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Tipp 10.1 Kindergeld oder Kinderfreibeträge

Anlage Kind

Der Staat unterstützt Eltern finanziell im Rahmen des Familienleistungsausgleichs durch Kindergeld oder Freibeträge bei der Steuer (§ 31 EStG).

   Der Familienleistungsausgleich

Eltern erhalten entweder Kindergeld (§§ 62 bis 78 EStG) oder den Abzug von Kinderfreibeträgen bei der Steuer (§ 32 Abs. 6 EStG). Was günstiger ist, stellt das Finanzamt bei der Veranlagung zur Einkommensteuer fest (§ 31 EStG / Familienleistungsausgleich).

Übersicht

Kinderfreibeträge / Kindergeld 2017 2018
Kinder- + Betreuungsfreibetrag 7.356 € 7.428 €
Kindergeld: 1. bis 2. Kind  192 €  194 €
                   3. Kind   198 €  200 €
                   Ab 4. Kind  223 €  225 €

Das Konzept des Familienleistungsaustauschs besteht somit in einer Kombination von Kindergeld (§§ 62 bis 78 EStG) und dem Abzug von Kinderfreibeträgen, bestehend aus dem eigentlichen Kinderfreibetrag und dem Betreuungsfreibetrag (§ 32 Abs. 6 EStG).

Im Laufe des Jahres wird zunächst für Kinder von der Familienkasse Kindergeld gezahlt. Erst bei der Veranlagung prüft das Finanzamt anhand der Angaben der Eltern in der Anlage Kind, was günstiger ist, das bereits bezogene Kindergeld oder den Abzug der Kinderfreibeträge bei der Steuer.

   Was man wissen sollte

Ein Kind kann steuerlich nur berücksichtigt werden, wenn ein Kindschaftsverhältnis zwischen dem Steuerzahler und dem Kind besteht und bestimmte altersbezogene Voraussetzungen erfüllt sind (§ 32 Abs. 1 bis 5 EStG).

Sind die Eltern miteinander verheiratet und wählen sie die Zusammenveranlagung, werden die Kinderfreibeträge im Rahmen der Zusammenveranlagung in voller Höhe berücksichtigt.

Sind die Eltern eines Kindes nicht verheiratet oder wählen sie die Einzelveranlagung, erhält jeder Elternteil bei seiner Steuerveranlagung die Kinderfreibeträge nur zur Hälfte.

Kinderfreibeträge stehen auch zu, wenn das Kind im Ausland lebt. Lebt das Kinder im Inland, wird dies durch die (deutsche) Identifikationsnummer des Kindes nachgewiesen. Bei Auslandskindern ist ein anderer eindeutiger geeigneter Identitätsnachweis (z. B. ausländische persönliche Identifikationsnummer, Geburtsurkunde, amtlicher Ausweis) erforderlich.

Kindschaftsverhältnis

Steuerzahler erhalten nicht für jedes Kind, das sie fürsorglich betreuen, Kindergeld oder Kinderfreibeträge, vielmehr müssen sie zu dem Kind in einem sog. Kindschaftsverhältnis stehen. Mit dem Begriff >>Kindschaftsverhältnis<< grenzt der Steuergesetzgeber den Personenkreis ein, die eine Steuervergünstigung für Kinder erhalten sollen (§ 32 Abs. 1 und 2 EStG).

Anspruch auf Kinderfreibeträge besteht nur, wenn der Steuerpflichtige oder sein Ehepartner zu einem Kind in einem der möglichen Kindschaftsverhältnisse steht. Die steuerlichen Kindschaftsverhältnisse für Antragsteller sind in Zeile 10 der Anlage Kind aufgelistet.

Kinder sind: Im ersten Grad mit dem Steuerpflichtigen verwandte Kinder (leibliche und angenommene Kinder) und Pflegekinder. Gegenüber den leiblichen Eltern ist ein angenommenes Kind vorrangig zu berücksichtigen, desgleichen ein Pflegekind gegenüber den leiblichen und Adoptiveltern.

Ein Kindschaftsverhältnis kann aber auch noch zu einer anderen Person bestehen. Dann muss sich der Steuerpflichtige oder sein Ehepartner die Steuerermäßigung mit der anderen Person teilen. Dazu werden Fragen in den Zeilen 11 bis 14 der Anlage Kind gestellt.

Die Problematik der Kindschaftsverhältnisse wird in den Tipps weiter unten behandelt (Patchwork-Familie, Pflegekind).

Berufsausbildung des Kindes

Anspruch auf Kinderfreibeträge besteht für Kinder bis 18 Jahre ohne jegliche Voraussetzungen. Für Kinder zwischen 18 und 25 Jahre besteht indessen nur Anspruch auf Kinderermäßigung, wenn sich das Kind in Ausbildung befindet.

Was gilt, wenn die Berufsausbildung unterbrochen wird oder bei Übergangszeiten zwischen zwei Ausbildungen oder wenn das Kind auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz warten muss? Dann besteht Regelungsbedarf (§ 32 Abs. 4 Nr. 2 EStG). Dazu werden Fragen in den Zeilen 15 bis 22 der Anlage Kind gestellt.

Zur Berufsausbildung mehr in einem besonderen Beitrag.

    Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge

Die Vorgaben für Kindergeld und Kinderfreibeträge sind nahezu gleich.

- Voraussetzungen für Kinderfreibeträge

Anspruch auf Kinderfreibeträge (Kinderfreibetrag plus Betreuungsfreibetrag) haben nur Eltern, die unbeschränkt steuerpflichtig sind, also im Inland einen Wohnsitz haben (§ 50 Abs. 1 EStG). Unerheblich ist hingegen, ob das Kind unbeschränkt steuerpflichtig ist. Lebt das Kind im Ausland, können Kinderfreibeträge indessen nur abgezogen werden, soweit sie nach den Verhältnissen seines Wohnsitzstaates notwendig und angemessen sind (§ 32 Abs. 6 Satz 4 EStG). Dazu werden  die Kinderfreibeträge je nach Ländergruppe auf 3/4, 1/2 oder 1/4 gekürzt.

- Voraussetzungen für Kindergeld

Auch für den Anspruch auf Kindergeld müssen die Eltern unbeschränkt steuerpflichtig sein (§ 62 Abs. 1 EStG). Für Kindergeld ist hingegen erforderlich, dass auch das Kind wie seine Eltern einen Wohnsitz im Inland haben (§ 63 Abs. 1 Nr. 6 EStG).

- Verfahren

Im Laufe des Jahres wird zunächst von der Familienkasse Kindergeld gezahlt. Erst bei der Veranlagung prüft das Finanzamt, was günstiger ist, das bereits bezogene Kindergeld oder der Abzug von Kinderfreibeträgen. Die Kinderfreibeträge werden also erst bei der Veranlagung berücksichtigt. Füllen Sie bitte für jedes Kind eine Anlage Kind aus, wenn Sie entsprechende Angaben bereits gegenüber der Familienkasse gemacht haben. 

Werden bei der Veranlagung Kinderfreibeträge abgezogen, weil günstiger, wird der Anspruch auf Kindergeld der Einkommensteuer wieder hinzugerechnet. Auf diese Weise wird eine doppelte Vergünstigung vermieden. Der Anspruch auf Kinderfreibeträge wirkt sich also auf die Einkommensteuer nur insoweit aus, als die Steuerersparnis größer ist als das Kindergeld. 

Dies bedeutet: Der Familienleistungsausgleich fällt - den Einkommensverhältnissen der Eltern entsprechend - unterschiedlich hoch aus.

- Verteilung der Steuerfreibeträge auf die Eltern

Miteinander verheiratete Eltern, die einzeln veranlagt werden, erhalten die Steuerfreibeträge jeweils zur Hälfte, also pro Kind (7.428 € : 2 =) 3.714 € jährlich (Wert für 2018). Dasselbe gilt für nicht verheiratete Eltern. Unter bestimmten Umständen kann der halbe Steuerfreibetrag von einem auf den anderen Elternteil übertragen werden.

Nur bei zusammen veranlagten Eltern werden die vollen Steuerfreibeträge angesetzt, wenn das Kind zu beiden Eltern in einem Kindschaftsverhältnis steht. Ist ein Elternteil verstorben, erhält der andere Elternteil ebenfalls die vollen Steuerfreibeträge. Entsprechendes gilt, wenn der andere Elternteil im Ausland lebt und deswegen nicht unbeschränkt steuerpflichtig ist.

Wohingegen das Kindergeld nicht geteilt ausgezahlt wird. Es steht demjenigen Elternteil zu, in dessen Haushalt das Kind lebt.

Quelle: §§ 31 und 32 EStG