Urteilen hat der BFH hier den Fiskus in die Schranken gewiesen.

Gleichwohl ist immerhin noch steuerpflichtig:

  1. Provision für die Vermittlung eines Kaufgeschäfts oder eines Vertrages, z. B. eines Mietvertrages;
  2. Provision für einen >>werthaltigen Tipp<< auf die Möglichkeit einer Rechtsposition (BFH Urteil vom 26.10.2004 - IX R 53/02). Dem Steuerzahler kam die Idee, sich für die Weitergabe eines werthaltigen Tipps eine Belohnung zusichern zu lassen. Die Werthaltigkeit des Tipps bestand darin, dass die örtliche Kommune (Stadt Berlin) auf eine zuvor geplante städtebauliche Maßnahme verzichtet.
  3. Entgelt für die regelmäßige Mitnahme eines Arbeitskollegen auf der Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (Fahrgemeinschaft / BFH-Urt. v. 15. 3.1994 – BStBl 1994 II S. 516);
  4. Bürgschaftsprovisionen (BFH v. 22. 1. 1965 – BStBl III S. 313);
  5. Entgelt für die Beschränkung einer Grundstücksnutzung (BFH v. 9. 4. 1965 – BStBl III S. 361);
  6. Entgelt für die Einräumung eines Vorkaufsrechts (BFH-Urt. v. 10. 12.1985 – BStBl 1986 II S. 340);
  7. Entgelt für den Verzicht auf Einhaltung des gesetzlich vorgeschriebenen Grenzabstands eines auf dem Nachbargrundstück errichteten Gebäudes (BFH-Urt. v. 5. 8. 1976 – BStBl 1977 II S. 26);
  8. Entgelt für ein vereinbartes Wettbewerbsverbot (BFH-Urt. v. 12. 6. 1996 – BStBl 1996 II S. 516);
  9. Entgelt an einen benachbarten Wohnungseigentümer für die Duldung eines Spielsalons (BFH-Urt. v. 21. 11. 1997 – BStBl 1998 II S. 133);
  10. Entgelt für die zeitweise Vermietung eines Wohnmobils / Motorboots (BFH v. 12. 11. 1997 – BStBl 1998 II S. 774), sofern die Vermietung nicht gewerblich ausgeübt wird;
  11. Schmier- und Bestechungsgelder, die ein Arbeitnehmer von Dritten erhalten hat (BFH-Urt. v. 26. 1. 2000 – BStBl 2000 II S. 396);
  12. Preisgelder für die Teilnahme als Kandidat in einer Fernsehshow (BFH Urt. vom 28.11.2007 - IX R 39/06);
  13. Einnahmen aufgrund einer Vereinbarung, einen Dritten im Rahmen einer Zwangsversteigerung nicht zu überbieten (BFH – Urt. vom 18.03.2004 - IX B 129/03).Quelle: § 22 Nr. 3 EStG